Deutschland empfiehlt zehn Tage, Finnland 72 Stunden, Österreich 10–14 Tage. Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, fragt sich schnell, wer recht hat. Dieser Artikel zeigt, was die zuständigen Stellen in vier Ländern tatsächlich empfehlen, warum ihre Zahlen auseinandergehen und was du davon für deinen Haushalt in Deutschland mitnehmen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland (BBK): möglichst zehn Tage, 2 Liter Wasser pro Person und Tag – das bleibt hier der Maßstab.
- Schweden: mindestens eine Woche und mindestens 3 Liter Wasser pro Tag, vor allem zum Trinken und Kochen.
- Finnland: mindestens 72 Stunden; etwa 2 Liter Trinkwasser, mit Kochen und Hygiene 10 bis 20 Liter am Tag.
- Schweiz: Essen für rund eine Woche, 9 Liter Wasser pro Person für drei Tage. Österreich: mindestens 10–14 Tage.
- Die Zahlen beantworten verschiedene Fragen – sie sind keine Rangliste, wer besser vorsorgt.
Warum sich der Blick über die Grenze lohnt
Wer sich mit Vorsorge beschäftigt, stößt schnell auf unterschiedliche Zahlen: 72 Stunden hier, eine Woche dort, zehn oder vierzehn Tage anderswo. Das wirkt widersprüchlich, ist es aber meist nicht. Jedes Land schreibt seine Empfehlung für die eigene Versorgungslage, die eigenen Hilfsstrukturen und mit einem eigenen Ziel.
Dieser Artikel legt die Empfehlungen aus Schweden, Finnland, der Schweiz und Österreich neben die deutsche. Er gibt wieder, was die Herausgeber selbst schreiben, übersetzt sinngemäß und kennzeichnet ausdrücklich, wo eine Einordnung Deutung ist und kein Zitat.
Hinweis Für Deutschland gilt auf dieser Website die Empfehlung des BBK: möglichst zehn Tage, 2 Liter Wasser pro Person und Tag. Die Werte der anderen Länder stehen hier als Zitat mit Herkunft – sie sind keine Empfehlung für deinen Haushalt in Deutschland.
Die Empfehlungen im Überblick
Die Tabelle fasst zusammen, was die jeweiligen Stellen auf ihren eigenen Seiten angeben, abgerufen im September 2026. Lies die Wasserspalte genau: Nicht jede Zahl meint dasselbe. Manche umfassen nur Trinken und Kochen, andere auch die Körperpflege.
In Deutschland, Schweden und der Schweiz sprechen Behörden. In Finnland stammt die Empfehlung nach Angaben der Rettungsdienste gemeinsam von Behörden und Hilfsorganisationen. In Österreich kommt sie vom Österreichischen Zivilschutzverband, also von einem Verband und nicht von einem Amt.
| Land | Herausgeber | Zeitraum | Wasser pro Person und Tag | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) | möglichst zehn Tage; drei Tage helfen schon sehr | 2 Liter: mindestens 1,5 Liter zum Trinken, 0,5 Liter zum Kochen | Säfte und andere Getränke zählen mit |
| Schweden | Myndigheten för civilt försvar, früher MSB | mindestens eine Woche | mindestens 3 Liter, vor allem zum Trinken und Kochen | Broschüre „Om krisen eller kriget kommer“, Fassung November 2024 |
| Finnland | Behörden und Hilfsorganisationen gemeinsam | mindestens 72 Stunden | etwa 2 Liter Trinkwasser; 10 bis 20 Liter mit Kochen und Hygiene | Gefäße mit Deckel, um Wasser an Ausgabestellen zu holen |
| Schweiz | Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) | Lebensmittel für rund eine Woche | 9 Liter pro Person, gedacht für drei Tage Trinken und Kochen | Wasserversorger müssen ab dem vierten Tag wieder minimal liefern |
| Österreich | Österreichischer Zivilschutzverband (ÖZSV) | mindestens 10–14 Tage | mindestens 2 Liter | Beispiel für zwei Wochen: 28 Liter Wasser pro Person |
Schweden: mindestens eine Woche
In Schweden ist die frühere Myndigheten för samhällsskydd och beredskap (MSB) zuständig, die heute Myndigheten för civilt försvar heißt – Behörde für zivile Verteidigung. Ihre Broschüre „Om krisen eller kriget kommer“, sinngemäß „Wenn die Krise oder der Krieg kommt“, ist im November 2024 in neuer Fassung erschienen und richtet sich an alle Einwohner des Landes.
Die Kernaussage: Die meisten Menschen müssen mindestens eine Woche allein zurechtkommen. Beim Wasser nennt die Broschüre mindestens drei Liter pro Tag, in erster Linie zum Trinken und Kochen. Dazu rät sie zu Kanistern oder Eimern mit Deckel, falls die Kommune Wassertanks aufstellt, und zu Bargeld in verschiedenen Stückelungen für mindestens eine Woche.
Aufschlussreich ist die Geschichte der Zahl. Laut der Behörde hat die schwedische Regierung 2020 beschlossen, eine Woche Vorsorge zu empfehlen; seit 2024 heißt es „mindestens eine Woche“. 72 Stunden seien trotzdem besser als nichts. Begründet wird die Woche damit, dass die Gesellschaft so Zeit gewinnt, ihre Kräfte zu sammeln und zuerst denen zu helfen, die es am schwersten haben.
Die schwedische Broschüre behandelt ausdrücklich auch den Krieg. Für verschreibungspflichtige Dauermedikamente weist die Behörde darauf hin, dass man sie in Schweden oft so abholen kann, dass sie einen Monat reichen.
Finnland: 72 Stunden als Untergrenze
In Finnland heißt die Empfehlung schlicht „72 Stunden“. Nach Angaben der finnischen Rettungsdienste soll ein Haushalt drei Tage ohne Strom, Wärme, Wasser und Lebensmittel von außen zurechtkommen. Das helfe der eigenen Familie und nehme Druck von der Gesellschaft. Beim Essen ist ausdrücklich von mindestens 72 Stunden die Rede, und zwar für Familie und Haustiere.
Beim Wasser rechnen die Rettungsdienste mit etwa 2 Litern sauberem Trinkwasser pro Tag. Weil Wasser auch zum Kochen und für die Körperpflege gebraucht wird, liegt der Gesamtbedarf nach ihren Angaben bei 10 bis 20 Litern pro Person und Tag – im Alltag verbraucht man 100 bis 150 Liter.
Einen großen Wasservorrat verlangt die finnische Empfehlung dafür nicht. Sie rät, immer ein paar Liter gekauftes Flaschenwasser im Haus zu haben und genügend große Behälter mit Deckel, um Wasser an Ausgabestellen zu holen. Dauert eine Unterbrechung länger als 24 Stunden, wird laut den Rettungsdiensten in der Regel eine Ersatzversorgung eingerichtet. Der Vorrat müsse auch kein eigenes Lager sein, sondern dürfe aus Lebensmitteln bestehen, die man ohnehin gern isst.
Schweiz und Österreich: Notvorrat und krisenfester Haushalt
In der Schweiz ist das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) zuständig. Seine Broschüre „Kluger Rat – Notvorrat“ ist auf Februar 2025 datiert. Sie empfiehlt Lebensmittel für rund eine Woche und mindestens 9 Liter Wasser pro Person – einen Sechserpack mit 1,5-Liter-Flaschen. Diese Menge soll im Notfall für drei Tage Trinken und Kochen reichen; Wasser für Körperpflege und Toilettenspülung ist ausdrücklich nicht eingerechnet.
Der Grund für die kurze Wasserfrist steht gleich daneben: Die Wasserversorger sind verpflichtet, die Bevölkerung ab dem vierten Tag einer Unterbrechung wieder mit einer minimalen Menge Trinkwasser zu versorgen. Der Notvorrat soll nach dem BWL keine längere Krise überstehen, sondern einen vorübergehenden Engpass überbrücken. Zur Liste gehören außerdem 50 Hygienemasken pro Person, ein batteriebetriebenes Radio und etwas Bargeld.
In Österreich empfiehlt der Österreichische Zivilschutzverband, bei der Planung von mindestens 10–14 Tagen auszugehen. Beim Wasser rät er zu mindestens 2 Litern pro Person und Tag und rechnet als Beispiel für zwei Wochen 28 Liter Wasser und 2 Liter Fruchtsaft pro Person. Die Lebensmittelliste orientiert sich an der österreichischen Ernährungspyramide.
Auffällig ist, wie konsequent der Verband seinen Zeitraum durchzieht: Futter für Haustiere für 10 bis 14 Tage, Müllsäcke für 10–14 Tage und Dauermedikamente für bis zu zwei Wochen. Die Seite nennt kein Datum, ihr Stand lässt sich deshalb nur über den Abruf im September 2026 angeben.
Warum die Zahlen auseinandergehen
Die Zahlen unterscheiden sich vor allem, weil sie verschiedene Fragen beantworten. Wo die Herausgeber ihre Gründe selbst nennen, sind sie eindeutig. Die Schweiz überbrückt mit ihrem Wasservorrat die Zeit, bis die Versorger ab dem vierten Tag wieder liefern müssen. Finnland will mit drei Tagen Druck von der Gesellschaft nehmen. Schweden verbindet die Woche mit der Erwartung, dass Hilfe in einer großen Krise zuerst zu den Schwächsten geht.
Ein zweiter Grund ist die Rechenweise beim Wasser. Die deutschen 2 Liter setzen sich aus 1,5 Litern zum Trinken und 0,5 Litern zum Kochen zusammen. Schweden nennt 3 Liter vor allem für Trinken und Kochen, Finnland 2 Liter nur zum Trinken und 10 bis 20 Liter für alles zusammen. Wer diese Werte direkt vergleicht, vergleicht also verschiedene Dinge.
Für Österreich und für die Wahl von genau zehn Tagen in Deutschland nennen die hier ausgewerteten Seiten keine Begründung. Eine naheliegende Deutung ist, dass ein längerer Zeitraum auch großflächige Lagen abdecken soll, in denen Hilfe nicht überall zugleich ankommt. Das ist aber unsere Einordnung, keine Aussage der Herausgeber.
Achtung Keine der Zahlen ist „die richtige“ für alle. Eine längere Empfehlung heißt nicht, dass ein Land gefährdeter ist, und eine kürzere nicht, dass es sorgloser plant.
Was ein deutscher Haushalt daraus mitnehmen kann
An der Zielgröße für deinen Haushalt in Deutschland ändert der Vergleich nichts: möglichst zehn Tage und 2 Liter Wasser pro Person und Tag, wie das BBK es empfiehlt. Gemeinsam ist allen Ländern, dass ein kleiner Anfang zählt – das BBK sagt, ein Vorrat für zumindest drei Tage helfe schon sehr, die schwedische Behörde, 72 Stunden seien besser als nichts.
Der Blick ins Ausland liefert aber ein paar Anregungen, die gut neben der deutschen Empfehlung stehen. Sie ersetzen nichts, sie ergänzen.
Bei Medikamenten beruht die schwedische Monatsregel auf dem dortigen Verschreibungssystem. Wie viel Vorlauf bei dir sinnvoll ist, klärst du mit deiner Hausarztpraxis, nicht mit einer ausländischen Broschüre.
- Behälter mit Deckel bereithalten: Schweden und Finnland nennen sie, um Wasser an Ausgabestellen zu holen.
- Hygienewasser gesondert bedenken: Die Schweiz rechnet es ausdrücklich nicht in ihre 9 Liter ein, Finnland beziffert den Gesamtbedarf höher.
- Bargeld nicht vergessen: Schweden nennt Bargeld für mindestens eine Woche, die Schweiz etwas Bargeld.
- Den Gefrierschrank mitdenken: Das BWL zählt Tiefkühlware zum Notvorrat, einmal Aufgetautes aber nicht wieder einfrieren.
- Haustiere einplanen: Finnland und Österreich nennen sie ausdrücklich.
Häufige Fragen
Ist die deutsche Empfehlung übertrieben, wenn Finnland nur 72 Stunden nennt?
Nein. Die Länder beantworten unterschiedliche Fragen, und auch Finnland nennt 72 Stunden als Mindestmaß. Das BBK empfiehlt zehn Tage und sagt zugleich, dass schon drei Tage sehr helfen.
Sollte ich wie in Schweden 3 Liter Wasser pro Tag einplanen?
Für Deutschland rechnet diese Website mit den 2 Litern des BBK. Die schwedische Zahl ist eine Empfehlung für Schweden. Mehr zu lagern schadet nicht, ist aber keine Vorgabe.
Warum reicht in der Schweiz ein Sechserpack Wasser?
Weil die 9 Liter nur drei Tage Trinken und Kochen abdecken sollen. Ab dem vierten Tag sind die Schweizer Wasserversorger verpflichtet, wieder eine minimale Menge Trinkwasser bereitzustellen.
Wer spricht in Österreich die Empfehlung aus?
Der Österreichische Zivilschutzverband. Er rät, von mindestens 10–14 Tagen auszugehen und mindestens 2 Liter Wasser pro Person und Tag einzuplanen.
Quellen
- Essen und Trinken bevorratenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Deutschland: möglichst zehn Tage, drei Tage helfen schon sehr, 1,5 Liter Flüssigkeit plus 0,5 Liter Kochwasser
- Om krisen eller kriget kommer (Broschüre, PDF, November 2024)Myndigheten för samhällsskydd och beredskap (MSB), heute Myndigheten för civilt försvar · Schweden: mindestens eine Woche, mindestens drei Liter Wasser pro Tag, Behälter mit Deckel, Bargeld für eine Woche
- Grunder i hemberedskapMyndigheten för civilt försvar (Schweden) · Regierungsbeschluss 2020, seit 2024 „mindestens eine Woche“, 72 Stunden besser als nichts, Medikamente für einen Monat
- 72 hoursPelastustoimi – Rettungsdienste Finnlands · Finnland: 72 Stunden, etwa 2 Liter Trinkwasser, 10 bis 20 Liter Gesamtbedarf, Ersatzversorgung nach 24 Stunden
- Kluger Rat – NotvorratBundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), Schweiz · Schweiz: Lebensmittel für rund eine Woche, 9 Liter Wasser für drei Tage, Versorgungspflicht ab dem vierten Tag
- Krisenfester HaushaltÖsterreichischer Zivilschutzverband (ÖZSV) · Österreich: mindestens 10–14 Tage, mindestens 2 Liter Wasser pro Person und Tag, Beispiel 28 Liter für zwei Wochen
