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Grundlagen

Mythen-Check: was in der Vorsorge nicht stimmt

Konserven halten ewig, Buchen sollst du suchen, Jodsalz schützt: elf verbreitete Irrtümer der Vorsorge – mit Urteil und belegter Richtigstellung.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026

Rund um Krisenvorsorge kursieren Faustregeln, die gut klingen und trotzdem nicht stimmen. Manche sind harmlos, andere führen im Ernstfall in die falsche Richtung. Dieser Check nimmt elf verbreitete Annahmen und sagt jeweils, ob sie nicht oder nur teilweise stimmen – und was die zuständigen Stellen tatsächlich schreiben. Wer einem dieser Sätze bisher geglaubt hat, ist in guter Gesellschaft: Es geht ums Richtigstellen, nicht ums Besserwissen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Konserven halten oft Jahre über das MHD hinaus – aufgeblähte oder stark beschädigte Dosen gehören aber in den Müll.
  • Heizungen laufen ohne Strom nicht, auch mit Gasanschluss; einen Gasherd kannst du dagegen oft weiter nutzen.
  • Blitze schlagen in alle Baumarten gleich ein; bei Hochwasser ist der Keller tabu, nicht der sicherste Ort.
  • Jodsalz schützt nicht vor radioaktivem Jod, und ohne SIM-Karte baut ein Handy in Deutschland keinen Notruf auf.
  • Vorsorge heißt Vorrat, Wasser, Radio, Hausapotheke und Dokumente – keine Waffen und kein Bunker.

Wie dieser Check urteilt

Jeder Mythos bekommt ein kurzes Urteil. „Stimmt nicht“ heißt: Die Aussage führt in die falsche Richtung. „Stimmt teilweise“ heißt: Es steckt etwas Wahres darin, aber die Verkürzung kann dir schaden. Danach folgt, was Behörden, Verbraucherzentralen, Fachverbände oder das Gesetz tatsächlich sagen. Die Quellen stehen unten im Artikel.

Die meisten dieser Irrtümer sind nicht dumm, sondern alt oder plausibel: ein Sprichwort, das schon die Großeltern kannten, oder eine Annahme, die im Alltag nie auf die Probe gestellt wird. Genau deshalb lohnt sich ein ruhiger Blick, bevor es darauf ankommt.

Die elf Mythen auf einen Blick
MythosUrteil
Konserven halten ewig.stimmt teilweise
Vorsorge lohnt nur, wenn man gleich für Wochen einkauft.stimmt nicht
Im Stromausfall ist sofort das Leitungswasser weg.stimmt teilweise
Die Gasheizung läuft auch ohne Strom.stimmt nicht
Kerzen sind die beste Notbeleuchtung.stimmt teilweise
Ohne eigenen Generator bist du aufgeschmissen.stimmt nicht
Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.stimmt nicht
Im Keller bist du immer am sichersten.stimmt teilweise
Jodsalz schützt bei einem Atomunfall.stimmt nicht
Ein Handy ohne SIM-Karte kommt immer zur 112 durch.stimmt nicht
Vorsorge heißt Bunker und Waffen.stimmt nicht

Vorrat: Konserven und die Frage nach der Menge

„Konserven halten ewig.“ Stimmt teilweise. Die Verbraucherzentralen schreiben, dass unbeschädigte, ungeöffnete Konserven oft noch Jahre nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gegessen werden können. Das Datum ist also kein Wegwerfdatum. Ewig heißt das trotzdem nicht: Stark ausgebeulte oder aufgeblähte Dosen sind laut Verbraucherzentrale verdorben und gehören sofort entsorgt, weil sich gesundheitsschädliche Keime vermehrt haben können.

Auch Dosen mit starkem Knick oder tiefen Dellen solltest du nicht mehr essen, weil Stoffe aus der Dose ins Lebensmittel übergegangen sein können. Riecht, schmeckt oder sieht der Inhalt nach dem Öffnen anders aus als gewohnt, gehört er ebenfalls in den Müll. Lagere Konserven trocken, damit keine Korrosion entsteht. Wie du den Vorrat so drehst, dass nichts vergessen wird, steht im Artikel „Vorrat rotieren“.

„Vorsorge lohnt nur, wenn man gleich für Wochen einkauft.“ Stimmt nicht. Das BBK empfiehlt, sich für möglichst 10 Tage selbst versorgen zu können, schreibt aber ausdrücklich, dass auch ein Vorrat für zumindest 3 Tage schon sehr hilft und du darauf schrittweise aufbauen kannst. Die Verbraucherzentralen halten umfangreiche Vorräte für private Haushalte in der Regel nicht für notwendig. Dass bei einem langen Stromausfall weit und breit keine Geschäfte, Geldautomaten oder Apotheken mehr erreichbar sind, halten sie für sehr unwahrscheinlich – ein solcher Fall sei bisher nicht aufgetreten.

Stromausfall zu Hause: Wasser und Heizung

„Im Stromausfall ist sofort das Leitungswasser weg.“ Stimmt teilweise. Die Verbraucherzentralen schreiben, dass die Wasserversorgung bei einem Stromausfall in der Regel erhalten bleibt, allerdings ohne Warmwasser; bei längeren Ausfällen könne es auch hier Einschränkungen geben. Das BBK führt in seinem Ratgeber das Ausbleiben des Leitungswassers ausdrücklich unter den möglichen Folgen eines Stromausfalls auf.

Beides passt zusammen: Meist läuft das Wasser noch, verlassen kannst du dich darauf aber nicht. Deshalb bleibt der Wasservorrat sinnvoll. Das BBK nennt 2 Liter pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen. Der Vorrat hilft auch dann, wenn das Leitungswasser verschmutzt ist.

„Die Gasheizung läuft auch ohne Strom.“ Stimmt nicht. Die Verbraucherzentralen formulieren es knapp: Heizungen funktionieren ohne Strom nicht. Das gilt auch, wenn im Keller noch Gas in der Leitung ist. Warum das so ist und wie es bei Öl, Pellets, Fernwärme oder Wärmepumpe aussieht, erklärt der Artikel „Welche Heizung läuft bei Stromausfall?“.

Anders beim Kochen: Einen Gasherd kannst du laut BBK bei Stromausfall oft weiter nutzen. Zum Heizen ist er aber nicht gedacht. Das BBK warnt vor offenem Feuer in Innenräumen, weil bei zu wenig Sauerstoff Kohlenmonoxid entstehen kann, und rät, drinnen nur Geräte zu verwenden, die für Innenräume zugelassen sind. Gegen die Kälte helfen warme Kleidung, Decken und Schlafsäcke – dazu regelmäßiges Stoßlüften.

Licht und Strom: Kerzen und Generator

„Kerzen sind die beste Notbeleuchtung.“ Stimmt teilweise. Kerzen stehen in den Listen von BBK und Verbraucherzentralen, aber neben der Taschenlampe, nicht an ihrer Stelle. Die Verbraucherzentralen nennen zuerst Taschenlampen, idealerweise mit LED, und batteriebetriebene Leuchten. Kerzen sollst du nur mit festem Untergrund und nie unbeaufsichtigt nutzen und Räume mit Kerzen regelmäßig lüften, auch im Winter.

Das BBK erinnert daran, dass offenes Feuer in geschlossenen Räumen Sauerstoff verbraucht, und rät zum Stoßlüften: Fenster für wenige Minuten ganz weit öffnen. Für den Weg durch die dunkle Wohnung oder nachts ins Kinderzimmer brauchst du ohnehin ein Licht, das du tragen und auch mal liegen lassen kannst – dafür ist die Taschenlampe gemacht. Welche Lampen und Akkus sich eignen, steht im Artikel „Licht und Strom für Notfälle“.

„Ohne eigenen Generator bist du aufgeschmissen.“ Stimmt nicht, jedenfalls für die meisten Haushalte. Die Verbraucherzentralen schreiben, dass teure Notstromlösungen für private Haushalte in der Regel nicht notwendig sind; mit einfachen Maßnahmen komme man im Ernstfall gut durch. Das BBK nennt als Ausstattung eine Powerbank, geladene Akkus und ein Radio mit Batterie oder Kurbel, das auch ohne Steckdose Nachrichten empfängt.

Anders kann es aussehen, wenn du auf ein medizinisches Gerät mit Stromanschluss angewiesen bist. Dafür raten die Verbraucherzentralen, vorab zu klären, welche Notfalllösungen es gibt. Wer trotzdem ein Stromaggregat betreibt, sollte die Gefahren kennen, die damit verbunden sind; sie stehen im Artikel „Notstrom sicher betreiben“.

Unwetter: der richtige Baum und der richtige Raum

„Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.“ Stimmt nicht. Die Elektrotechnik-Verbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (VDE, OVE und Electrosuisse) stellen klar: Der Blitz schlägt in alle Baumarten gleich ein, das Sprichwort gilt nicht. Im Freien ist es bei Gewitter nach ihren Angaben lebensgefährlich, besonders unter Bäumen – egal welcher Art.

Die Verbände nennen als optimalen Abstand mindestens 10 Meter zu allen Bäumen und Ästen. Und sie geben ein einfaches Signal: Wer Donner hört, ist weniger als 10 Kilometer vom Gewitter entfernt und sollte freies Feld und einzeln stehende Bäume umgehend verlassen. Schutz bieten Gebäude mit Blitzschutzsystem und Autos mit Ganzmetallkarosserie. Mehr dazu im Artikel „Gewitter und Blitz“.

„Im Keller bist du immer am sichersten.“ Stimmt teilweise, denn es kommt auf die Gefahr an. Bei Explosionen und wenn radioaktive Stoffe austreten, rät das BBK tatsächlich: so tief wie möglich, etwa in Keller, Tiefgaragen oder U-Bahn-Stationen; fensterlose Kellerräume bieten viel Schutz. Bei Hochwasser, Starkregen, Sturz- oder Sturmfluten gilt das Gegenteil: Höher gelegene Stockwerke schützen am besten, den Keller betrittst du auf keinen Fall.

Auch wenn draußen Gase oder Dämpfe austreten, ist der Keller falsch. Die meisten Gase sind laut BBK schwerer als Luft und sammeln sich am Boden. Dann gehst du in ein Gebäude, schließt Fenster und Türen und suchst möglichst ein oberes Stockwerk auf. Was bei Sturm gilt, erklärt der Artikel „Sturm und Orkan“.

Achtung Bei Hochwasser oder Starkregen nicht in den Keller: Läuft er voll, lässt sich die Tür laut BBK von innen nicht mehr öffnen, und es droht ein tödlicher Stromschlag. Meide auch Tiefgaragen, U-Bahn-Stationen und Unterführungen.

Strahlung: warum Jodsalz nicht hilft

„Jodsalz schützt bei einem Atomunfall.“ Stimmt nicht. Eine Jodblockade soll verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Dafür braucht es laut Strahlenschutzkommission Jod in der Größenordnung des 100- bis 1.000-Fachen der täglichen Nahrungszufuhr. Jodiertes Speisesalz dient der Vorbeugung gegen Jodmangel; zur Jodblockade sind nach der Kommission nur die für den nuklearen Notfall vorgesehenen, wesentlich höher dosierten Jodtabletten geeignet.

Auch diese Tabletten sind nur ein Baustein. Die Kommission nennt als Schutz außerdem den Aufenthalt in Gebäuden bei geschlossenen Fenstern und Türen, eine rechtzeitige Evakuierung und den Verzicht auf frisch geerntete oder möglicherweise belastete Lebensmittel wie Milch. Wer die Tabletten wann nehmen soll, sagen im Ernstfall die Behörden. Mehr dazu im Artikel „Unfall im Kernkraftwerk“.

Achtung Keine Jodblockade auf eigene Faust. Die Strahlenschutzkommission nennt sie ohne Aufforderung der Behörden „nutzlos und sogar schädlich“. Jodtabletten werden nur nach ausdrücklicher Aufforderung eingenommen.

Notruf: ohne Karte kein Anruf

„Ein Handy ohne SIM-Karte kommt immer zur 112 durch.“ Stimmt nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Die Notrufverordnung regelt es ausdrücklich: Notrufverbindungen von Mobiltelefonen ohne Mobilfunkkarte sind nicht zulässig. Ein altes Handy ohne Karte in der Schublade ist also kein Notfalltelefon.

Richtig ist etwas anderes: Mit einer gültigen Karte kommst du unter 112 auch über ein fremdes Mobilfunknetz durch, wenn dein eigenes keinen Empfang hat. Jeder Netzbetreiber muss das nach der Verordnung für Kunden anderer Netze ermöglichen. Auch ein wegen Zahlungsverzugs gesperrter Anschluss oder ein leeres Prepaid-Guthaben verhindert den Notruf nicht – ein endgültig aufgehobener Anschluss dagegen schon.

Und wenn gar nichts mehr geht? Funktionieren 110 und 112 nicht, rät das BBK, bei einem Notfall wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen. Wie du einen Notruf richtig absetzt, steht im Artikel „Notruf richtig absetzen“.

Das Bild von Vorsorge: kein Bunker, keine Waffen

„Vorsorge heißt Bunker und Waffen.“ Stimmt nicht. Wer den Ratgeber des BBK aufschlägt, findet anderes: Essen und Trinken bevorraten, Warnungen empfangen, ein Radio, eine Hausapotheke, Erste-Hilfe-Kenntnisse, wichtige Dokumente und ein griffbereites Notgepäck. Waffen kommen in der Broschüre nicht vor.

Auch einen Bunker brauchst du nach dem BBK nicht, um dich etwa vor Explosionen zu schützen. Gebäude in Deutschland bestehen größtenteils aus solider Bausubstanz, und innenliegende Räume mit möglichst wenigen Außenwänden und ohne Fenster bieten wirksamen Schutz. Als Faustregel nennt das BBK zwei Wände zwischen dir und draußen. Ohne Keller eignen sich Treppenhaus, Bad oder Flur; das Dachgeschoss meidest du.

Was das BBK dagegen betont, ist das Miteinander: sich mit Nachbarschaft, Familie und Freundeskreis austauschen, amtliche Warnungen weitergeben, einander unterstützen. Und gegen Gerüchte hilft, eine Nachricht mit weiteren vertrauenswürdigen Quellen zu vergleichen, bevor du sie teilst. Das gilt für jeden Mythos – auch für die, die hier nicht stehen.

Häufige Fragen

Darf ich Konserven nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch essen?

Oft ja. Unbeschädigte, ungeöffnete Konserven sind laut Verbraucherzentrale häufig noch Jahre danach essbar. Aufgeblähte, stark verbeulte oder geknickte Dosen entsorgst du.

Brauche ich für den Stromausfall ein Notstromaggregat?

In der Regel nicht. Die Verbraucherzentralen halten teure Notstromlösungen für Privathaushalte meist für unnötig. Wichtiger sind Taschenlampe, Powerbank, Radio und ein Vorrat.

Kann ich mit einem alten Handy ohne SIM-Karte den Notruf wählen?

In Deutschland nicht. Die Notrufverordnung lässt Notrufe von Handys ohne Mobilfunkkarte nicht zu. Mit gültiger Karte klappt die 112 aber auch über fremde Netze.

Ist der Keller bei Unwetter ein guter Schutzraum?

Bei Hochwasser und Starkregen nicht – dann gehst du laut BBK nach oben und betrittst den Keller auf keinen Fall. Bei Explosionen oder austretenden radioaktiven Stoffen bietet er dagegen viel Schutz.

Quellen

  1. Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber, PDF)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · 10 und 3 Tage Vorrat; Wasser 2 Liter, 0,5 Liter zum Kochen; kein Leitungswasser als Folge eines Stromausfalls; Gasherd oft nutzbar; Kohlenmonoxid bei offenem Feuer, zugelassene Geräte, Stoßlüften; Powerbank und Radio; Schutz suchen (Keller, obere Stockwerke, Hochwasser, zwei Wände); Polizeiwache oder Krankenhaus, wenn 110 und 112 ausfallen; Nachbarschaft, Desinformation
  2. Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentralen (Gemeinschaftsredaktion) · Wasserversorgung in der Regel erhalten, kein Warmwasser; Heizungen funktionieren ohne Strom nicht; Taschenlampen und Kerzen, Kerzen nicht unbeaufsichtigt; Notstromlösungen und umfangreiche Vorräte in der Regel nicht notwendig; medizinische Geräte vorab klären
  3. Konserven: Alles zu Haltbarkeit und LagerungVerbraucherzentralen · Unbeschädigte Konserven oft Jahre nach dem MHD essbar; aufgeblähte, geknickte oder stark verbeulte Dosen entsorgen; trocken lagern
  4. Blitze: So können Sie sich schützenVDE, OVE und Electrosuisse (Elektrotechnik-Verbände) · Blitz schlägt in alle Baumarten gleich ein, Sprichwort gilt nicht; 10 Meter Abstand zu Bäumen; Donner heißt weniger als 10 Kilometer; Schutz in Gebäuden und Autos mit Ganzmetallkarosserie
  5. Verwendung von Jodtabletten zur Jodblockade der Schilddrüse bei einem Notfall mit Freisetzung von radioaktivem JodStrahlenschutzkommission (SSK) · 100- bis 1.000-fache Jodmenge; Jodsalz dient der Jodmangel-Vorbeugung, zur Jodblockade nur hochdosierte Tabletten; Blockade aus eigener Initiative nutzlos und schädlich; Gebäude, Evakuierung, Lebensmittel (Merkblatt als PDF verlinkt)
  6. § 4 Verordnung über Notrufverbindungen (NotrufV)Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · Abs. 8 Nr. 1: keine Notrufe von Mobiltelefonen ohne Mobilfunkkarte; Nr. 2: 112 auch für Kunden anderer Netze; Abs. 3: Notruf auch bei Sperre wegen Zahlungsverzug oder ohne Guthaben