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Energie & Licht

Feuer machen ohne Feuerzeug: Reibung, Funken, Zunder

Was ein Feuer braucht, welcher Zunder taugt und wie Funkenschlagen und Feuerbohren funktionieren – ehrlich eingeschätzt und mit den Regeln für draußen.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Ein Mann erzeugt Feuer durch Reibung, indem er einen Holzstab schnell in einer Holzunterlage dreht.
Reales Beispiel für Feuererzeugung durch Reibung mit Holz – eine Technik, die Übung und geeignetes Material verlangt.Foto: BrixL · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Feuerzeug und Streichhölzer sind so selbstverständlich, dass kaum jemand weiß, wie man ohne sie ein Feuer anbekommt. Dabei haben Menschen das jahrtausendelang mit Stein, Holz und Zunder geschafft. Dieser Artikel erklärt, was ein Feuer braucht, wie du es von der ersten Glut bis zum Holzscheit aufbaust und wie schwer Funkenschlagen und Feuerbohren wirklich sind. Und er sagt, wo du Feuer überhaupt machen darfst und wie du es wieder sicher löschst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Feuer braucht Brennstoff, Sauerstoff und Wärme gleichzeitig – fehlt eines davon, geht es aus.
  • Aufbau von fein nach grob: Zunder fängt den Funken, Anmachholz die Flamme, erst dann kommt Brennholz.
  • Zunder muss trocken sein: trockenes Gras, Birkenrinde, Zunderschwamm. Trocken lagern ist die halbe Arbeit.
  • Funken entstehen leicht, ein Feuer daraus schwer. Feuerbohren braucht viel Kraft, Übung und Geduld.
  • Am Wald gilt Landesrecht, in Bayern etwa 100 Meter Abstand ohne Erlaubnis. Nie Glut zurücklassen.

Was ein Feuer braucht

Die Feuerwehr erklärt das Brennen mit dem Verbrennungsdreieck, auch Feuerdreieck genannt. Drei Dinge müssen gleichzeitig zusammenkommen: ein brennbares Material, Sauerstoff und genug Wärme, damit das Material seine Zündtemperatur erreicht. Den Sauerstoff liefert die Umgebungsluft, die zu etwa 21 Prozent daraus besteht. Die Wärme kann von einer Flamme, einem Funken oder einer stark erhitzten Oberfläche kommen.

Aus diesem Dreieck folgt fast alles, was in diesem Artikel steht. Ein Funke bringt nur sehr wenig Wärme mit – er braucht also ein Material, das sich besonders leicht entzündet. Eine kleine Glut braucht Luft, deshalb bläst man sie vorsichtig an. Und umgekehrt: Wer einem Feuer eine der drei Seiten nimmt, löscht es.

Ein Dreieck mit einer Flamme in der Mitte. Die drei Seiten sind beschriftet: Sauerstoff, Wärme und Brennstoff.
Das Feuerdreieck: Brennstoff, Sauerstoff und Wärme müssen gleichzeitig zusammenkommen. Fehlt eine Seite, geht das Feuer aus.Skizze: WildWeasel

Von fein nach grob: Zunder, Anmachholz, Brennholz

Ein Versuch der Saarländischen Jugendfeuerwehr zeigt das Grundprinzip. Holzwolle entzündet sich schon mit einem Feuerzeug sehr leicht, ein dünnes Holzstäbchen muss erst kurz erhitzt werden, ein Holzscheit beginnt nur leicht zu glimmen. Der Grund ist die Oberfläche: Je feiner ein Stoff zerteilt ist, desto leichter lässt er sich zünden.

Deshalb baut man ein Feuer in Stufen auf. Ganz unten liegt der Zunder, der einen Funken oder eine Glut aufnimmt. Darüber kommt ein lockeres Nest aus feinem, trockenem Material, dann dünne Zweige als Anmachholz und erst, wenn diese kräftig brennen, dickeres Brennholz. Wer zu früh zu dickes Holz auflegt, erstickt die kleine Flamme, statt sie zu nähren.

Auch die Feuchtigkeit hängt am Dreieck. Wasser nimmt nach den Versuchen der Jugendfeuerwehr von allen Löschmitteln am meisten Wärme auf – genau deshalb löscht es. Nasses Holz muss diese Wärme erst loswerden, bevor es brennt. Sammle also Material, das trocken ist, und lagere es trocken, bevor du es brauchst.

Drei Stufen nebeneinander: ein Büschel feiner Zunder, vier dünne Zweige als Anmachholz, zwei dicke Holzscheite als Brennholz. Ein Pfeil darunter führt von fein nach grob.
Ein Feuer wächst in Stufen: Zunder fängt Funken oder Glut, Anmachholz die Flamme, erst dann kommt Brennholz.Skizze: WildWeasel

Zunder aus der Natur

Das Kuratorium Pfahlbauten, das das österreichische Welterbe der prähistorischen Pfahlbauten betreut, nennt als Zundermaterial feine trockene Gräser, die flauschigen Samen von Disteln, Schilf oder trockene Birkenrinde. Für den Anfang reicht eine Menge etwa in der Größe eines Tischtennisballs. Dazu kommt ein Zundernest aus Heu, Stroh oder Holzwolle, geformt wie ein Vogelnest mit einer Mulde in der Mitte.

Für Funken nennt das Kuratorium außerdem den Zunderschwamm, einen trockenen Baumschwamm. Er fängt die Funken auf, und aus ihnen kann eine Glut entstehen. Wichtig ist bei allen Zunderarten dasselbe Wort: trocken. Feuchtes Gras oder frische Rinde nehmen keinen Funken an.

Für die Vorsorge heißt das: Zunder sammelst du nicht erst, wenn du ihn brauchst. Trockenes Material in einer dichten Dose hält sich lange und ist bei Regen Gold wert. Das gilt genauso für Streichhölzer, falls du welche hast – feucht gewordene zünden schlecht oder gar nicht.

Ein grauer, hufförmiger Baumpilz mit ringförmigen Zuwachszonen wächst seitlich am schwarzweißen Stamm einer Birke, im Hintergrund Gras.
Zunderschwamm an einer Birke: Getrocknet fängt er Funken auf, aus denen eine Glut entstehen kann.Foto: George Chernilevsky · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Tipp Leg eine kleine, dicht schließende Dose mit trockenem Zunder zu deinen Vorräten. Tausch den Inhalt gelegentlich aus, damit er nicht klamm wird.

Funken schlagen: Feuerstein, Pyrit und Stahl

Das Feuerschlagen ist die älteste belegte Methode, aus eigener Kraft Feuer zu machen. Nach Funden von Pyrit, Markasit und Feuerstein kennen Menschen diese Technik seit etwa 32.000 Jahren. Schlägt man Pyrit oder Markasit an einen Feuerstein, springen Funken ab. Später nahm man statt des Feuersteins ein Stück Stahl.

Der Ablauf ist einfach zu beschreiben: Die Funken fallen auf den Zunder, es entsteht eine kleine Glut. Diese bläst du vorsichtig an, damit sie Sauerstoff bekommt, legst sie ins Zundernest und gibst dann nach und nach Brennmaterial dazu. So wächst aus dem Flämmchen ein richtiges Feuer.

Leicht ist es trotzdem nicht. Das Kuratorium berichtet aus der Arbeit mit Kindern, dass beim Feuerschlagen leicht Funken, aber sehr schwer Feuer entsteht. Es rät, nicht enttäuscht zu sein, wenn es nicht sofort klappt, denn es braucht viel Übung und Geduld. Wer die Technik im Notfall können will, übt sie vorher.

Eine Person hält Feuerstein und Stahl über Zundermaterial bereit, um durch Funken ein Feuer zu entzünden.
Feuerstein und Stahl erzeugen Funken, die nur mit geeignetem trockenen Zunder zuverlässig eine Glut entfachen.Foto: BLM Alaska / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Video: Feuer machen wie in der Steinzeit (NeanderthalMuseum) – Vorführung aus der Steinzeitwerkstatt des Neanderthal Museums (eineinhalb Minuten): Markasit an Feuerstein, die Funken fängt Zunderschwamm auf.

Feuerbohren: Reibung, ehrlich eingeschätzt

Feuer durch Reiben von Holz auf Holz ist aus der Völkerkunde bekannt. Weil dafür nur vergängliche Materialien nötig sind, hinterlässt die Technik kaum Spuren; ob schon die Menschen der Altsteinzeit so Feuer machten, ist deshalb offen. Man kann den Bohrer mit beiden Händen drehen oder sich die Arbeit mit einem Bogen erleichtern.

Der Bogenbohrer besteht aus vier Teilen: einem gebogenen Ast mit gespannter Schnur, einem runden Holzstab als Bohrer, einem ebenen Bohrbrett und einem Druckstück, mit dem du den Bohrer von oben hältst. Ins Brett kommt eine kleine Mulde, und nach dem Anbohren schnitzt man vom Rand eine keilförmige Kerbe bis zur Mitte des Lochs. Dort sammelt sich beim Bohren dunkler Holzabrieb.

Dann heißt es: Bogen schnell hin und her, Bohrer fest aufs Loch. Nach etwa zehn Sekunden sollte es rauchen; man bohrt noch etwas länger. Bläst du den Abrieb vorsichtig an, zeigt sich im besten Fall eine kleine Glut. Sie kommt auf den Zunder, dann ins Zundernest, und mit weiterem Anblasen und etwas Glück fängt das Nest Feuer.

Die Einschätzung des Kuratoriums ist nüchtern: Bei den eigenen Versuchen kam mit dem Bogen zumindest gelegentlich ein Feuer zustande, und es braucht viel Kraft und Geduld. Zu zweit geht es oft besser – einer hält den Bohrer, der andere führt den Bogen. Rechne also nicht damit, dass es beim ersten Mal klappt.

Wo Feuer erlaubt ist – und wann nicht

Wo du im Freien Feuer machen darfst, regeln die Länder, und die Regeln sind nicht überall gleich. Für Bayern fasst das staatliche Portal „Naturerlebnis Bayern“ sie zusammen: Offene Feuer sind dort in der Regel nur erlaubnisfrei, wenn sie mindestens 100 Meter von einem Wald und von leicht entzündbaren Stoffen entfernt sind und mindestens fünf Meter von Gebäuden aus brennbaren Stoffen und von sonstigen brennbaren Stoffen. Näher am Wald braucht es eine Erlaubnis der Kreisverwaltungsbehörde. Außerdem ist die Zustimmung des Grundstücksberechtigten nötig; in Naturschutzgebieten und Nationalparken ist Feuer grundsätzlich verboten.

Auch ein erlaubtes Feuer hat Pflichten. Es muss ständig beaufsichtigt werden, bei starkem Wind ist es zu löschen, und beim Verlassen müssen Feuer und Glut erloschen sein. Verbrannt werden darf nur unbehandeltes Holz.

Wie trocken es gerade ist, zeigt der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes in fünf Stufen, von 1 für sehr geringe bis 5 für sehr hohe Gefahr. Er dient den Landesbehörden als Grundlage für ihre Warnungen. Die örtliche Einschätzung kann davon abweichen; maßgeblich sind die Hinweise der Landesforstbehörden.

Achtung Feuer im Wald und am Waldrand ist Ländersache und meist verboten oder genehmigungspflichtig. In Bayern gilt ohne Erlaubnis ein Mindestabstand von 100 Metern zum Wald. Prüf vorher, was in deinem Land gilt, und schau bei Trockenheit auf die Waldbrandgefahr. Feuer in Innenräumen ist ein eigenes Thema wegen Kohlenmonoxid – dazu die Artikel „Kochen ohne Strom“ und „Warm bleiben ohne Heizung“.

Löschen und Verbrennungen

Gelöscht wird nach demselben Dreieck: Brennstoff wegnehmen, Sauerstoff abschneiden oder kühlen. Bei Holz ist Wasser das gängigste Löschmittel, weil es dem Feuer die Wärme entzieht und auch die Glut kühlt. Halte Wasser oder Sand bereit, bevor du anzündest, nicht erst danach.

Kommt es doch zu einer Verbrennung, rät das Deutsche Rote Kreuz, die Stelle sofort mit kühlem oder kaltem, aber nicht eisigem Wasser zu kühlen, mindestens 20 Minuten lang. Bei großen Verbrennungen und bei Säuglingen und Kleinkindern ist Vorsicht geboten, damit keine Unterkühlung entsteht. Danach die Wunde locker und keimfrei bedecken, keine Hausmittel verwenden und Brandblasen nicht öffnen; eine ärztliche Versorgung ist empfehlenswert.

Brennt Kleidung, ersticke die Flammen mit einer Decke, übergieße sie mit Wasser oder lass die Person sich auf dem Boden wälzen. Bei größeren Verletzungen oder einem außer Kontrolle geratenen Feuer gilt der Notruf 112.

Warum dieses Wissen ohne Nachschub trägt

Ein Feuerzeug ist irgendwann leer, eine Schachtel Streichhölzer irgendwann verbraucht. Das Wissen um das Feuerdreieck, um trockenen Zunder und den Aufbau von fein nach grob verbraucht sich nicht. Funkenschlagen und Feuerbohren kommen mit Material aus, das sich in der Natur findet oder mit einfachem Werkzeug herstellen lässt. Deshalb gehört dieses Thema in diese Reihe über Wissen für danach.

Ehrlich gesagt: Die alten Techniken sind mühsam, und niemand sollte sich im Ernstfall allein auf sie verlassen. Der beste Plan bleibt, Streichhölzer und Zunder trocken im Vorrat zu haben. Wer die Techniken aber einmal in Ruhe geübt hat – an einem erlaubten Platz, mit Wasser daneben –, hat eine Fähigkeit, die kein Laden verkaufen muss.

Häufige Fragen

Womit lösche ich ein kleines Feuer draußen?

Mit Wasser, das dem Feuer die Wärme entzieht und auch die Glut kühlt, oder mit Sand. Leg beides bereit, bevor du anzündest, und geh erst, wenn Feuer und Glut erloschen sind.

Welcher Zunder eignet sich am besten?

Genannt werden feine trockene Gräser, Distelsamen, Schilf, trockene Birkenrinde und für Funken der Zunderschwamm. Entscheidend ist, dass er trocken ist.

Wie lange dauert Feuerbohren?

Nach etwa zehn Sekunden kräftigen Bohrens sollte es rauchen. Ob daraus eine Glut und dann ein Feuer wird, ist nicht sicher – das Kuratorium Pfahlbauten schaffte es bei eigenen Versuchen nur gelegentlich.

Darf ich im eigenen Garten ein Lagerfeuer machen?

Das hängt vom Land und oft von der Gemeinde ab. In Bayern etwa gelten Mindestabstände zu Wald, Gebäuden und brennbaren Stoffen; frag im Zweifel bei deiner Gemeinde nach.

Quellen

  1. Urgeschichte für Kinder – Feuer bohrenKuratorium Pfahlbauten (UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten, Österreich) · Bogenbohrer, Zundermaterial, Zundernest, etwa zehn Sekunden bis Rauch, Einschätzung der Schwierigkeit, Feuerschlagen seit etwa 32.000 Jahren
  2. Urgeschichte für Kinder – FeuerschlagenKuratorium Pfahlbauten (UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten, Österreich) · Pyrit, Markasit und Feuerstein, Stahl, Zunderschwamm, Glut anblasen
  3. Experimente zu Brennen und LöschenSaarländische Jugendfeuerwehr e.V. · Verbrennungsdreieck, Sauerstoffanteil der Luft, Einfluss der Oberfläche, Löschen mit Wasser, Sand als Löschmittel
  4. Rechtliche Hinweise zum Grill-, Lager- und Traditionsfeuer in der freien NaturFreistaat Bayern, Portal Naturerlebnis Bayern · Mindestabstände nach BayWaldG und VVB, Erlaubnis, Aufsicht, Löschpflicht, Schutzgebiete
  5. WaldbrandgefahrenindexDeutscher Wetterdienst · Fünf Gefahrenstufen, Rolle der Landesbehörden
  6. Verbrennungen & Brandwunden behandelnDeutsches Rotes Kreuz · Kühlen, Wundversorgung, Kleiderbrand, Notruf