Hochwasser entsteht nicht nur am Fluss. Starkregen kann Straßen fluten und Keller füllen, auch weit weg vom nächsten Ufer – dort, wo das Gelände das Wasser hinführt. Dieser Artikel zeigt dir, wie du deine eigene Gefährdung einschätzt, was du baulich und organisatorisch vorbereiten kannst und wie du dich verhältst, wenn eine Warnung kommt. Der wichtigste Abschnitt steht am Ende: die Dinge, die du keinesfalls tun darfst.
Das Wichtigste in Kürze
- Prüfe zuerst deine Lage: Hochwassergefahrenkarten der Länder, Starkregengefahrenkarten der Kommune.
- Rückstauklappen schützen nur, wenn sie gewartet sind – eine Hebeanlage hält Toilette und Dusche nutzbar.
- Elementarschadenschutz gibt es nur als Ergänzung zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung.
- Halte dich während des Hochwassers nicht im Keller auf – das ist lebensgefährlich.
- Überflutete oder teilüberflutete Straßen dürfen nicht befahren werden.
Zwei Gefahren mit einem Namen
Flusshochwasser kündigt sich an. Pegel steigen, es gibt Lageberichte, amtliche Warnungen und meistens Zeit zum Handeln. Wer an einem gemeldeten Gewässer wohnt, kann die Lage über Stunden verfolgen.
Starkregen kündigt sich kaum an. Das Wasser läuft dort zusammen, wo das Gelände es hinführt: in Senken, Unterführungen, Hofeinfahrten und Lichtschächte. Die Kanalisation ist auf solche Mengen nicht ausgelegt. Deshalb kann auch ein Haus volllaufen, in dessen Nähe kein Fluss liegt.
Für die Vorsorge heißt das: zwei verschiedene Fragen. Wie hoch steigt das Wasser von außen – und wo sammelt es sich auf meinem Grundstück oder drückt aus dem Kanal zurück?
Video: Für alle Fälle kurz erklärt: Starkregen (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Das BBK erklärt in drei Minuten, was Starkregen ist, warum er gefährlich wird und wie du vorsorgst.
Die eigene Gefährdung einschätzen
Seit der Umsetzung der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie sind Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten öffentlich verfügbar. Die Gefahrenkarten zeigen Szenarien unterschiedlicher Eintrittswahrscheinlichkeit mit räumlicher Ausdehnung, Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten. Die Risikokarten ergänzen, wie viele Menschen und welche Nutzungen betroffen wären.
Erstellt und gepflegt werden die Karten von den Landesbehörden. Gebündelt findest du sie über das Geoportal der Bundesanstalt für Gewässerkunde, das das Umweltbundesamt für die Prüfung von Bauvorhaben empfiehlt. Aktuelle Lageberichte, amtliche Warnungen und Pegelstände laufen über die Hochwasserzentralen der Länder, zusammengefasst im länderübergreifenden Hochwasserportal.
Für Starkregen sind die Länderkarten oft zu grob. Das BBK weist darauf hin, dass viele Kommunen inzwischen online Starkregengefahrenkarten anbieten – sie zeigen, wo sich Wasser im Ort sammelt. Ein Anruf bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung klärt, ob es für deinen Ort eine gibt.
Einen groben Anhaltspunkt liefert auch die Einstufung der Versicherer. Sie ordnen Adressen in vier Gefährdungsklassen ein, die sich nach der statistischen Hochwasserhäufigkeit richten. Über Starkregen sagen sie nichts, über Flusshochwasser einiges.
| Klasse | Statistische Hochwasserhäufigkeit |
|---|---|
| 4 | mindestens einmal in zehn Jahren |
| 3 | einmal in 10 bis 100 Jahren |
| 2 | seltener als einmal in 100 Jahren |
| 1 | derzeit nicht von Flusshochwasser betroffen |
Tipp Schau dir die Karten nicht nur für dein Haus an, sondern auch für den Weg zur Schule, zur Arbeit und zu deinem zweiten Treffpunkt.
Bauliche Vorsorge
Der häufigste Schadensweg ins Haus führt nicht über die Haustür, sondern über den Kanal. Bei Rückstau drückt Abwasser aus dem öffentlichen Kanal in tiefliegende Abläufe: Bodeneinlauf, Waschbecken, Toilette im Keller.
Rückstauklappen schützen das Gebäude laut Verbraucherzentrale lediglich davor, dass Wasser aus dem öffentlichen Kanal eindringt – sie leiten kein Wasser aktiv ab. Sie müssen regelmäßig gewartet und geprüft werden; blockiert etwa Müll die Klappe, versagt sie. Eine Hebeanlage geht weiter: Sie gewährleistet auch die weitere Benutzung von Toiletten und Duschen während eines Rückstaus. Ungenutzte Abläufe lassen sich dauerhaft verschließen.
Gegen Wasser von außen empfiehlt das BBK, zum Schutz Sandsäcke, Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon zu besorgen, wertvolle Möbel und Geräte wie Computer in obere, hochwassergeschützte Räume zu bringen und Kellerräume auszuräumen, in die Grundwasser eindringen oder die volllaufen können. Wer einen Pumpensumpf einbaut und eine Abwasserpumpe bereithält, kann nach dem Ereignis schneller leerpumpen.
Plane solche Umbauten mit einem Sanitärfachbetrieb. Rückstausicherung ist kein Heimwerkerprojekt – und bei der Versicherung häufig Bedingung.
Achtung Ein Heizöltank kann im Wasser aufschwimmen und aufreißen. Das BBK rät ausdrücklich, ihn gegen den Auftrieb durch das Wasser zu sichern.
Organisatorische Vorsorge und Versicherung
Das BBK rät, vorab zu klären, wer was tut, wenn eine Überschwemmung eintritt. Dazu gehört die Versorgung Kranker oder Hilfebedürftiger – können diese Personen rechtzeitig aus der Gefahrenzone evakuiert werden? – ebenso wie die Evakuierung von Haustieren. Not- und Gefahrenzeichen solltest du mit den Nachbarn absprechen.
Dokumentenmappe und Notgepäck hält das BBK für solche Lagen bereit: griffbereit, nicht im Keller. Wer im Erdgeschoss oder Souterrain wohnt, verschiebt beides eine Etage nach oben.
Versicherungsseitig gilt: Schäden durch Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbruch deckt eine Elementarschadenversicherung. Sie ist nicht einzeln erhältlich, sondern nur als Ergänzung zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung. Nicht versichert sind laut Verbraucherzentrale Schäden durch Grundwasser, das ohne Überflutung der Geländeoberfläche im Gebäude aufsteigt, sowie Schäden durch Sturmflut.
Das Rückstaurisiko muss innerhalb der Elementarschadenversicherung ausdrücklich abgesichert werden. Viele Verträge verlangen dafür funktionsfähige Rückstausicherungen in den gefährdeten Räumen. Prüf deinen Vertrag darauf, bevor du ihn im Schadensfall zum ersten Mal liest.
Warnungen verstehen
Bei Hochwasser laufen zwei Warnwege parallel, und beide brauchst du. Der eine warnt vor dem Wetter: Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes vor Starkregen und Dauerregen. Wie die Warnstufen aufgebaut sind, steht im Artikel zu den Warnsystemen.
Der andere warnt vor dem Wasserstand. Amtliche Hochwasserwarnungen, Lageberichte und Pegelstände kommen von den Hochwasserzentralen der Länder und sind im länderübergreifenden Hochwasserportal zusammengefasst, zusammen mit DWD-Wetterwarnungen und Niederschlagsradar.
Dessen App „Meine Pegel“ schickt Push-Nachrichten, sobald ein von dir gewählter Pegel einen Grenzwert überschreitet. Ergänzend warnt die Warn-App NINA des BBK; das BBK empfiehlt, Warnungen über NINA und die lokalen Hochwasserzentralen zu verfolgen.
Richte beides ein, bevor die Lage da ist. Eine App, die du im Gewitter zum ersten Mal installierst, hilft dir an diesem Abend nicht mehr.
Tipp Wähle in der Pegel-App nicht nur den Pegel in deinem Ort, sondern auch einen flussaufwärts. Dort steigt das Wasser früher – das ist dein Vorlauf.
Wenn die Warnung kommt
Prüfe zuerst, ob deine Vorsorgemaßnahmen ausreichen. Überprüfe die Rückstauklappen im Keller, bevor das Wasser gestiegen ist. Dichte Fenster und Türen sowie Abflussöffnungen ab.
Schalte elektrische Geräte und Heizungen in Räumen ab, die volllaufen können – gegebenenfalls den Strom komplett aus, also die Sicherung heraus. Fahre dein Auto rechtzeitig aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen. Bring Kinder aus dem Überschwemmungsgebiet, bevor die Gefahr eintritt.
Für die Zeit ohne Strom, Wasser und Kanalanschluss nennt das BBK ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser, ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio, eine Taschenlampe, einen Campingkocher und eine Campingtoilette. Rechne beim Wasser mit 2 Litern pro Person und Tag, davon 0,5 Liter Koch- und Zubereitungswasser; das BBK legt seinen Empfehlungen einen Zeitraum von 10 Tagen zugrunde.
Dokumentenmappe und Notgepäck stellst du jetzt an die Tür, nicht erst, wenn das Wasser im Hof steht.
- Rückstauklappen prüfen, solange es trocken ist
- Fenster, Türen und Abflussöffnungen abdichten
- Geräte und Heizung in gefährdeten Räumen abschalten, im Zweifel die Sicherung heraus
- Auto aus Tiefgarage oder Hof fahren
- Kinder, Hilfebedürftige und Haustiere vorher in Sicherheit bringen
- Dokumentenmappe, Notgepäck, Radio und Taschenlampe bereitstellen
Was du keinesfalls tun darfst
Dieser Abschnitt ist der wichtigste im ganzen Artikel. Die folgenden Punkte geben die Verhaltensempfehlungen des BBK wieder – sie sind keine Ermessensfragen.
Auch zu Fuß gilt: Was aussieht wie eine knöcheltiefe Pfütze, kann ein offener Schacht sein. Unter einer trüben Wasseroberfläche erkennst du weder fehlende Schachtdeckel noch Unterspülungen, und strömendes Wasser bringt auch Erwachsene aus dem Stand. Das BBK warnt ausdrücklich davor, Uferbereiche zu betreten, weil dort Unterspülungen und Abbrüche drohen. Warte, bis die Straße frei ist, oder nimm einen Umweg über höher gelegenes Gelände.
In gefluteten Räumen gilt die Reihenfolge: erst stromlos, dann hinein. Wasser und Elektrik sind die Kombination, die aus einem Sachschaden einen Personenschaden macht. Ist unklar, ob ein Raum spannungsfrei ist, bleibt er zu, bis ein Fachbetrieb das geprüft hat.
Video: Die Sturzflut ist da! Was tun? (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Das BBK zeigt die wichtigsten Verhaltensweisen, wenn eine Sturzflut bereits da ist.
- Halte dich während des Hochwassers nicht im Keller auf – das ist lebensgefährlich.
- Meide Tiefgaragen: Sie können bei Hochwassergefahr zu tödlichen Fallen werden.
- Fahre nicht durch überflutete Straßen. Überflutete oder teilüberflutete Straßen dürfen nicht befahren werden.
- Steht das Wasser über den Rädern, lass dein Fahrzeug abschleppen.
- Betrete keine Uferbereiche – es drohen Unterspülungen und Abbrüche.
- Schalte elektrische Geräte und Heizungen in gefährdeten Räumen ab, im Zweifel den Strom komplett.
- Beachte die Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte.
- Hilf anderen, aber bring dich nicht selbst in Gefahr.
Achtung Das BBK nennt den Aufenthalt im Keller während des Hochwassers lebensgefährlich und Tiefgaragen tödliche Fallen. Geh nicht hinein, um noch etwas zu retten. Sachen lassen sich ersetzen.
Häufige Fragen
Woher weiß ich, ob mein Haus hochwassergefährdet ist?
Über die Hochwassergefahren- und Risikokarten der Länder, gebündelt im Geoportal der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Für Starkregen frag zusätzlich deine Kommune nach einer Starkregengefahrenkarte.
Deckt meine Hausratversicherung Hochwasser ab?
Nur mit zusätzlichem Elementarschadenschutz. Den gibt es nicht einzeln, sondern nur als Ergänzung zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung; das Rückstaurisiko muss ausdrücklich abgesichert sein.
Reicht eine Rückstauklappe?
Sie verhindert, dass Wasser aus dem öffentlichen Kanal eindringt, leitet aber nichts ab und muss gewartet werden. Damit Toilette und Dusche im Rückstau nutzbar bleiben, braucht es eine Hebeanlage.
Darf ich mit dem Auto durch eine flache Überflutung fahren?
Nein. Überflutete oder teilüberflutete Straßen dürfen nicht befahren werden. Steht das Wasser über den Rädern, lass das Fahrzeug abschleppen.
Was mache ich mit meinen Haustieren?
Plane ihre Evakuierung von vornherein mit ein – das BBK nennt sie ausdrücklich als Teil der organisatorischen Vorsorge. Transportbox, Futter und Leine gehören griffbereit neben das Notgepäck.
Quellen
- Gut vorbereitet auf HochwasserBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Bauliche und organisatorische Vorsorge, Bevorratung, Starkregengefahrenkarten der Kommunen
- Was tun bei Hochwasser?Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Verhalten bei Hochwasser und alle Sicherheitshinweise zu Keller, Tiefgarage, Strom und überfluteten Straßen
- Länderübergreifendes Hochwasser-PortalHochwasserzentralen der deutschen Bundesländer · Amtliche Hochwasserwarnungen, Lageberichte, Pegelstände und die App „Meine Pegel“
- Fragen und Antworten zum Thema HochwasserUmweltbundesamt · Hochwassergefahren- und Risikokarten und wo sie abrufbar sind
- Starkregen-Überflutung und Rückstau: So läuft das Haus nicht voll WasserVerbraucherzentrale · Rückstauklappe, Hebeanlage, Wartung und Verschluss ungenutzter Abläufe
- Versicherungsschutz gegen ElementarschädenVerbraucherzentrale · Deckungsumfang, Ausschlüsse und die vier Gefährdungsklassen
