Im Alltag zahlen viele fast nur noch mit Karte oder Handy. Das funktioniert, solange Strom, Netz und Rechenzentren laufen. Dieser Artikel klärt, warum ein Stromausfall genau diesen Weg abschneidet, was deutsche und europäische Stellen zum Bargeld zu Hause sagen, welche Stückelung sinnvoll ist und wo das Geld sicher liegt. Eine Anlage- oder Finanzberatung ist das nicht – es geht nur darum, auch ohne Strom bezahlen zu können.
Das Wichtigste in Kürze
- Ohne Strom fallen Kartenzahlung, Handy-Bezahlen und Geldautomaten aus. Bargeld funktioniert weiter.
- Einen amtlichen Betrag für Deutschland gibt es nicht. Die Bundesbank gibt ausdrücklich keine Empfehlung.
- Kleine Scheine und Münzen: An einer Kasse ohne Strom gibt es womöglich kein Wechselgeld.
- Etwas Bargeld ins Notgepäck, etwas zum Vorrat zu Hause – und die Hausratversicherung prüfen.
- Geld holst du vorher. Während des Ausfalls sind die Automaten in der Region meist selbst offline.
Warum Karte und Geldautomat ohne Strom ausfallen
Eine Kartenzahlung ist eine Kette: Das Terminal an der Kasse braucht Strom, die Verbindung zur Bank braucht Netz, und am anderen Ende muss ein Rechenzentrum antworten. Reißt ein Glied, bleibt die Zahlung hängen. Das BBK fasst es in seinem Ratgeber knapp zusammen: Ohne Strom oder IT-Systeme fallen elektronische Zahlungssysteme aus, Abhebungen an Bankautomaten und das Bezahlen per Karte oder Handy funktionieren nicht mehr.
Die Verbraucherzentrale formuliert es etwas vorsichtiger: Kartenzahlungen und Geldautomaten funktionieren bei einem Stromausfall oft nicht zuverlässig. Beide Stellen ziehen daraus denselben Schluss – etwas Bargeld gehört zur Vorsorge wie Taschenlampe und Radio.
Bargeld braucht dagegen nichts von alledem. Die Bundesbank schreibt, Bargeld sei bei Störungen des unbaren Zahlungsverkehrs das einzige kurzfristig verfügbare und einsetzbare Zahlungsmittel. Voraussetzung ist nur, dass du es schon in der Hand hast, bevor der Strom weg ist.

Tipp Was ein Stromausfall sonst noch lahmlegt – Heizung, Telefon, Aufzug –, steht im Artikel „Stromausfall: Was wirklich ausfällt – und was du vorbereitest“.
Iberien 2025: was passiert, wenn ein ganzes Netz ausfällt
Am 28. April 2025 fiel auf der Iberischen Halbinsel fast überall der Strom aus. Die EZB hat den Fall in ihrem Wirtschaftsbericht ausgewertet: Betroffen waren mehr als 50 Millionen Menschen. Bis zum späten Abend hatte die Hälfte der Halbinsel wieder Strom, manche Gebiete erst nach etwa 22 Stunden. Mit Strom und Telekommunikation fielen die digitalen Zahlungssysteme aus.
Die Zahlen dazu sind deutlich. In den betroffenen Gebieten brachen die Kartenzahlungen vor Ort nach den von der EZB zitierten Schätzungen um 41 bis 42 Prozent ein, der Onlinehandel in Spanien um rund 54 Prozent, der gesamte Konsum in Spanien an diesem Tag um geschätzt 34 Prozent. Viele Kassenterminals, Geldautomaten und Bezahl-Apps waren stundenlang nicht nutzbar und erst am nächsten Morgen vollständig zurück.
Die EZB zieht daraus einen klaren Schluss: Für viele wurde Bargeld an diesem Tag zum einzigen Zahlungsmittel – für alle, die es hatten oder noch an welches kamen. Auch Burkhard Balz von der Bundesbank nennt Bargeld eine Ausfalllösung bei Störungen der technischen Infrastruktur und verweist auf die iberische Halbinsel und Teile Südfrankreichs.
Wie viel? Was die Behörden sagen – und was nicht
Einen festen Betrag für Deutschland nennt keine der hier geprüften Stellen. Das BBK führt Bargeld in seinen Checklisten auf, ohne Summe. Die Bundesbank legt sich ebenfalls nicht fest: Balz findet es „nicht verkehrt“, eine Bargeldreserve zu Hause zu haben, wer es ermöglichen könne, solle das tun. Gleich danach sagt er aber: Die Bundesbank gebe keine Empfehlungen. Er weist auch selbst darauf hin, dass manche Familien das Geld schlicht nicht übrig haben.
Einen Anhaltspunkt liefert der Blick ins Ausland. Laut EZB raten Behörden in den Niederlanden, Österreich und Finnland zu etwa 70 bis 100 Euro je Haushaltsmitglied oder so viel, wie für das Nötigste in etwa 72 Stunden reicht. Das sind Empfehlungen anderer Länder, keine deutsche Vorgabe – aber sie zeigen die Größenordnung: Es geht um Einkaufsgeld für ein paar Tage, nicht um Ersparnisse.
Praktisch kannst du den Betrag selbst herleiten. Überleg, was du in drei Tagen ohne Karte kaufen müsstest: Brot und frische Lebensmittel, Medikamente aus der Apotheke, vielleicht Batterien oder eine Taxifahrt. Das BBK empfiehlt einen Vorrat für zehn Tage und sagt, dass schon drei Tage sehr helfen. Je besser dein Vorrat steht, desto weniger Bargeld brauchst du im Ernstfall.
Hinweis Die Beträge aus den Niederlanden, Österreich und Finnland stammen aus dem EZB-Wirtschaftsbericht 6/2025. Für Deutschland gibt es keine amtliche Zahl.
Kleine Scheine und Münzen statt großer Noten
Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich zu Bargeld in kleiner Stückelung. Der Grund liegt auf der Hand, wenn man sich die Lage vorstellt: Eine Kasse ohne Strom rechnet nicht, und wer mit einem großen Schein bezahlt, ist darauf angewiesen, dass im Laden genug Wechselgeld liegt. Nach ein paar Stunden Ausfall ist das keineswegs sicher.
Welche Scheine genau, schreibt keine der Quellen vor. Eine naheliegende Mischung sind überwiegend kleine Scheine und eine Handvoll Münzen, damit du auch kleine Beträge passend zahlen kannst. Große Scheine helfen im Ausfall wenig, weil kaum jemand darauf herausgeben kann.
- Überwiegend kleine Scheine, damit du passend oder fast passend zahlen kannst
- Einige Münzen für kleine Beträge
- Keine großen Scheine als Ausfallreserve – dafür gibt es selten Wechselgeld
- Einen Teil so verpacken, dass du ihn ohne Suchen greifst
Wo das Geld liegt: Notgepäck, Vorrat, Versicherung
Das BBK nennt Bargeld an zwei Stellen. Es steht auf der Liste für das Notgepäck, also den Rucksack, den du bei einer Räumung mitnimmst. Und es steht noch einmal auf der Checkliste für den Vorrat zu Hause, ausdrücklich zusätzlich zum Notgepäck. Sinnvoll ist deshalb eine Aufteilung: ein kleiner Betrag im Rucksack, der Rest an einem festen Platz in der Wohnung.
Bei der Aufbewahrung lohnt ein Blick in die Hausratversicherung. Nach Angaben der Verbraucherzentrale zählt Bargeld dort zu den Wertsachen. Die Entschädigung für Wertsachen ist begrenzt, und Bargeld muss besonders gesichert aufbewahrt sein, zum Beispiel in einem Geldschrank. Wie hoch die Grenzen in deinem Vertrag sind und was als gesichert gilt, steht in deinen Versicherungsbedingungen.
Mehr als ein kleiner Ausfallbetrag muss auch gar nicht zu Hause liegen. Die Reserve soll ein paar Tage Einkauf überbrücken, sie ist kein Sparbuch. Wie du wichtige Papiere und Kopien sicher verwahrst, steht im Artikel „Wichtige Dokumente sichern: die Dokumentenmappe“.
Achtung Bargeld gilt in der Hausratversicherung als Wertsache: Die Entschädigung ist begrenzt und setzt oft eine besonders gesicherte Aufbewahrung voraus. Prüf die Bedingungen deines Vertrags, bevor du mehr als einen kleinen Betrag zu Hause lagerst.
Muss ein Geschäft Bargeld annehmen?
Euro-Banknoten sind gesetzliches Zahlungsmittel. Die Bundesbank erklärt dazu: Nach europäischem Recht ist grundsätzlich jeder gehalten, Zahlungen in Euro-Banknoten anzunehmen. In Deutschland gilt im Zivilrecht aber die Vertragsfreiheit. Händler und Kunden können deshalb vorher vereinbaren, dass nur mit Karte gezahlt wird.
Entscheidend ist das Wort „vorher“. Laut Bundesbank muss eine solche Einschränkung vor dem Vertragsabschluss vereinbart sein, zum Beispiel durch einen Aushang an der Ladenkasse. Fehlt so ein Hinweis, kannst du bar zahlen. Hängt dagegen ein Schild „nur Kartenzahlung“, darf der Laden dein Bargeld ablehnen – auch an einem normalen Tag.
Für die Vorsorge heißt das: Bargeld ist fast überall willkommen, aber nicht überall zwingend. Im Ausfall ändert sich die Lage ohnehin von selbst, denn wer ohne Strom verkauft, kann Karten gar nicht annehmen.
Geld holen, wenn der Strom weg ist
Rechne nicht damit, während eines Ausfalls noch Geld abheben zu können. In Iberien sanken die Abhebungen in den betroffenen Gebieten am Tag des Ausfalls stark, weil die Automaten offline waren. In Regionen ohne Ausfall stiegen sie dagegen deutlich über das normale Maß – die Menschen holten sich vorsorglich Bargeld, so die Auswertung der EZB.
Das ist die eigentliche Lehre: Die Reserve legst du an einem ruhigen Tag an, nicht wenn es knapp wird. Ob und wie Banken bei einem Ausfall Bargeld auszahlen können, haben wir in keiner der geprüften Quellen belastbar beschrieben gefunden. Deshalb steht dazu hier keine Aussage.
Zur Beruhigung gehört aber auch die Einordnung der Verbraucherzentrale: Dass durch einen längeren, großflächigen Stromausfall weit und breit keine Einkaufsmöglichkeiten und keine Geldautomaten mehr verfügbar sind, sei sehr unwahrscheinlich und bisher noch nicht vorgekommen. Die Reserve ist für die ersten Tage gedacht, bis in der Umgebung wieder etwas läuft.
Tipp Wenn du Bargeld aus der Reserve im Alltag ausgibst, füll es beim nächsten Abheben wieder auf. So bleibt die Summe stabil, ohne dass du daran denken musst.
Häufige Fragen
Wie viel Bargeld sollte ich zu Hause haben?
Für Deutschland gibt es keinen amtlichen Betrag, und die Bundesbank gibt ausdrücklich keine Empfehlung. Laut EZB raten die Niederlande, Österreich und Finnland zu etwa 70 bis 100 Euro je Person oder genug für rund 72 Stunden.
Warum kleine Scheine?
Die Verbraucherzentrale rät zu kleiner Stückelung. An einer Kasse ohne Strom kann Wechselgeld knapp werden, mit kleinen Scheinen und Münzen kannst du eher passend zahlen.
Darf ein Laden mein Bargeld ablehnen?
Nur wenn vorher etwas anderes vereinbart ist, etwa durch einen Aushang an der Kasse. Ohne solchen Hinweis kannst du laut Bundesbank bar bezahlen.
Ist Bargeld zu Hause versichert?
Die Hausratversicherung zählt Bargeld zu den Wertsachen. Die Entschädigung ist begrenzt und hängt oft von besonders gesicherter Aufbewahrung ab – die Details stehen in deinem Vertrag.
Quellen
- Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber mit Checklisten)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ausfall von Kartenzahlung, Handy-Bezahlen und Bankautomaten ohne Strom; Bargeld im Notgepäck und zusätzlich im Vorrat; zehn Tage, drei Tage helfen schon sehr
- Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentrale · Bargeld in kleiner Stückelung, Kartenzahlung und Geldautomaten oft nicht zuverlässig; großflächiger Totalausfall sehr unwahrscheinlich
- Hausratversicherung: Auf den Wert der Einrichtung kommt's anVerbraucherzentrale · Bargeld als Wertsache, begrenzte Entschädigung, besonders gesicherte Aufbewahrung
- Häufig gestellte Fragen zum BargeldDeutsche Bundesbank · Gesetzliches Zahlungsmittel, Vertragsfreiheit, Einschränkung nur vorab etwa per Aushang; Bargeld als einziges kurzfristig verfügbares Zahlungsmittel bei Störungen
- Bleibt unser Bargeld? Interview mit Burkhard Balz (20.12.2025)Deutsche Bundesbank · Bargeldreserve zu Hause „nicht verkehrt“, Bundesbank gibt keine Empfehlungen; Bargeld als Ausfalllösung, Iberien und Südfrankreich
- Keep calm and carry cash: lessons on the unique role of physical currency across four crises (Economic Bulletin 6/2025)Europäische Zentralbank (EZB) · Iberischer Blackout: Betroffene, Dauer, Einbruch von Kartenzahlung und Konsum, Geldautomaten offline; Empfehlungen aus NL, AT und FI
