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Grundlagen

Notunterkunft bauen: Windschutz, Laubhütte, Erdhütte

Warum Schutz vor Nässe, Wind und Kälte zuerst kommt, wie du den Platz wählst, den Boden isolierst und eine Laubhütte baust – und was heute erlaubt ist.

9 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
In einem lichten Buchenwald steht im Morgenlicht ein kegelförmiges Gerüst aus vielen dicht aneinandergelehnten Ästen.
Ein Gerüst aus Ästen ist erst der Anfang: Eine Laubhütte wird außen dick gedeckt, bis von innen kein Licht mehr zu sehen ist.Foto: Ulu0001 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Wer draußen ohne Dach über dem Kopf bleiben muss, verliert vor allem eines: Wärme. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, warum Schutz vor Nässe, Wind und Kälte vor allem anderen kommt, wie du einen sicheren Platz findest und den Boden isolierst, wie eine Laubhütte gebaut wird und was Grubenhäuser aus dem Mittelalter über das Bauen mit der Erde verraten. Er sagt auch, warum Feuer im Unterstand gefährlich ist und was das Waldgesetz heute erlaubt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wärme geht durch Kälte, Nässe und Wind verloren – am schnellsten, wenn alle drei zusammenkommen.
  • Der Platz zählt mehr als die Bauform: sicher, windgeschützt, trocken, eben – in dieser Reihenfolge.
  • Der Boden zieht Wärme ab. Eine dicke, trockene Schicht unter dir ist mindestens so wichtig wie ein Dach.
  • Eine Laubhütte ist innen gerade so groß wie du selbst und außen dick gedeckt, bis kein Licht mehr durchfällt.
  • Kein offenes Feuer im geschlossenen Unterstand: Kohlenmonoxid ist geruchlos und bemerkt man nicht.

Warum Schutz vor allem anderen kommt

Der Deutsche Alpenverein, ein Bergsportverein, nennt für jedes Notbiwak ein zentrales Ziel: Wärme erhalten, um eine lebensbedrohliche Unterkühlung zu vermeiden. Wärme verliert der Körper nach dem Verein durch Kälte, Nässe und Wind und vor allem durch die Verbindung dieser drei Faktoren. Schon eine leichte Brise kühlt nach seiner Erfahrung schnell aus.

Ein Schulungshandbuch des Alaska Sea Grant College Program der University of Alaska Fairbanks für Kinder und Jugendliche sagt es noch deutlicher: Wer in einer Notlage draußen stirbt, stirbt meist durch Ertrinken oder durch Unterkühlung. Erste Hülle ist die Kleidung – in Schichten, aus Wolle oder Polypropylen, die nach dem Handbuch auch nass noch isolieren. Die Unterkunft ist die zweite Hülle. Sie soll nach dem Handbuch drei Dinge sein: klein, isolierend und dicht gegen Wind und Regen.

Klein heißt: Dein Körper ist die einzige Heizung. Jeder Hohlraum, den er mitheizen muss, kostet Wärme. Deshalb schlägt eine enge, gut gedeckte Hütte ein großes, luftiges Dach. Der Alpenverein rät außerdem, alles an Kleidung anzuziehen, bevor du frierst, eine trockene Schicht auf der Haut zu tragen und den Kopf zu bedecken. Beim Bauen solltest du nicht ins Schwitzen geraten – nasse Wäsche kühlt später aus.

Den Platz wählen: sicher, windgeschützt, trocken

Der Alpenverein gibt eine klare Rangfolge vor: Der Biwakplatz soll sicher, windgeschützt, trocken und eben sein, in dieser Reihenfolge. Sicher heißt frei von objektiven Gefahren; windgeschützt heißt nicht auf Grat oder Gipfel; trocken heißt nicht auf feuchtem Boden und möglichst vor Regen geschützt. Gute Plätze sind nach dem Verein Geländeterrassen, Felsblöcke und Felswände. Beginne mit der Vorbereitung, solange es hell ist.

Im Wald kommt eine Gefahr von oben dazu. Die Verwaltung des Nationalparks Hainich zählt herabfallende Äste, plötzlich umstürzende Stämme und instabile Bäume zu den waldtypischen Gefahren – solche Bäume können auch später noch bei schwächerem Wind brechen. Bei Sturm rät sie, den Wald ganz zu meiden. Schau deshalb nach oben, bevor du baust: keine abgestorbenen Bäume, keine hängenden oder angebrochenen Äste über dem Platz.

Das Handbuch aus Alaska verlangt einen Platz außerhalb von Wind und Regen mit gutem Wasserablauf. Daraus folgt, auch wenn es dort nicht wörtlich steht: nicht in eine Senke, nicht in ein trockenes Bachbett, nicht an den Fuß eines Hangs, auf dem Regenwasser zusammenläuft. Wo sich Wasser sammelt, liegst du nach dem ersten Regen im Nassen.

Kälte von unten: den Boden isolieren

Wer auf dem Boden liegt, verliert Wärme nach unten. Der Alpenverein rät, sich mit allem, was nicht gebraucht wird – Seil, Rucksack, Isoliermatte –, und mit Material aus der Umgebung wie Zweigen, trockenem Moos oder Gras vor der Bodenkälte zu schützen. Mit Steinen lässt sich der Schlafplatz auslegen und eine kleine Windschutzmauer bauen.

Wie dick die Schicht sein muss, zeigt das Handbuch aus Alaska am Laubbett, der schnellsten Notlösung für Erwachsene: unten 1 bis 2 Fuß Zweige, also etwa 30 bis 60 cm, darüber 1 bis 2 Fuß Moos. Die Schichten sollen dick sein, weil sie unter dem Körpergewicht zusammensinken. Darauf kommt eine Plastikplane, darüber eine zweite als Decke, obenauf wieder Moos und Zweige. Du kriechst zwischen die beiden Planen. Das Handbuch selbst stellt fest: Gegen Wind schützt das Laubbett nicht.

Tipp Prüf die Bodenschicht mit der Hand, nachdem du dich einmal hingelegt hast. Spürst du den Boden durch, fehlt Material. Trockenes Laub, Moos und Gras isolieren; nasses Material zieht Wärme ab.

Schnell geschützt: Plane, Folie, Biwaksack

Wenn es schnell gehen muss – weil jemand friert oder es dunkel wird –, zählt, was du dabeihast. Gegen Wind und Nässe von außen ist der Biwaksack nach dem Alpenverein unschlagbar: ganz hineinschlüpfen, die Öffnungen zuziehen und nur einen kleinen Luftschlitz lassen. Eine Rettungsfolie als Zwischenschicht unter der obersten Kleidung schützt den Rumpf zusätzlich vor Kälte, Wind und Nässe.

Das Handbuch aus Alaska beschreibt für kleine Kinder einen Schlafsack aus zwei Müllsäcken: einen mit Moos, Laub, Gras oder Zweigen füllen, die Mitte aushöhlen, einen zweiten Sack hineinstecken. Der Kopf bleibt draußen, damit die Atemfeuchte nicht in den Sack zieht, eine Mütze gehört dazu. Den Sack legst du neben einen liegenden Stamm oder einen Baum, damit Wind und Regen weniger ankommen. Für Erwachsene ist er zu klein.

Für eine Plane oder ein Tarp gelten dieselben Anforderungen: klein, isolierend, dicht gegen Wind und Regen. Praktisch heißt das – als Folgerung, nicht als Vorgabe der Quellen –: tief und schräg zur Wetterseite spannen, damit Wind und Regen abgleiten, und darunter den Boden isolieren. Ein hohes Dach mit offenen Seiten hält Regen ab, aber kaum den Wind. Welche Knoten halten, steht im Artikel „Knoten und Seile“.

Die Laubhütte Schritt für Schritt

Mehr Zeit kostet die Laubhütte, im Englischen „debris hut“. Nach dem Handbuch aus Alaska hält sie länger und schützt viel besser als die schnellen Lösungen. Sie ist ein A-förmiges Gerüst oder ein Pultdach an einem liegenden Stamm, hat Wände und eine Tür. Außen soll sie groß wirken, innen gerade so groß sein, dass du hineinpasst: etwa 6 Zoll, also rund 15 cm, von dir bis zum Dach und zu jeder Seite – ungefähr eine gespreizte Hand von Daumen bis kleinem Finger.

Querschnitt einer Laubhütte, nicht maßstäblich: unten ein Bett aus 60 bis 90 cm Zweigen und 30 bis 60 cm Moos mit Plane darauf, darüber ein A-förmiges Gerüst, außen eine dicke Moosschicht. Innen bleiben etwa 15 cm Platz über dem Körper.
Innen gerade so groß wie du selbst, außen dick gedeckt: Zwischen dir und dem Dach bleiben etwa 15 cm. Nicht maßstäblich.Skizze: WildWeasel
  • Bett anlegen: 2 bis 3 Fuß Zweige, etwa 60 bis 90 cm, darüber 1 bis 2 Fuß Moos, darauf eine Plane. Leg dich einmal darauf, damit es sich setzt.
  • Gerüst bauen: drei Stangen, mit Seil, Wurzeln oder Ähnlichem verbunden, mit weiteren Stangen verstärkt.
  • Decken: Plane oder große Blätter auf das Gerüst, darüber Äste mit Zweigen, darüber kleinere Zweige.
  • Dämmen: eine dicke Schicht Moos obenauf, bis von innen kein Licht mehr zu sehen ist.
  • Tür: eine Klappe aus Zweigen oder ein Stopfen aus Plane und Moos.

Hinweis Die Schritte folgen dem Schülerhandbuch „Outdoor Survival Training for Alaska’s Youth“ des Alaska Sea Grant College Program. Es ist für Kinder geschrieben und nennt die Maße in Fuß und Zoll; die Umrechnung in Zentimeter ist gerundet.

Erdhütte und Grubenhaus: was die Archäologie zeigt

In die Erde gebaut wurde auch hierzulande. Das Freilichtlabor Lauresham am UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch hat Grubenhäuser nach Grabungsbefunden rekonstruiert. Ihr Fußboden liegt immer tiefer als die Fläche draußen. Die Bauform ist nach Lauresham für das gesamte Mittelalter nachgewiesen und wurde ab dem Hochmittelalter langsam durch den Keller abgelöst, aber nicht ganz verdrängt.

Ihr Vorteil war nach dem Freilichtlabor die unkomplizierte Bauweise. In der einfachsten Form wird die Grube nur mit einem Dach überbaut, das zwei Pfosten an den Giebeln tragen. Je nach Zahl und Stellung der Pfosten unterscheiden Archäologen Giebelpfosten-, Eckpfosten- und Wandpfostenhäuser. Die Pfosten stehen dabei in die Erde eingetieft, also erdfest.

Für eine Notunterkunft lässt sich daraus zweierlei ableiten, beides eine Folgerung und nicht Aussage der Quelle: Eine flache Mulde unter einem gedeckten Gerüst bringt dich aus dem Wind. Eine Grube sammelt aber auch Wasser, wenn der Platz nicht gut entwässert – dann wird aus dem Schutz eine Wanne. Für ein Grubenhaus, das bleiben soll, braucht es Werkzeug, trockenen Grund und viel Arbeit; für eine Nacht ist die Laubhütte die bessere Wahl.

Rekonstruiertes frühmittelalterliches Grubenhaus: ein bis fast zum Boden herabgezogenes, mit Halmen gedecktes Satteldach über einer Giebelwand aus Brettern; der Eingang führt hinab in eine Grube.
Rekonstruktion eines Grubenhauses: Sein Fußboden liegt tiefer als die Fläche draußen.Foto: Babru · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Feuer und Unterkunft

Ein Feuer vor der Hütte wärmt und trocknet, im geschlossenen Unterstand ist es lebensgefährlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, warum: Kohlenmonoxid entsteht durch unvollständige Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material, mangelnde Luftzirkulation erhöht seine Konzentration. Das Gas ist geruchlos, farblos und nicht reizend und löst deshalb keinen Warneffekt aus. Geöffnete Fenster oder Türen bieten nach dem BfR keine Sicherheit.

Eine Laubhütte ist gebaut, um Luft festzuhalten – genau das macht sie für Rauch und Glut ungeeignet. Laub, Moos und trockene Zweige brennen außerdem schnell. Halte das Feuer deshalb draußen und deutlich entfernt von Dach und Wänden; eine feste Abstandsangabe für Notunterkünfte nennen die hier verwendeten Quellen nicht. Wie du ohne Feuerzeug Feuer machst, steht im Artikel „Feuer machen ohne Feuerzeug“.

Achtung Kein offenes Feuer, keine Glut und keinen Kocher in Hütte, Zelt oder Biwaksack. Erste Anzeichen einer Kohlenmonoxidvergiftung sind nach dem BfR Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Sehstörungen, Erbrechen und Kurzatmigkeit; Kinder reagieren empfindlicher als Erwachsene. Dann sofort an die frische Luft und Notruf 112.

Heute: was im Wald erlaubt ist

Üben ist sinnvoll, aber nicht überall erlaubt. Die Waldgesetze der Länder regeln das unterschiedlich; als Beispiel dient hier das Sächsische Waldgesetz. Es erlaubt das Betreten des Waldes, stellt aber klar, dass Zelten nicht dazugehört. Eine Hütte aus Ästen oder eine Grube erwähnt das Gesetz nicht ausdrücklich – ein Recht, sie zu bauen, folgt daraus nicht.

Wer eine Laubhütte ausprobieren will, fragt deshalb vorher den Waldbesitzer und klärt, ob ein Schutzgebiet gilt. Wie du dich ohne Heizung zu Hause warm hältst, steht im Artikel „Warm bleiben ohne Heizung“. Was in einer staatlichen Notunterkunft nach einer Evakuierung passiert, erklärt der Artikel „Nach der Evakuierung: was in einer Notunterkunft passiert“.

Achtung Rechtslage heute am Beispiel Sachsen: „Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr.“ (§ 11 Abs. 2 SächsWaldG). Das Zelten ist „nicht Teil des Betretensrechtes“ und bedarf „der besonderen Erlaubnis des Waldbesitzers“ (§ 11 Abs. 4). Leseholz darf nur für den persönlichen Bedarf und pfleglich entnommen werden (§ 14 Abs. 1). Feuer darf im Wald oder weniger als 100 Meter davon außerhalb genehmigter Feuerstellen „nur mit Genehmigung der Forstbehörde“ angezündet werden (§ 15 Abs. 1); Ausnahmen gelten etwa für Waldbesitzer. Andere Länder regeln das in eigenen Gesetzen. Gefahr: Unterkühlung, herabfallende Äste, Kohlenmonoxid. Zuständig: für die Erlaubnis der Waldbesitzer, für Feuer die Forstbehörde, im Notfall 112.

Häufige Fragen

Was ist wichtiger: Dach oder Boden?

Beides, aber der Boden wird oft unterschätzt. Der Alpenverein rät ausdrücklich, sich mit Ausrüstung, Zweigen, trockenem Moos oder Gras vor der Bodenkälte zu schützen. Die Schicht muss dick sein, weil sie unter dir zusammensinkt.

Warum soll die Laubhütte so eng sein?

Weil dein Körper die einzige Wärmequelle ist. Das Handbuch aus Alaska nennt etwa 15 cm Abstand zu Dach und Seiten. Jeder zusätzliche Raum muss mitgeheizt werden.

Darf ich im Wald übernachten und eine Hütte bauen?

Das regelt jedes Land selbst. In Sachsen gehört Zelten nicht zum Betretensrecht und braucht die Erlaubnis des Waldbesitzers; für Feuer im Wald und bis 100 Meter davon braucht es die Genehmigung der Forstbehörde. Frag vor dem Üben den Waldbesitzer.

Kann ich die Hütte mit einem kleinen Feuer drinnen heizen?

Nein. Nach dem BfR entsteht bei unvollständiger Verbrennung Kohlenmonoxid, das man weder riecht noch sieht; offene Türen schützen nicht. Das Feuer bleibt draußen, mit Abstand zum brennbaren Dach.

Quellen

  1. So geht das: Notbiwak am BergDeutscher Alpenverein (Verein) · Wärmeerhalt als zentrales Ziel, Wärmeverlust durch Kälte, Nässe und Wind, Platzwahl in der Reihenfolge sicher–windgeschützt–trocken–eben, Schutz vor Bodenkälte, Biwaksack, Rettungsfolie
  2. Outdoor Survival Training for Alaska’s Youth – Student Manual (SG-ED-17), Kapitel 2Alaska Sea Grant College Program, University of Alaska Fairbanks · Schülerhandbuch (1993, Nachdruck 1998); Teil 3: Ertrinken und Unterkühlung als häufigste Todesursachen, Kleidung, Anforderungen an eine Notunterkunft, Wasserablauf, Müllsack-Schlafsack; Teil 4: Laubbett und Laubhütte mit Maßen
  3. Bei starkem Wind und Sturm den Wald meidenNationalparkverwaltung Hainich · Herabfallende Äste, umstürzende Stämme und instabile Bäume als waldtypische Gefahren, bei Sturm Wald meiden
  4. Freilichtlabor Lauresham: GebäudeUNESCO-Welterbe Kloster Lorsch · Grubenhäuser: Fußboden unter Außenniveau, im gesamten Mittelalter nachgewiesen, einfachste Bauweise mit zwei Giebelpfosten, Pfostenbau erdfest
  5. Grillen mit Holzkohle im Haus ist lebensgefährlich!Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · Entstehung und Eigenschaften von Kohlenmonoxid, keine Sicherheit durch offene Fenster und Türen, Symptome
  6. Waldgesetz für den Freistaat Sachsen (SächsWaldG), §§ 11, 14 und 15Freistaat Sachsen (REVOSax) · Betreten auf eigene Gefahr, Zelten nur mit Erlaubnis des Waldbesitzers, Leseholz für den persönlichen Bedarf, Feuer im Wald und bis 100 Meter nur mit Genehmigung