Hitze gilt vielen als Sommerthema, nicht als Gefahrenlage. Dabei ist sie die Situation, in der Vorsorge am wenigsten kostet und am meisten bringt: kühle Räume, genug zu trinken, ein Blick auf die Nachbarn. Dieser Artikel zeigt dir, wie du deine Wohnung durch eine Hitzewelle bringst, welche Warnzeichen du kennen solltest und wann der Notruf 112 die richtige Entscheidung ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Tagsüber Fenster zu, nachts und frühmorgens lüften – außenliegender Sonnenschutz wirkt am stärksten.
- Das BBK nennt für Hitzetage 1,5 bis 2 Liter täglich, kühl statt eiskalt.
- Der DWD warnt ab etwa 32 °C gefühlter Temperatur, ab 38 °C vor extremer Wärmebelastung.
- Bei Verdacht auf einen Hitzschlag sofort den Notruf 112 wählen.
- Ältere, allein lebende Menschen brauchen in Hitzewellen regelmäßige Anrufe und Besuche.
Warum Hitze unterschätzt wird
Ein Sturm ist laut, ein Hochwasser ist sichtbar. Hitze passiert leise und über Tage. Genau das macht sie gefährlich: Die Belastung summiert sich, und wer sie am stärksten spürt, sagt am seltensten Bescheid.
Das BBK weist darauf hin, dass starkes Schwitzen zu hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten und schließlich zur Austrocknung führen kann und dass der Kreislauf durch die Anforderungen des hohen Wärmetransports überlastet werden kann. Besonders gefährdet sind nach BBK ältere oder isolierte Menschen, chronisch Kranke und kleine Kinder.
Entscheidend ist dabei weniger der einzelne heiße Nachmittag als die Nacht danach. Der DWD warnt unter anderem dann, wenn eine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume nicht mehr gewährleistet ist. In Städten mit über 100.000 Einwohnern behindern Wärmeinseleffekte genau diese Abkühlung.
Die Wohnung kühl halten
Das Umweltbundesamt rät, die Fenster tagsüber geschlossen zu halten, damit die warme Außenluft nicht in die Wohnung dringen kann, und abends alle Fenster zu öffnen, sobald es draußen kühler ist als drinnen. Nachts und frühmorgens lüften ist der wirksamste Hebel, den auch Mieter haben.
Der Sonnenschutz gehört zu, sobald die Sonne auf das Fenster scheint – bei Ostfenstern also früh am Morgen. Außenliegender Sonnenschutz wie Rollläden oder Jalousien hält laut Umweltbundesamt 80 bis 90 Prozent der Sonnenstrahlung ab; innenliegende Vorhänge bringen im Vergleich wenig.
Schalte Geräte ab, die du nicht brauchst: Drucker, Spielkonsole, Unterhaltungselektronik. Jedes laufende Elektrogerät erzeugt zusätzliche Wärme. Ventilatoren senken die Raumtemperatur nicht, kühlen über die Luftbewegung aber die Haut – und brauchen deutlich weniger Strom als ein Klimagerät.
Wenn es ohne Klimagerät nicht geht, empfiehlt das Umweltbundesamt ein energieeffizientes Modell mit klimafreundlichem Kältemittel wie Propan (R-290) und eine Einstellung von nur 3 bis 4 °C unter der Außentemperatur, möglichst nicht unter 26 °C.
Tipp Wenn du baulich nichts verändern darfst: Auch ein außen angebrachtes Sonnensegel oder eine Markise im Rahmen der Hausordnung wirkt besser als jeder Vorhang innen. Frag deine Vermietung – gute Argumente hast du.
Trinken und essen
Das BBK nennt für Hitzetage 1,5 bis 2 Liter täglich. Gute Durstlöscher sind Mineralwasser – auch wegen des Mineralverlusts durch das Schwitzen –, verdünnte Säfte sowie Kräuter- oder Früchtetees, aber nicht eiskalt. Kühl statt kalt ist angenehmer und belastet den Kreislauf weniger.
Beim Essen empfiehlt das BBK Gemüse, Salate und wasserreiches Obst. Wer bei Hitze wenig Appetit hat, deckt über solche Lebensmittel einen Teil des Flüssigkeitsbedarfs mit ab.
Ein Hinweis, der oft untergeht: Das BBK rät, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, ob die Dosierung von Medikamenten bei Hitze angepasst werden muss. Das Umweltbundesamt ergänzt, dass manche Medikamente bei Wärme an Wirkung verlieren und kühl gelagert werden müssen.
Für die Vorratsplanung gilt unabhängig davon der BBK-Richtwert von 2 Litern Trinkwasser pro Person und Tag, davon 0,5 Liter Koch- und Zubereitungswasser. In einer Hitzewelle ist der Vorrat vor allem dann wichtig, wenn du das Haus tagsüber nicht verlassen willst.
Achtung Bei Herz-, Nieren- oder anderen chronischen Erkrankungen kann eine pauschale Trinkmenge falsch sein. Die richtige Menge klärst du ärztlich – dieser Artikel ersetzt keine Beratung.
Den Tag umbauen
Das Umweltbundesamt rät, körperliche Aktivität besonders während der heißesten Tageszeit von etwa 11 bis 18 Uhr zu vermeiden und anstrengende Tätigkeiten in die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verlegen. Einkaufen, Sport, Gartenarbeit, Umzugskartons: alles davor oder danach.
Das BBK empfiehlt leichte, weite, helle Kleidung und eine Kopfbedeckung. Das Umweltbundesamt nennt außerdem kühlende Körperlotionen oder ein Thermalwasserspray sowie kühlende Fußbäder als einfache Erleichterung.
Wer im Freien oder körperlich arbeitet, gehört zu den besonders gefährdeten Gruppen. Schatten, Pausen und Trinkgelegenheiten sind dort keine Bequemlichkeit, sondern Arbeitsschutz. Sprich deinen Arbeitgeber darauf an, bevor die Hitzewelle da ist.
Video: Für alle Fälle kurz erklärt: Wie schützt man sich bei Hitze? (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Das BBK fasst in gut drei Minuten zusammen, wie du heiße Tage gesund überstehst und vorsorgst.
Achtung Lass niemals Menschen oder Tiere allein in einem heißen Auto zurück. Die Temperatur steigt dort sehr schnell auf lebensgefährliche Werte – auch im Schatten und auch „nur kurz“.
Wer besonders gefährdet ist
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zählt mehrere Gruppen zu den besonders hitzegefährdeten Menschen. Die Liste ist länger, als die meisten vermuten – und sie trifft in fast jedem Haus auf jemanden zu.
Beide Aufzählungen, die des Bundesinstituts und die des BBK, treffen sich an einem Punkt: Gefährdet ist vor allem, wer sich nicht selbst helfen oder nicht selbst Bescheid geben kann. Wer allein lebt, wenig mobil ist oder tagsüber niemanden sieht, fällt in einer Hitzewelle als Erstes durch das Raster.
- Menschen ab 65 Jahren
- allein lebende ältere Menschen mit Mobilitätsproblemen
- pflegebedürftige Personen
- Schwangere
- Säuglinge und Kleinkinder
- Menschen mit Vorerkrankungen
- Menschen, die im Freien oder körperlich arbeiten
- wohnungslose Menschen und Menschen mit Suchterkrankungen
Warnzeichen erkennen
Du musst keine Diagnose stellen können. Es reicht, die Muster zu kennen und zu wissen, wann du den Notruf wählst. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt für hitzebedingte Notfälle die folgenden typischen Warnzeichen.
Bei Verdacht auf einen Hitzschlag ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Dasselbe gilt bei Bewusstlosigkeit, schweren Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen – unabhängig davon, welchen Zustand du vermutest.
Für alles, was unterhalb dieser Schwelle liegt, dir aber Sorge macht, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zuständig. Wie im Einzelfall zu behandeln ist, entscheidet medizinisches Fachpersonal; dieser Artikel beschreibt nur, woran du eine Notlage erkennst.
| Zustand | Typische Warnzeichen |
|---|---|
| Hitzeerschöpfung | starker Durst, Schwäche, kalte feuchte Haut, niedriger Blutdruck mit hoher Pulsfrequenz |
| Hitzschlag | gerötete, heiße und trockene Haut, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderungen, Bewusstlosigkeit |
| Sonnenstich | Kopfschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, geröteter und heißer Kopf bei meist normaler Körpertemperatur |
Achtung Verdacht auf Hitzschlag: sofort 112. Warte nicht ab, ob es von allein besser wird, und such nicht erst im Internet nach Alternativen.
Hitzewarnungen des DWD
Der Deutsche Wetterdienst unterscheidet zwei Warnstufen: starke Wärmebelastung und extreme Wärmebelastung. Grundlage für beide ist die gefühlte Temperatur, die neben der Lufttemperatur auch Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und Strahlung berücksichtigt.
Vor starker Wärmebelastung warnt der DWD, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag einen Schwellenwert von etwa 32 °C überschreitet und eine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume nicht mehr gewährleistet ist. Erreicht die gefühlte Temperatur 38 °C, wird vor extremer Wärmebelastung gewarnt. Für ältere Menschen setzt der DWD die Schwelle bei 36 °C gefühlter Temperatur an.
Hitzewarnungen lassen sich kostenlos als Newsletter abonnieren. Zusätzlich gibt es eine Hitzevorwarnung, die über mögliche Hitzewarnereignisse über den zweitägigen Warnzeitraum hinaus informiert – damit planst du den Einkauf und die Anrufe einen Tag früher.
Tipp Abonniere die Warnung auch für den Landkreis der Person, um die du dich kümmerst – nicht nur für deinen eigenen.
Nachbarschaftshilfe: der wirksamste Hitzeschutz
Das BBK hält es bei starker Wärmebelastung für besonders wichtig, auf Familienangehörige, Freunde und Nachbarn zu achten, die zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören. Regelmäßige Besuche und Anrufe helfen, bei gesundheitlichen Problemen rechtzeitig einzugreifen.
Mach daraus eine feste Verabredung statt einer guten Absicht: ein Anruf am Vormittag, einer am frühen Abend, an jedem Tag mit Hitzewarnung. Wer nicht rangeht, wird besucht. Das klingt übertrieben, bis man es einmal gebraucht hat.
Die praktischen Hilfen sind unspektakulär und wirken trotzdem: Getränke mitbringen, morgens die Rollläden herunterlassen, den Einkauf übernehmen, damit niemand mittags in der Sonne läuft, abends beim Lüften helfen, wenn jemand die Fenster nicht selbst öffnen kann.
Und sprich die Sache vorher an, nicht mitten in der Hitzewelle. Ein kurzer Zettel mit deiner Nummer im Briefkasten der Nachbarin im dritten Stock ist die ganze Vorbereitung, die es braucht.
Häufige Fragen
Ab wann warnt der DWD vor Hitze?
Bei etwa 32 °C gefühlter Temperatur am frühen Nachmittag vor starker Wärmebelastung, ab 38 °C vor extremer Wärmebelastung. Für ältere Menschen liegt die Schwelle bei 36 °C.
Wie viel soll ich bei Hitze trinken?
Das BBK nennt 1,5 bis 2 Liter täglich, kühl statt eiskalt. Bei chronischen Erkrankungen kann die richtige Menge davon abweichen – das gehört ärztlich geklärt.
Ventilator oder Klimagerät?
Der Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht, kühlt aber die Haut und braucht viel weniger Strom. Braucht es ein Klimagerät, rät das Umweltbundesamt zu 3 bis 4 °C unter Außentemperatur und möglichst nicht unter 26 °C.
Wann muss ich 112 rufen?
Bei Verdacht auf einen Hitzschlag sofort, ebenso bei Bewusstlosigkeit, schweren Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen. Für weniger dringende Fragen gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Was hilft in einer Dachwohnung ohne Rollläden?
Nachts und frühmorgens gründlich durchlüften, tagsüber alles geschlossen halten, unnötige Geräte ausschalten – und außenliegenden Sonnenschutz bei der Vermietung ansprechen. Vorhänge innen bringen im Vergleich wenig.
Quellen
- Vorsorge und Handeln bei Hitze und DürreBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Trinkmenge, Getränke, Kleidung, Risikogruppen, Medikamente, Nachbarschaftshilfe, Warnung vor heißen Autos
- Gesundheitsrisiken von HitzeBundesinstitut für Öffentliche Gesundheit · Warnzeichen von Hitzeerschöpfung, Hitzschlag und Sonnenstich sowie die Kriterien für den Notruf 112
- Gegen die Hitze: Das können Sie im Sommer für kühle Räume tunUmweltbundesamt · Lüften, außenliegender Sonnenschutz, Elektrogeräte, Ventilator und Einstellung von Klimageräten
- Tipps gegen die SommerhitzeUmweltbundesamt · Aktivitäten in der heißesten Tageszeit, Kühlung des Körpers, Medikamente bei Wärme
- HitzewarnungDeutscher Wetterdienst (DWD) · Warnstufen, Schwellenwerte der gefühlten Temperatur, nächtliche Auskühlung, Newsletter und Vorwarnung
