Fällt der Strom länger aus, verstummen nach und nach Festnetz, Handynetz und Internet – und damit auch der Notruf vom eigenen Telefon. Für diesen Fall haben viele Kommunen Anlaufstellen geplant, die je nach Ort Katastrophenschutz-Leuchtturm, Notfalltreffpunkt oder Notfall-Informationspunkt heißen. Dieser Artikel erklärt, was du dort erwarten kannst, was nicht, wann sie öffnen und wie du deine nächste Anlaufstelle findest, solange noch alles läuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Anlaufstellen heißen je nach Ort Leuchtturm, Notfalltreffpunkt oder Infopunkt – die Idee ist überall ähnlich.
- Ihre Kernaufgabe: Notrufe annehmen und weiterleiten, wenn Telefone ausfallen, und über die Lage informieren.
- Sie sind keine Notunterkunft und ersetzen deinen eigenen Vorrat nicht. Was es zusätzlich gibt, regelt jede Kommune.
- Sie sind nicht dauerhaft offen, sondern öffnen erst in einer Gefahrenlage, etwa bei einem längeren Stromausfall.
- Such deine Anlaufstelle jetzt heraus und schreib Adresse und Weg auf Papier – im Ausfall geht keine Karten-App.
Viele Namen, eine Idee
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt die Entwicklung so: Seit 2015 haben viele Kommunen und Länder Anlaufstellen für die Bevölkerung in Krisensituationen eingerichtet. Sie heißen Katastrophenschutz-Leuchttürme, Notfall-Informationspunkt, Anlaufstelle oder ähnlich. Ihr Zweck ist, Menschen etwa bei einem längeren Stromausfall mit Informationen und Hilfsangeboten zu versorgen, Notrufe weiterzuleiten und den Austausch in der Nachbarschaft zu ermöglichen.
Wie verbreitet welcher Name ist, zeigt eine Studie, die das Projekt „Warnung der Bevölkerung“ von Bund und Ländern bei einer Forschungs- und Beratungsfirma in Auftrag gegeben hat. In den ausgewerteten Datensätzen heißt die Einrichtung in 45,8 Prozent der Fälle Katastrophenschutz-Leuchtturm, gefolgt von Notfallinformationspunkt mit 14,6 Prozent und Notfall-Anlaufstelle mit 10,5 Prozent. Baden-Württemberg spricht landesweit von Notfalltreffpunkten; das Innenministerium hat dafür eine Rahmenempfehlung für Städte und Gemeinden herausgegeben.
Der Name Leuchtturm stammt aus Berlin. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin entwickelte das Modell zusammen mit der Berliner Feuerwehr in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsprojekt. Gedacht waren notstromgesicherte öffentliche Gebäude wie Bürgerämter, Gemeindezentren oder Schulen, die im Stromausfall als Anlaufstellen dienen. Heute unterscheiden sich die Anlaufstellen laut BBK von Kommune zu Kommune und je nach Lage. Deshalb lohnt der Blick darauf, was deine eigene Gemeinde plant.
Video: 👨🚒 Katastrophenschutz Leuchttürme - Erklärvideo / Landeshauptstadt Wiesbaden (Landeshauptstadt Wiesbaden) – Erklärvideo der Feuerwehr Wiesbaden in leichter Sprache (2:36 min). Es beschreibt das Wiesbadener Modell; Angebot und Öffnung regelt jede Kommune selbst.
Was du dort bekommst
Die wichtigste Aufgabe ist fast überall dieselbe: Du kannst einen Notruf absetzen, auch wenn dein Telefon nicht mehr geht. Berlin nennt als Zweck der Leuchttürme, Informationen zur aktuellen Situation zu erhalten und Notrufe abzusetzen. Baden-Württemberg schreibt auf seiner Seite zu den Notfalltreffpunkten, du könntest dort deine Notfallmeldung absetzen, wenn das Telefonieren nicht mehr funktioniert. Der Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen nennt Annahme und Weiterleitung von Notrufen, Koordination von Hilfeersuchen und Hilfsangeboten sowie aktuelle Informationen zur Lage.
Wie die Meldung von dort zur Leitstelle kommt, hat die BBK-Studie bei den befragten Kommunen erhoben. In den meisten Fällen ist der Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben vorgesehen, häufig auch Satellitentelefone. Du musst also nichts mitbringen außer der Information, wo und was passiert ist.
- Notruf melden: Die Anlaufstelle gibt ihn per Funk oder Satellit an die Leitstelle weiter.
- Informationen: aktuelle Lage und, wo vorbereitet, Hinweise etwa zu Trinkwasser-Notbrunnen oder Notunterkünften.
- Erste Hilfe: Das Berliner Grundkonzept sieht sie vor, ebenso psychosoziale Unterstützung.
- Hilfe anbieten: Wer helfen will, kann sich melden; die Stelle koordiniert Hilfsangebote.
- Teils mehr: In Steinfurt sind teils Ärztinnen, Ärzte oder Apotheken eingebunden, und man kann sich kurz aufwärmen.
Hinweis Das BBK empfiehlt, Warnmeldungen der Behörden auch ausgedruckt in den Anlaufstellen auszulegen, als Ersatz für ausgefallene Warnwege. Ob deine Kommune das tut, ist damit nicht gesagt.
Was sie nicht sind
Eine Anlaufstelle ist kein Ort zum Übernachten. Der Kreis Steinfurt schreibt ausdrücklich, dass man sich dort kurzfristig aufwärmen kann, wenn es zu Hause ohne Heizung kalt bleibt, die Leuchttürme aber mehrheitlich nicht als Notunterkunft geplant sind. Notunterkünfte sind in manchen Konzepten eine eigene Stufe. Die BBK-Studie beschreibt etwa einen Landkreis mit drei Stufen, in dem erst die dritte Stufe eine Notunterkunft mit Feldbetten bietet.
Eine Anlaufstelle versorgt auch nicht alle. Baden-Württemberg bittet in seinem Musterschreiben für Gemeinden um Verständnis, dass nicht überall gleichzeitig geholfen werden kann, und rät, persönlich vorzusorgen. Was es über Notruf und Information hinaus gibt, legt jede Gemeinde selbst fest. Dein Vorrat an Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und Licht bleibt deshalb die Grundlage.
Und die Anlaufstellen sind bislang wenig erprobt. Nach den Ergebnissen der BBK-Studie wird das Konzept in den meisten Bundesländern umgesetzt, praktische Erfahrungen gibt es aber kaum. Von 38 befragten Stellen hatten 22 zum Zeitpunkt der Befragung noch keinen echten Einsatz erlebt, fünf davon hatten immerhin geübt.
Tipp Bei einem akuten Notfall wartest du nicht, bis irgendwo ein Leuchtturm öffnet. Das BBK rät: Gehen 110 und 112 nicht, geh wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus.
Wann sie öffnen
Die Anlaufstellen sind nicht ständig geöffnet. Berlin schreibt, die Katastrophenschutz-Leuchttürme werden erst in Gefahrenlagen in Betrieb genommen, zum Beispiel bei einem langanhaltenden Stromausfall, und die Öffnung wird gesondert bekanntgegeben. Die Bezirke entscheiden selbst, wann, wo und wie lange. Zusätzlich können sie mobile Leuchttürme und Informationspunkte, etwa in Schulen oder Nachbarschaftszentren, einrichten.
Andere Kommunen regeln es ähnlich. Im Kreis Steinfurt nimmt die jeweilige Kommune die Leuchttürme lageabhängig in Betrieb, geplant ist das, wenn nach gesicherten Informationen ein Blackout vorliegt; auch andere Katastrophenlagen sind denkbar. Auf der Karte des Kreises sind die Standorte markiert, die innerhalb von 24 Stunden in Betrieb gehen können. Baden-Württemberg verweist darauf, dass deine Gemeinde dir sagt, ab wann dein Notfalltreffpunkt in Betrieb geht.
Daraus folgt zweierlei. Ein Schild am Gebäude heißt nicht, dass dort gerade jemand ist. Und die Nachricht über die Öffnung erreicht dich im Ausfall kaum übers Handy. Nach der BBK-Studie sind die Anlaufstellen bislang nur selten in die Warnung der Bevölkerung eingebunden. Ein Radio mit Batterie oder Kurbel ist deshalb der verlässlichere Weg, von einer Öffnung zu erfahren.
So findest du deine Anlaufstelle
Der erste Weg führt auf die Internetseite deiner Stadt, deines Landkreises oder in Berlin deines Bezirks. Die BBK-Studie zeigt, dass viele Kommunen dort informieren, viele auch mit Flyern per Postwurf, manche mit einer Karte. Eine Stadt druckt ihre Notfall-Infopunkte sogar in den jährlichen Abfallkalender, den ohnehin fast jeder Haushalt aufhebt.
Berlin bietet eine Suche nach Bezirk, Postleitzahl oder Straße an. Sie zeigt Karte und Tabelle mit den Leistungen der einzelnen Standorte und unterscheidet zwischen „bei Ereignissen betriebsbereit“ und „in Planung“. Eine Liste aller Leuchttürme gibt es dort auch zum Ausdrucken. Im Kreis Steinfurt beantwortet das Ordnungsamt der Kommune Fragen zu den Anlaufpunkten, in Baden-Württemberg die Gemeindeverwaltung.
Findest du nichts, frag im Rathaus nach. Nicht jede Gemeinde hat solche Anlaufstellen schon eingerichtet, und die Ausgestaltung ist sehr unterschiedlich. Das BBK nennt als Anlaufstellen, an denen du dich vor Ort informieren kannst, ausdrücklich auch Rathäuser. Wie du alle Angebote deiner Kommune zusammenträgst, zeigt der Artikel zur kommunalen Notfallvorsorge.
Auf Papier, bevor es gebraucht wird
Im Ausfall hilft dir keine Karten-App und keine Internetseite. Das BBK rät zu einer ausgedruckten oder handschriftlichen Liste mit wichtigen Nummern, weil digital gespeicherte Kontakte dann nicht erreichbar sind. Für die Anlaufstellen gilt dasselbe. Baden-Württemberg empfiehlt sogar, die Informationsseite zu den Notfalltreffpunkten herunterzuladen, damit sie auch ohne Empfang verfügbar ist.
Das Berliner Grundkonzept plante die Leuchttürme in Laufreichweite, mit höchstens drei bis vier Kilometern für alle Bewohner des Einzugsgebiets. Das ist zu Fuß gut machbar, aber nicht für jeden und nicht bei Glatteis. Geh den Weg einmal ab, solange alles normal ist, und überleg, wer in deinem Haus oder deiner Familie ihn nicht allein schaffen würde.
- Adresse der nächsten Anlaufstelle und einer zweiten als Ausweichort
- nächste Feuerwache, Polizeiwache und nächstes Krankenhaus
- Rathaus oder Bürgeramt deiner Gemeinde
- Sender und Frequenz deines regionalen Radiosenders
- wer aus der Nachbarschaft Hilfe braucht, um dorthin zu kommen
Tipp Leg den Zettel zu deinem Familien-Notfallplan und zur Taschenlampe, damit du ihn auch im Dunkeln findest.
Was echte Lagen gezeigt haben
Beim Stromausfall in Berlin-Köpenick im Februar 2019 fielen Festnetz, Mobilfunk und Hausnotruf weitgehend aus. Hilfe gab es an Feuer- und Polizeiwachen und an mobilen Anlaufstellen. Nach der Dokumentation des Deutschen Roten Kreuzes kannten aber nicht alle diese Stellen: Manche gingen ins Krankenhaus, um sich aufzuwärmen oder das Handy zu laden, und konnten dort keine Hilfe bekommen. Die Einzelheiten stehen in unserer Fallstudie zu Köpenick.
Im Januar 2026 war der Berliner Südwesten mehrere Tage ohne Strom. Dort nahmen Notrufannahmestellen des THW Notrufe an und dienten zugleich als Wärme- und Ladepunkte. Die Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters empfiehlt danach jedem Haushalt ausdrücklich, die nächste Anlaufstelle zu kennen. Mehr dazu in unserer Fallstudie zum Berliner Stromausfall 2026. Welche Organisationen in solchen Lagen helfen, erklärt der Artikel „Wer hilft bei Katastrophen“, wie der Notruf selbst funktioniert, „Notruf richtig absetzen“.
Häufige Fragen
Kann ich an einem Katastrophenschutz-Leuchtturm übernachten?
In der Regel nicht. Der Kreis Steinfurt etwa schreibt, man könne sich kurz aufwärmen, die Leuchttürme seien aber mehrheitlich nicht als Notunterkunft geplant. Wo es Notunterkünfte gibt, fragst du am besten vorher bei deiner Gemeinde nach.
Ist der Leuchtturm immer besetzt?
Nein. Die Anlaufstellen öffnen erst in einer Gefahrenlage, etwa bei einem längeren Stromausfall, und die Öffnung wird bekanntgegeben. Ein Schild am Gebäude bedeutet nicht, dass gerade jemand dort ist.
Was mache ich, wenn meine Gemeinde keine Anlaufstelle hat?
Frag im Rathaus, was geplant ist. Im akuten Notfall rät das BBK, bei ausgefallenen Notrufnummern zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen.
Warum heißen die Stellen überall anders?
Es gibt kein bundesweit einheitliches Modell. Kommunen und Länder richten die Anlaufstellen selbst ein und benennen sie selbst; der häufigste Name ist laut BBK-Studie Katastrophenschutz-Leuchtturm.
Quellen
- Warnung der Bevölkerung: Forschungsprojekt sieht viel Potential bei Katastrophenschutz-LeuchttürmenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Begriffe und Zweck der Anlaufstellen, Unterschiede zwischen Kommunen, kaum praktische Erfahrungen, Warnbotschaften ausgedruckt auslegen
- Katastrophenschutz-Leuchttürme: Erfahrungen, Good Practice und Hindernisse in der Umsetzung des Basis-Konzeptes (PDF)BBK, Studie von Team HF im Auftrag des ISF-Projekts Warnung der Bevölkerung · Häufigkeit der Bezeichnungen, Berliner Grundkonzept und Laufreichweite, Funk und Satellit, Stufenmodell mit Notunterkunft, Praxiserfahrungen, Information der Bevölkerung
- Standorte der Katastrophenschutz-Leuchttürme, mobilen Katastrophenschutz-Leuchttürme sowie Katastrophenschutz-Informationspunkte in BerlinSenatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin · Öffnung nur in Gefahrenlagen, Bekanntgabe und Entscheidung durch die Bezirke, mobile Varianten und Informationspunkte, Standortsuche und Liste zum Ausdrucken
- Notfalltreffpunkt – Mein Anlaufpunkt im NotfallMinisterium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg · Notfallmeldung absetzen, Information, Koordination von Hilfsangeboten, unterschiedliche Leistungen je Gemeinde, vorab informieren, Seite herunterladen
- Katastrophenschutz-LeuchttürmeKreis Steinfurt, Amt für Bevölkerungsschutz · Aufgaben, kurzfristiges Aufwärmen, mehrheitlich keine Notunterkunft, Inbetriebnahme bei Blackout, Karte der Standorte, Ordnungsamt als Ansprechpartner
- In der Krise informiert seinBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Anlaufstellen kennen, Polizeiwache oder Krankenhaus bei Ausfall von 110 und 112, ausgedruckte Nummernliste, Radio