Viele gehen davon aus, dass eine Gas- oder Ölheizung weiterläuft, wenn nur der Strom weg ist – das Gas kommt ja noch. Das stimmt fast nie. Dieser Artikel geht die gängigen Heizungsarten der Reihe nach durch, sagt dir, was ohne Strom mit dem Haus passiert, und zeigt, was du vor dem Winter mit Fachbetrieb und Schornsteinfeger klären kannst. Wie du selbst warm bleibst, steht im Artikel „Warm bleiben ohne Heizung“.
Das Wichtigste in Kürze
- Fällt der Strom aus, steht die Umwälzpumpe still – auch bei Gas- und Ölheizungen kommt keine Wärme mehr an.
- Pelletheizungen brauchen Strom für Zündung, Gebläse und Förderschnecke, Wärmepumpen sowieso.
- Ein geprüfter Kamin- oder Kachelofen mit Naturzug heizt ohne Strom – mit Brennstoffvorrat und freiem Schornstein.
- Bei langem Frost: regelmäßig Wasser zapfen, Innentemperatur beobachten, nichts selbst entleeren ohne Fachbetrieb.
- Gasherd, Backofen, Grill oder Campingkocher sind keine Heizung – Kohlenmonoxid droht.
Warum fast jede Zentralheizung Strom braucht
Eine Zentralheizung erzeugt die Wärme an einer Stelle im Haus und verteilt sie mit Wasser auf die Heizkörper. Dieses Wasser bewegt eine elektrische Umwälzpumpe. Fabian Hüsing (ISFH) von der Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen sagt dazu im Interview mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen: Fällt der Strom aus, kommt die Wärmeversorgung bei allen Wärmeerzeugern mit elektrischen Umwälzpumpen zum Erliegen – also auch bei Gas- und Ölheizungen.
Die Verbraucherzentralen formulieren es noch knapper: Heizungen funktionieren ohne Strom nicht. Auch die Regelung, die entscheidet, wann geheizt wird, arbeitet elektrisch. Dass im Keller noch Gas in der Leitung oder Öl im Tank ist, hilft deshalb nicht weiter.
Zur Einordnung: Im selben Interview heißt es, dass die Stromversorgung in Deutschland sehr zuverlässig ist – im Schnitt fällt sie pro Jahr nur 11,7 Minuten aus. Die meisten Ausfälle sind nach wenigen Stunden vorbei, wie auch das BBK schreibt. Kritisch wird es erst, wenn ein Ausfall im Winter länger dauert, so wie beim großflächigen Ausfall im Januar 2026 in Berlin.
Die Heizungsarten im Überblick
Bei Gas- und Ölheizungen, egal ob Brennwert- oder älterer Kessel, bleibt mit der Umwälzpumpe auch die Wärmeverteilung stehen. Die Heizkörper kühlen ab, obwohl Brennstoff da wäre. Die Wärmepumpe ist ohnehin eine Stromheizung: Ohne Strom arbeitet sie nicht.
Pelletheizungen hängen besonders stark am Strom. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe beschreibt, dass moderne Pelletkessel und Pelletöfen automatisch per Glühstab oder Heißluftgebläse zünden, ihre Verbrennungsluft über ein Gebläse bekommen und die Pellets per Schnecke oder Saugsystem vom Lager zum Kessel befördert werden. Für elektrische Glühzündung, Gebläse und Förderschnecken nennt die Agentur ausdrücklich einen Hilfsstrombedarf.
Bei Fernwärme kommt die Wärme zwar aus einem Netz, im Keller steht aber eine Übergabestation mit eigener Pumpe und Regelung für den Heizkreis des Hauses. Die Innung Sanitär, Heizung, Klima Berlin hat nach dem Berliner Ausfall ausdrücklich festgehalten, dass Frostschäden alle Wärmeerzeuger gleichermaßen betreffen: Öl- und Gasheizungen, Fernwärme und Wärmepumpen. Nachtspeicheröfen und elektrische Heizkörper sind reine Stromheizungen und laden ohne Strom nicht nach.
| Heizungsart | Ohne Strom | Warum |
|---|---|---|
| Gas- oder Ölheizung | fällt aus | Umwälzpumpe und Regelung stehen still |
| Wärmepumpe | fällt aus | arbeitet mit Strom; Außengerät kann bei Frost gefährdet sein |
| Pelletheizung | fällt aus | Zündung, Gebläse und Förderschnecke brauchen Strom |
| Fernwärme | Hausheizung fällt aus | Übergabestation und Heizkreis im Haus brauchen Strom |
| Nachtspeicher, Elektroheizung | fällt aus | reine Stromheizung |
| Kamin- oder Kachelofen mit Naturzug | läuft weiter | Luft und Abgas bewegt der Schornsteinzug |
Wärmepumpe: Frostschutz statt Explosionsangst
Nach dem Berliner Ausfall kursierten Videos über angeblich explodierende Wärmepumpen. Hüsing hält eine Explosion bei fachgerechter Installation in der Praxis für nahezu ausgeschlossen, weil dafür mehrere Sicherheitsvorkehrungen gleichzeitig versagen müssten. Auch die Berliner Innung rät, sich von solchen Videos nicht irritieren zu lassen.
Das echte Thema ist Frost. Bei außen aufgestellten Luft-Wasser-Monoblock-Wärmepumpen, dem meistverkauften Gerätetyp, liegen wasserführende Teile im Freien und kühlen schneller aus als Leitungen im Haus. Als Schutz nennt Hüsing drei Wege: eine manuelle oder automatische Entleerung des Ladekreises, die eingewiesene Anlagenbetreuer oder ein stromunabhängiges Ablassventil voraussetzt, oder Frostschutzmittel im Heizungswasser.
Welcher Weg bei deiner Anlage vorgesehen ist, steht in der Anleitung des Herstellers oder weiß dein Fachbetrieb. Frag ihn danach, bevor der Winter kommt. Für den Ausfall selbst rät die Berliner Innung, eine Wärmepumpe vom Netz zu trennen, damit eine eingefrorene Anlage nicht automatisch anläuft, sobald der Strom zurückkommt.
Kaminofen und Kachelofen: die stromlose Ausnahme
Ein klassischer Scheitholz-Kaminofen arbeitet mit Naturzug: Der warme Schornstein zieht die Abgase nach oben und saugt dabei Verbrennungsluft nach. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe grenzt Pelletgeräte genau davon ab – sie arbeiten nicht mit Naturzug, sondern mit Gebläse. Ein Kamin- oder Kachelofen ohne Gebläse heizt deshalb auch ohne Strom weiter.
Das BBK rät allen mit Kamin oder Ofen, einen Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz anzulegen; die Verbraucherzentralen empfehlen dasselbe. Wer keinen Ofen hat, soll laut BBK prüfen lassen, ob eine alternative Heizquelle im Haus möglich ist – mit Beratung durch Fachleute.
Stromunabhängig heißt aber nicht bedingungslos. Der Schornsteinfegerverband betont, dass Kamin-, Kachelöfen oder Heizeinsätze unter keinen Umständen in Eigenregie und ohne vorherige Prüfung durch die bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger angeschlossen werden sollten. Geprüft wird unter anderem, ob der Schornsteinquerschnitt frei ist, die Anschlüsse fachgerecht sind und ob es neue Dunstabzugsanlagen gibt. Eine Abluft-Dunstabzugshaube kann dem Ofen die Luft wegziehen, die er zum Verbrennen braucht.
Tipp Einen alten, stillgelegten Ofen „für den Notfall“ reaktivierst du am besten jetzt, nicht im Ausfall: Schornsteinfeger fragen, prüfen lassen, dann Brennholz einlagern.
Wie lange das Haus die Wärme hält
Eine feste Stundenzahl gibt es nicht, und du solltest keiner trauen, die pauschal genannt wird. Die Berliner Innung schreibt, das Ausmaß möglicher Schäden hänge von der Beschaffenheit der Immobilie, dem Sanierungs- und Dämmungszustand, der Art der Heiztechnik, der Lage des Hauses und anderen Faktoren ab; eine pauschale Aussage sei nicht möglich.
Praktisch heißt das: Beobachte die Innentemperatur, statt zu schätzen. Ein einfaches Thermometer im kühlsten Raum, etwa im Keller oder Hauswirtschaftsraum, zeigt dir früh, wo es zuerst kalt wird. Liegen dort Wasser- oder Heizungsleitungen, weißt du, worauf du achten musst.
Frost: Leitungen schützen, ohne selbst einzugreifen
Wenn die Heizung bei Minusgraden länger ausfällt, können Wasserleitungen und Heizungsrohre einfrieren. Für diesen Fall hat die Innung Sanitär, Heizung, Klima Berlin während des Ausfalls konkrete Hinweise gegeben, die sich auf jede längere Lage übertragen lassen.
Wichtig ist vor allem die Richtung dieser Hinweise: Greif nicht selbst in die Anlage ein. Abschalten oder Entleeren soll nur in Absprache mit dem Fachbetrieb geschehen, der die Anlage, das Haus und die Leitungen kennt. Auch das Wiederanfahren nach langem Stillstand gehört in die Hände des Fachbetriebs.
Nach dem Ausfall rät die Verbraucherzentrale, Wasserleitungen und Heizung zu beobachten, besonders wenn es gefroren hat. Achte auf Undichtigkeiten und ungewöhnliche Geräusche – Schäden zeigen sich oft erst mit Verzögerung.
- Regelmäßig Wasser zapfen, damit stehendes Wasser nicht friert – laut Innung auch einmal in der Nacht.
- Innentemperaturen im Haus überwachen.
- Den Installationsbetrieb anrufen, bevor du etwas abschaltest oder entleerst.
- Eine Wärmepumpe vom Netz trennen, damit sie nicht eingefroren wieder anläuft.
- Nach dem Ausfall Leitungen und Heizung auf Lecks und Geräusche prüfen.
Was du auf keinen Fall zum Heizen nimmst
Wenn die Heizung kalt bleibt, liegt der Griff zu allem nahe, was Wärme abgibt. Genau davor warnt der Schornsteinfegerverband gemeinsam mit den Feuerwehrverbänden: Gas-Heizstrahler, Ethanol-Feuerstätten, Campingkocher, Grills und Feuerschalen als improvisierte Heizung im Innenraum. Brennstoffbetriebene Geräte reichern Abgase an, verbrauchen Sauerstoff und erhöhen die Kohlenmonoxidkonzentration – es besteht akute Vergiftungsgefahr.
Das gilt auch für den Gasherd und den Gasbackofen mit offener Tür. Sie sind zum Kochen gebaut, nicht zum stundenlangen Heizen eines geschlossenen Raums. Das BBK warnt ausdrücklich davor, in Wohnung oder Haus zu grillen, weil Erstickungsgefahr besteht. Ein Kohlenmonoxid-Warnmelder erhöht laut BBK die Sicherheit, ersetzt aber nicht den Verzicht auf solche Behelfe.
Achtung Gasherd, Backofen, Grill, Campingkocher, Heizstrahler oder Feuerschale sind keine Heizung für Innenräume. Bei Verdacht auf Kohlenmonoxid alle sofort ins Freie und den Notruf 112 wählen. Woran du eine Vergiftung erkennst und was sicher warm hält, steht im Artikel „Warm bleiben ohne Heizung“.
Vorher klären: Fachbetrieb, Schornsteinfeger, Notstrom
Die wichtigste Vorbereitung kostet nichts: Mach dich mit deiner Anlage vertraut. Hüsing empfiehlt, vorab zu klären, welche Leitungen bei einem Ausfall durch Frost gefährdet wären, welche Schutzmechanismen es gibt und ob bei einem Stromausfall Eingriffe durch den Fachbetrieb oder dich selbst nötig sind. Schreib dir die Antworten und die Nummer deines Heizungsbetriebs auf Papier; die Verbraucherzentralen raten, auch Stromversorger und Hausverwaltung zu notieren.
Wer in einer Mietwohnung lebt, fragt Vermieter oder Hausverwaltung, wer im Ausfall für die Heizung zuständig ist und wie der Fachbetrieb erreichbar ist. Beim Schornsteinfeger klärst du, ob ein vorhandener Ofen betrieben werden darf.
Und die Heizung per Notstrom versorgen? Das ist kein Projekt für das Wochenende. Wie eine Heizung an eine Ersatzstromquelle kommt, planen Elektrofachkraft und Heizungsbetrieb gemeinsam; eine Anleitung dazu gibt es hier bewusst nicht. Die Verbraucherzentralen halten teure Notstromlösungen für private Haushalte in der Regel nicht für notwendig. Warum Einspeisen ins Hausnetz lebensgefährlich ist, erklärt der Artikel „Notstrom sicher betreiben“.
Häufige Fragen
Läuft meine Gastherme ohne Strom weiter, wenn noch Gas kommt?
Nein. Ohne Strom stehen Umwälzpumpe und Regelung still, und die Wärme kommt nicht mehr an die Heizkörper. Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen nennt Gas- und Ölheizungen dabei ausdrücklich.
Kann eine Wärmepumpe bei Stromausfall explodieren?
Bei fachgerechter Installation ist das laut dem Experten im Interview der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen nahezu ausgeschlossen. Das reale Risiko ist Frost an außen liegenden, wasserführenden Teilen – frag deinen Fachbetrieb, wie deine Anlage davor geschützt ist.
Soll ich bei langem Frost die Leitungen selbst entleeren?
Nicht auf eigene Faust. Die Innung Sanitär, Heizung, Klima Berlin rät, Abschalten und Entleeren nur in Absprache mit dem Fachbetrieb vorzunehmen. Selbst tun kannst du: regelmäßig Wasser zapfen und die Innentemperatur im Blick behalten.
Darf ich meinen alten Kaminofen einfach wieder anschließen?
Nein. Der Schornsteinfegerverband sagt, dass Kamin- und Kachelöfen nicht in Eigenregie und ohne vorherige Prüfung durch die Bezirksschornsteinfeger angeschlossen werden sollten. Kläre das vor dem Winter.
Wie lange bleibt es im Haus warm?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt nach Angaben der Berliner Innung unter anderem vom Dämmzustand, der Bauweise, der Heiztechnik und der Lage ab. Beobachte deshalb die Temperatur, statt mit einer festen Zahl zu rechnen.
Quellen
- Stromausfall und Kälte: Wie robust sind Wärmepumpen?Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN), Interview mit Fabian Hüsing (ISFH) · Ausfall aller Wärmeerzeuger mit elektrischen Umwälzpumpen, auch Gas und Öl; 11,7 Minuten Ausfall pro Jahr; Frostgefahr bei Monoblock-Wärmepumpen, Entleerung des Ladekreises, Frostschutzmittel; Explosion bei fachgerechter Installation nahezu ausgeschlossen; Anlage vorab kennen
- Hinweise für vom Stromausfall in Berlin betroffene HaushalteInnung SHK Berlin (Handwerksinnung), veröffentlicht vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf · Frostschäden bei allen Wärmeerzeugern einschließlich Fernwärme; keine pauschale Aussage zur Auskühlung möglich; nicht selbst eingreifen, Entleeren nur mit Fachbetrieb; Wärmepumpe vom Netz trennen; regelmäßig Wasser zapfen; Innentemperatur überwachen
- Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentrale Bundesverband / Verbraucherzentralen · Heizungen funktionieren ohne Strom nicht; Brennstoff für Ofen oder Kamin bevorraten; Telefonnummern auf Papier; Leitungen nach dem Ausfall beobachten; Notstromlösungen in der Regel nicht nötig
- Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ausfälle meist nach wenigen Stunden behoben; Brennstoffvorrat für Kamin oder Ofen; alternative Heizquelle von Fachleuten prüfen lassen; CO-Warnmelder; nicht in Wohnung oder Haus grillen
- Marktübersicht Pelletheizungen 2020Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) · Automatische Zündung per Glühstab oder Heißluftgebläse, Verbrennungsluft per Gebläse statt Naturzug, Förderung per Schnecke oder Saugsystem, Hilfsstrombedarf für Zündung, Gebläse und Förderschnecken
- Sicher Heizen im Winter – keine Wärme-Experimente im HausBundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (Verband), Pressemeldung vom 7. September 2022 · Öfen nicht in Eigenregie anschließen, Prüfung durch Bezirksschornsteinfeger (Schornsteinquerschnitt, Anschlüsse, Dunstabzug); Warnung vor improvisierten brennstoffbetriebenen Heizungen und Kohlenmonoxid
