Eine Plane über dem Holzstapel, eine Ladung auf dem Anhänger, eine Leine, die zu kurz ist: Für all das braucht es keinen Knotenatlas, sondern eine Handvoll Knoten, die man blind beherrscht. Feuerwehr, Alpenverein und Segelausbildung sind sich darin einig, dass wenige Knoten genügen – wenn sie richtig gemacht sind. Dieser Artikel stellt sie vor, beschreibt die Handgriffe in Worten und zeigt, woran du erkennst, ob ein Knoten hält.
Das Wichtigste in Kürze
- Wenige Knoten sicher können ist mehr wert als viele ungefähr: Achterknoten, Palstek, Mastwurf, Kreuzknoten, Schotstek.
- Jeder Knoten schwächt das Seil. Bei Seilen und Polyamid-Schnüren rechnet der DAV mit bis zu 50 Prozent.
- Ein guter Knoten ist nicht verdreht, an allen Strängen festgezogen und hat ein ausreichend langes Ende.
- Seile dunkel, kühl und trocken lagern, fern von Säuren – schon Dämpfe von Batteriesäure können schaden.
- Kein Knoten und kein Haushaltsseil zum Sichern von Menschen: Das gehört zu ausgebildeten Kräften.
Wenige Knoten, aber richtig
Die Fachleute für Seile beschränken sich selbst. Im Bergsport, schreibt die Fachzeitschrift bergundsteigen der Alpenvereine, begnüge man sich mit sehr wenigen Knoten – und man solle nur solche verwenden, die man wirklich kennt. Ein Knoten, der so ähnlich aussieht wie der richtige, funktioniert deshalb noch lange nicht so. Bei der Feuerwehr legt die Dienstvorschrift FwDV 1 fest, welche Knoten und Stiche jede Einsatzkraft sicher beherrschen muss.
Zwei Begriffe helfen beim Verstehen. Ein Schlaufenstich wie der Palstek zieht sich nur im Knoten selbst zusammen; der Gegenstand bleibt lose in der Schlaufe. Ein Schlingenstich wie der Mastwurf zieht sich dagegen fest um das, woran er hängt. Die Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz hält deshalb fest: Schlingenstiche sind zum Befestigen einer Leine an Menschen und Tieren nicht geeignet.
Merk dir außerdem, dass Namen wenig verraten. Der Palstek heißt bei der Feuerwehr Pfahlstich, der Mastwurf in der Seefahrt Webeleinstek, und manche Namen bezeichnen je nach Bereich unterschiedliche Knoten. Entscheidend ist, dass du weißt, wofür ein Knoten taugt – und wofür nicht.
Achtung Kein Knoten aus diesem Artikel und kein Seil aus dem Baumarkt oder dem Keller ist zum Sichern von Menschen, zum Abseilen oder zum Klettern gedacht. Selbst die Feuerwehr darf ihre Mehrzweckleine nicht zum Abseilen einsetzen, und ihr Gerätesatz zur Absturzsicherung ist ausdrücklich nicht für die Höhenrettung vorgesehen. Menschen aus Höhen und Tiefen zu retten, ist Aufgabe ausgebildeter Einsatzkräfte – dafür rufst du die 112. Klettern und Abseilen lernst du in einem Kurs mit geprüfter Ausrüstung, nicht aus einem Text.
Feste Schlaufen: Achterknoten und Palstek
Der Achterknoten ist der Knoten, den Alpenverein und Feuerwehr für das Einbinden ins Seil vorsehen. Im Alltag brauchst du ihn in zwei Formen: als einfache Acht am Seilende, damit es nicht aus einer Klemme rutscht, und als Achterschlinge, wenn du eine feste Schlaufe brauchst. Für die gesteckte Schlaufe legst du mit dem Seilende eine einfache Acht, führst das Ende um den Gegenstand oder durch die Öse und fährst die Acht dann parallel zurück nach. Die Feuerwehrakademie erinnert daran, vor dem Zurückstechen genug freie Leine übrig zu lassen.
Der Palstek bildet ebenfalls eine Schlaufe, die sich nicht zuzieht, und hält nach Angaben des ADAC dauerhaft auch unter Belastung. Zum Binden legst du ein kleines Auge in die stehende Part – das ist der lange Teil, der später die Last trägt. Das Ende kommt von unten durch das Auge, läuft einmal hinter der stehenden Part herum und geht von oben wieder durch das Auge zurück. Die Merkhilfe der Feuerwehr: Der Frosch hüpft aus dem Teich, um den Baum herum und wieder in den Teich.
Der Palstek hat eine Schwäche, die du kennen musst. Er darf nur an der stehenden Part belastet werden, sonst kann er umklappen und durchrutschen. Deshalb lohnt es sich, sein richtiges Knotenbild so oft anzuschauen, bis du es sofort erkennst.

Festmachen: Mastwurf und Rundtörn
Der Mastwurf ist der Knoten, mit dem du ein Seilende an einem Pfosten, einem Ast oder einer Stange festmachst. Er besteht aus nichts anderem als zwei Halbschlägen hintereinander: Du legst das Ende einmal um den Pfosten, kreuzt es über die stehende Part, legst es ein zweites Mal herum und steckst es unter der eigenen Kreuzung durch. Nach Angaben des ADAC hält er hohe Belastungen aus und lässt sich trotzdem schnell lösen.
Die Feuerwehr sichert den Mastwurf grundsätzlich mit einem Spierenstich, also einem einfachen Knoten, der mit dem losen Ende um die Leine geknüpft wird. Das ist eine gute Gewohnheit, wenn die Leine lange hängt, im Wind schlägt oder niemand nachschaut. Brauchst du die Leine dagegen schnell wieder frei, legst du den letzten Schlag auf Slip: Das Ende wird nicht ganz durchgezogen, sondern als Bucht durchgesteckt. Ein Zug am freien Ende öffnet den Knoten dann auch unter Last.
Für einen Ring oder eine feste Öse nennt die Segelausbildung den Rundtörn mit zwei halben Schlägen. Du führst die Leine einmal ganz um den Ring und schließt mit zwei Halbschlägen um die stehende Part ab. Damit hast du auch das Werkzeug für eine Plane: Palstek oder Achterschlinge in die Öse der Plane, das andere Ende mit Mastwurf oder Rundtörn an Baum oder Pfosten.

Leinen verbinden: Kreuzknoten und Schotstek
Der Kreuzknoten ist der Knoten, den fast jeder intuitiv wählt, wenn eine Leine zu kurz ist. Er verbindet zwei etwa gleich starke Leinen. Du legst die Enden übereinander und schlingst sie einmal umeinander, dann ein zweites Mal – und dabei gilt der Merksatz der Feuerwehr: Was oben ist, muss oben bleiben. Richtig gemacht liegen beide losen Enden auf derselben Seite, die Parten laufen parallel, und die beiden Buchten lassen sich leicht gegeneinander verschieben.
Die Grenzen des Kreuzknotens sind deutlich. Liegen die Enden auf verschiedenen Seiten, entsteht ein Knoten, der unter Last durchrutscht; der sogenannte Altweiberknoten hält zwar etwas mehr aus, lässt sich danach aber kaum noch öffnen. Selbst ein richtiger Kreuzknoten schlägt um und rutscht durch, wenn er falsch belastet wird. Deshalb bindet man mit ihm keine Schlaufe, und bei glatten Leinen rät der ADAC zum doppelten Schotstek.
Der Schotstek verbindet zwei Leinen, besonders wenn sie unterschiedlich dick sind. Die Bucht legst du immer in die stärkere Leine. Die dünnere steckst du von unten durch diese Bucht, führst sie um beide Schenkel der Bucht herum und klemmst sie unter sich selbst ein. Beim doppelten Schotstek läuft das Ende ein zweites Mal herum. Auch hier ist die Feuerwehr eindeutig: Weder Kreuzknoten noch Schotstek dürfen zur Sicherung oder Rettung von Personen eingesetzt werden.
| Knoten | Wofür | Worauf achten |
|---|---|---|
| Achterknoten | feste Schlaufe, Stopper am Seilende | Stränge parallel, nicht verdreht |
| Palstek | Schlaufe, die sich nicht zuzieht | nur an der stehenden Part belasten |
| Mastwurf | Seil an Pfosten oder Stange | bei Dauerlast mit Spierenstich sichern |
| Rundtörn mit zwei halben Schlägen | Seil an Ring oder Öse | mit zwei Halbschlägen abschließen |
| Kreuzknoten | zwei gleich starke Leinen | Enden auf derselben Seite, keine Schlaufe |
| Schotstek | zwei ungleich starke Leinen | Bucht in die stärkere Leine |
Woran du erkennst, ob ein Knoten hält
Ob ein Knoten sauber gemacht ist, siehst du an wenigen Merkmalen. Die bergundsteigen-Redaktion nennt fünf: der richtige Knoten für den Zweck, nur Knoten, die man kennt, sauber gelegt, gut festgezogen und ein passend langes Ende. Verdrehte Knoten halten nicht zwangsläufig weniger, ziehen sich unter Last aber oft so ungünstig zusammen, dass sie kaum noch aufgehen – und sie lassen sich schlechter kontrollieren, weil das Bild nicht stimmt.
Das Festziehen gelingt auch mit wenig Kraft, wenn du die Stränge einzeln anziehst; beim Achterknoten sind es vier. Das freie Ende sollte nach der Faustregel der Feuerwehr mindestens den zehnfachen Seildurchmesser aus dem Knoten stehen. Der Grund: Bei starker Belastung ziehen sich Knoten nicht nur fest, sondern wandern auch ein Stück nach außen.
Und: Jeder Knoten kostet Festigkeit. Der Deutsche Alpenverein gibt als Faustregel an, dass Knoten die Festigkeit von Seilen und Polyamid-Reepschnüren um bis zu 50 Prozent reduzieren. Jede Umlenkung und jeder Knick schwächt das Material, und je enger der Bogen, desto stärker. Bei Schnüren aus den sehr glatten Fasern Dyneema oder Kevlar maß der DAV Verluste von bis zu 75 Prozent – und von außen ist kaum zu erkennen, woraus eine Schnur besteht. Die Werte stammen aus Versuchen mit Bergsportmaterial; für ein Seil unbekannter Herkunft gibt es keine solche Zahl.
Seilpflege: Scheuern, Nässe, Licht und Säure
Ein Seil verschleißt durch Gebrauch und altert durch seine Umgebung. Der DAV nennt als wichtigste Umwelteinflüsse UV-Strahlung, Hitze und Chemikalien. Sonnenlicht trifft vor allem Material, das dauerhaft draußen hängt; stark ausgeblichene Farben sind ein Warnzeichen. Besonders heikel sind Säuren: Schon die Dämpfe von Autobatteriesäure können ausreichen, und bei vermutetem Säurekontakt sollte textiles Material nach Rat des DAV umgehend entsorgt werden.
Beim Scheuern gilt für Seile mit Kern und Mantel: Solange der Kern unbeschädigt ist, ist leichtes Aufpelzen des Mantels noch kein Grund zum Aussortieren. Sichtbarer Kern ist dagegen das Ende. Weiche Stellen prüfst du mit dem Knicktest des DAV: Lässt sich das Seil an einer Stelle mit zwei Fingern ganz flach zusammendrücken, hat der Mantel dort seine Schutzfunktion verloren. Sand und Gesteinskörner können sogar durch den Mantel dringen, und wo zwei textile Teile unter Last aneinander reiben, kann der Kunststoff durch die Reibungshitze schmelzen.
- Lagern: dunkel, kühl und trocken – ein nasses Seil erst trocknen lassen
- Fernhalten: Batterien, Säuren und andere Chemikalien, auch im Keller oder in der Garage
- Schützen: in einem Beutel oder Sack, damit Schmutz nicht ins Seil gelangt
- Prüfen: das Seil durch die Hände laufen lassen und auf harte, weiche oder verfärbte Stellen achten
- Aussortieren: bei sichtbarem Kern, Schmelzstellen oder Verdacht auf Säure
Warum das Wissen ohne Nachschub trägt
Spanngurte, Klemmen und Schnellverschlüsse sind bequem, aber sie gehen kaputt und lassen sich nicht selbst ersetzen. Ein Knoten braucht nichts außer dem Seil, das du ohnehin hast. Deshalb gehört er in diese Reihe über Wissen, das auch dann noch trägt, wenn es keinen Nachschub mehr gibt.
Das Seil selbst ist dabei der knappe Teil. Wer weiß, dass jeder Knoten Festigkeit kostet, dass Säure und Sonne ein Seil unbemerkt schwächen und dass ein nasses Seil erst trocknen muss, bevor es weggelegt wird, kommt mit einem Seil sehr lange aus.
Knoten verlernt man, wenn man sie nicht benutzt. Die Feuerwehrakademie schreibt es ohne Umschweife: Anschauen allein nützt nichts, man muss üben. Nimm dir ein Stück Schnur und binde die sechs Knoten dieses Artikels, bis du sie im Dunkeln kannst – und bring sie den anderen im Haushalt bei.
Hinweis Die Anleitungen folgen dem Ausbildungsleitfaden „Knoten“ der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz; Festigkeit und Seilpflege stammen aus der DAV-Sicherheitsforschung.
Häufige Fragen
Welchen Knoten sollte ich als Erstes lernen?
Den Palstek. Er gibt dir eine feste Schlaufe, die sich nicht zuzieht und auch unter Belastung hält. Zusammen mit dem Mastwurf deckt er die meisten Aufgaben im Haushalt ab.
Kann ich zwei Leinen mit einem Kreuzknoten verbinden?
Ja, wenn beide etwa gleich stark sind und der Knoten richtig gebunden ist. Bei ungleich dicken Leinen ist der Schotstek, bei glatten Leinen der doppelte Schotstek die bessere Wahl.
Wie viel hält ein Seil mit Knoten noch?
Das hängt von Knoten und Material ab. Der DAV rechnet bei Seilen und Polyamid-Schnüren als Faustregel mit einer Schwächung um bis zu 50 Prozent, bei Dyneema- und Kevlar-Schnüren wurden bis zu 75 Prozent gemessen.
Darf ich mit einem Wäscheseil jemanden sichern oder abseilen?
Nein. Menschen werden nur mit geprüfter Ausrüstung und von ausgebildeten Leuten gesichert. Selbst die Feuerwehr setzt ihre Mehrzweckleine nicht zum Abseilen ein. Im Notfall rufst du die 112.
Quellen
- Ausbildungsleitfaden „Knoten“ für die Feuerwehren in NiedersachsenNiedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) · Schlaufen- und Schlingenstiche, Anleitungen für Achterknoten, Pfahlstich (Palstek), Mastwurf, Kreuzknoten und Schotenstich, typische Fehler, Seilende mindestens zehnfacher Durchmesser, Verbot für Personensicherung
- Truppmannausbildung Teil 1 – Gerätekunde RettungsgeräteLandesfeuerwehrschule Schleswig-Holstein · Zweck der Feuerwehrknoten, Mehrzweckleine nicht zum Abseilen, Gerätesatz Absturzsicherung nicht für Höhenrettung, Leinenbeutel gegen Verschmutzung
- Drum prüfe, wer sich bindet – Knotenfestigkeit bei Schlingen und Reepschnüren (DAV Panorama 4/2007)Deutscher Alpenverein (DAV), Sicherheitsforschung · Knoten schwächen Seile und Polyamid-Reepschnüre um bis zu 50 Prozent, Dyneema und Kevlar um bis zu 75 Prozent, Einfluss von Biegeradius und Knotenart
- Wie lang darf ich meine Bergsportausrüstung benutzen?Deutscher Alpenverein (DAV) · UV, Hitze, Säure, Lagerung dunkel, kühl und trocken, Knicktest, Aussortieren bei sichtbarem Kern, Schmelzverbrennung
- Leicht gemacht: Richtig Knotenbergundsteigen – Fachzeitschrift der Alpenvereine · Merkmale eines sauberen Knotens: richtige Wahl, nicht verdreht, Stränge einzeln festziehen, Länge des Seilendes
- Seemannsknoten: Die 10 wichtigsten Knoten für den SBFADAC · Palstek, Webeleinstek (Mastwurf) und Slip, Rundtörn mit zwei halben Schlägen, Achtknoten als Stopper, Kreuzknoten mit parallelen Parten, doppelter Schotstek bei glatten Leinen
