Ein Vorrat scheitert selten am Platz und fast nie am Geld. Er scheitert daran, dass niemand isst, was da steht – und irgendwann wandert alles in den Müll. Dieser Artikel zeigt dir, wie du einen Vorrat für zehn Tage aus dem aufbaust, was ohnehin auf deinem Teller landet. Und er rechnet dir vor, wie viel du dafür tatsächlich brauchst.
Das Wichtigste in Kürze
- Das BBK empfiehlt, sich zehn Tage lang selbst versorgen zu können. Drei Tage sind ein guter Anfang.
- Bau den Vorrat aus dem, was du sowieso isst – dann verbrauchst du ihn und wirfst nichts weg.
- Richtwert je Person und Tag: 330 g Getreide, 400 g Gemüse, 250 g Obst, 2 Liter Trinkwasser.
- Für eine Person und 10 Tage sind das 3,3 kg Getreide, 4 kg Gemüse, 2,5 kg Obst, 20 Liter Wasser.
- Lege pro Einkauf ein bis zwei Packungen mehr dazu, statt einen einzigen Großeinkauf zu stemmen.
Warum zehn Tage der übliche Maßstab sind
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich so lange wie zehn Tage selbst versorgen zu können. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) nennt dieselbe Zahl und stellt dafür Vorratstabellen und einen Kalkulator bereit. Zehn Tage sind lang genug, um eine Störung zu überbrücken, und kurz genug, dass du dein Zuhause nicht in ein Lager verwandeln musst.
Wenn dir zehn Tage zu viel erscheinen: Das BBK sagt ausdrücklich, dass auch ein Vorrat für drei Tage schon hilft und dass du ihn nach und nach aufstocken kannst. Niemand muss am ersten Wochenende fertig sein.
Wichtig ist, was hinter der Zahl steckt. Ein Vorrat ist kein Bunkerlager für den Ernstfall, sondern ein Puffer für den ganz normalen Alltag: ein Sturm, der die Straße blockiert, ein Stromausfall, eine Grippe, die dich drei Tage flachlegt, oder schlicht ein Monatsende, an dem das Geld knapp ist.
Video: Für alle Fälle kurz erklärt: Wie funktioniert Bevorratung? (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – BBK-Erklärfilm (knapp 3 Minuten): wie ein guter Notvorrat aussieht und worauf man bei der Zusammenstellung achtet.
Der Trick: Der Vorrat besteht aus deinem normalen Essen
Der häufigste Grund, warum ein Notvorrat irgendwann in der Tonne landet, ist simpel: Er besteht aus Dingen, die im Haushalt niemand freiwillig isst. Die Dosen stehen jahrelang im Regal, laufen ab und werden entsorgt. Das kostet Geld und bringt keine Sicherheit.
Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) nennt die Alternative den „lebenden Vorrat“: Du kaufst bei jedem normalen Einkauf ein bis zwei Packungen mehr, als du in dieser Woche brauchst. Der Vorrat wächst dabei von allein. Und weil er aus deinen üblichen Lebensmitteln besteht, wird er im Alltag verbraucht und wieder aufgefüllt.
Auch die BLE und die Verbraucherzentrale betonen denselben Punkt: Vorräte sollen nicht nur für den Notfall dastehen, sondern regelmäßig benutzt und nachgefüllt werden. Ein Vorrat, der zum Kochen taugt, ist automatisch ein Vorrat, der frisch bleibt.
Tipp Schreib nicht auf, was du bevorraten „solltest“, sondern was ihr in den letzten vier Wochen wirklich gegessen habt. Davon kaufst du mehr. Das ist der ganze Plan.
Die Richtwerte: was ein Mensch pro Tag braucht
Die BLE rechnet mit einer täglichen Energiezufuhr von 2.200 Kilokalorien je Person. Daraus ergeben sich Richtwerte für die einzelnen Lebensmittelgruppen. Tiefkühlkost ist in diesen Empfehlungen bewusst nicht enthalten, weil der Gefrierschrank bei einem Stromausfall als Erstes ausfällt.
Die folgende Tabelle zeigt die Richtwerte je Person – einmal für einen Tag und einmal hochgerechnet auf die empfohlenen zehn Tage.
| Lebensmittelgruppe | pro Tag | für 10 Tage |
|---|---|---|
| Getreide, Brot, Kartoffeln | 330 g | 3,3 kg |
| Gemüse und Hülsenfrüchte | 400 g | 4,0 kg |
| Obst und Nüsse | 250 g | 2,5 kg |
| H-Milch | 200 ml | 2,0 l |
| Milcherzeugnisse | 50 g | 500 g |
| Fleisch, Wurst, Fisch | 90,5 g | 905 g |
| Eier | 0,5 Stück | 5 Stück |
| Streichfette | 18 g | 180 g |
| Speiseöl | 15 ml | 150 ml |
| Trinkwasser und Getränke | 2 l | 20 l |
Die Mengen für deinen Haushalt
Die Richtwerte gelten je Person. Für einen Haushalt multiplizierst du sie einfach. Der Vorratskalkulator der BLE macht genau das und rechnet auf Wunsch auch Zeiträume von einem bis 28 Tagen aus.
Die Tabelle zeigt die Mengen für zehn Tage bei ein, zwei und vier Personen. Bei Kindern, älteren Menschen oder sehr körperlich arbeitenden Personen liegt der Bedarf darüber oder darunter – die BLE empfiehlt ausdrücklich, Alter, Aktivität und besondere Ernährungsbedürfnisse zu berücksichtigen.
| Lebensmittelgruppe | 1 Person | 2 Personen | 4 Personen |
|---|---|---|---|
| Getreide, Brot, Kartoffeln | 3,3 kg | 6,6 kg | 13,2 kg |
| Gemüse und Hülsenfrüchte | 4,0 kg | 8,0 kg | 16,0 kg |
| Obst und Nüsse | 2,5 kg | 5,0 kg | 10,0 kg |
| H-Milch | 2,0 l | 4,0 l | 8,0 l |
| Milcherzeugnisse | 500 g | 1,0 kg | 2,0 kg |
| Fleisch, Wurst, Fisch | 905 g | 1,81 kg | 3,62 kg |
| Eier | 5 Stück | 10 Stück | 20 Stück |
| Streichfette | 180 g | 360 g | 720 g |
| Speiseöl | 150 ml | 300 ml | 600 ml |
| Trinkwasser und Getränke | 20 l | 40 l | 80 l |
Hinweis Streichfette und Speiseöl zusammen ergeben für zehn Tage 330 g je Person – genau der Wert, den die Vorratstabelle der BLE für die Gruppe „Fette, Öl“ nennt.
Von der Tabelle zum Einkaufszettel
Die Richtwerte nennen Gruppen, keine Produkte. Das ist Absicht: Du entscheidest, womit du sie füllst. Die Vorratstabelle der BLE nennt als Beispiele unter anderem Vollkornbrot, Nudeln, Konservengemüse, Obstkonserven, H-Milch und Hartkäse.
Das BBK ergänzt, worauf es bei der Auswahl ankommt: Die Lebensmittel sollen ohne Kühlung haltbar sein, möglichst ohne oder mit wenig Zubereitung auskommen und kurze Garzeiten haben. Der Grund für den letzten Punkt ist praktisch: Wenn du auf einem Campingkocher kochst, ist jede eingesparte Minute Brennstoff, der länger reicht.
So lassen sich die Gruppen im Alltag füllen:
- Getreide, Brot, Kartoffeln: Nudeln, Reis, Couscous, Haferflocken, Zwieback, Knäckebrot, Kartoffelpüreepulver
- Gemüse und Hülsenfrüchte: Gemüsekonserven, Linsen und Bohnen aus der Dose, passierte Tomaten, eingelegte Gurken
- Obst und Nüsse: Obstkonserven, Apfelmus, Trockenobst, Nüsse, Müsliriegel
- Milch und Milcherzeugnisse: H-Milch, Kondensmilch, Hartkäse, haltbare pflanzliche Drinks
- Fleisch, Wurst, Fisch: Fisch- und Fleischkonserven, Dauerwurst, Trockenfleisch
- Fette: Speiseöl, Butterschmalz, haltbare Streichfette
- Ergänzend: Salz, Zucker, Gewürze, Kaffee, Tee, Brühe, Fertigsuppen
In kleinen Schritten aufbauen
Ein kompletter Zehn-Tage-Vorrat für vier Personen sind rund 45 Kilogramm Lebensmittel plus 80 Liter Getränke. Das auf einmal zu kaufen ist teuer, schwer zu tragen und meistens unnötig.
Besser ist der Weg über viele kleine Schritte. Nimm dir pro Einkauf eine Gruppe vor und lege dort ein bis zwei Packungen zusätzlich in den Wagen. Nach zwei bis drei Monaten steht der Vorrat, ohne dass du je einen großen Betrag auf einmal ausgegeben hast.
Die Verbraucherzentrale Sachsen rät ausdrücklich, den Vorrat im normalen Supermarkt zusammenzukaufen statt fertige Notfallpakete zu bestellen, und Sonderangebote zu nutzen – aber nur in Mengen, die du auch wirklich verbrauchst.
Tipp Notiere nach dem Einkauf eine Zeile in einer Liste am Kühlschrank: Gruppe, Menge, Datum. Das ist der Anfang deines Vorratsplans – und er erspart dir später das Wühlen.
Was in keiner Tabelle steht
Die Richtwerte decken den Energiebedarf eines Durchschnittsmenschen. Sie decken nicht das ab, was deinen Haushalt besonders macht. Die Verbraucherzentrale Sachsen und die BLE nennen beide dieselben Punkte, an die man zuerst denken sollte.
Geh die Liste einmal durch und ergänze, was bei euch dazugehört. Bei Medikamenten und besonderen Ernährungsformen sprich das bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt beziehungsweise in der Apotheke ab – dazu gehört auch die Frage, wie sich Medikamente richtig lagern lassen.
- Säuglings- und Kleinkindnahrung, falls Babys im Haushalt leben
- Lebensmittel für Allergien und Unverträglichkeiten sowie Spezialnahrung
- Regelmäßig benötigte Medikamente – Vorrat und Lagerung ärztlich klären
- Futter und Wasser für alle Haustiere
- Dinge, die den Alltag erträglich machen: Kaffee, Schokolade, das Lieblingsgewürz
Wo der Vorrat hingehört
Die BLE nennt konkrete Bedingungen für die üblichen Lagerorte: Ein Speiseschrank oder eine Kammer sollte bei 15 bis 20 °C und höchstens 70 Prozent Luftfeuchte liegen, ein Keller bei 4 bis 12 °C. Gemüsekonserven gehören trocken, luftig und möglichst unter 20 °C gelagert; dort halten sie ein bis zwei Jahre.
Trockene Lebensmittel wie Mehl, Reis oder Nudeln gehören in luftdicht verschlossene Behälter – das schützt vor Feuchtigkeit und vor Schädlingen. Viele Produkte sollten zusätzlich vor direktem Licht geschützt stehen.
Wenn der Platz knapp ist, empfiehlt die Verbraucherzentrale Sachsen, kreativ zu werden: unter Betten, hinter Türen, in ungenutzten Schrankecken. Der Vorrat muss nicht an einem Ort stehen. Er muss nur auffindbar sein – und das ist wieder eine Aufgabe für deinen Vorratsplan.
Häufige Fragen
Reichen drei Tage nicht auch?
Als Einstieg ja. Das BBK nennt einen Drei-Tage-Vorrat ausdrücklich als guten Anfang, empfiehlt aber, ihn schrittweise auf zehn Tage auszubauen.
Warum ist Tiefkühlkost in den Richtwerten nicht enthalten?
Weil die Empfehlungen einen Stromausfall mitdenken. Fällt der Strom aus, ist der Gefrierschrank keine verlässliche Vorratsquelle mehr.
Wie viel Wasser brauche ich zusätzlich zum Essen?
Plane 2 Liter pro Person und Tag ein, also 20 Liter für zehn Tage. Darin sind 0,5 Liter Koch- und Zubereitungswasser enthalten.
Kann ich den Vorrat einfach vegetarisch aufbauen?
Ja. Die BLE stellt neben der Standardtabelle auch eine vegetarische Vorratstabelle bereit, die dieselbe Energiemenge abdeckt.
Muss ich die Mengen genau treffen?
Nein. Die Werte sind Richtwerte für einen Durchschnittsbedarf. Wichtiger als Genauigkeit ist, dass der Vorrat aus Lebensmitteln besteht, die ihr wirklich esst.
Quellen
- Essen und Trinken bevorratenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Empfehlung von zehn Tagen, Drei-Tage-Einstieg, Auswahlkriterien für haltbare Lebensmittel
- NotvorratBundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), ernaehrungsvorsorge.de · Zehn-Tage-Empfehlung, Grundlage von 2.200 kcal pro Person und Tag, Ausschluss von Tiefkühlkost
- VorratstabelleBundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) · Mengen je Lebensmittelgruppe für zehn Tage und Produktbeispiele
- Private ErnährungsvorsorgeBundeszentrum für Ernährung (BZfE) · Prinzip des „lebenden Vorrats“: bei jedem Einkauf ein bis zwei Packungen mehr
- So können Lebensmittel gelagert werdenBundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) · Temperatur- und Feuchtewerte für Speisekammer, Keller und Konserven
- Vorräte smart organisieren: Der 10-Punkte-PlanVerbraucherzentrale Sachsen · Schrittweiser Aufbau, luftdichte Behälter, Platzlösungen, Sonderbedarf und Haustiere
