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Energie & Licht

Stromausfall: Was wirklich ausfällt – und was du vorbereitest

Licht, Heizung, Kartenzahlung, Aufzug: Was ein längerer Stromausfall im Haushalt bedeutet – und was du an einem ruhigen Abend bereitlegst.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Eine eingeschaltete Taschenlampe leuchtet in dunkler Umgebung.
Eine netzunabhängige Taschenlampe gehört zu den einfachsten Hilfsmitteln bei einem Stromausfall.Foto: Jiří Sedláček · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Ein Stromausfall dauert in Deutschland meistens nur Minuten. Trotzdem lohnt es sich, einmal in Ruhe durchzuspielen, was passiert, wenn er länger dauert. Denn dann stehen auch Dinge still, an die man zuerst nicht denkt – die Heizung zum Beispiel, obwohl sie mit Gas läuft. Dieser Artikel geht der Reihe nach durch, was ausfällt, und zeigt, was du vorher bereitlegen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • 2024 war der Strom je Endkunde im Schnitt 11,7 Minuten weg – lange Ausfälle sind selten, aber möglich.
  • Auch Gas- und Ölheizungen brauchen Strom für Pumpe, Regelung und Zündung und bleiben ohne Netz kalt.
  • Kartenzahlung, Geldautomaten, Internet und Telefon fallen aus. Etwas Bargeld in kleiner Stückelung hilft.
  • Taschenlampe mit Ersatzbatterien, geladene Powerbank und ein Radio ohne Netzstrom sind die Grundausstattung.
  • Das BBK empfiehlt, sich zehn Tage selbst versorgen zu können – schon drei Tage helfen spürbar.

Wie wahrscheinlich ist ein längerer Ausfall?

Das deutsche Stromnetz gehört zu den zuverlässigsten in Europa. Die Bundesnetzagentur lässt sich jede Versorgungsunterbrechung melden, die länger als drei Minuten dauert. Für das Jahr 2024 meldeten 830 Netzbetreiber zusammen 164.645 solcher Unterbrechungen.

Umgerechnet auf jeden angeschlossenen Endkunden ergibt das 11,7 Minuten ohne Strom im gesamten Jahr, nach 12,8 Minuten im Jahr 2023. Der typische Stromausfall ist also kurz und wird schnell behoben. Wer einmal vorbereitet ist, muss darüber nicht mehr nachdenken.

Länger dauern kann es trotzdem. Das BBK nennt als mögliche Ursachen Unfälle, Fehler bei Bauarbeiten, schwere Stürme, Hochwasser, starke Schneefälle und Lawinen; auch Sabotage und Cyberangriffe sind denkbar. Es geht also nicht um ein Weltuntergangsszenario, sondern um ein Wochenende ohne Strom – und das ist gut zu bewältigen.

Hinweis Die Zahlen zu Versorgungsunterbrechungen stammen aus der Auswertung der Bundesnetzagentur für das Jahr 2024.

Licht, Kühlschrank, Herd: der offensichtliche Teil

Zuerst fällt auf, was man sieht: Es wird dunkel. Im Winter um 17 Uhr ist ein Treppenhaus ohne Licht unangenehm, und das Handydisplay ist dafür keine gute Lösung – es ist die Taschenlampe, deren Akku du später für Wichtigeres brauchst.

Die Verbraucherzentrale zählt auf, was sofort stillsteht: elektrische Geräte, Licht, Herd, der Internetrouter und häufig auch der Telefonanschluss. Kühlschrank und Gefriertruhe kühlen nicht mehr. Halte beide geschlossen, dann bleibt die Kälte deutlich länger im Gerät.

Auch alles, was du sonst nebenbei mit Strom erledigst, fällt weg: Wasserkocher, Kaffeemaschine, Mikrowelle, Ladegeräte. Ein kleiner Vorrat, der ohne Kochen auskommt, nimmt dem ersten Tag sofort die Schärfe.

  • Kühlschrank und Gefriertruhe geschlossen lassen, nicht „kurz nachsehen“.
  • Vorräte bereithalten, die kalt gegessen werden können.
  • Empfindliche Elektronik vom Netz trennen, bis der Strom stabil zurück ist.

Warum auch Gas- und Ölheizungen kalt bleiben

Viele Haushalte gehen davon aus, dass ihre Gas- oder Ölheizung weiterläuft, weil der Brennstoff ja vorhanden ist. Das ist der häufigste Irrtum beim Thema Stromausfall. Brenner, elektronische Regelung, Zündung und vor allem die Umwälzpumpe hängen am Hausnetz.

Ohne Pumpe bewegt sich kein Heizungswasser mehr durch die Rohre. Die Heizkörper werden kalt, auch wenn der Gaszähler unverändert dasteht. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass die Heizung ohne Strom nicht funktioniert und auch kein warmes Wasser mehr aus dem Hahn kommt.

Bei Fernwärme ist es nicht anders: Das BBK beschreibt für einen großflächigen Ausfall nüchtern, dass die Menschen ohne Fernwärme im Winter im Kalten säßen. Ein Kamin oder Ofen mit Holz-, Kohle- oder Brikettvorrat ist die einzige Wärmequelle, die unabhängig weiterläuft – wenn sie ohnehin vorhanden und gewartet ist.

Schema einer Gas- oder Ölheizung: Kessel mit Brenner und Regelung, Umwälzpumpe im Rohr, Heizkörper. Gestrichelte Linien zeigen, dass Regelung, Brenner und Pumpe Strom brauchen; der Heizkörper bleibt kalt.
Brenner, Regelung, Zündung und Umwälzpumpe hängen am Hausnetz – ohne Strom bleibt der Heizkörper kalt.Skizze: WildWeasel

Tipp Wie du ohne Heizung warm bleibst und warum Gaskocher und Grills dabei tabu sind, steht im Artikel „Warm bleiben ohne Heizung“.

Wasser: meistens ja, in oberen Stockwerken unsicher

Bei einem kurzen, örtlich begrenzten Stromausfall bleibt die Wasserversorgung nach Einschätzung der Verbraucherzentrale in der Regel erhalten. Warmes Wasser gibt es allerdings nicht mehr, weil Therme oder Durchlauferhitzer Strom brauchen.

Bei einem großflächigen, länger andauernden Ausfall sieht es anders aus. Das BBK rechnet damit, dass die Trinkwasserversorgung dann vielerorts zusammenbrechen würde, weil Förderung und Aufbereitung von Pumpen abhängen.

In höheren Gebäuden wird das Wasser mit elektrischen Pumpen in die oberen Stockwerke gedrückt. Fällt der Strom aus, lässt der Druck oben zuerst nach. Wer im obersten Geschoss wohnt, sollte damit rechnen und den Wasservorrat entsprechend ernst nehmen.

Tipp Als Grundlage gelten 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen und Zubereiten.

Bezahlen, telefonieren, Nachrichten bekommen

Wie stark das Bezahlen betroffen ist, hängt von Ausmaß und Dauer des Ausfalls ab. Schon bei einem gewöhnlichen Stromausfall funktionieren Kartenzahlung und Geldautomaten nach der Verbraucherzentrale oft nicht zuverlässig; auch das BBK rät zu Bargeld, weil dann die Geldautomaten ausfallen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, Bargeld in kleiner Stückelung zu Hause zu haben – wer nur große Scheine hat, bekommt womöglich kein Wechselgeld. Für einen großflächigen, langanhaltenden Ausfall geht das BBK weiter: Dann käme die Bargeldwirtschaft zum Erliegen, und die Kassensysteme in den Einkaufsmärkten wären außer Betrieb. Bargeld hilft also vor allem bei kürzeren und örtlichen Ausfällen; für den langen Ausfall zählt der Vorrat zu Hause.

Bei der Kommunikation gilt dasselbe: Das BBK nennt ausdrücklich, dass Internet und Telefon ausfielen. Der Router zu Hause ist sofort aus, damit auch Internettelefonie und WLAN. Das Mobilfunknetz kann noch eine Weile weiterlaufen, ist dann aber stark belastet.

Deshalb empfiehlt das BBK ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio. Damit erreichen dich Mitteilungen der Behörden auch dann, wenn Handy und Internet nicht mehr mitspielen. Ein Satz Ersatzbatterien gehört dazu.

  • Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen griffbereit halten.
  • Radio, das ohne Netzstrom läuft, plus Ersatzbatterien.
  • Wichtige Nummern auf Papier: 112, 110, 116 117 und der Störungsdienst des Netzbetreibers.

Aufzug, Türen, Garage: die unscheinbaren Abhängigkeiten

Aufzüge fahren ohne Strom nicht. Wer bei angekündigtem Unwetter im Hochhaus unterwegs ist, nimmt besser die Treppe. Bleibst du doch stecken, drücke den Notrufknopf, bleib ruhig und warte – die Türen selbst aufzuhebeln ist gefährlich.

Auch elektrische Haustüren, Schranken, Garagentore und Rollläden brauchen Strom. Die meisten haben eine mechanische Notentriegelung. Such sie einmal in Ruhe und probiere sie aus, statt sie im Dunkeln zu suchen.

Denk außerdem an alles, was dauerhaft an der Steckdose hängt: Türsprechanlage, Alarmanlage, elektrische Pflegehilfsmittel, Ladegerät des E-Bikes, Aquarium. Ein Rundgang durch die Wohnung mit der Frage „Was davon braucht Strom?“ dauert zehn Minuten und bringt fast immer eine Überraschung.

Was du vorher bereitlegst

Vorsorge für einen Stromausfall ist keine teure Anschaffungsliste, sondern eine Kiste im Flurschrank. Entscheidend ist, dass alles an einem Ort liegt und du es auch im Dunkeln findest.

Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, ergänzt aber ausdrücklich: Ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft schon sehr. Fang mit drei Tagen an und ergänze, wenn du ohnehin einkaufst.

Video: Für alle Fälle kurz erklärt: Was tun bei Stromausfall? (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Kurzer Erklärfilm des BBK (knapp 3 Minuten): welche Vorbereitungen bei Licht und Wärme, Essen und Trinken und Informationsquellen helfen.

Grundausstattung für den Haushalt
BereichWas bereitliegen sollte
LichtTaschenlampe oder Stirnlampe je Person, Ersatzbatterien, Kerzen mit standfestem Halter, Feuerzeug
Mobile EnergieGeladene Powerbank, passende Ladekabel, wenn möglich ein Solar- oder Kurbelladegerät
InformationBatteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio, Zettel mit den wichtigsten Nummern
BezahlenBargeld in kleiner Stückelung
WärmeWarme Kleidung, Decken, Schlafsack
Essen und TrinkenVorräte ohne Kochbedarf, 2 Liter Wasser pro Person und Tag

Tipp Leg die Taschenlampe dorthin, wo du sie ertastest: neben das Bett und in die Schublade an der Wohnungstür.

Die ersten Minuten ohne Strom

Prüfe zuerst, ob nur bei dir das Licht aus ist. Ein Blick auf den Sicherungskasten, dann aus dem Fenster: Brennt die Straßenbeleuchtung, liegt es an deiner Wohnung. Ist die ganze Straße dunkel, ist es ein Netzausfall. Die Verbraucherzentrale rät, den Ausfall zu melden, falls er noch nicht bekannt ist – zuständig ist in der Regel der örtliche Netzbetreiber, nicht der Stromanbieter. Seine Störungsnummer findest du auf seiner Website; am besten notierst du sie schon jetzt auf Papier.

Trenne empfindliche Geräte vom Netz, damit sie beim Wiedereinschalten keine Spannungsspitze abbekommen. Lass eine Lampe eingeschaltet: Sie zeigt dir, wann der Strom zurück ist. Schalte danach nicht alles gleichzeitig wieder ein.

Und dann: Klingel bei den Nachbarn. Wer allein lebt, älter ist oder auf Geräte mit Strom angewiesen ist, freut sich über die Frage, ob alles in Ordnung ist. Nachbarschaft ist die Vorsorge, die nichts kostet und am schnellsten wirkt.

Achtung Grill und Campingkocher gehören nach draußen. Das BBK warnt ausdrücklich: nicht in der Wohnung oder im Haus grillen – es besteht Erstickungsgefahr.

Häufige Fragen

Wie lange hält der Kühlschrank ohne Strom?

Das hängt von Gerät, Füllstand und Raumtemperatur ab. Entscheidend ist, die Tür geschlossen zu halten – so bleibt der Inhalt deutlich länger kalt. Eine volle Gefriertruhe hält länger als eine halb leere.

Funktioniert mein Festnetztelefon noch?

In der Regel nicht. Moderne Anschlüsse laufen über den Router, und der braucht Strom. Die Verbraucherzentrale nennt Telefonanschlüsse ausdrücklich als häufig betroffen.

Brauche ich einen Notstromerzeuger?

Für die meisten Haushalte nicht. Eine geladene Powerbank und Licht auf Batterien decken das Wichtigste ab. Verbrennungsmotoren dürfen niemals in Innenräumen, Kellern oder Garagen laufen – sie setzen Kohlenmonoxid frei.

Wie erfahre ich, wie lange der Ausfall dauert?

Über ein Radio, das ohne Netzstrom läuft, und über den Störungsdienst deines Netzbetreibers. Warn-Apps funktionieren nur so lange, wie Handy und Mobilfunknetz mitspielen.

Wie viel Vorrat ist sinnvoll?

Das BBK nennt als Ziel zehn Tage Selbstversorgung, hält aber fest, dass schon drei Tage sehr helfen. Beginne klein und ergänze beim normalen Einkauf.

Quellen

  1. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ursachen von Stromausfällen, Empfehlungen zu Licht, Wärme, Bargeld und Radio, Warnung vor Grillen im Haus
  2. Energie – Ausfallfolgen: Was wäre wenn?Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Folgen für Trinkwasser, Fernwärme, Kassensysteme sowie Internet und Telefon
  3. Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentrale · Was sofort ausfällt, Bargeld in kleiner Stückelung, Verhalten während und nach dem Ausfall
  4. Versorgungsunterbrechungen Strom in 2024 gegenüber Vorjahr gesunkenBundesnetzagentur · Kennzahlen 2024: 11,7 Minuten je Endkunde, 164.645 Unterbrechungen, 830 Netzbetreiber
  5. Ratgeber: Vorsorgen für Krisen und KatastrophenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Empfehlung, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können