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Grundlagen

Vorsorge anfangen: die ersten Schritte, die wirklich zählen

Du hast noch gar nichts gemacht? Dann ist die Reihenfolge wichtiger als die Menge. Womit du anfängst, warum Wasser zuerst kommt und was warten kann.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 23. September 2026
Ein geöffnetes Notfallset enthält Wasser, Taschenlampe, Radio, Batterien und weitere grundlegende Ausrüstung.
Für den Einstieg reicht ein überschaubares Set aus Dingen, die im Alltag tatsächlich gebraucht und verstanden werden.Foto: Red Cross · Public Domain · Wikimedia Commons

Vorsorge klingt nach Kellerregalen, Spezialausrüstung und großen Anschaffungen. In Wirklichkeit fängt sie mit ein paar Kisten Wasser und einem freien Nachmittag an. Dieser Artikel zeigt dir die Reihenfolge, in der du am meisten Sicherheit für den geringsten Aufwand bekommst – und was du guten Gewissens später machen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fang beim Trinkwasser an: 2 Liter pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen.
  • Das BBK rechnet mit 10 Tagen, sagt aber selbst: drei Tage helfen schon sehr.
  • Kauf nichts Spezielles, sondern mehr von dem, was du ohnehin isst.
  • Licht, ein Radio mit Batterie und Bargeld decken den häufigsten Fall ab: den Stromausfall.
  • Dokumentenmappe und Notgepäck kosten fast nichts und sind an einem Abend erledigt.

Fang mit einem Nachmittag an, nicht mit einem Plan

Die meisten Menschen scheitern an der Vorsorge, bevor sie angefangen haben – weil sie zuerst den perfekten Plan bauen wollen. Das ist nicht nötig. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gliedert Vorsorge in überschaubare Bausteine: Essen und Trinken, Notgepäck, Dokumentenmappe, Hausapotheke, Brandschutz, Stromausfall, Naturgefahren, Hygiene.

Du musst diese Bausteine nicht gleichzeitig angehen. Es reicht, sie in einer sinnvollen Reihenfolge abzuarbeiten. Die Reihenfolge in diesem Artikel folgt einem einfachen Prinzip: zuerst das, was sich im Ernstfall am schlechtesten improvisieren lässt.

Rechne für den Einstieg mit einem Nachmittag, einem etwas größeren Wocheneinkauf und einem Ordner. Alles Weitere darf über Monate wachsen.

Tipp Setz dir kein Ziel wie „zehn Tage autark“. Setz dir ein Ziel wie „heute die Wasserkiste“. Kleine abgeschlossene Schritte tragen weiter als eine große offene Liste.

Schritt 1: Wasser – der Vorrat, der sich nicht ersetzen lässt

Wasser kommt aus einem nüchternen Grund zuerst: Es ist der Vorrat, den du zu Hause am schlechtesten improvisieren kannst. Lebensmittel lassen sich strecken, Licht lässt sich ersetzen, Trinkwasser nicht. Und die Wasserversorgung hängt an Technik – das BBK nennt sie ausdrücklich als einen der Bereiche, die ein längerer Stromausfall betrifft.

Die Rechengröße ist einfach: 2 Liter pro Person und Tag. Das BBK setzt mindestens 1,5 Liter zum Trinken an und rechnet 0,5 Liter zum Kochen und Zubereiten dazu. Für den Referenzzeitraum von zehn Tagen sind das 20 Liter pro Person, für einen Vier-Personen-Haushalt 80 Liter.

Das klingt nach viel, und es ist viel – für eine Familie etwa vier Kästen Mineralwasser. Genau deshalb steht Wasser am Anfang: Es braucht Platz, es ist schwer, und man schiebt es sonst ewig vor sich her. Kauf beim nächsten Einkauf einen Kasten mehr und wiederhol das, bis die Menge stimmt.

Eine große Flasche steht für 2 Liter am Tag: 1,5 Liter zum Trinken, 0,5 Liter zum Kochen. Ein Pfeil führt zu zehn kleinen Flaschen: 10 Tage ergeben 20 Liter.
Die BBK-Rechengröße je Person: 2 Liter am Tag, für zehn Tage 20 Liter.Skizze: WildWeasel
Trinkwasservorrat nach der BBK-Rechengröße von 2 Litern pro Person und Tag
Haushalt3 Tage10 Tage
1 Person6 Liter20 Liter
2 Personen12 Liter40 Liter
3 Personen18 Liter60 Liter
4 Personen24 Liter80 Liter

Schritt 2: Essen, das du sowieso isst

Der zweite Schritt ist der Lebensmittelvorrat. Über das Portal ernaehrungsvorsorge.de rät die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, stets einen Nahrungsmittelvorrat für zehn Tage im Haus zu haben. Das dort gerechnete Beispiel kommt auf rund 2.200 Kilokalorien pro Tag und deckt damit im Regelfall den Gesamtenergiebedarf einer Person ab.

Wichtiger als die Auswahl ist, dass du den Vorrat auch isst. Ein Notvorrat aus Spezialkonserven, die niemand mag, verfällt im Regal. Ein Vorrat aus Nudeln, Reis, Haferflocken, Konservengemüse, Hülsenfrüchten, H-Milch und Öl wird dagegen einfach mitgegessen und nachgekauft.

Damit das ohne Buchführung klappt, brauchst du nur ein Prinzip: Neu gekauftes kommt nach hinten, Älteres nach vorn. Die Verbraucherzentrale beschreibt es für Konserven genau so – neue Dosen tiefer in den Schrank stellen, damit die kürzer haltbaren zuerst verbraucht werden. Konserven mögen es dabei nicht wärmer als 19 Grad.

  • Sattmacher: Nudeln, Reis, Kartoffeln, Haferflocken, Zwieback
  • Gemüse und Hülsenfrüchte aus Dose oder Glas
  • Obst und Nüsse, haltbar oder als Kompott
  • H-Milch und lange haltbare Milcherzeugnisse
  • Fleisch, Wurst oder Fisch in Konserven
  • Öl, Streichfett, Salz, Zucker und die Gewürze, die du wirklich benutzt

Hinweis Richtwerte der Ernährungsvorsorge je Person und Tag: 330 g Getreide, Brot oder Kartoffeln · 400 g Gemüse und Hülsenfrüchte · 250 g Obst und Nüsse · 200 ml H-Milch · 50 g Milcherzeugnisse · 90,5 g Fleisch, Wurst oder Fisch · 0,5 Eier · 18 g Streichfette · 15 ml Speiseöl.

Schritt 3: Der Stromausfall ist der wahrscheinlichste Fall

Wenn du nur ein einziges Szenario vorbereitest, dann dieses. Ein Stromausfall trifft nicht nur die Beleuchtung: Kühlschrank, Herd, Heizung, Wasserversorgung, Internet und Mobilfunk hängen daran. Meist ist die Sache nach wenigen Stunden erledigt, bei großflächigen Schäden kann es laut BBK aber Tage dauern, bis der Strom wieder da ist.

Das BBK empfiehlt für diesen Fall ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio, um Mitteilungen der Behörden zu empfangen, geladene Akkus in Laptop und Telefon, eine Powerbank oder ein solarbetriebenes Ladegerät – und ausdrücklich Bargeld im Haus, weil bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren.

Für Licht sind Taschenlampen und LED-Leuchten mit Reservebatterien die ruhigere Wahl als Kerzen. Zum Kochen nennt das BBK den Campingkocher; Holzkohle- und Gasgrills gehören nach draußen. Und ein paar haltbare Lebensmittel, die sich kalt essen lassen, ersparen dir an Tag eins jede Diskussion.

Achtung Grills und ähnliche Geräte nie in geschlossenen Räumen betreiben. Bei alternativen Heizquellen empfiehlt das BBK ausdrücklich einen Kohlenmonoxid-Warnmelder.

Schritt 4: Dokumente und Notgepäck

Dieser Schritt kostet fast nichts und wird trotzdem am häufigsten übersprungen. Eine Dokumentenmappe bündelt die Unterlagen, die du nach einem Wohnungsbrand oder einer Evakuierung wirklich brauchst. Welche das sind, ist sehr persönlich – das BBK nennt als Beispiele Personenstandsurkunden oder das Stammbuch, Sparbücher und Kontounterlagen, Versicherungspolicen, Renten- und Einkommensnachweise, Zeugnisse sowie Verträge einschließlich Mietvertrag.

Das Notgepäck ist die zweite Hälfte davon. Die Grundregel des BBK ist angenehm klar: für jedes Familienmitglied nicht mehr, als in einen Rucksack passt. Ein Rucksack ist dabei praktischer als ein Koffer, weil die Hände frei bleiben.

Plane dafür einen Abend ein. Kopien der wichtigsten Papiere, ein Ordner, ein vorhandener Rucksack – mehr braucht es nicht, um von null auf einen brauchbaren Stand zu kommen.

  • Persönliche Medikamente und Erste-Hilfe-Material
  • Batteriebetriebenes Radio und Taschenlampe, je mit Reservebatterien
  • Verpflegung für zwei Tage in staubdichter Verpackung und eine Wasserflasche
  • Essgeschirr, Besteck, Dosenöffner, Taschenmesser
  • Schlafsack oder Decke, Kleidung nach dem Zwiebelprinzip, Wetterschutz, Kopfbedeckung
  • Hygieneartikel für mehrere Tage und die Dokumentenmappe

Mit kleinem Budget anfangen

Vorsorge wird teuer, wenn man sie als einmalige Einkaufsliste versteht. Als Gewohnheit kostet sie kaum etwas. Der wirksamste Trick ist, den Vorrat aus dem normalen Wocheneinkauf wachsen zu lassen: jede Woche ein paar Artikel mehr, die ohnehin auf der Liste stehen, und beim Einräumen die Rotation einhalten.

Vieles, was gebraucht wird, hast du schon: Taschenlampe, Campingausrüstung, Wolldecken, einen alten Rucksack, Werkzeug, Streichhölzer. Geh die Wohnung einmal mit den BBK-Bausteinen durch und schreib nur auf, was wirklich fehlt. Die Liste wird kürzer, als du denkst.

Geld ausgeben lohnt sich dort, wo es keinen Ersatz gibt: Wasser, ein Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb, Batterien, eine Powerbank und die Medikamente deiner Hausapotheke. Alles andere darf warten.

  • Woche 1: Trinkwasser für drei Tage kaufen, also 6 Liter pro Person
  • Woche 2: Taschenlampe, Batterien und Powerbank prüfen oder ergänzen
  • Woche 3: Vorratsregal einräumen und die Rotation einführen
  • Woche 4: Dokumentenmappe anlegen und das Notgepäck packen
  • Danach: Wasser und Lebensmittel Schritt für Schritt Richtung zehn Tage aufstocken

Die Reihenfolge auf einen Blick

Diese Reihenfolge ist keine Rangliste der Wichtigkeit, sondern eine Rangliste nach Wirkung pro Aufwand. Wer die ersten vier Schritte erledigt hat, ist für die allermeisten realistischen Lagen in Deutschland handlungsfähig – und vor allem nicht mehr überrascht.

Erst danach lohnt sich die Tiefe. Wasseraufbereitung, Heizen ohne Strom, Kommunikation, ein schriftlicher Notfallplan für die Familie: alles gute Themen, aber keine Einstiegsthemen. Wer damit anfängt, hat nach einem Jahr oft eine beeindruckende Ausrüstung und immer noch kein Wasser im Schrank.

Notier dir zum Schluss die Notrufnummern auf Papier und häng sie sichtbar auf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei, 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Ein leeres Handy zeigt keine Kontakte an.

Einstieg in vier Schritten
SchrittInhaltAufwand
1Trinkwasser, 2 Liter pro Person und TagEin Einkauf
2Lebensmittel aus dem normalen SortimentWochenweise
3Licht, Radio, Powerbank, BargeldEin Nachmittag
4Dokumentenmappe und NotgepäckEin Abend
5Hausapotheke, Hygiene, Heizen, NotfallplanDanach

Häufige Fragen

Wie lange sollte mein Vorrat reichen?

Das BBK empfiehlt, sich zehn Tage selbst versorgen zu können, hält aber ausdrücklich fest, dass ein Vorrat für zumindest drei Tage schon sehr hilft. Fang mit drei Tagen an und stock in Ruhe auf.

Muss ich spezielle Notrationen kaufen?

Nein. Die Ernährungsvorsorge des Bundes rechnet mit ganz normalen haltbaren Lebensmitteln. Spezialprodukte sind teurer und werden selten gegessen, bevor sie ablaufen.

Wo lagere ich das alles in einer kleinen Wohnung?

Kühl, dunkel und trocken; Konserven laut Verbraucherzentrale nicht wärmer als 19 Grad. Unter Betten, in unteren Schrankböden und hinter dem Sofa ist meist mehr Platz, als man vermutet.

Was mache ich, wenn gerade wenig Geld übrig ist?

Fang beim Wasser an und lass den Rest aus dem normalen Einkauf wachsen. Dokumentenmappe und Notgepäck kosten fast nichts, weil das meiste davon schon im Haushalt vorhanden ist.

Woran merke ich, dass ich weit genug bin?

Wenn du einen Abend ohne Strom, ohne Wasser aus der Leitung und ohne geöffneten Supermarkt überstehen würdest, ohne etwas suchen zu müssen. Alles darüber hinaus ist Aufstocken, kein Neuanfang.

Quellen

  1. Vorsorgen für Krisen und KatastrophenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Bausteine der Vorsorge, Referenzzeitraum von zehn Tagen, Hinweis auf drei Tage als Einstieg
  2. Essen und Trinken bevorratenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Mindestens 1,5 Liter Trinkwasser plus 0,5 Liter Kochwasser pro Person und Tag
  3. Notvorrat: Vorrat für zehn TageBundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), ernaehrungsvorsorge.de · Empfehlung eines Nahrungsmittelvorrats für zehn Tage, Beispielrechnung mit rund 2.200 kcal pro Tag
  4. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Radio, geladene Akkus, Powerbank, Bargeld, Campingkocher, Kohlenmonoxid-Warnmelder
  5. Wenn es schnell gehen muss: Das NotgepäckBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Inhalt des Notgepäcks und die Regel, nicht mehr als einen Rucksack pro Person zu packen
  6. Einkaufen auf Vorrat – ganz schön praktisch und nachhaltigVerbraucherzentrale · Rotationsprinzip im Vorratsschrank und Lagertemperatur von höchstens 19 Grad für Konserven