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Warnung & Information

Notfallradio: informiert bleiben ohne Strom und Netz

Warum ein netzunabhängiges Radio zur Grundausstattung gehört, welche Bauart zu dir passt und warum das Handy kein Ersatz ist.

6 Min. LesezeitEinstiegStand: 24. September 2026
Ein netzunabhängiges Kurbelradio und eine Laterne stehen bei einbrechender Dunkelheit auf einem Holztisch mit Blick auf einen Ort.
Das Radio bleibt als Informationsweg nutzbar, wenn Strom aus der Steckdose und mobile Netze ausfallen.KI-generiert

Wenn Strom oder Mobilfunknetz ausfallen, verstummen genau die Geräte, auf die wir uns im Alltag verlassen. Das Radio ist dann der Kanal, der weiterläuft – vorausgesetzt, dein Gerät braucht keine Steckdose. Dieser Artikel zeigt dir, welche Bauarten es gibt, was UKW und DAB+ unterscheidet und wie du deinen regionalen Sender findest, bevor du ihn brauchst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Radiosender funktionieren laut BBK auch dann noch, wenn Mobilfunknetz und Internet ausgefallen sind.
  • Batterie-, Kurbel- oder Solarradio gehört auf die BBK-Checkliste – inklusive genügend Ersatzbatterien.
  • Warn-Apps und Cell Broadcast brauchen Mobilfunk; die Netze sind laut BBK zum Teil nicht notstromversorgt.
  • Kauf ein Gerät für UKW und DAB+: DAB+ ersetzt UKW laut BBK ab 2031 bis 2037.
  • Senderfrequenzen und Notrufnummern gehören auf Papier, nicht nur ins Handy.

Warum ausgerechnet Radio

Die Begründung des BBK ist kurz und einleuchtend: Wenn Mobilfunknetz und Internet nicht mehr funktionieren, fallen auch Warn-Apps und Handy-Warnungen aus. Radiosender funktionieren dann aber noch. Deshalb ist ein Radio in Notfällen und Krisen wichtig.

Dazu kommt der Informationsgehalt. Eine Sirene kann nur alarmieren, eine Cell-Broadcast-Meldung transportiert wenige Sätze. Im Rundfunk dagegen können Behörden ausführlich erklären, was passiert ist, und konkrete Handlungsempfehlungen geben.

Ein Radio ist außerdem das billigste Stück Vorsorge überhaupt. Es kostet wenig, braucht keinen Platz und muss nicht gewartet werden – abgesehen von den Batterien.

Warum das Handy kein Ersatz ist

Im Alltag ist das Handy das beste Warngerät, das du hast. In genau den Lagen, für die du vorsorgst, ist es das unzuverlässigste. Dafür gibt es drei Gründe.

Erstens der Strom. Bei einem Stromausfall kannst du deine Geräte nicht mehr laden oder nutzen. Das BBK weist darauf hin, dass stromabhängige Ladestationen mancher Mobiltelefone sofort ausfallen.

Zweitens das Netz. Die Mobilfunknetze sind laut BBK zum Teil nicht notstromversorgt. Auch ein Cyberangriff, ein Sturm oder Sabotage können das Mobilfunknetz oder den Internetzugang beeinträchtigen. Fällt das Netz aus, fallen Warn-Apps und Cell Broadcast mit aus – Cell Broadcast setzt ausdrücklich ein funktionierendes Mobilfunknetz voraus.

Drittens die Überlastung. Die Erfahrung zeigt laut BBK, dass Mobilfunknetze bei außergewöhnlichen Ereignissen schnell überlastet sind. Deshalb sollte bei einem Stromausfall das Telefonieren auf das Nötigste beschränkt werden – sonst sind Polizei und Feuerwehr in echten Notfällen nicht mehr erreichbar.

Achtung Die Notrufnummern 112 und 110 dienen ausschließlich der Meldung von Notfällen. Ein Stromausfall allein ist kein Notfall. Auskünfte holst du dir über Radio, Warn-App oder beim Netzbetreiber.

Batterie, Kurbel, Solar: die Bauarten

Das BBK nennt in seiner Checkliste ein solar- oder batteriebetriebenes Radio inklusive Batterien oder ein Kurbelradio. Entscheidend ist nicht die Bauart, sondern das gemeinsame Merkmal: Das Gerät kommt ohne Steckdose aus.

In der Broschüre zum Stromausfall wird es konkreter: Es gibt Rundfunkgeräte, die mit Batterien betrieben werden können, wozu genügend Ersatzbatterien nötig sind. Und es gibt Radios, die manuell mit einem Dynamoantrieb und einer Handkurbel funktionieren. Gleiches gilt für Taschenlampen.

Bei einem reinen Batterieradio lohnt ein Blick darauf, welche Zellen es braucht. Am einfachsten wird es, wenn Radio, Taschenlampe und Kopflampe dieselbe Batteriegröße verwenden – dann reicht ein Vorrat für alles. Batterien, die du länger lagerst, gehören nicht ins Gerät, sondern getrennt daneben: Eine auslaufende Zelle nimmt sonst das Radio mit.

Nahaufnahme eines netzunabhängigen Radios neben einer leuchtenden Campinglaterne auf einem Holztisch.
Ein einfach bedienbares Radio mit eigener Energieversorgung ergänzt Taschenlampe und Batterievorrat.KI-generiert
Netzunabhängige Radios im Vergleich
BauartStärkeWorauf du achtest
BatteriebetriebenSofort einsatzbereit, einfache Bedienung, günstigGenügend Ersatzbatterien lagern und beim Vorratscheck mitprüfen
Handkurbel mit DynamoFunktioniert ohne Batterien und ohne SteckdoseVor dem Kauf ausprobieren, wie lange eine Kurbelladung trägt
SolarLädt bei Tageslicht nach, ohne VerbrauchsmaterialBraucht Sonne und Zeit – im Winter nicht als einzige Quelle einplanen
Kombigerät mit Akku und USBKann zusätzlich das Handy ladenAkkus altern: mindestens einmal im Jahr laden und Funktion prüfen

Tipp Kombigeräte sind bequem, aber jedes zusätzliche Bauteil kann ausfallen. Ein simples Batterieradio plus ein Stapel Batterien ist oft die robustere Lösung – und beides zusammen die beste.

UKW und DAB+ bei Stromausfall

Beide Empfangswege haben dieselbe Voraussetzung: Es muss ein Sender senden und dein Gerät muss mit Energie versorgt sein. Über dein Gerät hast du Kontrolle, über den Sender nicht.

Das BBK nennt beide Wege gleichberechtigt: Warnungen laufen über überregionale, landesweite und lokale Sender, analog über UKW und digital über DAB+. Wer heute ein Gerät kauft, nimmt deshalb am besten eines, das beides empfangen kann.

Langfristig verschiebt sich das Gewicht. Nach Angaben des BBK wird DAB+ ab 2031 – beginnend in Schleswig-Holstein – bis 2037 die analogen UKW-Sendefrequenzen ersetzen. Ein reines UKW-Gerät ist heute noch brauchbar, aber keine Anschaffung für die nächsten fünfzehn Jahre.

Auf der digitalen Seite kommt noch ein Vorteil dazu: Das BBK weist auf eine neue Generation von Radios hin, die über einen Aufwachmodus verfügen und sich automatisch einschalten, sobald eine Warnung veröffentlicht wird. Wer ein neues Gerät sucht, kann gezielt danach fragen.

Deinen regionalen Sender finden – vorher, nicht nachher

Im Ernstfall willst du nicht die Skala durchsuchen. Such dir heute die Frequenz deines Landessenders und mindestens eines Lokalsenders heraus und schreib beides auf Papier. Genau dorthin gehören auch die wichtigen Telefonnummern: Eine ausgedruckte oder handschriftliche Liste hilft laut BBK, wenn du nicht auf deine digital gespeicherten Kontakte zugreifen kannst.

Der zweite Schritt kostet einen Anruf. Das BBK empfiehlt, sich bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung zu erkundigen, auf welchen Wegen während eines längeren Stromausfalls Informationen an die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben werden, welche Hilfsangebote vorgesehen sind und wo du eine Notfallmeldung absetzen kannst, wenn das Telefonnetz ausfällt.

Dazu gehört zu wissen, wo die örtlichen Anlaufstellen sind – zum Beispiel Rathäuser oder Notfalltreffpunkte. Und wenn die Notrufnummern 110 und 112 nicht mehr funktionieren, gehst du bei einem Notfall wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus.

  • Frequenz des Landessenders notieren, analog über UKW und digital über DAB+
  • Mindestens einen Lokalsender ergänzen – dort kommen ortsbezogene Meldungen zuerst
  • Notrufnummern dazuschreiben: 112, 110 und 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst
  • Adresse der nächsten Polizeiwache, des Krankenhauses und des Rathauses ergänzen
  • Den Zettel dorthin legen, wo auch das Radio liegt

Das Autoradio als zweite Ebene

Das Radio im Auto läuft über die Fahrzeugbatterie und ist damit unabhängig von der Steckdose. Das BBK nennt es ausdrücklich: Mit Hilfe eines batteriebetriebenen Radios oder auch des Rundfunkgerätes im Auto bleibst du über Informationen des behördlichen Krisenstabes und der Stromversorger auf dem Laufenden.

Zwei Einschränkungen solltest du mitdenken. Das Auto muss erreichbar sein – in einer Tiefgarage mit strombetriebenem Tor kann das schwierig werden. Und längeres Hören bei stehendem Motor geht auf die Fahrzeugbatterie.

Als Ergänzung ist das Autoradio gut, als alleinige Lösung nicht. Wer keinen Wagen hat, ist auf ein eigenes netzunabhängiges Gerät ohnehin angewiesen.

Einrichten und einmal im Jahr prüfen

Ein Notfallradio ist kein Gerät, das man kauft und vergisst. Batterien entladen sich, Akkus altern, und ein Gerät, das man nie eingeschaltet hat, überrascht einen ungern.

Ein guter fester Termin dafür ist der bundesweite Warntag im September. An dem Tag kannst du gleich prüfen, ob die Probewarnung im Radio tatsächlich ankommt.

  • Gerät wählen, das UKW und DAB+ empfängt
  • Ersatzbatterien in ausreichender Menge lagern – das BBK nennt sie ausdrücklich
  • Einmal im Jahr einschalten, Empfang testen und Batterien tauschen
  • Bei Kombigeräten Akku und Kurbel ausprobieren, nicht nur den Netzbetrieb
  • Zettel mit Frequenzen und Nummern auf Aktualität prüfen
  • Eine geladene Powerbank ergänzen – sie hält das Handy länger im Spiel

Tipp Lege das Radio dorthin, wo du es im Dunkeln findest: neben die Taschenlampe, nicht in den Keller. Vorsorge, die man suchen muss, ist im Ernstfall keine.

Häufige Fragen

Reicht nicht das Radio in meiner Küche?

Bei einem Stromausfall meistens nicht. Das BBK weist darauf hin, dass Fernsehgeräte, der PC und oft auch die im Haushalt verfügbaren Radiogeräte bei einem Stromausfall nicht betrieben werden können. Entscheidend ist, dass das Gerät ohne Steckdose läuft.

Batterie, Kurbel oder Solar – was ist besser?

Das BBK nennt alle drei Varianten. Ein Batterieradio ist am einfachsten, solange genügend Ersatzbatterien da sind. Kurbel und Solar brauchen kein Verbrauchsmaterial. Wer kann, kombiniert beides.

Soll ich ein UKW- oder ein DAB+-Gerät kaufen?

Am besten eines, das beides kann. Warnungen laufen laut BBK über analoge und digitale Sender, und DAB+ ersetzt UKW ab 2031 bis 2037.

Für wie viele Tage sollte ich vorsorgen?

Das BBK rechnet bei der Notfallvorsorge mit einem Referenzzeitraum von 10 Tagen. Für Batterien heißt das: lieber eine Packung mehr, als im Dunkeln nachzurechnen.

Ersetzt das Radio meine Warn-App?

Nein, beides ergänzt sich. Die Warn-App ist im Alltag schneller und ortsgenauer, das Radio funktioniert auch ohne Mobilfunknetz und Strom aus der Steckdose.

Quellen

  1. In der Krise informiert seinBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Radio bei Ausfall von Mobilfunk und Internet, Powerbank, Kontaktliste auf Papier, Umstellung von UKW auf DAB+
  2. Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber, PDF)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Checkliste Information und Kommunikation, Anlaufstellen, Verhalten bei Ausfall der Notrufnummern
  3. Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe (PDF)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ausfall von Haushaltsradios, Notstromversorgung der Mobilfunknetze, Batterie- und Kurbelradio, Autoradio, Nutzung der Notrufnummern
  4. So werden Sie gewarntBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Rundfunk als Warnweg mit hohem Informationsgehalt, überregionale und lokale Sender, UKW und DAB+
  5. Cell BroadcastBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Abhängigkeit der Handy-Warnung von einem funktionierenden Mobilfunknetz