Einen Notruf setzen die meisten Menschen nur ein paar Mal im Leben ab – und dann unter Stress. Dieser Artikel klärt vorher in Ruhe, welche Nummer wofür da ist, was du am Telefon sagst, wie die Leitstelle dich findet und was gilt, wenn dein eigenes Netz ausgefallen ist, du nicht sprechen kannst oder im Ausland bist.
Das Wichtigste in Kürze
- 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei, 116 117 für dringende, nicht lebensbedrohliche Beschwerden.
- Beim Notruf sagst du, wo es passiert ist, was passiert ist und wer anruft – dann wartest du auf Rückfragen.
- Viele Smartphones schicken bei der 112 automatisch ihren Standort mit. Den Ort solltest du trotzdem selbst nennen.
- Ohne SIM-Karte ist in Deutschland kein Notruf vom Handy möglich. Mit gültiger Karte geht die 112 auch über fremde Netze.
- Wer nicht sprechen kann, erreicht die Leitstellen per Notruf-Fax oder über die Notruf-App nora.
Welche Nummer wofür
In Deutschland gibt es zwei Notrufnummern und eine Nummer für medizinische Hilfe, die nicht bis morgen warten kann. Die 112 erreicht Feuerwehr und Rettungsdienst, die 110 die Polizei. Notrufe sind kostenlos und funktionieren ohne Vorwahl.
Die 116 117 ist die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Laut dem Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist sie deutschlandweit ohne Vorwahl erreichbar, kostenfrei aus Fest- und Mobilfunknetz und rund um die Uhr besetzt. Sie ist gedacht für Beschwerden, mit denen du sonst in eine Arztpraxis gehen würdest, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Die Mitarbeitenden nennen dir eine geöffnete Bereitschaftspraxis oder schicken bei Bedarf eine Ärztin oder einen Arzt zu dir nach Hause.
Die Grenze zieht dieselbe Stelle klar: In lebensbedrohlichen Fällen alarmierst du den Rettungsdienst unter 112. Die Tabelle zeigt Beispiele, die der Patientenservice selbst nennt. Bist du unsicher, ob es lebensbedrohlich ist, rufst du lieber die 112.
Video: Wie wählt man den Notruf? | Die Maus | WDR (Die Maus) – Für Kinder gemacht: ein Merklied der Sendung mit der Maus zur 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst – gut, um die Nummer mit Kindern zu üben.
| 116 117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst | 112 – Rettungsdienst |
|---|---|
| Erkältung mit Fieber über 39 °C | Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung |
| anhaltender Brechdurchfall bei zu wenig Flüssigkeit | schwere Atemnot, starke Brustschmerzen |
| starke Hals- oder Ohrenschmerzen | starke, nicht stillbare Blutungen |
| akute Harnwegsinfekte, akute Rücken- oder Bauchschmerzen | Vergiftungen, starke Verbrennungen, Stromunfälle, anhaltende Krampfanfälle |
Giftnotruf: regional statt bundesweit
Für Vergiftungen gibt es keine bundesweit einheitliche Nummer, sondern Giftinformationszentren, die für bestimmte Länder zuständig sind. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) führt die Liste. Die meisten Nummern bestehen aus der Vorwahl des Standorts und 192 40.
Wichtig ist die Reihenfolge: Der Patientenservice 116 117 zählt Vergiftungen zu den Fällen für die 112. Ist jemand bewusstlos, hat schwere Atemnot oder krampft, wählst du deshalb zuerst die 112. Schreib dir die Nummer deines Giftinformationszentrums auf die Notfallliste, am besten neben die Hausapotheke.
| Standort | Zuständig laut Liste | Notruf |
|---|---|---|
| Göttingen (GIZ-Nord) | Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein | 0551 192 40 |
| Erfurt | Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | 0361 730 730 |
| Mainz | Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland | 0 61 31 192 40 |
| Berlin (Charité) | ohne Angabe | 030 192 40 |
| Bonn | ohne Angabe | 0228 192 40 |
| Freiburg | ohne Angabe | 0761 192 40 |
| München | ohne Angabe | 089 192 40 |
Was die Leitstelle von dir wissen will
Das BBK nennt für den Notruf drei Angaben: Wo ist der Notfallort? Was ist passiert? Wer ruft an? Danach kommt der wichtigste Teil, den viele vergessen: Warte auf Rückfragen. Die Leitstelle fragt gezielt nach dem, was sie für den Einsatz braucht. Du musst dir also keine lange Liste merken, sondern nur antworten und nicht als Erstes auflegen.
Das Wo ist die Angabe, an der am meisten hängt. Die Leitstelle Lausitz, eine Notrufleitstelle in Brandenburg, beschreibt die Ermittlung des Standorts als eines der größten Probleme bei Notrufen über Mobilfunk – in Extremsituationen können Anrufende oft nur schwer erklären, wo sie sind. Nenn deshalb Ort, Straße und Hausnummer, in Gebäuden auch Etage oder Eingang. Unterwegs helfen markante Punkte in der Nähe.
Ist eine Hausnummer schwer zu erkennen, rät das BBK, dafür zu sorgen, dass jemand die Rettungskräfte einweist. Was du bis zu ihrem Eintreffen tun kannst, steht im Artikel „Erste Hilfe: die Grundlagen“.
Wie die Leitstelle dich findet
Die Verordnung über Notrufverbindungen verpflichtet den Anbieter, der Leitstelle bei jedem Notruf die Rufnummer und Angaben zum Standort des Geräts zu übermitteln – ausdrücklich auch dann, wenn du die Anzeige deiner Rufnummer oder die Standortübermittlung sonst ausgeschlossen hast. Welche Leitstelle den Anruf bekommt, richtet sich nach dem Standort, den das Netz feststellt.
Die Netzangabe ist oft grob. Genauer ist Advanced Mobile Location, kurz AML. Nach den Angaben des Landkreises Heidekreis schickt ein Smartphone mit Android oder iOS beim Wählen der 112 automatisch Positionsdaten an einen nationalen Endpunkt, der bei der Berliner Feuerwehr und der Integrierten Leitstelle Freiburg steht. Die Position wird per GPS, WLAN und Funkzelle ermittelt, bei gutem GPS-Empfang auf wenige Meter genau. Eine eigene App brauchst du dafür nicht.
Die Daten liegen dort laut Landkreis 60 Minuten zum Abruf bereit und werden dann gelöscht. Einige Android-Versionen erlauben, die Funktion abzuschalten; der Landkreis rät ausdrücklich davon ab. Er weist auch darauf hin, dass noch nicht alle Leitstellen die genauen Daten verarbeiten können. Und die Leitstelle Lausitz nennt die Grenze: Ohne Netzverbindung werden auch keine Standortdaten übertragen. Nenn deinen Standort deshalb immer selbst.
Hinweis Die Angaben zu AML beschreiben den Notruf 112. Ob und wo AML auch bei der 110 genutzt wird, geht aus den hier verwendeten Quellen nicht hervor.
Wenn dein eigenes Netz fehlt
Nach der Verordnung über Notrufverbindungen muss jeder Mobilfunknetzbetreiber Notrufe unter der 112 auch für Kundinnen und Kunden anderer Netze ermöglichen. Ist nur der Mast deines Anbieters ausgefallen, ein anderer aber in Reichweite, kommt die 112 trotzdem durch. Das gilt auch bei einem wegen Zahlungsverzugs gesperrten Anschluss oder leerem Prepaid-Guthaben.
Für die 110 ist die Verordnung weniger streng: Sie erlaubt ausdrücklich, dass Notrufe unter 110 im Mobilfunk als nicht vorrangige Verbindungen und nur für im Netz eingebuchte Teilnehmer umgesetzt werden. Daraus folgt: Findet dein Handy dein eigenes Netz nicht, ist die 112 die sichere Wahl – auch wenn du eigentlich die Polizei brauchst. Sag dann gleich, dass es um einen Fall für die Polizei geht.
Geht gar kein Netz mehr, hilft auch die 112 am Handy nicht. Dann bleibt der Weg zu Fuß oder mit dem Rad: zur nächsten Feuerwache, Polizeiwache oder zu einer Notfall-Anlaufstelle deiner Gemeinde, sofern es eine gibt. Wie solche Anlaufstellen funktionieren und warum Handynetze im Stromausfall nicht lange durchhalten, steht im Artikel „Mobilfunk und Internet fallen länger aus“. Notier dir die Wege, solange alles läuft.
Achtung Ohne SIM-Karte ist in Deutschland kein Notruf vom Handy möglich. Die Verordnung über Notrufverbindungen sagt wörtlich, dass Notrufverbindungen von Mobiltelefonen ohne Mobilfunkkarte nicht zulässig sind. Auch eine Karte, die beim Einbuchen als ungültig erkannt wird, reicht nicht. Ein altes Handy ohne gültige Karte ist kein Notfalltelefon.
Wenn du nicht sprechen kannst
Menschen mit eingeschränkten Sprach- und Hörfähigkeiten können laut BBK ein Notruf-Fax an die 110 oder 112 senden. Außerdem gibt es die Notruf-App nora, über die sie direkt Kontakt zu den Leitstellen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst aufnehmen können, ohne zu sprechen.
Richte die App ein und mach dich mit ihr vertraut, bevor du sie brauchst – im Ernstfall ist dafür keine Zeit. Eine App braucht außerdem eine funktionierende Datenverbindung; im großflächigen Netzausfall hilft sie so wenig wie ein Anruf. Was Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf darüber hinaus vorab klären sollten, beschreibt der Artikel „Vorsorge mit Behinderung oder Pflegebedarf“.
Im Ausland, bei Versehen und bei Missbrauch
Die 112 gilt laut BBK nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und ist dort kostenfrei. Du musst dir für eine Reise innerhalb Europas also keine neue Nummer merken. Die Verordnung über Notrufverbindungen schreibt zudem vor, dass Notrufe, deren Ursprung das Netz im Ausland feststellt, nicht an deutsche Leitstellen geleitet werden. Im Ausland landest du also bei der dortigen Leitstelle – schildere den Ort dann so genau wie möglich.
Hast du dich verwählt oder ist das Handy in der Tasche losgegangen, sag der Leitstelle kurz, dass es ein Versehen war, statt wortlos aufzulegen. So muss dort niemand rätseln, ob doch etwas passiert ist.
Anders sieht es bei Absicht aus. § 145 des Strafgesetzbuchs bestraft, wer absichtlich oder wissentlich Notrufe missbraucht oder vortäuscht, dass wegen eines Unglücksfalls Hilfe nötig sei – mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Ein echtes Versehen erfasst der Wortlaut nicht. Und wer ehrlich unsicher ist, ob es ein Notfall ist, darf und soll anrufen.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem Handy ohne SIM-Karte die 112 anrufen?
Nein. Die Verordnung über Notrufverbindungen lässt Notrufe von Mobiltelefonen ohne Mobilfunkkarte ausdrücklich nicht zu. Mit gültiger Karte geht die 112 auch über fremde Netze und ohne Guthaben.
Wann rufe ich die 116 117 statt der 112?
Bei Beschwerden, mit denen du sonst in eine Arztpraxis gehen würdest, die aber nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten können. Ist es lebensbedrohlich, wählst du die 112.
Weiß die Leitstelle, wo ich bin?
Sie bekommt Rufnummer und Standortangaben aus dem Netz. Viele Smartphones schicken bei der 112 zusätzlich eine genaue Position mit, doch nicht jede Leitstelle kann sie schon nutzen. Nenn deinen Standort deshalb immer selbst.
Gibt es eine bundesweite Nummer für den Giftnotruf?
Nein. Zuständig sind regionale Giftinformationszentren mit eigenen Nummern, die das BVL auflistet. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krämpfen wählst du zuerst die 112.
Ist es strafbar, versehentlich die 112 zu wählen?
§ 145 StGB bestraft absichtlichen oder wissentlichen Missbrauch von Notrufen. Ein Versehen fällt nach dem Wortlaut nicht darunter. Sag der Leitstelle einfach kurz Bescheid.
Quellen
- Erste Hilfe und NotrufBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Angaben beim Notruf, Rückfragen, Einweisen, 112 europaweit kostenfrei, Notruf-Fax und Notruf-App nora
- Verordnung über Notrufverbindungen (NotrufV), § 4Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de · Unentgeltlichkeit, Übermittlung von Rufnummer und Standort, 112 über fremde Netze, kein Notruf ohne SIM-Karte, Sonderregel für 110, Notrufe mit Ursprung im Ausland
- Notrufortung mit Advanced Mobile Location (AML)Landkreis Heidekreis · Funktionsweise, Genauigkeit, Speicherdauer und Grenzen von AML beim Notruf 112
- Ortung von Notrufen mittels „Advanced Mobile Location“Leitstelle Lausitz (Notrufleitstelle in Brandenburg) · Standortermittlung als Problem bei Mobilfunknotrufen, keine Übertragung ohne Netzverbindung
- Der ärztliche BereitschaftsdienstKassenärztliche Bundesvereinigung, 116117.de · Aufgabe und Erreichbarkeit der 116 117, Beispiele für 116 117 und für 112
- Liste der Giftnotrufzentralen und GiftinformationszentrenBundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) · Standorte, Zuständigkeiten und Notrufnummern der Giftinformationszentren
