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Energie & Licht

Warm bleiben ohne Heizung – und sicher dabei bleiben

Ein Raum, viele Schichten, gute Isolierung: So hältst du Wärme ohne Heizung. Und warum Gaskocher, Grill und Heizpilz drinnen lebensgefährlich sind.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 23. September 2026
Mehrere dicke Decken liegen gefaltet auf einem Sofa bereit.
Warme Kleidung und Decken sind die einfachste erste Maßnahme, wenn die Heizung ausfällt.Foto: RandomKatze · CC0 · Wikimedia Commons

Wenn die Heizung ausfällt, wird es nicht sofort kalt – aber stetig. Die gute Nachricht: Mit Raumwahl, Isolierung und Kleidung lässt sich erstaunlich viel erreichen, ganz ohne Technik. Die ernste Nachricht: Die gefährlichsten Fehler passieren genau hier, wenn Menschen aus Verzweiflung Grills, Gaskocher oder Heizpilze in die Wohnung holen. Dieser Artikel trennt beides sauber – erst das, was sicher wirkt, dann das, was du auf keinen Fall tun darfst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einen Raum zum Aufenthalt wählen und die Türen geschlossen halten – so empfiehlt es das BBK.
  • Schichten, Mütze, trockene Kleidung und Schlafsäcke wirken schneller als jeder Behelfsofen.
  • Trotz Kälte lüften: Unter 16 bis 18 Grad steigt laut Umweltbundesamt das Schimmelrisiko deutlich.
  • Grill, Gaskocher und Heizpilz gehören nie in Innenräume – Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos.
  • Bei Verdacht auf Kohlenmonoxid: sofort alle ins Freie und den Notruf 112 wählen.

Zuerst: einen Raum wählen

Eine ganze Wohnung warm zu halten, ist ohne Heizung aussichtslos. Ein Zimmer dagegen ist machbar. Das BBK empfiehlt genau das: möglichst einen Raum zum Aufenthalt wählen und die Türen geschlossen halten, damit die Wärme nicht entweicht.

Geeignet ist ein kleiner Raum mit wenigen Außenwänden und wenig Fensterfläche, möglichst nicht über einer kalten Durchfahrt oder einem unbeheizten Keller. Ein Zimmer, in das tagsüber Sonne fällt, gewinnt am Nachmittag ein paar Grad geschenkt.

In diesem Raum spielt sich dann alles ab: essen, lesen, spielen, schlafen. Menschen geben Wärme ab, und in einem kleinen Zimmer merkt man das. Die übrigen Zimmer bleiben zu – jede geschlossene Tür ist eine Isolierschicht mehr.

  • Kleiner Raum, wenige Außenwände, wenig Fensterfläche.
  • Alle Türen zu den ungenutzten Zimmern schließen.
  • Nachts alle zusammen in diesem Raum schlafen.

Wärme halten heißt Verluste stoppen

Der größte Teil der Wärme verschwindet durch Fenster, Türritzen und den Fußboden. Zieh abends Rollläden und Vorhänge zu – die Luftschicht dahinter wirkt wie eine dünne Dämmung. Vor ein besonders kaltes Fenster kannst du zusätzlich eine Decke hängen.

Türritzen lassen sich mit zusammengerollten Handtüchern oder einem Zugluftstopper abdichten. Auf kalten Fliesen oder Laminat hilft alles, was zwischen dich und den Boden kommt: Teppiche, Isomatten, Wolldecken, im Zweifel Kartonagen.

Rücke Sitzplätze von den Außenwänden weg in die Raummitte. Eine kalte Wand entzieht dem Körper Wärme, auch wenn die Luft im Raum erträglich ist. Und wer beim Sitzen die Füße hochlegt, friert deutlich später.

Tipp Ein kleines Zelt im Wohnzimmer ist kein Spleen: Der kleine Luftraum darin erwärmt sich durch Körperwärme spürbar und macht Kindern obendrein Spaß.

Trotzdem lüften – kurz und kräftig

Der Reflex, bei Kälte jedes Fenster geschlossen zu lassen, ist verständlich und falsch. Das BBK weist darauf hin, dass regelmäßig gelüftet werden muss, besonders wenn Kerzen brennen, weil der Sauerstoffgehalt im Raum erneuert werden muss.

Dazu kommt die Feuchtigkeit: Kochen, Waschen und schlicht das Atmen mehrerer Menschen bringen viel Wasserdampf in die Luft. Das Umweltbundesamt warnt, dass bei Innenraumtemperaturen unter 16 bis 18 Grad in der Heizperiode das Risiko für Schimmelbildung zum Teil massiv steigt – kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit halten, und die schlägt sich an kühlen Flächen nieder.

Lüfte deshalb mehrmals täglich kurz und kräftig mit weit geöffnetem Fenster, statt das Fenster dauerhaft gekippt zu lassen. Ein gekipptes Fenster kühlt die Wand um die Laibung aus und tauscht dabei kaum Luft.

Hinweis Das Umweltbundesamt empfiehlt im Normalbetrieb tagsüber 19 bis 20 Grad und nachts 18 Grad und rät ausdrücklich davon ab, dauerhaft darunter zu gehen.

Schichten, Schlafsack, warme Getränke

Kleidung wärmt schneller und sicherer als jede Behelfsheizung. Mehrere dünne Schichten halten besser als ein dicker Pullover, weil die Luft dazwischen isoliert. Innen etwas, das Feuchtigkeit vom Körper wegtransportiert, darüber Wolle oder Fleece, außen eine winddichte Lage.

Über Kopf und Füße geht viel Wärme verloren: Mütze auch drinnen, dicke Socken, Hausschuhe. Nasse Kleidung sofort wechseln – feuchter Stoff kühlt stark aus. Das BBK nennt warme Kleidung und Decken ausdrücklich als das, womit sich die Heizung eine Zeit lang ersetzen lässt.

Zum Schlafen ist ein Schlafsack der Decke überlegen, weil er den Körper rundum umschließt; zwei Decken darüber sind trotzdem kein Fehler. Warme, gezuckerte Getränke helfen zusätzlich – das Deutsche Rote Kreuz nennt sie als Maßnahme bei beginnender Unterkühlung. Alkohol dagegen ist genau falsch: Er fühlt sich warm an und beschleunigt das Auskühlen.

  • Mehrere dünne Schichten statt einer dicken.
  • Mütze, Socken, Hausschuhe – auch in der Wohnung.
  • Nasse Kleidung sofort wechseln.
  • Warme, gezuckerte Getränke; keinen Alkohol.

Säuglinge und ältere Menschen brauchen mehr Aufmerksamkeit

Kleine Kinder und ältere Menschen kühlen schneller aus und melden es seltener von selbst. Bei Säuglingen prüfst du am besten Nacken und Rücken statt der Hände: Fühlt sich der Nacken kühl an, braucht das Kind eine Schicht mehr. Dabei gilt weiterhin, dass der Säugling im eigenen Bett und nicht unter schweren Decken schläft.

Ältere Menschen, besonders wenn sie allein leben, sollten mindestens einmal täglich Besuch bekommen. Frag nicht nur, ob alles in Ordnung ist, sondern schau in die Wohnung: Ist es dort kalt, liegen Decken bereit, wird noch getrunken und gegessen?

Das Deutsche Rote Kreuz beschreibt die Zeichen einer Unterkühlung: Im ersten Stadium zittert die Person stark, Atmung und Herzschlag sind beschleunigt. Im zweiten Stadium lässt das Zittern nach, die Atmung verlangsamt sich, es kommt zu Muskelstarre, Müdigkeit und Bewusstseinstrübung. Das Nachlassen des Zitterns ist also kein gutes, sondern ein schlechtes Zeichen.

Achtung Bei Verdacht auf Unterkühlung: Notruf 112, an einen warmen Ort bringen, nasse Kleidung entfernen, in Decken wickeln. Nicht reiben, keine Wärmflasche, kein Alkohol. Bei gesundheitlichen Fragen ärztlichen Rat einholen – der Bereitschaftsdienst ist unter 116 117 erreichbar.

Kohlenmonoxid: die Gefahr, die man nicht bemerkt

Und jetzt der Teil, auf den es wirklich ankommt. Wenn es kalt wird, holen Menschen Holzkohlegrills, Gaskocher, Campingheizungen, Heizpilze oder Stromerzeuger in die Wohnung, in den Keller oder in die Garage. Das ist die häufigste Ursache tödlicher Unfälle in solchen Lagen – und sie ist vollständig vermeidbar.

Der Deutsche Feuerwehrverband beschreibt Kohlenmonoxid als unsichtbar, geruchs- und geschmacklos. Man kann es mit den Sinnen nicht wahrnehmen. Es entsteht bei unvollständiger Verbrennung von Holz, Kohle, Gas, Benzin oder Diesel und verdrängt im Blut den Sauerstoff. Wer es einatmet, wird müde und benommen, statt alarmiert zu sein.

Besonders wichtig ist dieser Punkt: Der Feuerwehrverband betont, dass glühende Holzkohle selbst bei geöffneten Fenstern, Türen oder geöffnetem Garagentor tödliche Konzentrationen freisetzen kann. Auch ein Grill auf dem Balkon ist keine Lösung, weil das Gas in die Wohnräume ziehen kann. Die Feuerwehr Bergkamen formuliert es unmissverständlich: Ein brennender oder auch nur nachglimmender Holzkohlengrill innerhalb der Wohnung bedeutet akute Lebensgefahr.

  • Kein Holzkohle- oder Gasgrill in Wohnung, Keller, Garage oder Zelt – das BBK warnt vor Erstickungsgefahr.
  • Keine gasbetriebenen Heizpilze und Katalytöfen im Haus; sie gehören laut Feuerwehrverband nach draußen auf die Terrasse.
  • Keine benzin- oder dieselbetriebenen Stromerzeuger in geschlossenen Räumen.
  • Kein Campingkocher zum Heizen und keine Kerzen als Heizungsersatz.

Achtung Es gibt keine sichere Variante, mit offener Flamme oder einem Verbrennungsgerät einen Innenraum zu heizen. Auch nicht „kurz“, auch nicht „bei gekipptem Fenster“.

Symptome erkennen und richtig reagieren

Die ersten Anzeichen einer Kohlenmonoxidvergiftung wirken harmlos und werden oft für einen Infekt gehalten. Die Feuerwehr nennt Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schläfrigkeit; dazu kommen Schwindel, Kurzatmigkeit und Muskelschwäche. Genau diese Müdigkeit ist das Tückische: Betroffene legen sich hin, statt den Raum zu verlassen.

Wenn du einen Verdacht hast, diskutiere nicht. Verlasse mit allen Personen sofort den möglichen Gefahrenbereich und geh nach draußen. Wähle dann den Notruf 112 und nenne die Symptome und den Verdacht auf Kohlenmonoxid.

Geh nicht zurück in die Wohnung, um noch etwas zu holen oder das Gerät auszuschalten. Die Feuerwehr Bergkamen rät ausdrücklich, sich nicht selbst durch Rettungsversuche zu gefährden, und darauf zu achten, die Einsatzkräfte bei ihrem Eintreffen einzuweisen.

CO-Melder: sinnvolle Ergänzung, kein Freibrief

Ein Kohlenmonoxid-Warnmelder überwacht die Raumluft dauerhaft und schlägt Alarm, bevor Menschen etwas bemerken. Der Deutsche Feuerwehrverband hält fest, dass nur solche Melder rechtzeitig warnen können – Rauchmelder reagieren auf Rauch, nicht auf CO.

Das BBK empfiehlt einen CO-Warnmelder ausdrücklich dort, wo gasbetriebene Heizquellen im Einsatz sind; diese müssen ohnehin über eine Sauerstoffmangel- und Zündsicherung verfügen. Sinnvoll ist ein Melder außerdem in Räumen mit Gastherme, Heizungsanlage, Kamin oder Pelletlager.

Zur Montage nennt die Feuerwehr Bergkamen den Schlafbereich oder den Flur davor, in einer Höhe von 1,5 bis 1,85 Metern, und stellt klar: Der Kohlenmonoxidmelder ist eine sinnvolle Ergänzung und kein Ersatz für den Rauchmelder. Achte auf die Prüfung nach DIN EN 50291 und beachte die begrenzte Lebensdauer der Geräte.

Achtung Ein CO-Melder macht das Heizen mit Grill oder Gaskocher im Innenraum nicht sicher. Er ist ein Alarm, keine Erlaubnis.

Häufige Fragen

Darf ich einen Gaskocher in der Wohnung zum Heizen benutzen?

Nein. Gaskocher sind zum kurzen Kochen bei guter Belüftung gedacht, nicht zum Heizen. Dauerbetrieb in geschlossenen Räumen führt zu Sauerstoffmangel und Kohlenmonoxid. Der Feuerwehrverband verweist Heizpilze und Katalytöfen ausdrücklich nach draußen.

Und ein Teelichtofen aus Blumentöpfen?

Davon ist abzuraten. Die Wärmemenge ist gering, das Brandrisiko dagegen real: Der Deutsche Feuerwehrverband warnt vor unkontrolliertem Teelicht-Einsatz und davor, Kerzen als Ersatz für die Heizung zu nutzen.

Wie kalt darf die Wohnung werden?

Das Umweltbundesamt empfiehlt tagsüber 19 bis 20 Grad und nachts 18 Grad. Unter 16 bis 18 Grad steigt in der Heizperiode das Schimmelrisiko deutlich. Bei einem Ausfall lässt sich das nicht immer halten – umso wichtiger sind Lüften und trockene Kleidung.

Woran merke ich, dass jemand unterkühlt ist?

Zuerst starkes Kältezittern, beschleunigte Atmung, blasse kalte Haut. Lässt das Zittern nach und kommen Muskelstarre, Müdigkeit oder Verwirrtheit dazu, ist es ernst: Notruf 112 wählen und keine aktiven Aufwärmversuche unternehmen.

Reicht ein Kaminofen als Ersatzheizung?

Wenn er vorhanden, fachgerecht installiert und vom Schornsteinfeger geprüft ist, ja. Ein verstopfter oder verschmutzter Abgasweg führt sonst selbst zur Kohlenmonoxidgefahr – deshalb ist die regelmäßige Kontrolle Pflicht, nicht Kür.

Quellen

  1. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Einen Raum wählen, Türen geschlossen halten, Decken und warme Kleidung, Lüften, CO-Melder, Warnung vor Grillen im Haus
  2. Rechtzeitige Warnung vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen bieten nur CO-MelderDeutscher Feuerwehrverband · Kohlenmonoxid ist unsichtbar, geruchs- und geschmacklos; Gefahr auch bei geöffneten Fenstern und Türen
  3. Brandgefährlicher Advent: Tipps zur BrandpräventionDeutscher Feuerwehrverband · Heizpilze und Katalytöfen gehören nach draußen; Kerzen sind kein Heizungsersatz; Wartung von Ofen und Schornstein
  4. Kohlenmonoxid – Verhalten im NotfallFeuerwehr Bergkamen · Symptome, sofort ins Freie, Notruf 112, keine Selbstgefährdung, Montageort und Höhe des CO-Melders
  5. Erfrierungen und Unterkühlungen – Erste HilfeDeutsches Rotes Kreuz · Stadien und Symptome der Unterkühlung, Notruf 112, warme gezuckerte Getränke, kein Reiben, kein Alkohol
  6. FAQ: Absenkung der Raumtemperatur in Herbst und WinterUmweltbundesamt · Empfohlene Raumtemperaturen und Schimmelrisiko unterhalb von 16 bis 18 Grad