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Konkrete Lagen

Unterwegs überrascht: Zug steht, Bahn fällt aus, zu Fuß heim

Was gilt, wenn der Zug auf freier Strecke steht, U-Bahn oder Aufzug ohne Strom sind und du zu Fuß nach Hause musst – und was du vorher klärst.

9 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Eine S-Bahn fährt auf einer verschneiten, zweigleisigen Strecke in Berlin; links steht ein Signal, beiderseits kahle Bäume.
S-Bahn auf der Dresdener Bahn in Berlin bei Schnee, Februar 2021.Foto: Leonhard Lenz · CC0 · Wikimedia Commons

Die meisten Vorsorgepläne beginnen an der Wohnungstür. Ein Stromausfall, ein Sturm oder eine Störung im Bahnnetz trifft dich aber vielleicht im Regionalzug, in der U-Bahn, im Aufzug eines Kaufhauses oder im Stau. Dieser Artikel ordnet, was Bahn, Verkehrsbetriebe, Gewerbeaufsicht und Bund für diese Lagen sagen – und was du vorher klären kannst, damit der Weg nach Hause kein Blindflug wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bleibt der Zug auf freier Strecke stehen, steigst du nur aus, wenn das Personal es sagt – nie eigenmächtig ins Gleis.
  • Oberleitung und Stromschiene stehen unter Hochspannung, und ein Zug auf dem Nachbargleis kann nicht ausweichen.
  • Ab mehr als 60 Minuten Verspätung sind Mahlzeiten, Erfrischungen und notfalls ein Hotel anzubieten.
  • Im Aufzug den Notrufknopf mehrere Sekunden drücken und warten – die Luft geht dort nicht aus.
  • Heimweg, Treffpunkt und Abholung der Kinder vorher absprechen; unterwegs Akku sparen und Bargeld dabeihaben.

Unterwegs gelten andere Regeln

Zu Hause hast du Vorrat, Licht und deine Leute um dich. Unterwegs hast du nur, was du bei dir trägst, und bist auf fremde Technik angewiesen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt in seiner Broschüre zum Stromausfall genau diese Lage: Bei einem längeren Ausfall kann es passieren, dass Stadtbahnen und Züge auf freier Strecke stehen bleiben, Kassen und Türen in Einkaufsmärkten versagen und Geldautomaten kein Bargeld mehr ausgeben.

Die Menschen, die dich in solchen Lagen betreuen – Zugbegleiter, Lokführerin, Aufzugsnotdienst –, kennen sie und haben Wege, Hilfe zu holen. Deine wichtigste Aufgabe ist deshalb, keinen Fehler zu machen, der aus einer lästigen Lage eine gefährliche macht. Der zweite Teil ist Vorbereitung: ein paar Dinge in der Tasche und ein paar Absprachen mit deiner Familie.

Der Zug steht auf freier Strecke: drinnen bleiben

Steht dein Zug zwischen zwei Bahnhöfen, wird es nach einer Weile eng, warm oder kalt, und die Versuchung wächst, die Tür zu öffnen und zu Fuß weiterzugehen. Genau das ist der gefährlichste Fehler. Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei stellen als wichtigsten Grundsatz auf: Es ist verboten, Bahnanlagen zu betreten.

Die Gründe nennt die Deutsche Bahn selbst. Ein Zug kann Hindernissen nicht ausweichen und braucht bei 100 Kilometern pro Stunde selbst bei einer Vollbremsung noch etwa 800 bis 1.000 Meter bis zum Stillstand. Moderne Züge sind zudem leise und erst spät zu hören. In den Oberleitungen liegen 15.000 Volt an; Berührungen verursachen meist tödliche Verletzungen, und schon bei bis zu eineinhalb Metern Abstand kann der Strom in einem Lichtbogen überspringen. Dass dein Zug steht, heißt also nicht, dass auf dem Nachbargleis nichts fährt.

Wenn Aussteigen nötig wird, organisiert das das Personal. Die S-Bahn München, ein Unternehmen der Deutschen Bahn, beschreibt, dass Lokführerinnen und Lokführer über die Leitstelle weitere Hilfe oder zum Beispiel die Sperrung der Nachbargleise veranlassen können, wenn ein Aussteigen auf freier Strecke nötig ist. Hör also auf die Durchsagen und warte auf die Anweisung.

Skizze von oben: Dein Zug steht auf einem Gleis, auf dem Nachbargleis kommt ein Zug. Die Oberleitung führt 15.000 Volt, der Strom kann bis 1,5 Meter überspringen. Deshalb nie ins Gleis, im Zug bleiben.
Auf freier Strecke: Nachbargleis und Oberleitung machen das Aussteigen gefährlich.Skizze: WildWeasel
  • Durchsagen abwarten und den Anweisungen des Personals folgen.
  • Bei einem medizinischen Notfall über die Sprechstelle den Lokführer informieren – er weiß, wo Rettungskräfte am besten hinkommen.
  • Wasser und Snacks einteilen, falls die Wartezeit länger wird.
  • Das Handy nur für das Nötigste nutzen, um den Akku zu schonen.
  • Auf Mitreisende achten, die älter, krank oder mit kleinen Kindern unterwegs sind.

Achtung Steig nie eigenmächtig aus einem stehenden Zug aus und betritt nie das Gleis. Auf dem Nachbargleis kann ein Zug kommen, und die Oberleitung kann auch ohne Berührung tödlich sein. Brennt es im Zug oder im Tunnel, gelten die Regeln aus dem Artikel „Brand in Bahnhof, Kaufhaus oder Tunnel“.

Deine Rechte als Fahrgast – kurz gefasst

Für Bahnreisen gilt EU-weit die Verordnung (EU) 2021/782, für den Nahverkehr ergänzt durch die deutsche Eisenbahn-Verkehrsordnung. Das Bundesministerium für Verkehr fasst die wichtigsten Ansprüche zusammen. Ab einer Verspätung von mehr als 60 Minuten ist dir kostenlos eine Hotelübernachtung anzubieten, wenn sie notwendig wird; außerdem sind Mahlzeiten und Erfrischungen anzubieten, sofern sie verfügbar sind. Über Verspätungen muss das Unternehmen dich unterrichten.

Für die Weiterreise gilt nach dem Ministerium: Bietet dir das Eisenbahnunternehmen nicht innerhalb von 100 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt eine Alternative an, darfst du mit einem anderen Eisenbahnunternehmen, dem Reisebus oder dem Bus weiterfahren und dir die notwendigen, angemessenen Kosten erstatten lassen. Im Nahverkehr kannst du bei einer absehbaren Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielort jeden anderen Zug nutzen, außer reservierungspflichtigen. Diese Regel gilt allerdings nicht für das Deutschlandticket.

Entschädigung gibt es ab 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof mit 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten mit 50 Prozent. Bei außergewöhnlichen Umständen außerhalb des Bahnbetriebs, etwa extremer Witterung, entfällt sie. Heb deine Fahrkarte auf und notier dir Zug und Uhrzeit; den Antrag stellst du innerhalb von drei Monaten nach der Fahrt.

Wichtig: Diese Rechte regeln Versorgung und Geld, nicht deine Sicherheit. Ob und wo du einen stehenden Zug verlässt, entscheidet weiterhin das Personal.

U-Bahn und Straßenbahn ohne Strom

U-Bahnen, Straßenbahnen und S-Bahnen fahren elektrisch. Fällt der Strom großflächig aus, können sie nach dem BBK mitten auf der Strecke stehen bleiben – unter Umständen auch im Tunnel. Für dich gilt dasselbe wie im Fernzug: im Fahrzeug bleiben, Durchsagen abwarten, dem Personal folgen.

Bei U- und S-Bahnen kommt eine zweite Gefahr hinzu, die Stromschiene. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erklären, dass sie im Regelbetrieb dauerhaft unter einer Spannung von 750 Volt steht, auch bei abgestellten Zügen, und schon bei der kleinsten Berührung tödlich sein kann. Sie verläuft meist seitlich neben den Fahrschienen. Das Gleisbett darf deshalb unter keinen Umständen betreten werden; das gilt nach der BVG auch für die S-Bahn.

Ob eine Stromschiene gerade abgeschaltet ist, kannst du von außen nicht erkennen – auch dann nicht, wenn im Wagen das Licht ausgegangen ist. Deshalb verlässt du ein stehendes Fahrzeug im Tunnel nur, wenn Personal oder Einsatzkräfte dich hinausführen.

Auch auf dem Bahnsteig bleibt das Gleis tabu. Fällt dir etwas hinunter, etwa das Handy, kletterst du nie hinterher. Die BVG verweist dafür auf die Notruf- und Informationssäule und auf das Sicherheitspersonal. Ist ein Mensch im Gleis, betätigst du den Alarmgriff am Bahnsteig; er verbindet direkt mit der Betriebsleitstelle.

Neben dem Gleis verläuft eine abgedeckte Stromschiene; darüber fährt ein rot-gelber S-Bahn-Wagen, dessen Stromabnehmer die Schiene von unten berührt.
Stromschiene der Berliner S-Bahn: Sie liegt seitlich neben den Fahrschienen.Foto: IITHiNII · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Im Aufzug stecken geblieben

Ein Aufzug, der zwischen zwei Etagen hält, ist unangenehm, aber kein Grund zur Panik. Die Gewerbeaufsicht der Regierung von Mittelfranken nennt die Angst, in der Kabine könne die Luft ausgehen, unbegründet: Kabine und Schacht werden ständig belüftet. Alle Aufzüge müssen spätestens seit dem 1. Januar 2021 ein wirksames Zweiwege-Kommunikationssystem haben, das eine Sprechverbindung zu einer ständig besetzten Notrufzentrale herstellt.

So gehst du vor: Drück den Notrufknopf, meist ein rotes oder gelbes Klingelsymbol, mehrere Sekunden lang, damit der Notruf wirklich abgesetzt wird. Der Verbindungsaufbau kann dauern; kommt keine Reaktion, wiederholst du es. Die Notrufzentrale schickt dann einen Monteur oder eine eingewiesene Person. Innerhalb von 30 Minuten soll nach der Gewerbeaufsicht mit der Befreiung begonnen werden.

Befreien heißt, den Aufzug in eine Position zu bringen, in der die Tür von außen geöffnet werden kann – meist die nächsttiefere Etage. Das übernehmen Monteur, eingewiesene Person oder Feuerwehr. Versuch deshalb nicht, die Türen aufzuhebeln oder aus der Kabine zu klettern. Die Feuerwehr per Handy zu rufen, ist nach der Gewerbeaufsicht im Normalfall nicht nötig; bei einem medizinischen Notfall wählst du selbstverständlich die 112.

Zu Fuß nach Hause: vorher durchdacht

Fallen Bahnen und Busse aus, bleibt oft nur der Fußweg. Wer pendelt, sollte ihn einmal durchgespielt haben: Wie weit ist es wirklich? Welche Strecke nimmst du, wenn Unterführungen gesperrt sind oder es dunkel wird? Geh oder fahr sie an einem freien Tag einmal ab. Ist der Weg zu weit, überleg vorher, bei wem du unterwegs unterkommen könntest. Wie du am Arbeitsplatz vorsorgst, behandelt der Artikel „Vorsorge am Arbeitsplatz: Schublade, Heimweg, Rechte“.

Vereinbare mit deiner Familie, was gilt, wenn niemand erreichbar ist: Wer geht wohin, wo trefft ihr euch, wer holt die Kinder? Genau diese Absprachen hält der Familien-Notfallplan auf einem Blatt fest, damit sie auch dann gelten, wenn das Handy schweigt.

Mit Kindern kommt eine Frage hinzu: Was passiert in Schule oder Kita, wenn du nicht rechtzeitig kommst? Frag dort nach, wie die Einrichtung in solchen Lagen verfährt, wer dein Kind abholen darf und was sie dafür von dir braucht. Ältere Kinder, die allein unterwegs sind, sollten wissen, ob sie in der Schule warten, zu einer vereinbarten Nachbarin gehen oder den Heimweg antreten – und diesen Weg kennen.

  • Schuhe, in denen du auch lange laufen kannst
  • Eine Flasche Wasser und einen kleinen Snack
  • Eine geladene Powerbank mit passendem Kabel
  • Etwas Bargeld in kleinen Scheinen
  • Eine Papierliste mit den wichtigsten Nummern

Im Auto: Stau, Schnee, lange Wartezeit

Auch im Auto kann dich eine Lage überraschen: eine Vollsperrung, Schneechaos oder ein langer Stau nach einem Unfall. Was dann hilft, steht ausführlich im Artikel „Im Auto festsitzen: was wirklich hilft“ – welche Ausstattung ins Auto gehört, warum Medikamente und Powerbanks dort schlecht aufgehoben sind und wie du dich verhältst, wenn du im Schnee festsitzt.

Wie du Unwetterwarnungen vor der Fahrt richtig liest und wann du besser gar nicht losfährst, erklärt der Artikel „Schneechaos und Eisregen“. Die kürzeste Regel für unterwegs: Wer bei angekündigtem Unwetter fahren muss, nimmt Wasser, warme Kleidung und einen geladenen Akku mit.

Akku und Bargeld: was zuerst knapp wird

Das BBK weist darauf hin, dass Mobilfunknetze bei außergewöhnlichen Ereignissen erfahrungsgemäß schnell überlastet sind und zum Teil nicht mit Notstrom versorgt werden. Es rät deshalb, das Telefonieren bei einem Stromausfall auf das Nötigste zu beschränken – auch damit Polizei und Feuerwehr in Notfällen erreichbar bleiben. Für dich heißt das: eine kurze Nachricht statt vieler Anrufe, Bildschirm dunkler, nicht benötigte Funktionen aus.

Der zweite Engpass ist Geld. Ohne Strom funktionieren nach dem BBK auch die Geldautomaten nicht mehr. Ein paar kleine Scheine im Portemonnaie reichen für Wasser, einen Snack oder ein Taxi auf dem letzten Stück. Wie viel Bargeld zu Hause sinnvoll ist, behandelt der Artikel zum Bargeldvorrat.

Bleibt das Netz länger weg, hilft der Artikel „Mobilfunk und Internet fallen länger aus“ weiter. Er erklärt, was dann noch funktioniert und wie du trotzdem an Informationen kommst.

Häufige Fragen

Darf ich die Tür eines stehenden Zuges öffnen, wenn es zu lange dauert?

Nein, nicht auf eigene Faust. Das Aussteigen auf freier Strecke organisiert das Personal, das dafür etwa die Nachbargleise sperren lassen kann. Bis dahin bleibst du im Zug.

Bekomme ich Essen und ein Hotel, wenn der Zug abends liegen bleibt?

Ab mehr als 60 Minuten Verspätung sind nach dem Bundesverkehrsministerium Mahlzeiten und Erfrischungen anzubieten, sofern verfügbar, und eine kostenlose Hotelübernachtung, wenn sie notwendig wird.

Kann mir im Aufzug die Luft ausgehen?

Nein. Kabine und Schacht werden nach der Gewerbeaufsicht ständig belüftet. Drück den Notrufknopf mehrere Sekunden lang und warte auf die Notrufzentrale.

Ist die Stromschiene bei Stromausfall nicht ohnehin abgeschaltet?

Darauf kannst du dich nicht verlassen. Nach der BVG steht sie im Regelbetrieb dauerhaft unter Spannung, und ob sie gerade abgeschaltet ist, siehst du ihr nicht an. Das Gleisbett bleibt tabu.

Wer holt mein Kind, wenn ich festsitze?

Das klärst du vorher mit Schule oder Kita und einer Vertrauensperson. Die Absprache gehört in euren Familien-Notfallplan.

Quellen

  1. Deutsche Bahn und Bundespolizei setzen mit Aufklärung gegen Leichtsinn und UnwissenheitDeutsche Bahn AG (Unternehmen) · Betretungsverbot für Bahnanlagen, Bremsweg von 800 bis 1.000 Metern bei 100 km/h, leise Züge, 15.000 Volt und Lichtbogen bis eineinhalb Meter
  2. Wie funktioniert die Notbremse in der S-Bahn und wann darf man sie betätigen?S-Bahn München (Unternehmen der Deutschen Bahn) · Sprechstelle zum Lokführer, Lokführer kennt geeigneten Halt, Sperrung der Nachbargleise über die Leitstelle beim Aussteigen auf freier Strecke
  3. Stromschiene – #nachgefragtabgehaktBerliner Verkehrsbetriebe (BVG) · Stromschiene dauerhaft 750 Volt auch bei abgestellten Zügen, Gleisbett nie betreten, gilt auch für die S-Bahn, Notrufsäule und Alarmgriff
  4. Fahrgastrechte im EisenbahnverkehrBundesministerium für Verkehr (BMV) · Verordnung (EU) 2021/782: Hotel, Mahlzeiten und Erfrischungen ab mehr als 60 Minuten, 100-Minuten-Regel, Nahverkehr 20 Minuten, Entschädigung, Frist drei Monate
  5. Gefangen im Aufzug – was ist zu tun?Verbraucherportal Bayern, Regierung von Mittelfranken – Gewerbeaufsicht · Belüftung der Kabine, Notrufmelder mehrere Sekunden drücken, Befreiung binnen 30 Minuten beginnen, Befreiung durch Monteur, eingewiesene Person oder Feuerwehr, Zweiwege-Kommunikation seit 2021
  6. Stromausfall – Vorsorge und Selbsthilfe (PDF, Stand Januar 2019)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Stadtbahnen und Züge bleiben auf freier Strecke stehen, Geldautomaten fallen aus, Mobilfunk überlastet, Telefonieren auf das Nötigste beschränken