Zum Inhalt springen

Grundlagen

Risiken am Wohnort einschätzen: Hochwasser bis Hitze

Nicht jedes Risiko betrifft dich. Mit Gefahrenkarten, Warnportalen und einem Blick auf die eigene Wohnung findest du in einer halben Stunde heraus, was zählt.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 23. September 2026
Eine mitteleuropäische Ortschaft an einem Fluss liegt gleichzeitig unter dunklen Gewitterwolken und starker Sonneneinstrahlung.
KI-Symbolbild: Risiken am Wohnort hängen von Lage und Umgebung ab – etwa von Flüssen, Hanglagen, Hitze und Unwetterexposition.KI-generiert

Vorsorge wird sinnvoll, sobald sie zu deinem Wohnort passt. Wer im Erdgeschoss am Bach wohnt, braucht etwas anderes als jemand im zehnten Stock eines Hochhauses. Dieser Artikel zeigt dir, mit welchen öffentlichen Karten und Portalen du dein persönliches Risikoprofil herausfindest – kostenlos und ohne Fachwissen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten sagen dir adressgenau, ob dein Haus betroffen ist.
  • Das Naturgefahrenportal des DWD bündelt Warnungen und regionale Gefahren an einer Stelle.
  • Die Warn-App NINA warnt nur für Orte, die du vorher abonniert hast.
  • Deine Wohnsituation – Stockwerk, Keller, Heizung, Umgebung – verändert das Risiko stark.
  • Ein Stromausfall ist die eine Lage, auf die sich jeder Haushalt vorbereiten sollte.

Warum Vorsorge ohne Ortsbezug Raten bleibt

Allgemeine Checklisten sind ein guter Anfang, aber sie kennen deine Straße nicht. Ob du Sandsäcke brauchst oder eher eine Lösung für heiße Dachgeschosswohnungen, entscheidet sich an wenigen konkreten Fragen: Liegt dein Haus in einem Überschwemmungsgebiet? Fließt bei Starkregen Wasser auf dein Grundstück zu? Wie schnell heizt sich deine Wohnung auf?

Die gute Nachricht: Für all diese Fragen gibt es in Deutschland öffentliche, kostenlose Antworten. Bund, Länder und Kommunen veröffentlichen Gefahrenkarten und Warnportale, die genau für diesen Zweck gemacht sind. Du musst sie nur einmal aufrufen.

Plane dafür eine halbe Stunde ein und schreib die Ergebnisse auf. Aus dieser Notiz wird später deine persönliche Vorsorgeliste – und sie ist in der Regel kürzer und konkreter als jede allgemeine Empfehlung.

Tipp Mach die Recherche einmal für zu Hause und einmal für deinen Arbeitsplatz oder die Schule der Kinder. Viele Menschen sind tagsüber an einem ganz anderen Ort gefährdet als nachts.

Hochwasser: eine Karte beantwortet die wichtigste Frage

Beim Hochwasser musst du nicht schätzen. Die Bundesländer veröffentlichen Hochwassergefahrenkarten, die zeigen, welche Flächen bei welchem Hochwasserereignis überflutet werden. Einen zentralen Einstieg bietet das Naturgefahrenportal des Deutschen Wetterdienstes, das neben aktuellen Warnungen auch die Gefahren und Risiken einzelner Regionen und passende Vorsorgetipps zusammenführt.

Für die laufende Lage ist das Länderübergreifende Hochwasserportal zuständig, eine gemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer. Dort findest du die aktuelle Hochwassersituation, amtliche Hochwasserwarnungen, Warnungen vor Starkregen, Gewitter und Tauwetter sowie ein Niederschlagsradar. Die zugehörige App „Meine Pegel“ meldet dir Pegelstände, für die du selbst Schwellen einstellen kannst.

Wenn die Karte dein Haus in einem betroffenen Bereich zeigt, ist das kein Grund zur Panik, sondern eine Arbeitsanweisung. Das BBK empfiehlt für diesen Fall unter anderem, Sandsäcke, Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon vorrätig zu haben, wertvolle Gegenstände in höher gelegene Räume zu bringen und einen Heizöltank durch Verankern oder Beschweren gegen Auftrieb zu sichern.

  • Hochwassergefahrenkarte des eigenen Bundeslandes für die eigene Adresse aufrufen
  • Nächstgelegenen Pegel im Länderübergreifenden Hochwasserportal suchen und merken
  • Bei Betroffenheit: Keller ausräumen, falls Grundwasser eindringen kann
  • Mit den Nachbarn Notzeichen und gegenseitige Hilfe absprechen

Starkregen trifft auch weit weg vom nächsten Fluss

Der häufigste Denkfehler lautet: kein Fluss, kein Wasser. Starkregen macht daraus schnell ein Missverständnis. Wasser sammelt sich in Senken, läuft Hänge hinab, staut sich vor Mauern und sucht sich den Weg in Kellerschächte, Tiefgaragen und Lichtschächte – auch dort, wo weit und breit kein Gewässer ist.

Deshalb gibt es neben den Hochwassergefahrenkarten die Starkregengefahrenkarten. Das BBK rät ausdrücklich, bei der eigenen Kommune nachzusehen, ob solche Karten vorliegen. Viele Städte und Gemeinden haben sie in den vergangenen Jahren erstellt und stellen sie online.

Wenn deine Kommune noch keine Karte veröffentlicht hat, hilft schon ein Spaziergang mit offenen Augen: Wo liegt dein Grundstück im Verhältnis zur Straße? Wohin fließt Regenwasser? Gibt es Kellerabgänge, Lichtschächte oder Garageneinfahrten, die tiefer liegen als das Umfeld?

Schnitt durch ein Gelände ohne Fluss: Regen läuft einen Hang hinab, Wasser sammelt sich in einer Senke und steht im Lichtschacht vor dem Kellerfenster eines Hauses.
Kein Fluss, kein Wasser? Starkregen sammelt sich in Senken, läuft Hänge hinab und findet über Lichtschächte den Weg in den Keller.Skizze: WildWeasel

Achtung Wasser in Kellern und Tiefgaragen ist gefährlich, wenn Strom im Spiel ist. Betritt überflutete Räume nicht, solange die Stromversorgung dort nicht sicher abgeschaltet ist.

Sturm, Hitze und was die Warnportale dir vorher sagen

Wetterlagen lassen sich im Gegensatz zu vielen anderen Risiken vorhersagen. Das Naturgefahrenportal des Deutschen Wetterdienstes zeigt aktuelle Warnungen in abgestuften Stufen – von gering über mäßig und hoch bis extrem – und gibt dazu Vorwarnungen und Entwarnungen aus. Damit weißt du in der Regel Stunden vorher, worauf du dich einstellen musst.

Bei Hitze verschiebt sich die Frage vom Gebäude zur Person. Das BBK nennt ältere oder isoliert lebende Menschen, chronisch Kranke und kleine Kinder als besonders gefährdet. Es empfiehlt, mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag zu trinken, bevorzugt Mineralwasser, verdünnte Säfte oder Kräuter- und Früchtetee, kühl oder lauwarm statt eiskalt.

Für die Wohnung gelten zwei einfache Regeln des BBK: zu den kühleren Tageszeiten lüften, zum Beispiel am frühen Morgen, und geschlossene Fenster abdunkeln. Körperliche Aktivitäten wie Einkaufen, Spaziergänge und Sport gehören in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden.

  • Sturm: lose Gegenstände auf Balkon und Terrasse, Blumenkästen, Markisen, Gartenmöbel
  • Sturm: alte oder kranke Bäume in der Nähe des Hauses oder des Stellplatzes
  • Hitze: Ausrichtung und Verschattung der Fenster, Dachgeschoss, fehlende Nachtabkühlung
  • Hitze: Menschen im Haushalt oder in der Nachbarschaft, die zu den Risikogruppen gehören

Stromausfall: die Lage, die überall möglich ist

Hochwasser und Hitze sind ortsabhängig, ein Stromausfall ist es kaum. Stromleitungen können laut BBK durch Unfälle, Baufehler, schwere Stürme, Hochwasser, starken Schneefall oder Lawinen beschädigt werden; auch Sabotage und Cyberangriffe nennt das BBK als mögliche Ursachen.

Meistens ist die Störung nach wenigen Stunden behoben. Bei großflächigen Schäden kann es aber Tage dauern, bis der Strom wieder da ist. Betroffen ist dann nicht nur das Licht: Kühlschrank, Herd, Heizung, Wasserversorgung, Internet und Mobilfunk hängen ebenfalls am Netz.

Für die Risikoeinschätzung heißt das: Diesen Fall solltest du unabhängig von deiner Adresse einplanen. Er ist der gemeinsame Nenner fast aller anderen Lagen – Sturm, Hochwasser und Schnee enden oft genau hier.

Deine Wohnsituation ist ein eigener Risikofaktor

Zwei Haushalte in derselben Straße können sehr unterschiedlich betroffen sein. Im Erdgeschoss und im Souterrain geht es bei Wasser um Minuten und um die Frage, was auf dem Boden steht. Weiter oben verschieben sich die Probleme: Im Hochhaus fällt bei Stromausfall der Aufzug aus, und Treppenhäuser ohne Fenster sind ohne Licht unangenehm bis gefährlich.

Die Heizung entscheidet mit. Eine Gastherme, eine Wärmepumpe und eine Fußbodenheizung brauchen alle Strom für Steuerung oder Umwälzpumpe. Ein Kaminofen ist ein Vorteil – aber nur mit Brennstoff im Haus. Das BBK rät, für Kamin oder Ofen einen Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz anzulegen.

Auch die Umgebung zählt. Auf dem Land bist du bei Sturm oder Schnee länger auf dich gestellt, dafür ist der Nachbar näher und der Garten eine Ressource. In der Stadt sind Wege kurz, aber du bist stärker von Infrastruktur abhängig – Aufzug, Fernwärme, Tiefgarage, Lieferketten.

Woran du in deiner Wohnsituation zuerst denken solltest
WohnsituationErhöhtes RisikoErster Schritt
Erdgeschoss, Souterrain, KellerStarkregen, Rückstau, HochwasserStarkregengefahrenkarte der Kommune prüfen
Obere Stockwerke, HochhausAufzug und Treppenhaus ohne StromLicht im Flur und Wasser oben lagern
DachgeschossHitze, Sturmschäden am DachVerschattung klären, lose Teile sichern
Ländlich gelegenLängere Ausfälle, lange WegeVorrat und Brennstoff großzügiger planen
Innenstadt, MietwohnungAbhängigkeit von InfrastrukturWasser und Licht auf kleinem Raum lösen

In einer halben Stunde zum eigenen Risikoprofil

Der letzte Schritt ist der wichtigste: Warnungen müssen dich auch erreichen. Die Warn-App NINA des BBK bündelt Bevölkerungsschutzwarnungen der zuständigen Katastrophenschutzstellen, Meldungen der Polizei, Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen der Landesbehörden.

Entscheidend ist dabei ein Detail, das viele übersehen: NINA warnt nur für Orte, die du abonniert hast. Du kannst Landkreise, Gemeinden oder einen Radius von einem oder neun Quadratkilometern um einen selbst gewählten Punkt einstellen. Das BBK empfiehlt, sowohl den Wohn- als auch den Arbeitsort zu abonnieren.

Wenn du die folgenden Punkte abgearbeitet hast, hast du ein belastbares Bild – und weißt, welche Vorsorgeartikel du als Nächstes brauchst und welche du getrost überspringen kannst.

  • Hochwassergefahrenkarte des Bundeslandes für die eigene Adresse aufrufen
  • Bei der Kommune nach einer Starkregengefahrenkarte fragen oder online suchen
  • Naturgefahrenportal des DWD aufrufen und die Gefahren der eigenen Region ansehen
  • NINA installieren und Wohn- sowie Arbeitsort abonnieren
  • Wohnung durchgehen: Stockwerk, Keller, Heizung, Verschattung, Fluchtwege
  • Ergebnis auf einem Blatt notieren und die zwei größten Punkte zuerst angehen

Tipp Sprich das Ergebnis einmal in der Familie oder mit den Nachbarn durch. Wer im Haus einen Kaminofen, einen Generator oder einfach ein Auto hat, ist im Ernstfall die wertvollste Information überhaupt.

Häufige Fragen

Wo finde ich die Hochwassergefahrenkarte für meine Adresse?

Über das Naturgefahrenportal des Deutschen Wetterdienstes und über die Umwelt- oder Wasserwirtschaftsportale der Bundesländer. Die aktuelle Lage und Pegelstände stehen im Länderübergreifenden Hochwasserportal.

Reicht die Warn-App NINA allein aus?

Als Warnkanal ist sie sehr gut, aber sie warnt nur für abonnierte Orte und braucht Strom und Netz. Ergänze sie deshalb um ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio.

Meine Gemeinde hat keine Starkregenkarte. Was nun?

Dann hilft der Blick vor Ort: Gefälle, Senken, Kellerabgänge, Lichtschächte und Tiefgarageneinfahrten. Frag außerdem ältere Nachbarn, wo bei Starkregen schon einmal Wasser stand.

Ich wohne im Hochhaus. Was ist mein größtes Risiko?

Meist der Stromausfall: kein Aufzug, dunkle Treppenhäuser und je nach Gebäude auch kein Wasser in den oberen Etagen. Licht, Wasser und Erreichbarkeit sind hier die ersten Themen.

Wie oft sollte ich das Risikoprofil aktualisieren?

Nach jedem Umzug und ansonsten etwa einmal im Jahr. Gefahrenkarten werden fortgeschrieben, und auch in der Nachbarschaft ändert sich durch Neubau und Versiegelung einiges.

Quellen

  1. NaturgefahrenportalDeutscher Wetterdienst (DWD) · Aktuelle Warnungen mit Stufen von gering bis extrem, regionale Gefahren und Risiken, Vorsorgetipps
  2. Länderübergreifendes HochwasserportalGemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer · Aktuelle Hochwasserlage, amtliche Warnungen, Niederschlagsradar, App „Meine Pegel“
  3. Gut vorbereitet auf HochwasserBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Starkregengefahrenkarten der Kommune, Sandsäcke und Sperrholzplatten, Sicherung des Heizöltanks, Notzeichen mit Nachbarn
  4. Warn-App NINABundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Warnquellen der App und Abonnement von Landkreisen, Gemeinden oder Radien von 1 oder 9 Quadratkilometern
  5. Vorsorge und Handeln bei Hitze und DürreBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Risikogruppen bei Hitze, Trinkmenge von mindestens 1,5 bis 2 Litern, Lüften und Abdunkeln
  6. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ursachen und Dauer von Stromausfällen, betroffene Bereiche im Haushalt, Brennstoffvorrat für Kamin oder Ofen