Zu Hause kennst du jeden Weg nach draußen. In einem Bahnhof, einem Kaufhaus, einem Flughafen oder einem Straßentunnel kennst du ihn meist nicht – und du bist mit vielen Fremden unterwegs. Dieser Artikel ordnet, was Feuerwehren, Arbeitsschutz, Straßenbauverwaltung, Bahn und Luftfahrtbehörde für diese Lagen raten: woran du den Ausgang erkennst, warum der Rauch die eigentliche Gefahr ist und was im Tunnel, im Zug und im Flugzeug anders ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Meist tötet nicht das Feuer, sondern der Rauch. Schon drei Atemzüge Brandrauch können tödlich sein.
- Grüne Schilder mit weißem Symbol zeigen den Weg zum Notausgang und zur Sammelstelle.
- Nie den Aufzug nehmen, Türen hinter dir schließen, bei Rauch nah am Boden bleiben.
- Im Straßentunnel: Motor aus, Schlüssel stecken lassen, Alarm an der Notrufstation, zu Fuß zum Notausgang.
- Im Zug entscheidet das Personal, wo gehalten und ausgestiegen wird; im Flugzeug bleibt das Gepäck an Bord.
Warum der Rauch die eigentliche Gefahr ist
Bei einem Brand denken die meisten an Flammen. Die Feuerwehr Frankfurt beschreibt es anders: Tödlich ist bei einem Brand in der Regel nicht das Feuer, sondern der Rauch. Der größte Teil der Brandopfer stirbt an einer Rauchvergiftung, und bereits drei Atemzüge hochgiftigen Brandrauchs können tödlich sein.
Rauch nimmt dir außerdem die Sicht. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) weist für die Flugzeugkabine darauf hin, dass Rauch oder ausgefallenes Licht die Sicht stark einschränken oder ganz nehmen können. In einem fremden, großen Gebäude ist das besonders heikel, weil du dich ohnehin nicht auskennst.
Daraus folgt die wichtigste Regel für alles Weitere: Du wartest nicht ab, bis du Flammen siehst. Riechst du Brandgeruch, siehst du Rauch oder hörst du einen Alarm, machst du dich auf den Weg nach draußen – solange die Wege noch frei und sichtbar sind.

Achtung Nimm im Brandfall nie den Aufzug – er kann stecken bleiben oder durch Rauch unbenutzbar werden. Geh über gekennzeichnete Fluchtwege und Treppen. Ist Rauch im Raum, bleib so nah wie möglich am Boden: Dort ist die Luft besser.
Grün heißt Ausgang: Rettungszeichen lesen
Wie Sicherheitszeichen aussehen, legt in Deutschland die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.3 fest, gestützt auf die Norm DIN EN ISO 7010. Rettungszeichen sind danach quadratisch, grün mit weißem Symbol, und stehen für Gefahrlosigkeit: Notausgang, Erste Hilfe, Sammelstelle, Notruftelefon. Das Zeichen für den Notausgang – eine laufende Person an einer Tür – darf nur zusammen mit einem Richtungspfeil verwendet werden.
Rot mit weißem Symbol bedeutet dagegen Brandschutz – etwa Feuerlöscher oder Brandmeldetelefon. Grün führt dich also hinaus, Rot zeigt dir Geräte. Bahnhöfe, Flughäfen und Kaufhäuser sind zugleich Arbeitsstätten; deshalb begegnen dir dort dieselben Zeichen wie im Büro.
Viele Zeichen sind langnachleuchtend. Die ASR A1.3 beschreibt sie als Zeichen, die nach dem Ausfall der Beleuchtung ohne Strom weiterleuchten. Die Farben Grün und Rot sind dann nicht mehr zu erkennen, Symbol und Form aber schon. Achte also auch auf den laufenden Menschen, nicht nur auf das Grün.
Tipp Schau beim Betreten eines großen Gebäudes einmal bewusst nach dem nächsten grünen Schild. Der nächste Notausgang ist oft nicht der Weg, auf dem du hereingekommen bist.
Alarm und Durchsagen: sofort reagieren
Es liegt nahe, einen Alarm in einem fremden Gebäude für eine Übung oder einen Fehlalarm zu halten. Die Landeshauptstadt Potsdam nennt als erste Regel im Brandfall, Ruhe zu bewahren, weil Panik häufig zu Fehlentscheidungen führt. Ruhe heißt aber nicht Abwarten: Geh los, statt erst herauszufinden, ob es ernst ist.
In großen Anlagen arbeiten Menschen, die die Wege kennen. Für Straßentunnel rät die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ausdrücklich, Rundfunk- und Lautsprecherdurchsagen zu beachten. Für Gebäude, Bahnen und Flugzeuge gilt dasselbe sinngemäß: Folge den Anweisungen des Personals, auch wenn sie dich in eine andere Richtung schicken als die, aus der du gekommen bist.
Siehst du selbst Feuer oder Rauch und hat noch niemand Alarm gegeben, wählst du die 112. Potsdam bittet, dabei möglichst genau zu sagen, wo es brennt, was brennt, ob Menschen in Gefahr sind und wer anruft – und erst aufzulegen, wenn die Leitstelle keine Fragen mehr hat.
Der Weg nach draußen: Treppe, Boden, Türen zu
Die Feuerwehr Potsdam rät, ein Gebäude über gekennzeichnete Fluchtwege oder Treppenhäuser zu verlassen und niemals den Aufzug zu benutzen: Er kann bei einem Brand stecken bleiben oder durch Rauch unbenutzbar werden.
Schließ Türen hinter dir. Potsdam begründet das damit, dass geschlossene Türen die Ausbreitung von Rauch und Feuer verhindern. Brandschutztüren, die nicht selbstständig offen gehalten werden, sollen nach Potsdam stets geschlossen bleiben – halte sie also nicht auf und keile sie nicht fest.
Ist Rauch im Raum, bleibst du so nah wie möglich am Boden. Nach Potsdam ist die Luft dort besser und enthält weniger giftige Gase, die Hitze sammelt sich unter der Decke, und du kannst dich unten noch orientieren. Praktisch heißt das: gebückt gehen oder auf allen vieren kriechen.
- Grünen Zeichen folgen, nicht einfach der Menge zum Haupteingang.
- Treppe statt Aufzug.
- Türen hinter dir schließen.
- Bei Rauch runter, so nah wie möglich an den Boden.
- Nicht umkehren, um Mantel, Koffer oder Einkäufe zu holen.
Draußen: Sammelstelle, nicht zurück – und wer Hilfe braucht
Bist du draußen, gehst du zur Sammelstelle, die ebenfalls mit einem grünen Zeichen markiert ist. Die Feuerwehr Potsdam rät, Zufahrten und Hydranten frei zu halten, den Einsatzkräften zu sagen, wer noch fehlt und wo diese Person sein könnte, und nicht selbstständig ins Gebäude zurückzukehren. Erst wenn die Feuerwehr Entwarnung gibt, geht es wieder hinein.
Menschenrettung hat nach Potsdam Vorrang vor Brandbekämpfung. Bring Kinder, ältere oder bewegungseingeschränkte Menschen an einen sicheren Ort, sofern du dich dabei nicht selbst in Lebensgefahr bringst. Mit Kindern unterwegs hilft eine einfache Absprache: Wer verloren geht, geht zu den Menschen in Uniform oder Warnweste.
Wer im Rollstuhl sitzt oder nicht gut gehen kann, kommt ohne Aufzug nicht jede Treppe hinunter. Die Feuerwehr Potsdam rät Menschen mit Einschränkungen, Einsatzkräfte durch Gesten oder Hilferufe auf ihre Lage hinzuweisen und mitzuteilen, wenn sie nicht mobil sind oder Hilfe brauchen. Mach Personal oder Umstehende deshalb früh und deutlich auf dich aufmerksam, statt allein zu warten. Wie du dich für solche Lagen vorbereitest, steht im Artikel zur Vorsorge mit Behinderung oder Pflegebedarf.
Brand im Straßentunnel
Straßentunnel haben eigene Sicherheitseinrichtungen. Nach einem Faltblatt der BASt sind in Tunneln ab 400 Metern Länge Notrufstationen in höchstens 150 Metern Abstand vorgeschrieben; sie sind direkt mit der Tunnelzentrale verbunden und haben Feuerlöscher und Feuermelder. Notausgänge liegen nach diesem Faltblatt alle 300 Meter, eigene Fluchtwegzeichen weisen den Weg.
Brennt dein eigenes Fahrzeug, fährst du es nach der BASt möglichst noch aus dem Tunnel. Geht das nicht, stellst du es rechts oder in einer Pannenbucht ab, schaltest den Motor aus und lässt den Zündschlüssel stecken. Dann löst du an der Notrufstation Feueralarm aus. Brennt ein anderes Fahrzeug, hältst du Abstand und gehst genauso vor.
Soweit möglich, sollst du nach der BASt einen Brand im eigenen Fahrzeug selbst löschen – die Feuerlöscher hängen in den Notrufstationen. Wie bei jedem Löschversuch gilt dabei: nur, solange du dich nicht selbst gefährdest. Lässt sich das Feuer nicht löschen, verlässt du den Tunnel so schnell wie möglich über die Notausgänge, zu Fuß. Die BASt stellt den Grundsatz groß auf ihr Faltblatt: Rette dein Leben, nicht dein Fahrzeug. Hilfe holst du über die Notrufstation statt über das Handy, weil das Handy die Standortbestimmung erschwert.

Video: Wie verhalte ich mich richtig im Straßentunnel (Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen) – Film der BASt von 2013 (11 Minuten) zum Verhalten im Straßentunnel, auch bei Brand und Stau. Stand 2013 – wie das im Artikel zitierte Faltblatt.
- Warnblinker an.
- Rechts oder in der Pannenbucht halten, Motor aus, Schlüssel stecken lassen.
- Feueralarm an der Notrufstation auslösen.
- Selbst löschen nur, wenn es ohne eigene Gefahr geht.
- Sonst zu Fuß zum nächsten Notausgang.
Brand in Zug oder U-Bahn: Notbremse und Aussteigen
Im Zug liegt der Reflex nahe, die Notbremse zu ziehen. Die S-Bahn München, ein Unternehmen der Deutschen Bahn, erklärt, warum der Zug dann nicht unbedingt sofort hält: Fährt er bereits, greift die Notbremsüberbrückung. Damit kann der Lokführer bestimmen, wo der Zug zum Stehen kommt. Brennt es in einem Tunnel, sollte der Zug dort auf keinen Fall stehen bleiben, weil Rettungskräfte schwer hinkommen und das Aussteigen für Fahrgäste schwierig ist. Er fährt bis zu einer geeigneteren Stelle weiter.
Wer die Notbremse zieht, wird nach der S-Bahn München über die Sprechstelle mit dem Lokführer verbunden. Nutze das: Sag laut und deutlich, was los ist und in welchem Wagen. Oft ist die Sprechstelle allein der bessere Weg, den Lokführer zu erreichen.
Muss auf freier Strecke ausgestiegen werden, kann das Personal nach der S-Bahn München über die Leitstelle zum Beispiel die Sperrung der Nachbargleise veranlassen. Deshalb steigst du erst aus, wenn das Personal es sagt, und betrittst nie auf eigene Faust das Gleis. Der Lokführer weiß, wo Rettungskräfte am besten hinkommen – im Zweifel ist das der nächste Bahnhof.
Im Flugzeug: das Gepäck bleibt an Bord
Bei einer Evakuierung zählt jede Sekunde. Die EASA nennt schnelles Verlassen des Flugzeugs eine Frage des Überlebens und verlangt, dass Fluggäste mit der Besatzung zusammenarbeiten und ihren Anweisungen folgen.
Das Handgepäck bleibt an Bord. Die EASA begründet das ausführlich: Öffnet man die Gepäckfächer, kann Gepäck herausfallen und Menschen verletzen. Wer sucht, blockiert den Gang, Koffer stapeln sich an den Ausgängen, und Gepäck kann die Notrutsche beschädigen. Wer Gepäck mitnimmt, verringert seine eigenen Chancen und die aller anderen.
Was in solchen Lagen tatsächlich geschieht und was daraus gelernt wurde, zeigt die Fallstudie zum Flughafenbrand Düsseldorf 1996. Wie du dich vorbereitest, wenn dich eine Lage unterwegs überrascht, steht in einem eigenen Artikel. Für zu Hause gilt der Artikel zum Brand in der Wohnung.
Häufige Fragen
Warum soll ich im Brandfall nicht den Aufzug nehmen?
Nach der Feuerwehr Potsdam kann er bei einem Brand stecken bleiben oder durch Rauch unbenutzbar werden. Nimm die gekennzeichneten Treppen.
Woran erkenne ich den Notausgang?
An grünen Schildern mit weißem Symbol, einer laufenden Person an einer Tür, meist mit Pfeil. Rote Schilder zeigen Feuerlöscher oder Brandmelder, nicht den Weg hinaus.
Was mache ich mit dem Auto, wenn es im Tunnel brennt?
Nach der BASt: rechts oder in der Pannenbucht abstellen, Motor aus, Zündschlüssel stecken lassen, Feueralarm an der Notrufstation auslösen und zu Fuß über den Notausgang hinaus.
Hält der Zug sofort, wenn ich im Tunnel die Notbremse ziehe?
Nicht unbedingt. Bei fahrendem Zug greift die Notbremsüberbrückung, und der Lokführer fährt bis zu einer geeigneten Stelle weiter. Über die Sprechstelle sagst du ihm, was los ist.
Darf ich bei einer Evakuierung wenigstens meine Tasche mitnehmen?
Im Flugzeug nicht. Die EASA verlangt ausdrücklich, das Gepäck an Bord zu lassen, weil es Gänge und Ausgänge blockiert und die Notrutsche beschädigen kann.
Quellen
- Brandschutz zu HauseFeuerwehr Frankfurt am Main · Tödlich ist in der Regel der Rauch, größter Teil der Opfer stirbt an Rauchvergiftung, drei Atemzüge
- Verhalten im Brandfall – richtig handeln, Leben rettenLandeshauptstadt Potsdam (Feuerwehr) · Ruhe bewahren, Notruf, gekennzeichnete Fluchtwege, kein Aufzug, Türen schließen, nah am Boden, Menschenrettung, Sammelplatz, nicht zurückkehren, Hinweise für Menschen mit Behinderung
- ASR A1.3 Sicherheits- und GesundheitsschutzkennzeichnungAusschuss für Arbeitsstätten, bereitgestellt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) · Rettungszeichen grün mit weißem Symbol, Brandschutzzeichen rot, Notausgang mit Richtungspfeil, Sammelstelle, langnachleuchtende Zeichen, Bezug auf DIN EN ISO 7010
- Richtiges Verhalten im Straßentunnel (Faltblatt, April 2013)Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), bereitgestellt von der Stadt Stuttgart · Notrufstationen, Notausgänge, Motor aus und Schlüssel stecken lassen, Feueralarm, Durchsagen beachten, Notrufstation statt Handy
- My luggage during evacuationEuropäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) · Gepäck bleibt an Bord, Anweisungen der Besatzung, schlechte Sicht durch Rauch
- Wie funktioniert die Notbremse in der S-Bahn und wann darf man sie betätigen?S-Bahn München (Unternehmen der Deutschen Bahn) · Notbremsüberbrückung, kein Halt im Tunnel bei Brand, Sprechstelle zum Lokführer, Sperrung der Nachbargleise beim Aussteigen auf freier Strecke
