Wer älter ist oder allein lebt, ist nicht hilflos – aber in einer Krise fehlt oft der zweite Mensch, der merkt, dass etwas nicht stimmt. Dieser Artikel zeigt, wo das Risiko tatsächlich liegt, was ein Hausnotruf bei Stromausfall leistet und wie ein kleines Netz aus Nachbarschaft und Familie trägt. Er richtet sich an dich selbst und an Angehörige, die helfen wollen, ohne zu bevormunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Hitze trifft vor allem Menschen ab 75 – laut RKI entfällt dort der größte Teil der hitzebedingten Sterbefälle.
- Ein Hausnotruf mit Akku überbrückt laut Verbraucherzentrale etwa 10 bis 20 Stunden Stromausfall.
- Vereinbare mit ein, zwei Menschen, dass ihr euch in einer Lage täglich meldet.
- Ein Batterie- oder Kurbelradio informiert auch dann, wenn Handy und Internet ausfallen.
- Eine Vorsorgevollmacht bestimmt, wer für dich handeln darf – liegt sie vor, braucht es keine gerichtliche Betreuung.
Wo das Risiko tatsächlich liegt
Das deutlichste Beispiel ist Hitze. Das Robert Koch-Institut schätzt für den Sommer 2026 bis Mitte September rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle, davon etwa 8.200 bei Menschen ab 85 Jahren. Der größte Anteil entfällt nach dem RKI auf die Altersgruppen ab 75. Meist führt nicht die Hitze allein zum Tod, sondern ihr Zusammentreffen mit bestehenden Erkrankungen.
Warum das so ist, erklärt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Mit dem Alter verlangsamt sich die Regulierung der Körpertemperatur, ältere Menschen schwitzen weniger und haben seltener Durst. Dazu kommen häufig Vorerkrankungen und Medikamente, die eigene Hitzerisiken mitbringen.
Auch bei Hochwasser trifft es Ältere besonders. Bei der Flut 2021 verloren in Rheinland-Pfalz 135 Menschen ihr Leben, 134 davon im Landkreis Ahrweiler. Eine Aufbereitung des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge (DKKV), eines Vereins, auf Basis von Daten des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung zeigt: Knapp vier von fünf Todesopfern waren älter als 60 Jahre. In Wohnformen der Eingliederungshilfe starben nach diesen Angaben 12 Menschen, darunter in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Sinzig. Wer sich nicht schnell selbst in Sicherheit bringen kann, ist darauf angewiesen, dass andere rechtzeitig warnen und helfen.
Bei einem längeren Stromausfall bleiben laut BBK Kühlschrank, Herd, Licht und Heizung aus, oft auch das Wasser aus der Leitung. Auch der Hausnotruf hängt am Strom, wie der nächste Abschnitt zeigt. Das BBK rät deshalb gerade Menschen, die im Alltag Hilfsmittel oder Unterstützung brauchen, vorab zu überlegen, was sie benötigen, wenn der Strom ausfällt. Wer allein lebt, hat dann niemanden im Haushalt, der das auffängt – das ist der eigentliche Unterschied.
Der Hausnotruf: was er bei Stromausfall kann
Ein Hausnotruf verbindet dich per Knopfdruck mit einer rund um die Uhr besetzten Zentrale, die Hilfe organisiert. Die Verbraucherzentrale empfiehlt ihn besonders für ältere, kranke oder alleinlebende Menschen. Die Basisstation braucht allerdings eine Steckdose und einen Telefon- oder Internetanschluss – beides hängt am Strom.
Die Verbraucherzentrale rät deshalb zu prüfen, ob das System auch funktioniert, wenn der Strom ausfällt, und das beim Router mitzudenken. Ein Gerät mit SIM-Karte kann sinnvoll sein, wenn Internet oder Telefon ausfallen. Ein Akku überbrückt nach ihren Angaben Stromausfälle für circa 10 bis 20 Stunden. Frag deinen Anbieter konkret, wie lange dein Gerät durchhält und was passiert, wenn auch das Mobilfunknetz gestört ist.
Ein Hausnotruf ersetzt auch keinen Menschen, der nachsieht. Das BIÖG weist darauf hin, dass ältere Menschen ihre Lage bei Hitze falsch einschätzen können, weil Wärmeempfinden und Durstgefühl eingeschränkt sind – dann wird der Knopf womöglich nicht gedrückt. Angehörige sollen an heißen Tagen deshalb auch dann nachfragen, wenn ein Hausnotruf vorhanden ist.
Tipp Viele Anbieter bieten gegen Aufpreis eine Schlüsselhinterlegung an, damit Helfer in die Wohnung kommen. Die Pflegekasse kann bei vorhandenem Pflegegrad den Basistarif übernehmen, wenn weitere Voraussetzungen erfüllt sind.
Ein kleines Netz: zwei Menschen, die nachfragen
Das BBK rät, mit Nachbarschaft, Familie und Freundeskreis darüber zu sprechen, wie man dich in einer Notsituation unterstützen kann. Das muss kein großes Projekt sein. Es reicht, mit ein oder zwei Menschen zu verabreden, dass ihr euch in einer Lage – Hitzewelle, Stromausfall, Unwetter – einmal am Tag meldet. Man nennt das manchmal ein Buddy-System: Jeder hat jemanden, dem auffällt, wenn er sich nicht meldet.
Das BIÖG empfiehlt Angehörigen und Nachbarn, ältere, kranke oder alleinlebende Menschen bei Hitze mindestens einmal pro Tag zu kontaktieren und nachzufragen, wie viel sie getrunken haben und wie warm es in der Wohnung ist. Diese Abmachung funktioniert in beide Richtungen: Wer älter ist, kennt oft die Nachbarschaft am besten und kann selbst nachfragen.
Wie du Nachbarn ansprichst, ohne dass es seltsam wirkt, und was sich im Haus sinnvoll teilen lässt, steht im Artikel „Nachbarschaft: der Vorrat, den man nicht kaufen kann“.
Medikamente, Hilfsmittel, Notfallausweis
Wer regelmäßig Medikamente braucht, sollte laut BBK einen Vorrat für mindestens zehn Tage haben. Das BBK nennt dazu einen Medikamentenplan, Ersatz-Batterien und Ladegeräte für technische Hilfsmittel, Brille und Hörgerät sowie Mobilitätshilfen, falls du das Haus schnell verlassen musst. Wie du den Vorrat mit Praxis und Apotheke planst und was für Insulin oder Geräte mit Akku gilt, beschreibt der Artikel „Chronisch krank im Ausfall“.
Ein Notfallausweis zeigt Einsatzkräften, welche Krankheiten, Allergien und Hilfsmittel du hast und wen sie benachrichtigen sollen. Solche Ausweise gibt es laut BBK zum Beispiel über Hausarztpraxen, Krankenkassen, Rettungsdienste oder Sozialverbände. Informier dich außerdem über die Fluchtwege aus deinem Haus. Wenn du sie nicht selbst nutzen kannst, überlege vorab, wer dir wie hilft.
Achtung Setz Medikamente bei Hitze nie selbst ab und ändere nicht eigenmächtig die Dosis. Das BIÖG rät, die Hitzeverträglichkeit vorab in der Hausarztpraxis zu besprechen, etwa bei Blutdrucksenkern, Entwässerungsmitteln oder Insulin.
Hitze und Kälte: den Körper nicht allein lassen
Für Menschen ab etwa 65 nennt das BIÖG eine Trinkmenge von zwei bis drei Litern über den Tag verteilt, sofern die Ärztin oder der Arzt wegen Herz- oder Nierenerkrankungen nichts anderes festlegt. Hilfreich ist, die Tagesmenge morgens abzumessen und in Griffweite zu stellen. Die Wohnung sollte tagsüber möglichst unter 26 °C und nachts unter 22 °C bleiben. Erkundige dich schon vor dem Sommer, welche kühlen Orte in deiner Umgebung offenstehen.
Die übrigen Maßnahmen – verschatten, richtig lüften, Tagesablauf umstellen – beschreibt der Artikel „Hitzewelle überstehen“. Für den Winter gilt umgekehrt: Fällt die Heizung aus, rät das BBK, sich mit warmer Kleidung, Decken und Schlafsäcken zu behelfen und Fenster und Türen geschlossen zu halten, aber trotzdem regelmäßig stoßzulüften. Mehr dazu, auch zur Gefahr durch Kohlenmonoxid, steht im Artikel „Warm bleiben ohne Heizung“.
Ein Vorrat, den du tragen kannst
Das BBK empfiehlt, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, betont aber auch: Ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft schon sehr, darauf lässt sich schrittweise aufbauen. Beim Wasser rechnet das BBK mit 2 Litern pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen. Für eine Person sind das 6 Liter für drei Tage.
Geeignet ist laut BBK Essen, das nicht gekühlt und nicht gekocht werden muss. Wer allein lebt oder nicht mehr schwer heben will, fährt mit kleinen Packungen oft besser: kleine Flaschen statt schwerer Kanister, Portionsdosen statt Großgebinde. Dann bleibt nach dem Öffnen nichts übrig, das ohne Kühlschrank verdirbt, und du kannst den Vorrat in kleinen Mengen nach und nach mitbringen. Was in einen Vorrat für zehn Tage gehört, steht im Artikel „Lebensmittelvorrat für 10 Tage aufbauen“.
Informiert bleiben ohne Smartphone
Warn-Apps und Handy-Warnungen fallen aus, wenn Mobilfunknetz und Internet nicht mehr funktionieren. Radiosender senden laut BBK aber weiter. Bei Stromausfall funktionieren Auto- und Kurbelradios sowie batteriebetriebene Radios, weil sie keinen Strom aus der Steckdose brauchen. Ein solches Radio mit Ersatzbatterien ist deshalb für jeden Haushalt sinnvoll – auch für den, der gar kein Smartphone besitzt.
Das BBK rät außerdem zu einer ausgedruckten oder handschriftlichen Liste mit wichtigen Nummern, falls die gespeicherten Kontakte nicht erreichbar sind. Und wenn Notruf 110 und 112 nicht mehr funktionieren, geh im Notfall wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus. Welche Radiotypen es gibt und wie du deinen regionalen Sender findest, beschreibt der Artikel „Notfallradio: informiert bleiben ohne Strom und Netz“.
Tipp Neben 110 und 112 gehören auf die Liste auch die Behördenrufnummer 115 und der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 – das BBK führt beide in seinem Ratgeber auf. Ergänze die Nummern von Hausarztpraxis, Apotheke und Hausnotruf-Zentrale.
Vollmacht, Papiere und Angehörige aus der Ferne
Jeder kann durch Unfall oder Krankheit in eine Lage geraten, in der er seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmst du laut Bundesjustizministerium eine Vertrauensperson, die dann für dich handelt; liegt sie vor, ist eine gerichtliche Betreuung nicht erforderlich. In einer Patientenverfügung legst du im Voraus fest, welchen medizinischen Maßnahmen du zustimmst oder welche du ablehnst. Kopien davon gehören in die Dokumentenmappe, wie im Artikel „Wichtige Dokumente sichern“ beschrieben.
Wer als Angehöriger weit weg wohnt, kann trotzdem viel vorbereiten: die Nummer einer Nachbarin haben, die im Zweifel klingeln kann; wissen, wo ein Ersatzschlüssel liegt; beim Hausnotruf als Kontaktperson eingetragen sein. Die Verbraucherzentrale nennt die Einweisung einer Kontaktperson ausdrücklich als Leistung, die ein Anbieter erbringen sollte. Und: Frag, was gewünscht ist, statt zu bestimmen. Die meisten Menschen wollen so lange wie möglich selbst entscheiden – gute Vorsorge macht genau das leichter.
Häufige Fragen
Funktioniert ein Hausnotruf bei Stromausfall?
Das hängt vom Gerät ab. Laut Verbraucherzentrale überbrückt ein Akku etwa 10 bis 20 Stunden, ein Gerät mit SIM-Karte hilft, wenn Telefon oder Internet ausfallen. Frag deinen Anbieter nach der Laufzeit deines Geräts.
Wie viel sollte ich im Alter bei Hitze trinken?
Das BIÖG nennt für Menschen ab etwa 65 zwei bis drei Liter über den Tag verteilt. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen legst du die Menge mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.
Brauche ich eine Vorsorgevollmacht, wenn ich allein lebe?
Das Bundesjustizministerium erklärt: Liegt eine Vorsorgevollmacht vor, ist eine gerichtliche Betreuung nicht erforderlich. Ob und wie du eine erteilst, entscheidest du selbst. Das gesetzliche Notvertretungsrecht gilt nur für Ehepartner und nur in Gesundheitsfragen.
Ich habe kein Smartphone. Wie erfahre ich von Warnungen?
Über das Radio. Laut BBK senden Radiosender auch dann, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen; batteriebetriebene und Kurbelradios funktionieren ohne Steckdose. Auch Sirenen und Nachbarn, die Warnungen weitergeben, gehören dazu.
Quellen
- Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 37/2026Robert Koch-Institut (RKI) · Rund 16.000 geschätzte hitzebedingte Sterbefälle 2026 bis KW 37, davon 8.200 ab 85 Jahren; größter Anteil ab 75 Jahren; meist Zusammenwirken mit Vorerkrankungen
- Was tun bei Hitze? Tipps für Menschen ab 65 und AngehörigeBundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) · Weniger Schwitzen und Durst im Alter, Trinkmenge, Raumtemperaturen, Medikamente, tägliche Kontakte, Hausnotruf keine Garantie bei Hitze
- Opfer- und Schadensdaten zur Flut 2021 in Rheinland-Pfalz (PDF, 2022)Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e. V. (Verein) · Datenaufbereitung auf Basis von ADD und LSJV Rheinland-Pfalz: 135 Tote, 134 im Landkreis Ahrweiler; Altersgruppen (Diagramm: 106 über 60 Jahre); 12 Tote in Wohnformen der Eingliederungshilfe, Einrichtung in Sinzig
- Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Ratgeber, PDF, 2. Auflage 11/2025)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Folgen eines Stromausfalls, Vorsorge für Menschen mit Beeinträchtigungen, Umfeld einbeziehen, Notfallausweis, Medikamentenvorrat, Vorrat 3 und 10 Tage, Wasser, Heizungsausfall, Radio, Kontaktliste und Rufnummern, Wache bei Ausfall des Notrufs
- Hausnotrufsysteme erklärt: So helfen sie im NotfallVerbraucherzentrale · Technische Voraussetzungen, Akku 10 bis 20 Stunden, SIM-Karte, Schlüsselhinterlegung, Kontaktperson, Kostenübernahme durch die Pflegekasse
- Vorsorge und BetreuungsrechtBundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) · Vorsorgevollmacht macht gerichtliche Betreuung entbehrlich, Patientenverfügung, Notvertretungsrecht für Ehepartner in Gesundheitsangelegenheiten
