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Dokumente & Notgepäck

Notgepäck packen: ein Rucksack, den du wirklich trägst

Wofür das Notgepäck da ist, was hineingehört, wie schwer es werden darf und wie du es für Kinder, ältere Menschen und Haustiere anpasst.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 23. September 2026
Ein geöffnetes Notfallgepäck zeigt Rucksack und vorbereitete Ausrüstung wie Wasser, Taschenlampe, Radio und weitere Hilfsmittel.
Ein Notgepäck ist dann nützlich, wenn es bereits gepackt ist und sich tatsächlich tragen lässt.Foto: Red Cross · Public Domain · Wikimedia Commons

Ein Notgepäck ist kein Survival-Set für die Wildnis, sondern ein gepackter Rucksack für den Fall, dass du dein Zuhause schnell verlassen musst – bei einem Brand, einem Hochwasser oder einer angeordneten Evakuierung. Es soll dir helfen, die ersten Tage außer Haus zurechtzukommen. Dieser Artikel zeigt, was hineingehört, wo der Rucksack steht und warum tragbar wichtiger ist als vollständig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundregel des BBK: pro Person nicht mehr, als in einen Rucksack passt.
  • Ein Rucksack schlägt den Koffer – du hast beide Hände frei.
  • Tragbar schlägt vollständig: Probetragen entscheidet, was drinbleibt.
  • Fester Platz nahe der Wohnungstür, zusammen mit der Dokumentenmappe.
  • Kinder, ältere Menschen und Haustiere brauchen eigene Ergänzungen.

Wofür das Notgepäck da ist

Das Notgepäck beantwortet eine einzige Frage: Was nimmst du mit, wenn du in wenigen Minuten aus der Wohnung musst? Das BBK nennt als typische Anlässe einen Brand im Haus oder eine Evakuierung – Lagen also, in denen niemand in Ruhe Schränke durchsieht.

Mit einem vorbereiteten Notgepäck nimmst du alles Wichtige mit einem Griff mit. Das ist der eigentliche Zweck: nicht maximale Ausrüstung, sondern eine Entscheidung, die du einmal in Ruhe triffst, statt sie unter Stress treffen zu müssen.

Gedacht ist der Rucksack für die ersten Tage außer Haus – bis du bei Verwandten, in einer Notunterkunft oder wieder zu Hause bist. Er ist kein Ersatz für den Vorrat in der Wohnung, sondern dessen mobile Kurzversion.

Deshalb lohnt es sich, einmal durchzuspielen, wohin du überhaupt gehen würdest: zu Verwandten im Nachbarort, zu Freunden, in eine öffentliche Unterkunft. Diese Frage beeinflusst den Inhalt des Rucksacks mehr als jede Ausrüstungsliste – wer bei Bekannten unterkommt, braucht weniger Schlafausrüstung und mehr Ladekabel.

Die Grundregel: ein Rucksack pro Person

Die oberste Regel des BBK lautet: Nimm für jedes Familienmitglied nicht mehr mit, als in einen Rucksack passt. Das ist keine Sparmaßnahme, sondern eine Transportregel – alles, was du nicht tragen kannst, bleibt sowieso stehen.

Ein Rucksack ist dabei praktischer als ein Koffer, weil du beide Hände frei hast: für Treppen, für ein Kind, für eine Tür. Rollkoffer scheitern an Schutt, Schnee, Bordsteinen und ausgefallenen Aufzügen.

Jede Person im Haushalt bekommt ihren eigenen Rucksack, auch Kinder. Das verteilt Gewicht, und es sorgt dafür, dass niemand ohne das Nötigste dasteht, wenn die Gruppe kurzzeitig getrennt wird.

Tipp Ein vorhandener Wander- oder Schulrucksack reicht völlig. Wichtig sind ein Hüftgurt bei größeren Modellen und ein Deckelfach für das, was du schnell brauchst.

Was hineingehört

Das BBK nennt für das Notgepäck im Kern: Medikamente und Erste-Hilfe-Material, ein batteriebetriebenes Radio, Verpflegung für zwei Tage, Wasser, Kleidung nach dem Zwiebelprinzip, einen Schlafsack oder eine Decke, eine Taschenlampe, Hygieneartikel, eine FFP2-Maske und die Dokumentenmappe.

Bei der Kleidung gilt mehrschichtig statt dick: mehrere dünne Lagen lassen sich an wechselnde Temperaturen anpassen, ein einzelner dicker Pullover nicht. Regenschutz und feste Schuhe sind die beiden Teile, die am häufigsten vergessen werden.

Beim Wasser hilft die Mengengrundlage: Das BBK rechnet mit rund 2 Litern pro Person und Tag, davon etwa 0,5 Liter zum Kochen. Vier Liter für zwei Tage wiegen aber auch rund vier Kilogramm – deshalb packen viele eine gefüllte Flasche ein und den Rest im Fahrzeug oder als Nachschub in der Wohnung.

Video: Für alle Fälle kurz erklärt: Was gehört ins Notgepäck? (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Erklärfilm des BBK (3 Minuten): ein Rucksack pro Person, Inhalt nach Checkliste, Dokumentenmappe und ein fester, allen bekannter Platz.

  • Medikamente, persönliche Dauermedikation, kleines Erste-Hilfe-Material
  • Batteriebetriebenes oder solarbetriebenes Radio, Ersatzbatterien
  • Taschenlampe mit Ersatzbatterien, geladene Powerbank, Ladekabel
  • Verpflegung für zwei Tage, die ohne Kochen essbar ist
  • Trinkwasser in einer stabilen Flasche
  • Kleidung zum Wechseln nach dem Zwiebelprinzip, Regenschutz, feste Schuhe
  • Schlafsack oder Decke, dünne Isomatte
  • Hygieneartikel, Handtuch, FFP2-Maske
  • Dokumentenmappe, Bargeld in kleinen Scheinen
  • Notfallkontakte auf Papier, Stift und Notizzettel

Hinweis Eine ausfüllbare Checkliste zum Notgepäck enthält der BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ auf den hinteren Seiten.

Wie schwer darf er sein?

Das BBK nennt keine Kilogrammzahl, sondern ein Volumenmaß: nicht mehr, als in einen Rucksack passt. Der bessere Maßstab ist ohnehin dein eigener Körper – ein Rucksack, den du nicht eine halbe Stunde tragen kannst, ist zu schwer, egal was auf der Waage steht.

Mach deshalb einmal den Probelauf: Rucksack aufsetzen, zwei Stockwerke hoch und runter, einmal um den Block. Was dabei stört, fliegt raus oder wandert in den Rucksack einer anderen Person. Diese eine Viertelstunde ersetzt jede Theorie.

Merksatz für die Auswahl: tragbar schlägt vollständig. Ein halb gepackter Rucksack, den du wirklich mitnimmst, ist unendlich viel besser als ein perfekter, der im Flur stehen bleibt, weil ihn niemand heben kann.

Achtung Wiederhol den Probelauf, wenn sich etwas ändert: neue Schuhe, neues Kind, neue Gelenke. Was vor drei Jahren leicht war, muss es heute nicht sein.

Wo der Rucksack steht

Der beste Platz ist der, an dem du im Dunkeln hinfindest: nahe der Wohnungstür, im Flurschrank, in der Garderobe. Nicht im Keller hinter dem Fahrrad und nicht auf dem Dachboden – beides ist genau dann unerreichbar, wenn es eilt.

Die Dokumentenmappe lagert direkt daneben, damit du beides mit einem Griff nimmst. Und wie bei der Mappe gilt: Alle im Haushalt wissen, wo die Rucksäcke stehen, auch Kinder und Besuch, der öfter da ist.

Halte den Weg dorthin frei. Ein Rucksack hinter einem Wäscheständer kostet im Ernstfall Sekunden, die niemand hat.

Neben den Rucksack gehören zwei weitere Dinge, die man im Dunkeln sucht: eine Taschenlampe und ein Paar feste Schuhe. Wer nachts aus der Wohnung muss, ist froh, nicht in Hausschuhen über eine nasse Treppe zu gehen.

Wenn du regelmäßig an zwei Orten lebst – etwa bei getrennt wohnenden Eltern oder im Wochenpendeln –, lohnt sich ein zweiter, schlanker Rucksack am anderen Ort. Er muss nicht identisch sein, nur vorhanden.

Kinder, ältere Menschen und Haustiere

Für Kinder empfiehlt das BBK zusätzlich einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift des Kindes. Dazu kommen ein vertrautes Kuscheltier oder Buch, eigene Verpflegung und, je nach Alter, Windeln und Feuchttücher. Ein eigener kleiner Rucksack gibt Kindern außerdem das Gefühl, beteiligt zu sein.

Bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen steht die Medikation im Mittelpunkt: eine aktuelle Medikamentenliste, ein Vorrat der Dauermedikamente, Ersatzbrille, Hörgerätebatterien, Hilfsmittel wie Gehstock oder Einlagen. Fragen zur Menge des Medikamentenvorrats klärst du in der Arztpraxis oder Apotheke – dort kennt man deine Verordnung.

Für Haustiere gilt der gleiche Gedanke wie für Menschen: Futter und Wasser für die ersten Tage, Napf, Leine, Transportbox, Impfpass-Kopie und die Medikamente des Tieres. Denk früh darüber nach, wo Tiere mitgenommen werden dürfen – das entscheidet im Zweifel über die Unterkunft.

  • Kinder: Brustbeutel oder SOS-Kapsel mit Name, Geburtsdatum, Anschrift
  • Kinder: Kuscheltier, Buch, Spiel, eigene Trinkflasche
  • Ältere Menschen: Medikamentenliste, Dauermedikation, Ersatzbrille, Hörgerätebatterien
  • Ältere Menschen: Hilfsmittel und Kontaktdaten der Pflege oder Betreuung
  • Haustiere: Futter, Wasser, Napf, Leine, Box, Impfpass-Kopie

Dokumente und Notfallkarte

Die Dokumentenmappe ist der Teil des Notgepäcks, der sich hinterher am wenigsten ersetzen lässt. Das BBK weist ausdrücklich darauf hin, dass wichtige Unterlagen oft schwer wiederzubeschaffen sind – deshalb gehört die Mappe griffbereit zum Rucksack.

Praktisch ist zusätzlich eine kleine Notfallkarte im Geldbeutel: Name, Kontaktperson, relevante Erkrankungen, Blutgruppe, Hinweis auf eine Patientenverfügung. Sie hilft Helfenden, wenn du selbst nicht sprechen kannst.

Auf die Karte oder ins Deckelfach gehören auch die Nummern, die man im Stress vergisst: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei und 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Deine eigene Packliste erstellen

Jede Standardliste ist ein Kompromiss. Dein Haushalt hat aber konkrete Besonderheiten: eine Dauermedikation, ein Kleinkind, eine Katze, eine Wohnung im vierten Stock ohne Aufzug. Genau daran sollte sich die Packliste orientieren.

Dafür gibt es auf dieser Website das Tool „Notgepäck“. Du gibst an, wer im Haushalt lebt, und bekommst eine Packliste, die du anpassen und ausdrucken kannst. Der Ausdruck ist Absicht: Er wandert ins Deckelfach und funktioniert auch dann, wenn kein Gerät mehr lädt.

Pack dann in einem Rutsch, hak ab, und trag den Rucksack einmal Probe. Danach schaust du zweimal im Jahr hinein – Kleidergrößen ändern sich, Batterien altern, Lebensmittel laufen ab.

Tipp Verbinde die Kontrolle mit der Zeitumstellung: zweimal im Jahr Rucksack öffnen, Haltbarkeitsdaten prüfen, Batterien tauschen, Liste aktualisieren.

Häufige Fragen

Wie lange soll das Notgepäck reichen?

Es soll die ersten Tage außer Haus überbrücken. Das BBK nennt für die Verpflegung im Rucksack zwei Tage – der längere Zeitraum wird über den Vorrat zu Hause abgedeckt.

Brauche ich einen speziellen Rucksack?

Nein. Ein vorhandener Wander- oder Schulrucksack tut es. Entscheidend ist, dass er zu deinem Rücken passt und du ihn mit Inhalt tatsächlich tragen kannst.

Gehören Wertsachen ins Notgepäck?

Bargeld in kleinen Scheinen ist sinnvoll, weil Kartenzahlung ohne Strom ausfallen kann. Schmuck und Wertgegenstände erhöhen vor allem das Gewicht und das Risiko – Originaldokumente gehören in die Dokumentenmappe.

Was ist mit dem Auto?

Wer ein Fahrzeug hat, kann darin zusätzliche Ausrüstung verstauen. Der Rucksack bleibt trotzdem die Grundlage, denn Straßen können gesperrt und Fahrzeuge blockiert sein.

Wie oft soll ich das Notgepäck kontrollieren?

Zweimal im Jahr reicht für die meisten Haushalte. Prüfe Haltbarkeitsdaten, Batterien, Kleidergrößen und ob die Medikamente noch aktuell sind.

Quellen

  1. Wenn es schnell gehen muss: Das NotgepäckBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Zweck des Notgepäcks, Rucksackregel, Inhalt und Hinweise für Kinder
  2. Checklisten zur Vorsorge für Krisen und KatastrophenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ausfüllbare Checklisten zu Notgepäck, Licht und Wärme, Hygiene und Hausapotheke
  3. Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Gesamtratgeber zur privaten Notfallvorsorge mit Checkliste zum Notgepäck
  4. Immer griffbereit: Die DokumentenmappeBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Inhalt und Aufbewahrung der Dokumentenmappe
  5. Essen und Trinken bevorratenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Richtwert von rund 2 Litern Flüssigkeit pro Person und Tag
  6. Materialien zu Bevorratung und NotgepäckBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Broschüren, Checklisten und Videos zum kostenlosen Download