Die meisten Hausapotheken sind gewachsen, nicht geplant: ein paar Pflaster, Reste von der letzten Erkältung, irgendwo eine Schere. Dieser Artikel sortiert das in drei klare Schubladen – Verbandmaterial, Medikamente, Hilfsmittel – und zeigt, wie du die eigene Dauermedikation mitdenkst. Welche Mittel konkret zu dir passen, klärst du in deiner Apotheke oder Arztpraxis.
Das Wichtigste in Kürze
- Denk in drei Schubladen: Verbandmaterial, Medikamente, Hilfsmittel – plus deine persönliche Dauermedikation.
- Wer regelmäßig Medikamente braucht: Vorrat für mindestens zehn Tage, abgestimmt mit der Arztpraxis.
- Kein Badezimmer: abschließbarer Schrank in einem kühlen, trockenen Raum, unerreichbar für Kinder.
- Kategorien statt Präparate – welches Mittel zu dir passt, sagt dir deine Apotheke.
- Auffüllen, bevor etwas verbraucht oder abgelaufen ist, und einen Erste-Hilfe-Kurs einplanen.
Wofür die Hausapotheke da ist – und wofür nicht
In einer Krise oder Katastrophe kann es sein, dass Rettungsdienst, Krankenhäuser und Apotheken vorübergehend nicht verfügbar sind. So beschreibt es das BBK. Eine Hausapotheke soll dir helfen, kleine Notfälle selbst zu bewältigen und die Zeit zu überbrücken, bis wieder Hilfe erreichbar ist.
Was sie nicht ist: ein Ersatz für ärztliche Behandlung. Das DRK formuliert es deutlich – eine gute Hausapotheke ist für die Erstversorgung kleinerer Beschwerden wichtig, kann einen Arztbesuch aber nicht in allen Fällen ersetzen.
Deshalb nennt dieser Artikel bewusst Kategorien und keine Wirkstoffe, keine Präparate und keine Dosierungen. Genau so ist auch die Checkliste der ABDA aufgebaut: Neben jeder Kategorie steht Platz für die individuelle Empfehlung deiner Apotheke.
Achtung Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei Beschwerden, Unsicherheit, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei Kindern wendest du dich an deine Arztpraxis oder Apotheke. Im Notfall: 112. Außerhalb der Sprechzeiten: 116 117.
Verbandmaterial: die Basis
Das Verbandmaterial ist der Teil der Hausapotheke, bei dem du am wenigsten falsch machen kannst – und der am ehesten fehlt, wenn man ihn braucht. Die ABDA-Checkliste listet ihn als eigenen Block auf.
Wenn du nicht alles einzeln kaufen willst: Verbandkästen und Erste-Hilfe-Sets enthalten laut BBK Materialien für die Versorgung von Verletzungen und sind eine gute Grundlage, die du dann gezielt ergänzt.
- Steriler Verbandmull, Mullbinden und Verbandpäckchen
- Elastische Binden – das DRK empfiehlt ein bis zwei für Zerrungen und Verstauchungen
- Heftpflaster, Wundschnellverbände und Blasenpflaster
- Dreiecktuch
- Brandwunden-Verbandpäckchen beziehungsweise Verbandtuch für Brandwunden
- Schere, Pinzette oder Zeckenpinzette, Sicherheitsnadeln
- Einmalhandschuhe
- Wund- und Hautdesinfektionsmittel
Medikamente: Kategorien statt Präparate
Bei den Medikamenten wird es individuell. Was für dich geeignet ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen, anderen Medikamenten und einer möglichen Schwangerschaft ab. Deshalb findest du hier Kategorien, wie sie ABDA und BBK nennen – die konkrete Auswahl gehört in die Apotheke.
Das DRK rät ausdrücklich, sich von der Apothekerin oder dem Apotheker beraten zu lassen, welche Mittel gegen Erkältung, Schmerzen, Fieber, Durchfall oder Übelkeit im eigenen Fall geeignet sind.
Leben Säuglinge, Klein- oder Schulkinder im Haushalt, kommen laut ABDA-Checkliste altersgerechte Ergänzungen dazu – genannt werden unter anderem Mittel gegen Zahnungsbeschwerden, Cremes gegen entzündete Haut im Windelbereich, fiebersenkende Mittel in altersgerechter Darreichungsform, Kochsalz- oder Kinder-Nasenspray und Elektrolytlösung bei Durchfall. Auswahl und Dosierung für Kinder gehören in die Apotheke oder Kinderarztpraxis.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Notfallmedikamente bei Vergiftungen wie Aktivkohle oder Entschäumer nennt die ABDA ausdrücklich nur zur Anwendung nach telefonischer Rücksprache mit dem Giftnotruf oder einer Ärztin. Die Nummer der zuständigen Vergiftungszentrale gehört deshalb griffbereit an den Schrank.
- Schmerz- und Fiebermittel
- Mittel gegen Erkältung, Halsschmerzen, Husten und Schnupfen
- Abschwellende Nasentropfen oder Nasenspray
- Mittel gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
- Elektrolytlösung zum Ausgleich von Flüssigkeitsverlust
- Mittel gegen Verstopfung und Verdauungsbeschwerden
- Mittel gegen Allergien, Insektenstiche, Sonnenbrand und Juckreiz
- Wund- und Heilsalbe sowie Desinfektionsmittel
- Persönliche Medikamente nach individuellem Bedarf
Tipp Druck dir die ABDA-Checkliste aus und nimm sie mit in die Apotheke. Neben jeder Kategorie ist Platz für die Empfehlung, die zu dir passt. Genau dafür ist die Liste gemacht.
Hilfsmittel und Informationen
Der dritte Block wird gern vergessen, weil es keine Medikamente sind. Ohne ihn nützt der Rest aber wenig – ein Fieberthermometer misst kein Fieber, wenn die Batterie leer ist.
Das BBK denkt hier ausdrücklich auch an Menschen, die im Alltag auf Hilfsmittel angewiesen sind: Brille oder Hörgerät, Ersatz-Batterien, -Akkus und -Ladegeräte für technische Hilfsmittel und ein Medikamentenplan gehören zur persönlichen Vorsorge. Wer eine Brille trägt, legt die alte als Reserve dazu.
- Fieberthermometer, funktionsfähig und mit frischer Batterie
- Kühlkompressen – manche gehören ins Gefrierfach, notiere das im Schrank
- Wärmflasche oder Körnerkissen
- Zeckenzange oder Zeckenkarte
- Ersatz für persönliche Hilfsmittel wie Brille oder Hörsysteme, plus Batterien und Ladegeräte
- Eine Erste-Hilfe-Anleitung auf Papier
- Notfallnummern auf Papier: 112, 110, 116 117, Giftnotruf, Hausarztpraxis, Apothekennotdienst
Dauermedikation: der wichtigste Punkt
Hier entscheidet sich, ob eine Hausapotheke im Ernstfall wirklich trägt. Wer regelmäßig auf Medikamente angewiesen ist, für den ist laut BBK ein Vorrat für mindestens zehn Tage sinnvoll. Das entspricht dem Referenzzeitraum, mit dem das BBK auch bei Wasser und Lebensmitteln rechnet.
Das DRK benennt die Verantwortung klar: Patientinnen und Patienten sollten ihren persönlichen Medikamentenbedarf in den benötigten Mengen vorrätig haben und rechtzeitig neue Rezepte einholen.
Genau hier liegt die praktische Hürde. Verschreibungspflichtige Medikamente bekommst du in der Menge, die verordnet wurde – ein Puffer entsteht nicht von selbst, und die Reichweite eines Rezepts ist begrenzt. Der Weg führt deshalb über ein Gespräch in der Arztpraxis: Sag, dass du einen Vorrat aufbauen möchtest, und frage, wie sich das bei deinen Medikamenten regeln lässt.
Ob und wie weit sich ein Vorrat aufbauen lässt, ist eine medizinische Entscheidung, keine Vorratsfrage. Eigenmächtig Dosen zu strecken, Packungen zu sparen oder Medikamente abzusetzen, um einen Puffer zu bilden, ist gefährlich. Hilfreich ist dabei der Medikationsplan, den das BBK ausdrücklich als Teil der Vorsorge nennt – er hilft dir beim Nachhalten und Rettungskräften, wenn du selbst nichts sagen kannst.
Achtung Gib Medikamente nicht an andere weiter, auch nicht mit guter Absicht. Das DRK weist darauf hin, dass jedes verordnete Medikament auf eine bestimmte Person und ihre Situation zugeschnitten ist und anderen schaden kann.
Aufbewahrung: kühl, trocken, verschließbar
Das BBK rät, die Hausapotheke in einem abschließbaren Schrank oder Fach aufzubewahren und dafür einen wenig beheizten, trockenen Raum zu wählen. Das Badezimmer ist ausdrücklich ungeeignet.
Den Grund nennt das Gesundheitsportal des Bundes: Medikamente reagieren empfindlich auf Wärme, Feuchtigkeit und Licht. Damit fallen Bad und Küche als Lagerort aus. Ideal ist ein verschließbarer Schrank an einem kühlen und trockenen Ort, der für Erwachsene gut erreichbar und für Kinder unerreichbar ist.
Das DRK ergänzt den Sicherheitsaspekt: Der Schrank sollte in einer gewissen Höhe angebracht und am besten verschlossen sein, damit Kinder keinen Zugang zu Medikamenten haben.
Und ein Detail, das oft schiefgeht: Bewahre Medikamente immer in der Originalverpackung zusammen mit dem Beipackzettel auf. Nur so bleiben Verfallsdatum, Anwendungshinweise und Warnhinweise beim Mittel.
Tipp Ein Teil der Hausapotheke liegt woanders – Kühlkompressen im Gefrierfach, vielleicht ein kühlpflichtiges Medikament im Kühlschrank. Notiere auf einem Zettel im Schrank, was wo liegt, damit im Ernstfall niemand suchen muss.
Haltbarkeit und regelmäßige Prüfung
Abgelaufene Medikamente verlieren laut BBK nicht nur ihre Wirkung, sie können auch gefährlich werden. Eine Hausapotheke gehört deshalb in den Kalender.
Zwei Regeln genügen. Erstens: Prüfe regelmäßig das Verfallsdatum aller Packungen. Zweitens: Fülle deinen Vorrat an wichtigen Medikamenten und Verbandmaterialien auf, bevor er verbraucht ist – nicht danach. So formuliert es das BBK, und es ist der Unterschied zwischen einer Hausapotheke und einer Schublade.
Bei angebrochenen Packungen hilft es, das Datum des Anbruchs auf der Schachtel zu notieren. Wie lange ein Mittel nach dem Öffnen verwendbar ist, unterscheidet sich stark – das klärst du am besten direkt in der Apotheke, am einfachsten beim nächsten Einkauf.
Zur Entsorgung: Abgelaufene Medikamente können laut dem Gesundheitsportal des Bundes in der Regel über den Hausmüll entsorgt werden, keinesfalls über Abfluss oder Toilette. Weil die Regeln örtlich abweichen können, lohnt ein Blick auf die Abfallseite deiner Kommune. Nicht mehr benötigte Medikamente sollten laut DRK fachgerecht entsorgt und nicht weitergegeben werden.
Ein guter fester Termin für die Prüfung ist ein Datum, das du ohnehin im Kopf hast – die Zeitumstellung, der bundesweite Warntag im September oder der eigene Geburtstag.
Erste Hilfe können ist wichtiger als Material besitzen
Material ohne Können hilft wenig. Das BBK empfiehlt deshalb einen Erste-Hilfe-Kurs: Dort lernt und übt man lebensrettende Maßnahmen, und wenn der letzte Kurs lange her ist, frischt man die Kenntnisse am besten auf.
Ein konkretes Beispiel aus dem BBK-Ratgeber ist der Druckverband bei einer tiefen, stark blutenden Wunde. Der Ablauf: Kompresse auf die Wunde legen, mit einer Mullbinde zwei- bis dreimal umwickeln, ein Druckpolster – zum Beispiel ein Päckchen Mullbinden aus dem Verbandkasten – auf die Wundstelle legen, dieses mehrfach umwickeln und die Binde mit Pflasterstreifen befestigen.
Auch bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann laut BBK jeder Mensch helfen: mit einer Herzdruckmassage. Sie zu lernen ist nicht schwer, und Anleitungen gehören zu jedem Erste-Hilfe-Kurs.
Wenn du die Hausapotheke sowieso gerade auffüllst, ist das der richtige Moment, den Kurs zu buchen. Das Material liegt dann im Schrank – und du weißt, was du damit tust.
Video: Stärkere Blutung stoppen: So kannst du mit Hilfsmitteln einen Druckverband anlegen! (gesundheitsinformation.de) – Das IQWiG-Portal gesundheitsinformation.de zeigt in anderthalb Minuten ohne Ton-Kommentar Schritt für Schritt, wie ein Druckverband angelegt wird – derselbe Ablauf wie im BBK-Ratgeber.
Häufige Fragen
Wie viel Vorrat an eigenen Medikamenten ist sinnvoll?
Das BBK nennt für Menschen, die regelmäßig auf Medikamente angewiesen sind, einen Vorrat für mindestens zehn Tage. Wie sich das bei deinen Medikamenten konkret umsetzen lässt, besprichst du mit deiner Arztpraxis.
Kann ich mir einfach einen Vorrat verschreiben lassen?
Verschreibungspflichtige Medikamente bekommst du in der verordneten Menge, ein Puffer entsteht also nicht von selbst. Sprich das Thema in der Arztpraxis an. Dosen eigenmächtig zu strecken oder Medikamente abzusetzen, um Vorrat zu bilden, ist keine Option.
Gehört die Hausapotheke ins Badezimmer?
Nein. Das BBK rät zu einem abschließbaren Schrank in einem wenig beheizten, trockenen Raum und nennt das Bad ausdrücklich ungeeignet. Medikamente reagieren empfindlich auf Wärme, Feuchtigkeit und Licht.
Wie oft sollte ich die Hausapotheke prüfen?
Regelmäßig – am besten gekoppelt an einen festen Termin im Jahr. Das BBK rät, Medikamente und Verbandmaterial aufzufüllen, bevor der Vorrat verbraucht ist, und abgelaufene Mittel auszusortieren.
Was mache ich, wenn abends oder am Wochenende alle Apotheken zu haben?
Dann hilft der Apothekennotdienst; die zuständige Notdienstapotheke erfährst du über den Apothekenfinder der Apothekerverbände. Für ärztlichen Rat außerhalb der Sprechzeiten ist 116 117 zuständig, im Notfall immer 112.
Quellen
- Im Notfall schnell einsatzbereit: Die HausapothekeBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Empfohlene Inhalte, Aufbewahrung im abschließbaren Schrank, Auffüllen vor dem Verbrauch, Hinweis auf abgelaufene Medikamente
- Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber, PDF)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Vorrat für mindestens zehn Tage bei Dauermedikation, Checkliste Hausapotheke, Medikamentenplan, Druckverband, Erste-Hilfe-Kurs
- Was in die Hausapotheke gehörtgesund.bund.de – Bundesministerium für Gesundheit · Aufteilung in Medikamente, Verbandmaterial und Hilfsmittel, Lagerung, Originalverpackung, Entsorgung
- Checkliste Hausapotheke (PDF)ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände · Kategorien statt Präparate, Verbandmaterial, Zusatzlisten für Säuglinge und Kinder, Notfalladressen
- Weltgesundheitstag: Was gehört in eine Hausapotheke?Deutsches Rotes Kreuz (DRK) · Beratung in der Apotheke, eigenverantwortliche Bevorratung und rechtzeitige Rezepte, Kindersicherheit, keine Weitergabe von Medikamenten
