Stürme gehören in Deutschland zum Herbst und Winter, und die meisten ziehen ohne große Folgen vorbei. Einige wenige richten aber verbreitet Schäden an – und die gefährlichste Zeit ist oft nicht der Sturm selbst, sondern der Weg nach draußen, während er tobt, oder der Spaziergang danach. Dieser Artikel erklärt, wie Windstärken und Warnungen zusammenhängen, was du vorher erledigst, wie du dich währenddessen verhältst und worauf du nach dem Sturm achtest.
Das Wichtigste in Kürze
- Sturm heißt nach Beaufort Stärke 9 bis 11, Orkan Stärke 12 – ab 118 km/h mittlerer Windgeschwindigkeit.
- Der DWD warnt vor Böen: ab 65 km/h vor Sturmböen, ab 120 km/h vor Orkanböen.
- Bei einem schweren Sturm bleibst du zu Hause und verlässt es nur in Notfällen.
- Meide Wälder auch nach dem Sturm – lose Äste und umgeknickte Bäume bleiben eine Gefahr.
- Herabhängende Leitungen nie berühren und nichts herausziehen: Netzbetreiber oder 112 anrufen.
Windstärken: was „Sturm“ und „Orkan“ genau heißen
Die Beaufort-Skala ist nach der Beschreibung des Deutschen Wetterdienstes ein Hilfsmittel, mit dem sich die Windstärke anhand der Auswirkungen des Windes schätzen lässt. Sie reicht von Stärke 0, Windstille, bis Stärke 12, Orkan. Jeder Stufe ist ein Bereich der mittleren Windgeschwindigkeit in 10 Metern Höhe über freiem Gelände zugeordnet.
Umgangssprachlich wird fast jeder kräftige Wind „Sturm“ genannt. In der Skala beginnt der Sturm erst bei Stärke 9. Darunter liegen der steife Wind, bei dem sich ganze Bäume bewegen, und der stürmische Wind, bei dem Zweige von den Bäumen brechen. Die Tabelle zeigt den oberen Teil der Skala mit den Beispielen, die der DWD für das Binnenland nennt.
Für den Alltag heißt das: Schon bei stürmischem Wind wird Radfahren und Gehen mühsam, und kleine Kinder oder ältere Menschen kommen ins Straucheln. Ab Stärke 9 geht es nicht mehr um Unbequemlichkeit, sondern um Dinge, die herunterfallen – Äste, Ziegel, Rauchhauben. Genau dort setzen die Empfehlungen in diesem Artikel an.
| Stärke | Bezeichnung | km/h | Auswirkungen im Binnenland |
|---|---|---|---|
| 7 | steifer Wind | 50–61 | fühlbare Hemmungen beim Gehen gegen den Wind, ganze Bäume bewegen sich |
| 8 | stürmischer Wind | 62–74 | Zweige brechen von Bäumen, Gehen im Freien erheblich erschwert |
| 9 | Sturm | 75–88 | Äste brechen, kleinere Schäden an Häusern (Dachziegel oder Rauchhauben abgehoben) |
| 10 | schwerer Sturm | 89–102 | Wind bricht Bäume, größere Schäden an Häusern |
| 11 | orkanartiger Sturm | 103–117 | Wind entwurzelt Bäume, verbreitet Sturmschäden |
| 12 | Orkan | ab 118 | schwere Verwüstungen |
Wie der Wetterdienst vor Wind warnt
Die Beaufort-Skala beschreibt den mittleren Wind. Gefährlich sind aber vor allem die Böen, also kurze Spitzen darüber. Deshalb warnt der DWD nach Böengeschwindigkeiten. Seine Skala ist ausdrücklich an die Beaufort-Skala angelehnt. Weil die Schwellenwerte in Metern pro Sekunde festgelegt sind, weichen die Kilometerangaben leicht von der Beaufort-Tabelle ab.
Die Schwellen gelten für Böen in etwa 10 Metern Höhe über offenem, freiem Gelände; für exponierte Gipfellagen entscheidet der DWD im Einzelfall. In einer Häuserschlucht oder auf einer Brücke kann der Wind anders wirken als an der Messstation. Die Stufe sagt dir, wie ernst die Lage für deine Region ist – nicht, wie stark jede einzelne Böe vor deiner Haustür wird.
Zu jeder Warnung verlinkt der DWD Gefahrenhinweise und Handlungsempfehlungen. Er betont dabei, dass diese Empfehlungen unverbindliche Hinweise sind: Über die Umsetzung sollte situativ und unter Einbezug der örtlichen Gegebenheiten entschieden werden. Du kennst deine Straße, deine Bäume und dein Dach besser als jede Warnkarte.
Was die Stufen 1 bis 4 allgemein bedeuten und über welche Wege dich Warnungen erreichen, erklärt der Artikel zu den Warnsystemen in Deutschland.
| Warnereignis | Böen | Beaufort | Stufe |
|---|---|---|---|
| Windböen | über 50 km/h | 7 | 1 |
| Sturmböen | 65–89 km/h | 8–9 | 2 |
| Schwere Sturmböen | 90–104 km/h | 10 | 2 |
| Orkanartige Böen | 105–119 km/h | 11 | 3 |
| Orkanböen | ab 120 km/h | 12 | 3 |
| Extreme Orkanböen | überörtlich mehr als 140 km/h | – | 4 |
Ein echter Orkan: Kyrill im Januar 2007
Am 18. Januar 2007 zog Orkan Kyrill über Deutschland. Nach dem Rückblick des DWD erfasste sein Windfeld das ganze Land. Mindestens 13 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 50 Millionen Bäume stürzten um. Die Bahn stellte erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte den gesamten Schienenverkehr ein.
Die stärkste Böe maß die DWD-Wetterwarte Wendelstein mit 202 km/h, dicht gefolgt vom Brocken mit 198 km/h. Aber auch in den Niederungen gab es vielfach Orkanböen, in Köln etwa rund 130 km/h. Ein Orkan ist also keine Sache der Berge und Küsten allein.
Die gute Nachricht steht im selben Rückblick: Die ersten Vorwarnungen erschienen bereits am 15. Januar, drei Tage vorher. Der DWD geht davon aus, dass die Schäden ohne diese frühen Warnungen deutlich höher ausgefallen wären. Schwere Stürme kommen selten aus heiterem Himmel – wer Warnungen verfolgt, hat meist Zeit zum Vorbereiten.
Vor dem Sturm: sichern, was fliegen kann
Das meiste, was bei einem Sturm Schaden anrichtet, lag vorher lose herum. Das BBK rät, draußen bewegliche Gegenstände wie Gartenmöbel oder Fahrräder zu sichern, wenn noch ausreichend Zeit ist. Auf dem Balkon gilt dasselbe für Blumenkästen, Sonnenschirme und leichte Deko – was du nicht festbinden kannst, stellst du nach drinnen.
Schließe Fenster sowie Roll- oder Fensterläden; das BBK nennt das ausdrücklich für Hagel und Wirbelstürme. Empfindliche Geräte nimmst du vom Netz oder schützt sie mit einem Überspannungsschutz.
Beim Auto hilft eine einfache Überlegung: Wo steht es, wenn der Wind am stärksten ist? Unter Bäumen, neben Gerüsten oder an einer Hauswand mit losen Ziegeln ist der ungünstigste Platz. Eine Garage oder ein freier Platz ohne Bäume ringsum ist besser. Die Tabelle oben erklärt, warum: Schon ab Stärke 9 brechen Äste, ab Stärke 10 ganze Bäume.
Rechne außerdem mit einem Stromausfall. Umstürzende Bäume können Freileitungen treffen, und Reparaturen dauern, solange der Sturm anhält. Taschenlampe, Batterieradio und geladene Powerbank sollten griffbereit sein, bevor es losgeht.
Video: Sturm - Wie man Gebäude davor schützt (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – BBK-Film von 2015 zum baulichen Schutz: was Gebäude bei Sturm gefährdet und wie du vorbeugst.
- Gartenmöbel, Fahrräder, Mülltonnen, Balkonkästen sichern oder hineinholen
- Fenster, Roll- und Fensterläden schließen
- Auto nicht unter Bäumen oder neben Gerüsten abstellen
- Empfindliche Geräte vom Netz nehmen
- Licht, Radio und geladene Powerbank bereitlegen
- Termine verschieben, wenn eine Unwetterwarnung besteht
Während des Sturms: drinnen bleiben
Die oberste Regel des BBK lautet: zu Hause bleiben. Herabstürzende Äste oder Dachziegel und umherfliegende Gegenstände machen den Aufenthalt im Freien bei einem schweren Sturm gefährlich. Verlasse deine Wohnung deshalb nur in Notfällen – auch nicht für den schnellen Einkauf oder um nach dem Auto zu sehen.
Im Haus suchst du nach Empfehlung des BBK am besten einen innen liegenden Raum im Erdgeschoss auf. Kellerräume meidest du, weil sie bei begleitendem Starkregen schnell volllaufen und zu lebensbedrohlichen Fallen werden können. Auch Räume mit großer Deckenspannweite wie Hallen solltest du meiden.
Überrascht dich der Sturm unterwegs, suchst du Schutz in einem Gebäude und meidest ungeschützte Orte, an denen dich mitgerissene Gegenstände treffen könnten. Wälder und Alleen gehören dazu. Bist du mit dem Auto unterwegs, ist die sicherste Fahrt die, die du gar nicht antrittst. Musst du fahren, rechne mit Ästen auf der Fahrbahn und gesperrten Strecken, fahre langsamer und halte nicht unter Bäumen an.
Denk auch an Haus- und Nutztiere. Das BBK rät, verängstigte Tiere zu beruhigen und darauf zu achten, dass sie Wohnung oder Stall nicht verlassen können.
Nach dem Sturm: Bäume, Leitungen, Gebäude
Wenn der Wind nachlässt, ist die Gefahr nicht vorbei. Das BBK warnt ausdrücklich davor, Wälder zu betreten: Auch nach einem Sturm können lose Äste herabstürzen und umgeknickte Bäume verletzen. Befolge die Anweisungen der Behörden und frag im Zweifel bei deiner Gemeinde nach, ob ein Betreten sicher ist.
Liegt ein Baum quer über der Straße oder auf deinem Grundstück, ist das kein Fall für die eigene Motorsäge. Umgestürzte und ineinander verkeilte Stämme stehen oft unter Spannung. Einen Baum auf der Straße meldest du der Feuerwehr oder Polizei, für dein Grundstück holst du einen Fachbetrieb.
Besonders gefährlich sind Leitungen, die ein Baum mitgerissen hat. Ob sie noch Strom führen, siehst du ihnen nicht an. Halte großen Abstand, lass niemanden heran und unternimm keine Bergungsversuche. Der Netzbetreiber Netze BW rät für Gegenstände in Freileitungen, den zuständigen Netzbetreiber oder Feuerwehr (112) beziehungsweise Polizei (110) zu verständigen; zum Entfernen muss die Leitung abgeschaltet werden. Die Störungsnummer deines Netzbetreibers trägst du am besten schon jetzt in deinen Notfallplan ein.
Ist jemand verletzt, leistest du Erste Hilfe und rufst gegebenenfalls den Rettungsdienst unter 112.
Achtung Herabhängende oder am Boden liegende Leitungen und alles, was sie berührt, nie anfassen. Abstand halten, andere fernhalten und den Netzbetreiber oder die 112 anrufen. Zum Entfernen muss die Leitung abgeschaltet werden – das kann nur der Netzbetreiber.
Dachschäden und Versicherung
Ist dein Wohngebäude stark beschädigt, bleibst du nach Empfehlung des BBK draußen und betrittst es erst wieder, wenn Fachleute es freigegeben haben. Bei einem stark beschädigten Dach hältst du ausreichend Abstand vom Haus und rufst die Feuerwehr unter 112. Steig nicht selbst aufs Dach, um Ziegel zurechtzurücken – lose Teile und nasse Flächen machen das zur Absturzfalle.
Bevor du aufräumst, kontrollierst und dokumentierst du, was beschädigt oder zerstört ist, zum Beispiel durch Glasbruch oder eindringendes Wasser. Fotos von allen Seiten, mit Datum, genügen für den Anfang. Elektrische Geräte nimmst du nur in Betrieb, wenn sie nicht feucht geworden sind.
Bringt der Sturm Starkregen mit und steht Wasser im Keller, ist Vorsicht geboten: Das BBK weist auf die Gefahr eines Stromschlags hin, wenn der Hausanschlusskasten im Keller untergebracht ist. Sind durch die Überflutung Heizöl oder andere gefährliche Stoffe ausgetreten, rufst du die Feuerwehr unter 112. Wie du mit Wasser im Haus umgehst, steht ausführlich im Artikel zu Hochwasser und Starkregen.
Welche Versicherung für welchen Sturmschaden aufkommt und wo Elementarschäden beginnen, ist ein eigenes Thema, das ein eigener Artikel behandelt. Für den Moment reicht: Schaden dokumentieren, den Versicherer zeitnah informieren und nichts entsorgen, was er noch sehen will.
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von einem Orkan?
Nach der Beaufort-Skala ab Stärke 12, also ab 118 km/h mittlerer Windgeschwindigkeit. Der DWD warnt vor Orkanböen ab 120 km/h.
Warum weichen die km/h-Werte in Warnung und Beaufort-Skala ab?
Die Beaufort-Skala beschreibt den mittleren Wind, die DWD-Warnungen beziehen sich auf Böen. Außerdem legt der DWD seine Schwellen in Metern pro Sekunde fest, daraus ergeben sich leicht abweichende km/h-Bereiche.
Ist der Keller bei einem Sturm der sicherste Ort?
Nicht unbedingt. Das BBK empfiehlt einen innen liegenden Raum im Erdgeschoss und rät vom Keller ab, weil er bei begleitendem Starkregen schnell volllaufen kann.
Darf ich einen umgestürzten Baum selbst zersägen?
Lass das Fachleute machen. Umgestürzte Stämme stehen oft unter Spannung; einen Baum auf der Straße meldest du der Feuerwehr oder Polizei. Hängt eine Leitung im Baum, geht ohne Abschaltung gar nichts.
Wann kann ich wieder in den Wald?
Erst wenn die Behörden oder deine Gemeinde es für sicher erklären. Auch nach dem Sturm können lose Äste herabstürzen und umgeknickte Bäume verletzen.
Quellen
- Warnkriterien – WindböenDeutscher Wetterdienst (DWD) · Schwellenwerte und Stufen der Windwarnungen, Bezug auf 10 m Höhe und auf die Beaufort-Skala
- Glossar: Beaufort-SkalaDeutscher Wetterdienst (DWD) · Stärken 0 bis 12 mit mittlerer Windgeschwindigkeit und Auswirkungen im Binnenland
- Orkan Kyrill – Rückblick auf den 18. Januar 2007Deutscher Wetterdienst (DWD) · Todesopfer, umgestürzte Bäume, Bahnstillstand, gemessene Böen und Vorlauf der Warnungen
- Was tun bei Sturm, Gewitter und Hagel?Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Zu Hause bleiben, Gegenstände sichern, geeigneter Raum, Verhalten im Freien, Tiere
- Handeln nach Sturm, Gewitter und HagelBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Wälder meiden, beschädigte Gebäude und Dächer, Schäden dokumentieren, Erste Hilfe
- Ausreichend Abstand zu Stromleitungen halten!Netze BW (Stromnetzbetreiber) · Keine Bergungsversuche an Freileitungen, Netzbetreiber oder 112/110 verständigen, Abschaltung nötig
