Beim Thema Haustiere denken die meisten zuerst an den Futtersack im Keller. Das ist die einfachere Hälfte. Die schwierigere Frage lautet: Wer versorgt dein Tier, wenn du selbst ausfällst – nach einem Unfall, bei einem plötzlichen Krankenhausaufenthalt, während einer Evakuierung? Dieser Artikel behandelt beides: den Vorrat und die Vertretung. Für tiermedizinische Fragen ist und bleibt die Tierarztpraxis zuständig.
Das Wichtigste in Kürze
- Wasser für Tiere kommt zusätzlich zum menschlichen Bedarf – das BBK erinnert ausdrücklich daran.
- „Futtervorrat für Haustiere“ steht als eigener Punkt auf der BBK-Checkliste zur Vorsorge.
- Sprich vorab eine Person ab, die übernimmt – mit Schlüssel, Notfallmappe und Wissen über Medikamente.
- Notunterkünfte können Haustiere im Regelfall nicht aufnehmen. Kläre die Alternative vorher.
- Mikrochip nützt nur mit Registrierung – und nur, wenn die Kontaktdaten aktuell sind.
Zwei Fragen, nicht eine
Vorsorge für Haustiere zerfällt in zwei Teile, die wenig miteinander zu tun haben. Der erste ist Logistik: Futter, Wasser, Medikamente, Streu für den gleichen Zeitraum, den du auch für dich selbst planst. Der zweite ist Organisation: eine Person, die einspringt, und Informationen, die diese Person findet.
Der erste Teil ist an einem Nachmittag erledigt. Der zweite kostet ein Telefonat und einen Zettel – und wird trotzdem öfter vergessen, weil er sich weniger nach Vorsorge anfühlt.
Beides orientiert sich am selben Zeitraum: Das BBK empfiehlt, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, mindestens aber drei Tage. Was für deinen Haushalt gilt, gilt auch für die Tiere darin.
Futter und Wasser für den Referenzzeitraum
Auf der Checkliste des BBK steht „Futtervorrat für Haustiere“ als eigener Punkt, direkt neben Trinkwasser und haltbaren Lebensmitteln. Und beim Wasser wird das BBK ausdrücklich: Auf die Angabe von idealerweise 2 Litern pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen, folgt der Satz „Denken Sie auch an Ihre Haustiere!“
Genau das ist der Punkt, der in der Praxis untergeht. Wer 20 Liter für sich selbst einlagert und einen großen Hund hat, hat nicht genug eingelagert – Tierwasser kommt obendrauf, nicht mittendrin. Wie viel dein Tier braucht, hängt von Art, Größe, Futterform und Temperatur ab; eine gute Orientierung gibt dir die Tierarztpraxis.
Beim Futter gilt dieselbe Logik wie bei Lebensmitteln für Menschen: haltbar, ohne Kühlung lagerfähig, ohne Strom verwendbar. Nassfutter in Dosen oder Schalen braucht bis zum Öffnen keinen Kühlschrank – dafür aber einen Dosenöffner, der ohne Steckdose funktioniert. Angebrochene Portionen lassen sich bei Stromausfall nicht lange aufheben, kleinere Gebinde sind deshalb praktischer.
Wichtig: Stell die Fütterung nicht im Ernstfall um. Ein abrupter Futterwechsel ist für viele Tiere ein Problem. Lagere das, was dein Tier ohnehin frisst, und rotiere den Vorrat im Alltag, statt ihn hinten im Regal altern zu lassen. Fragen zu Futterumstellung oder besonderen Diäten gehören in die Tierarztpraxis.
| Block | Was hineingehört | Woran man denken sollte |
|---|---|---|
| Futter | Gewohntes Trocken- und Nassfutter für zehn Tage | Kleine Gebinde, Dosenöffner ohne Strom, Rotation im Alltag |
| Wasser | Zusätzlich zum Bedarf der Menschen im Haushalt | Eigene Kanister, Napf, etwas Reserve für Spülen und Säubern |
| Gesundheit | Dauermedikation, Verbandmaterial, Zeckenzange | Vorratsmenge und Haltbarkeit mit der Tierarztpraxis klären |
| Hygiene | Streu, Späne, Heu, Kotbeutel, Zeitungspapier | Müllbeutel und Handschuhe, falls die Abfuhr ausfällt |
Hinweis Das BBK nennt Tiernahrung und Wasser außerdem eigens für Assistenztiere – ein guter Hinweis darauf, dass die Versorgung des Tieres Teil der eigenen Vorsorge ist und nicht ein Anhängsel.
Medikamente: bevorraten, aber richtig
Wenn dein Tier dauerhaft auf ein Medikament angewiesen ist, ist ein Vorrat dieselbe Überlegung wie bei Menschen – nur mit einer zusätzlichen Hürde. Wie viel du vorhalten kannst, wie lange es haltbar ist und wie es gelagert werden muss, entscheidet die Tierarztpraxis. Sprich das bei der nächsten regulären Vorstellung an, nicht im Notfall.
Die Bundestierärztekammer stellt klar, dass die Behandlung eines erkrankten Tieres in die Hände einer Tierärztin oder eines Tierarztes gehört und nur kontrollierte Abgabestellen wie Tierarztpraxen und Apotheken zuverlässige Sicherheit bieten. Der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln ist in Deutschland verboten. Ein Vorrat aus unklarer Quelle im Internet ist also keine Vorsorge, sondern ein zusätzliches Risiko.
Notier dir außerdem, was dein Tier bekommt: Wirkstoff, Dosis, Zeitpunkt. Diese Notiz ist gleich doppelt nützlich – für dich beim Nachbestellen und für die Person, die im Ernstfall übernimmt.
Achtung Gib deinem Tier keine Humanarzneimittel und keine Medikamente, die für eine andere Tierart gedacht sind. Was für Hunde unbedenklich ist, kann für Katzen gefährlich sein. Im Zweifel den tierärztlichen Notdienst anrufen.
Wer übernimmt, wenn du ausfällst?
Das ist die Frage, an der sich die meisten Tierhalterinnen und Tierhalter festbeißen – und zu Recht. Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass nicht nur der Todesfall eine Rolle spielt: Auch plötzliche Krankenhausaufenthalte, Unfälle oder gesundheitliche Einschränkungen können dazu führen, dass du dich nicht selbst kümmern kannst.
Die Lösung ist erstaunlich einfach und kostet nichts: ein kleines Netzwerk aus Personen, die dein Tier bereits kennen. Der Tierschutzbund nennt genau das als Ideal – Menschen, die das Tier kennen und über Besonderheiten, Krankheiten und nötige Medikamente informiert sind, damit sie es angemessen weiterversorgen können.
Sprich mindestens eine Person konkret an und kläre drei Dinge: Kommt sie überhaupt in die Wohnung – hat sie einen Schlüssel oder weiß sie, wo einer liegt? Weiß sie, wo Futter, Medikamente und Transportbox stehen? Und ist sie bereit, das Tier notfalls für längere Zeit zu sich zu nehmen? Eine Absprache, die niemand kennt, ist keine Absprache.
Für die dauerhafte Regelung geht der Tierschutzbund noch weiter: Wer sicherstellen will, dass das Tier lebenslang versorgt ist, kann das im Testament regeln und Erben verpflichten, einen festgelegten Betrag ausschließlich für das Tier zu verwenden. Ein Testament muss dafür eigenhändig handschriftlich verfasst und unterschrieben sein.
- Name, Anschrift und Telefonnummer der Vertretungsperson – und ihr Einverständnis
- Schlüsselfrage geklärt: eigener Schlüssel, Nachbarschaftsschlüssel oder hinterlegter Schlüssel
- Notfallmappe mit Tierarztkontakt, Fütterungsplan, Medikamentenangaben, tierärztlichen Unterlagen und EU-Heimtierausweis
- Hinweis auf Besonderheiten: Angst vor Gewitter, Unverträglichkeiten, Verhalten gegenüber Fremden
- Ein aktuelles Foto des Tieres, auf dem Fellzeichnung und Größe erkennbar sind
Damit die Information auch gefunden wird
Eine Notfallkarte im Portemonnaie ist die klassische Empfehlung, und der Deutsche Tierschutzbund nennt sie ausdrücklich: einen Notfallzettel bei sich tragen, der im Fall eines Unfalls darüber informiert, wer zu benachrichtigen ist. Sie kostet nichts und gehört hinein.
Verlass dich aber nicht allein darauf. Rettungskräfte kümmern sich zuerst um die Person, und ob im Ernstfall jemand die Geldbörse durchsieht, hängt von der Situation ab. Deshalb gibt es Formate, die gezielt gesucht werden.
Das bekannteste ist die Notfalldose, die viele Kommunen, Sozialverbände und Rotkreuz-Kreisverbände verbreiten. Sie steht in der Kühlschranktür und wird durch zwei Aufkleber markiert: einer innen an der Wohnungstür, einer außen an der Kühlschranktür. Sehen die Einsatzkräfte die Aufkleber, können sie die Dose sofort entnehmen. Hineingehören laut DRK unter anderem ein Notfall-Infoblatt mit Angaben zu Gesundheitszustand, Allergien, Medikamenten und Kontaktpersonen.
Für Tierhalter ist das der ideale Ort für eine zweite Zeile: In dieser Wohnung leben zwei Katzen, zuständig ist im Notfall Frau Meier, Telefonnummer, Schlüssel liegt bei Familie Weber. Frag bei deiner Stadt oder Gemeinde, beim örtlichen DRK oder bei einem Sozialverband nach, ob es die Dose bei euch gibt – vielerorts wird sie kostenlos abgegeben.
Tipp Schreib denselben Hinweis auf einen Zettel an die Innenseite der Wohnungstür. Wer die Wohnung öffnet, liest ihn – und weiß, dass hier ein Tier auf jemanden wartet.
Evakuierung: was mitmuss und was vorher geklärt sein sollte
Bei einer Evakuierung ist die häufigste Frage, ob Tiere in einer Notunterkunft unterkommen. Die ehrliche Antwort ist unangenehm: In der Regel nicht. Die Stadtverwaltung Dessau-Roßlau formuliert es für ihre Evakuierungen so, dass Haustiere im Regelfall zu Hause bleiben können und sollen und dass in den Notunterkünften im Regelfall keine Möglichkeit besteht, Haustiere unterzubringen. Wer das nicht will, muss das Tier vorher anderweitig unterbringen oder mitnehmen.
Daraus folgen zwei Aufgaben, beide vor dem Ernstfall. Erstens: Kläre, wohin dein Tier kann – Verwandte, Freunde, eine Pension, ein Tierheim im Nachbarort. Zweitens: Sorge dafür, dass ein Tier, das in der Wohnung bleibt, versorgt ist. Dieselbe Quelle weist darauf hin, dass es für zurückbleibende Tiere problematisch wird, wenn die Evakuierung länger dauert als geplant – also genug Futter und Wasser hinstellen für den Fall, dass sich die Rückkehr verzögert.
Weil die Regelungen von Kommune zu Kommune unterschiedlich sind, lohnt sich ein Blick auf die Seiten deiner Stadt oder Gemeinde zum Thema Evakuierung, bevor du ihn brauchst. Zwei Minuten Lesen heute ersparen dir eine Entscheidung unter Zeitdruck.
Und pack die Tiersachen so, dass sie in fünf Minuten greifbar sind – am besten neben dein eigenes Notgepäck.
- Transportbox oder Transporttasche, passend und stabil
- Leine, Halsband oder Geschirr, bei Bedarf Maulkorb
- Futter, Wasser, faltbarer Napf für einige Tage
- EU-Heimtierausweis beziehungsweise Impfpass und tierärztliche Unterlagen
- Dauermedikation und der Medikamentenzettel
- Decke oder vertrautes Tuch, etwas Streu oder Zeitungspapier, Kotbeutel
- Aktuelles Foto des Tieres, ausgedruckt und auf dem Handy
Tipp Übe die Transportbox im Alltag. Eine Katze, die die Box nur vom Tierarztbesuch kennt, lässt sich unter Zeitdruck kaum hineinbekommen. Box offen stehen lassen, Decke hinein, füttern lassen – das reicht über ein paar Wochen.
Wenn das Tier entläuft
Türen stehen offen, Menschen sind aufgeregt, es knallt oder blinkt: Ausgerechnet in einer Lage entläuft ein Tier besonders leicht. Dafür gibt es eine Vorsorge, die einmal erledigt wird und dann hält.
Auf einem Mikrochip ist eine 15-stellige Nummer gespeichert. Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass die Kennzeichnung mit Mikrochip nur in Kombination mit der Registrierung in einem Haustierregister sinnvoll ist: Ist die Nummer samt aktueller Kontaktdaten hinterlegt, kann ein aufgegriffenes Tier zugeordnet werden. Ohne Registrierung ist die Nummer nur eine Nummer.
Der Tierschutzbund betreibt mit FINDEFIX ein kostenloses Haustierregister; die Registrierung ist online möglich, und das Register ist rund um die Uhr für Halter und Finder erreichbar. Entscheidend ist der Teil, der gern vergessen wird: die Daten nach jedem Umzug und jeder neuen Handynummer aktualisieren.
Dazu passt das aktuelle Foto aus dem vorigen Abschnitt. Eine Beschreibung wie „schwarze Katze“ hilft niemandem; ein Bild, auf dem Fellzeichnung, Größe und Halsband zu sehen sind, schon.
Häufige Fragen
Wie viel Wasser soll ich für mein Tier einplanen?
Zusätzlich zum menschlichen Bedarf – das BBK erinnert bei der Wasserbevorratung ausdrücklich an die Haustiere. Die Menge hängt von Art, Größe und Futterform ab; die Tierarztpraxis kann dir dafür eine Orientierung geben.
Nimmt eine Notunterkunft mein Haustier auf?
In der Regel nicht. Kommunale Hinweise zu Evakuierungen nennen als Regelfall, dass Notunterkünfte Haustiere nicht unterbringen können. Kläre vorher eine Alternative und erkundige dich bei deiner Stadt oder Gemeinde.
Sucht der Rettungsdienst in meinem Portemonnaie nach Hinweisen?
Darauf solltest du dich nicht verlassen. Deshalb gibt es die Notfalldose im Kühlschrank mit Aufklebern an Wohnungs- und Kühlschranktür, nach denen Einsatzkräfte gezielt schauen. Die Karte im Portemonnaie ist eine sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz.
Soll ich Medikamente für mein Tier auf Vorrat kaufen?
Besprich das mit deiner Tierarztpraxis – sie entscheidet über Menge, Haltbarkeit und Lagerung. Verschreibungspflichtige Tierarzneimittel dürfen in Deutschland nicht per Versandhandel bezogen werden.
Reicht der Mikrochip, wenn mein Tier wegläuft?
Nur zusammen mit einer Registrierung. Ist die 15-stellige Nummer nicht mit aktuellen Kontaktdaten in einem Haustierregister hinterlegt, lässt sich ein gefundenes Tier kaum zuordnen.
Quellen
- Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber, PDF)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Zehn Tage Selbstversorgung, „Denken Sie auch an Ihre Haustiere!“ beim Wasser, Checklistenpunkt „Futtervorrat für Haustiere“, Tiernahrung und Wasser für Assistenztiere
- BTK warnt vor dem Kauf von Tierarzneimitteln aus dem InternetBundestierärztekammer e. V. (BTK) · Behandlung gehört in tierärztliche Hände, Tierarztpraxen und Apotheken als kontrollierte Abgabestellen, Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Tierarzneimittel
- Was passiert mit meinem Haustier, wenn ich sterbe?Deutscher Tierschutzbund e. V. · Vorsorge auch für Krankenhausaufenthalt und Unfall, Netzwerk vertrauter Betreuungspersonen, Notfallzettel, Notfallmappe, testamentarische Regelung
- Mikrochip und Registrierung schützen HaustiereDeutscher Tierschutzbund e. V. · 15-stellige Chipnummer, Kennzeichnung nur mit Registrierung sinnvoll, FINDEFIX als kostenloses Haustierregister
- NotfalldoseDeutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Südliche Weinstraße e. V. · Aufbewahrung in der Kühlschranktür, Aufkleber an Wohnungs- und Kühlschranktür, Inhalt des Notfall-Infoblatts
- FAQ Evakuierung bei BombenfundStadtverwaltung Dessau-Roßlau, Amt für Brand- und Katastrophenschutz · Haustiere bleiben im Regelfall zu Hause, keine Unterbringung in Notunterkünften, Versorgung bei verzögerter Rückkehr
