Ein Vorrat im Schrank nützt wenig, wenn im Ernstfall niemand weiß, wo er steht – und noch weniger, wenn die Familie über die halbe Stadt verteilt ist. Ein Familien-Notfallplan hält auf einer Seite fest, was ihr sonst unter Stress ausdiskutieren müsstet: wo ihr euch trefft, wen ihr anruft, wer wen abholt und wo die wichtigen Dinge liegen. Dieser Artikel zeigt dir, welche Fragen der Plan beantworten muss und wie du ihn so aufschreibst, dass ihn auch ein Achtjähriger versteht.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein guter Plan beantwortet sechs Fragen: Treffpunkt, Kontakt, Abholung, Ablageort, Information, Absperrhähne.
- Vereinbart eine Kontaktperson außerhalb eurer Region als Drehscheibe, wenn das Netz vor Ort dicht ist.
- Das BBK rät zu einer ausgedruckten oder handschriftlichen Liste mit wichtigen Nummern.
- Zwei Treffpunkte sind besser als einer: einer um die Ecke, einer außerhalb des Viertels.
- Mit Kindern sachlich, einfach und klar sprechen – und die Botschaft geben: Wir sind gut vorbereitet.
Die sechs Fragen, die dein Plan beantwortet
Die meisten Menschen beginnen Krisenvorsorge mit Einkaufen: Wasser, Nudeln, Taschenlampe. Das ist nicht falsch, aber es beantwortet die Fragen nicht, die im Ernstfall zuerst kommen. Wo ist mein Kind? Wie erreiche ich meinen Partner? Wohin gehen wir, wenn wir hier weg müssen?
Ein Notfallplan kostet nichts außer einer Stunde am Küchentisch. Er wirkt genau in den Lagen, in denen dir ein Vorrat nicht hilft: beim Wohnungsbrand, bei einer Räumung wegen einer Bombenentschärfung, bei einem Unwetter, das die Familie über die Stadt verstreut.
Er ist außerdem das einzige Element deiner Vorsorge, das nicht abläuft. Solange sich Adressen und Nummern nicht ändern, reicht ein Blick pro Jahr.
Schreib nicht drauflos. Ein guter Plan ist kurz und beantwortet sechs Fragen. Alles, was darüber hinausgeht, liest im Ernstfall niemand mehr.
Geht die Liste gemeinsam durch – mit allen, die im Haushalt leben. Ein Plan, den nur einer kennt, ist ein Zettel.
- Wo treffen wir uns, wenn wir die Wohnung verlassen müssen und uns nicht erreichen?
- Wen rufen wir an, wenn wir uns untereinander nicht erreichen?
- Wer holt die Kinder ab, wenn die Eltern nicht können – und wer darf das überhaupt?
- Wo liegen Dokumentenmappe, Notgepäck, Hausapotheke, Ersatzschlüssel und etwas Bargeld?
- Woher bekommen wir Informationen, wenn Handynetz und Internet ausfallen?
- Wie schalten wir Strom, Gas und Wasser ab – und wer weiß, wo Hähne und Sicherungen sitzen?
Tipp Beantwortet die Fragen erst laut am Tisch und schreibt sie dann auf. Überall dort, wo die Antwort stockt, liegt die eigentliche Lücke.
Wenn das Netz überlastet ist
Bei großen Lagen ist nicht immer der Strom das erste Problem, sondern die Gleichzeitigkeit: Alle telefonieren, alle schreiben, das Mobilfunknetz vor Ort ist dicht. Anrufe in der Nachbarschaft scheitern dann, während eine Verbindung in eine andere Region noch durchgeht.
Deshalb gehört in jeden Plan eine Kontaktperson außerhalb eurer Region – die Tante in Hamburg, der Freund in München. Alle in der Familie melden sich dort, statt sich gegenseitig zu suchen. Diese Person sammelt die Meldungen und gibt sie weiter. Eine einzige Nummer, die jeder auswendig kann, ersetzt zehn Versuche kreuz und quer.
Das BBK weist darauf hin, dass Radiosender auch dann noch funktionieren, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen – Warn-Apps dagegen nicht. Ein Auto-, Kurbel- oder batteriebetriebenes Radio gehört deshalb dazu.
Und falls sogar die Notrufnummern 110 und 112 ausfallen, rät das BBK, zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen. Beide Adressen gehören in den Plan, bevor du sie brauchst.
Hinweis Das BBK empfiehlt eine ausgedruckte oder handschriftliche Liste mit wichtigen Nummern – für den Fall, dass du nicht an deine digital gespeicherten Kontakte kommst.
Treffpunkte: einer um die Ecke, einer außerhalb
Legt zwei Treffpunkte fest. Der erste liegt direkt bei der Wohnung und ist zu Fuß erreichbar – die Laterne vor dem Nachbarhaus, der Spielplatz an der Ecke. Er gilt, wenn ihr das Gebäude schnell verlassen müsst, etwa bei einem Brand.
Der zweite liegt außerhalb des Viertels und ist auch ohne Auto erreichbar. Er gilt, wenn die ganze Straße geräumt wird oder der erste Treffpunkt abgesperrt ist.
Beschreibt beide so genau, dass es keine zwei Auslegungen gibt: nicht „am Bahnhof“, sondern „am Haupteingang des Bahnhofs, unter der Uhr“. Und legt fest, wie lange ihr dort wartet, bevor jemand weiterzieht.
Das BBK rät außerdem, sich vorher zu erkundigen, wo es vor Ort Anlaufstellen gibt – etwa Rathäuser oder ausgewiesene Notfalltreffpunkte. Das ersetzt euren eigenen Treffpunkt nicht, ist aber eine gute dritte Ebene.
Wer holt wen ab – und wer weiß davon?
Kita und Schule geben Kinder nur an Personen heraus, die dort hinterlegt sind. Genau daran scheitern Notfallpläne in der Praxis: Der Plan nennt die Nachbarin, die Abholliste der Kita kennt sie nicht.
Trag deshalb zwei Namen pro Kind ein – und melde beide dort, wo das Kind tagsüber ist. Sprich mit den genannten Personen, bevor du sie aufschreibst. Eine Abholvollmacht, von der niemand weiß, ist keine.
Klärt dasselbe in die andere Richtung: Wer kümmert sich um die Großmutter im dritten Stock, wenn der Aufzug steht? Wer geht zum Nachbarn, der schlecht hört und eine Durchsage nicht mitbekommt? Schreibt Name, Adresse und Nummer dazu, nicht nur „Oma“.
Wo die wichtigen Dinge liegen
Der Plan sagt nicht nur, wohin ihr geht, sondern auch, was ihr mitnehmt und wo es steht. Das BBK empfiehlt, alle wichtigen Dokumente in einer Dokumentenmappe zusammenzustellen und griffbereit an einem Ort aufzubewahren; alle Familienmitglieder sollten diesen Ort kennen.
Ergänzend rät das BBK zu einer digitalen Sicherung oder dazu, Kopien bei Verwandten, Freunden, einem Notar oder im Bankschließfach zu hinterlegen. Ins Notgepäck gehört laut BBK unter anderem das Smartphone, damit du mit Angehörigen in Kontakt bleiben kannst.
Schreib die Ablageorte so konkret auf, dass auch jemand sie findet, der selten bei euch ist – zum Beispiel die Person, die eure Kinder abholt.
| Was | Wo | Wer weiß Bescheid |
|---|---|---|
| Dokumentenmappe | Flur, oberstes Regalfach | alle Erwachsenen |
| Notgepäck | Garderobe, hinter den Mänteln | alle |
| Hausapotheke | Bad, oberer Schrank | alle Erwachsenen |
| Ersatzschlüssel | bei Familie Weber, Hausnummer 14 | alle |
| Sicherungskasten und Haupthahn | Keller, links neben der Tür | alle Erwachsenen |
Wenn du selbst ausfällst
Viele Notfallpläne haben eine stille Annahme: Die Person, die sie geschrieben hat, ist auch da. Fällt genau sie aus – nach einem Unfall, im Krankenhaus oder weil sie irgendwo festsitzt –, fehlt oft Wissen, das nur in ihrem Kopf steckt. Benenne deshalb eine Ersatzperson, die dann übernimmt, und sprich vorher mit ihr darüber.
Für sie gehört ein kurzer Übergabezettel zum Plan: wer im Haushalt was braucht, welche Termine und Zahlungen laufen, wer sich um Kinder, Angehörige oder Tiere kümmern kann. Die Kontaktperson außerhalb der Region ist auch hier die Drehscheibe: Sie erfährt vom Ausfall und gibt die Nachricht der Reihe nach an alle weiter, die es betrifft.
Unterscheide dabei drei Stufen. Wissen darf die Ersatzperson, wo Dinge liegen und wen sie anrufen soll – das steht auf dem Zettel. Zugreifen heißt Schlüssel, Codes und Konten. Wie du Zugänge für Vertraute sicher hinterlegst, zeigt der Artikel zur digitalen Vorsorge. Rechtlich für dich handeln, etwa bei Bank, Behörde oder Arztpraxis, ist eine eigene Frage, die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung beantworten. Gesundheitsangaben für den Rettungsdienst gehören in die Notfalldose oder den Notfallpass.
Geht den Zettel einmal im Jahr zusammen mit der Ersatzperson durch, am besten beim ohnehin fälligen Blick auf den ganzen Plan.
Tipp Auf den Übergabezettel gehören keine Passwörter, PINs oder Diagnosen – nur, wo etwas liegt und wen man fragt.
Mit Kindern sprechen, ohne Angst zu machen
Kinder merken, wenn Erwachsene etwas vorbereiten. Sie nicht einzubeziehen macht die Sache nicht harmloser, sondern nur unklarer. Das BBK rät, gut zuzuhören, wenn dein Kind Fragen hat, und sachlich, einfach und klar zu antworten.
Es hilft, eigene Gefühle zu erklären – das zeigt dem Kind, dass Angst normal ist. Wichtig sind positive Botschaften wie „Wir passen auf Dich auf“ und „Wir sind gut vorbereitet“. Kinder können ihre Gefühle außerdem über Malen, Schreiben oder Spiel ausdrücken.
Praktisch heißt das: Geht den Weg zum Treffpunkt als Spaziergang ab. Lasst die Kinder die Nummer der Kontaktperson auswendig lernen wie ein Lied. Wer den Plan mitgebaut hat, hat weniger Angst davor als jemand, dem er vorgelesen wird.
Und haltet es bei einem Termin: einmal aufschreiben, einmal ablaufen, fertig. Wiederholte Krisengespräche am Abendbrottisch erzeugen genau die Anspannung, die ihr vermeiden wolltet.
Tipp Wenn dir Reaktionen deines Kindes Sorgen machen, hol dir Rat – das BBK verweist unter anderem auf die „Nummer gegen Kummer“. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116 117 erreichbar.
Ausdrucken, verteilen, aktuell halten
Ein Plan auf dem Handy ist kein Plan. Er liegt hinter einem Akku, einem Entsperrcode und manchmal hinter einem Netz, das gerade nicht da ist. Druck ihn aus: einmal für die Pinnwand, einmal für jede Brieftasche, einmal fürs Notgepäck, einmal fürs Handschuhfach.
Schreib ein Datum darauf und schau einmal im Jahr darüber – am besten dann, wenn du ohnehin Batterien und Vorräte prüfst. Geändert haben sich meistens nur Kleinigkeiten: eine neue Handynummer, eine neue Kita, ein Umzug der Kontaktperson.
Wenn du nicht bei null anfangen willst: Der Notfallplan auf WildWeasel stellt genau diese Fragen, füllt die Felder mit dir aus und gibt dir am Ende eine druckfertige Seite – plus eine Kurzfassung im Scheckkartenformat für Schultaschen und Geldbörsen.
Tipp Die Kurzfassung braucht nur drei Angaben: die beiden Treffpunkte und die Nummer der Kontaktperson außerhalb der Region.
Häufige Fragen
Reicht nicht ein Zettel mit Telefonnummern?
Nummern sind der halbe Plan. Ohne Treffpunkt und Abholregelung telefoniert ihr im Ernstfall nur hinterher, statt euch zu finden.
Warum eine Kontaktperson außerhalb der Region?
Weil lokale Netze bei großen Lagen schnell überlastet sind, während Verbindungen nach außerhalb oft noch durchgehen. Eine Nummer, die alle auswendig können, ersetzt zehn Suchanrufe.
Wie oft sollte ich den Plan prüfen?
Einmal im Jahr genügt, wenn sich nichts geändert hat. Nach Umzug, Schulwechsel oder neuer Handynummer sofort.
Müssen Kinder den Plan auswendig können?
Die Nummer der Kontaktperson und den ersten Treffpunkt ja, der Rest darf auf dem Zettel stehen. Übt es spielerisch, nicht als Prüfung.
Was, wenn 110 und 112 nicht erreichbar sind?
Das BBK rät, in diesem Fall zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen. Beide Adressen gehören deshalb in den Plan.
Quellen
- Vorsorgen für Krisen und KatastrophenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Überblick über die Vorsorgethemen, auf die sich der Notfallplan stützt
- In der Krise informiert seinBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Radio bei Netzausfall, ausgedruckte Nummernliste, Anlaufstellen, Verhalten bei Ausfall von 110 und 112
- Dokumente sichernBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Dokumentenmappe griffbereit an einem allen bekannten Ort, Kopien und digitale Sicherung
- NotgepäckBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Inhalt des Notgepäcks, Smartphone für den Kontakt zu Angehörigen
- Mit Ängsten und Sorgen umgehenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Gespräche mit Kindern, positive Botschaften, Hinweis auf weiterführende Beratung
