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Grundlagen

Was plant deine Kommune? Lokale Anlaufstellen finden

Anlaufstelle, Wasserausgabe, Bürgertelefon, Sirenen: was Gemeinde und Kreis vorhalten, wie du es herausfindest – und eine Seite zum Ausdrucken.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Auf einem mit Schiefer gedeckten Hausdach in einem Dorf stehen eine pilzförmige Motorsirene und daneben ein Mast mit mehreren Schalltrichtern.
Ob es bei dir Sirenen gibt, ist eine lokale Frage. Warntage sind die beste Gelegenheit, die Signale vor Ort kennenzulernen.Foto: Aschroet · CC0 · Wikimedia Commons

Im Ernstfall hilft nicht nur, was bei dir im Schrank steht, sondern auch, was deine Gemeinde und dein Landkreis vorbereitet haben. Anlaufstellen bei Stromausfall, Wasserausgabe, ein Bürgertelefon, Sirenen und lokale Informationskanäle sind von Ort zu Ort verschieden geregelt. Dieser Artikel zeigt dir an echten Beispielen, welche Angebote es gibt, wo du sie findest und wie du alles auf einer Seite festhältst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BBK rät, Anlaufstellen vor Ort zu kennen – etwa Rathäuser oder Notfalltreffpunkte.
  • Anlaufstellen heißen je nach Ort Leuchtturm, Informationspunkt oder Notrufstützpunkt und leisten Verschiedenes.
  • Orte der Wasserausgabe werden oft erst im Notfall bekanntgegeben – die Behälter musst du selbst mitbringen.
  • Ein Bürgertelefon beantwortet Fragen im Ereignisfall; 110 und 112 bleiben für echte Notfälle frei.
  • Halte alles auf einer ausgedruckten Seite fest – auch das, was erst im Ereignisfall bekannt wird.

Warum sich der Blick auf die eigene Kommune lohnt

Wenn Strom, Telefon und Internet länger ausfallen, wird die Frage „Wohin kann ich gehen?“ ganz praktisch. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät deshalb, vorher zu wissen, wo du dich im Notfall vor Ort informieren kannst, zum Beispiel in Rathäusern oder an Notfalltreffpunkten. Funktionieren 110 und 112 nicht mehr, sollst du dich laut BBK im Notfall möglichst zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus begeben.

Welche Angebote es darüber hinaus gibt, entscheidet sich vor Ort. Der Landkreis München schreibt zum Beispiel ausdrücklich, dass sich seine Kommunen in Struktur und Ausdehnung deutlich unterscheiden und die Anlaufstellen deshalb unterschiedlich ausgestaltet sein können. Eine bundesweit einheitliche Liste gibt es also nicht – du musst einmal selbst nachsehen.

Dieser Artikel ergänzt zwei andere: Welche Gefahren an deinem Wohnort drohen, klärst du mit „Risiken am Wohnort einschätzen“, eure Absprachen in der Familie mit dem Familien-Notfallplan. Hier geht es nur um das, was Gemeinde und Kreis für dich vorhalten.

Anlaufstellen: gleiche Idee, verschiedene Namen

Die Grundidee ist überall ähnlich: Wenn niemand mehr telefonieren kann, braucht es Orte, an denen Menschen einen Notruf absetzen, Hilfe holen und Informationen bekommen. Wie das heißt und was dort geboten wird, unterscheidet sich aber deutlich. Die drei folgenden Beispiele geben wieder, was die jeweiligen Stellen selbst veröffentlichen.

Im Landkreis München heißen sie Katastrophenschutz-Leuchttürme. Das Landratsamt beschreibt sie als notstromversorgte Gebäude mit stromunabhängigen Kommunikationsmitteln, über die Notrufe abgesetzt werden können. Daneben können sie Hilfeersuchen und Hilfsangebote koordinieren, kleinere Erste-Hilfe-Maßnahmen leisten, Informationen vermitteln und Handys laden. Eingerichtet werden sie lageabhängig durch die jeweilige Kommune, geplant ist das bei einem Stromausfall, der voraussichtlich mehrere Stunden dauert.

In der Gemeinde Feldkirchen bei München richtet die Freiwillige Feuerwehr solche KAT-Leuchttürme ein, wenn der ganze Ort länger als zwei Stunden ohne Strom ist oder beide Notrufnummern 110 und 112 ausfallen. Das Feuerwehrgerätehaus ist dann dauerhaft besetzt, dazu kommen mobile Leuchttürme mit gekennzeichneten Feuerwehrfahrzeugen. Die Feuerwehr, ein eingetragener Verein, weist deutlich darauf hin: Verpflegung und Notunterkunft gibt es dort nicht, die richtet bei Bedarf der Krisenstab der Gemeinde gesondert ein.

Der Kreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz besetzt in seinen Gemeinden Notrufstützpunkte, wenn das Telefonnetz länger als 30 Minuten ausfällt. Dort kann eine Einsatzkraft über Funk die Rettungsleitstelle erreichen. Diese Stützpunkte sind ausdrücklich nur für Notrufe gedacht, nicht für andere Anliegen. Für Hilfeersuchen und Informationen richtet der Kreis andere Anlaufstellen ein und informiert gesondert darüber.

Drei Beispiele, wie sie die Stellen selbst beschreiben
OrtNameWofürWann
Landkreis MünchenKatastrophenschutz-LeuchtturmNotruf, Information, Erste Hilfe, Handy ladenStromausfall von voraussichtlich mehreren Stunden
Gemeinde FeldkirchenKAT-LeuchtturmNotruf, Hilfe, Information – keine Verpflegungganzer Ort über 2 Stunden ohne Strom oder 110 und 112 gestört
Kreis Bad DürkheimNotrufstützpunktnur NotrufeTelefonnetz über 30 Minuten ausgefallen

Tipp Merk dir, was deine Anlaufstelle nicht leistet. Wer weiß, dass es dort kein Essen und kein Bett gibt, plant den eigenen Vorrat realistischer.

Wasser: Notbrunnen und Ausgabestellen

Fällt die Wasserversorgung länger aus, springen Notbrunnen und mobile Ausgabestellen ein. Die Landeshauptstadt München schreibt, dass sie im Notfall Notbrunnen oder mobile Ausgabestellen für Trinkwasser einrichtet, an denen du Wasser abholen kannst. Eigene große Behälter musst du selbst mitbringen.

Wichtig für deine Recherche: München veröffentlicht die genauen Orte der Ausgabestellen erst im jeweiligen Notfall, um die Anlagen vor Beschädigung und Missbrauch zu schützen. Wenn du also keinen Standort findest, heißt das nicht, dass es keinen gibt. Notier dir in diesem Fall, über welche Kanäle deine Stadt die Ausgabestellen bekanntgeben würde.

Wie die Ersatzversorgung mit Trinkwasser grundsätzlich funktioniert, erklärt der Artikel über Notbrunnen und Wasserausgabe. Dein eigener Vorrat bleibt trotzdem die erste Stufe: Der Weg zur Ausgabestelle kostet Zeit, und die Kanister wollen getragen werden.

Informiert bleiben: Bürgertelefon, Radio, Kanäle des Kreises

Manche Landkreise kündigen für größere Lagen ein Bürgertelefon an. Der Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen beschreibt das so: Im Bedarfsfall beantwortet ein Bürgertelefon Fragen der Bevölkerung, Einrichtung und Nummer werden über die Medien bekanntgegeben. Für Fragen sollst du ausdrücklich nicht 110 oder 112 wählen, denn diese Nummern müssen für dringende Notfälle frei bleiben.

Derselbe Kreis kündigt an, im Warn- oder Ereignisfall über seine eigenen Social-Media-Kanäle und die der Regionalleitstelle zu informieren. München nennt als Warnkanäle unter anderem Cell Broadcast und Warn-Apps, Radio und Fernsehen, soziale Netzwerke, einen WhatsApp-Kanal der Feuerwehr, digitale Informationstafeln an Haltestellen und Lautsprecherwagen. Fallen die üblichen Wege aus, informiert die Stadt laut eigener Seite über Radio und Notfall-Informationspunkte vor Ort, die im Ereignisfall bekanntgegeben werden.

Das Radio ist dabei der Kanal, der auch ohne Handynetz weiterläuft. Das BBK weist darauf hin, dass Radiosender noch funktionieren, wenn Mobilfunk und Internet ausgefallen sind. Finde deshalb heraus, welcher Sender in deiner Region über Lagen berichtet, und schreib dir seine Frequenz auf. Das BBK erwartet, dass DAB+ zwischen 2031 und 2037 die analogen UKW-Frequenzen ersetzt – notier dir also beides, soweit dein Radio es kann.

Sirenen und Warntage vor Ort

Ob es bei dir Sirenen gibt, ist eine lokale Frage. Der Landkreis Hameln-Pyrmont hält nach eigenen Angaben in allen Kommunen flächendeckend 146 stationäre Sirenen vor. München dagegen schreibt, dass es in der Stadt derzeit keine Sirenen gibt und der Wiederaufbau eines flächendeckenden Netzes geprüft wird.

Warntage sind die beste Gelegenheit, die Signale vor Ort kennenzulernen. Bundesweit ist der Warntag jährlich am zweiten Donnerstag im September um 11 Uhr, in Bayern zusätzlich am zweiten Donnerstag im März. Hameln-Pyrmont probt darüber hinaus an jedem ersten Samstag eines Quartals mit einem kreisweiten Warntag und veröffentlicht dazu ein Merkblatt mit seinen Sirenensignalen.

Wie die Warnmittel bundesweit zusammenspielen, steht im Artikel über Warnsysteme in Deutschland. Für deine lokale Seite reicht die Frage: Gibt es hier Sirenen, was bedeuten ihre Signale, und an welchem Tag wird geprobt?

So findest du die Angebote deiner Kommune

Die meisten Informationen stehen auf den Internetseiten des Landratsamts oder der Kreisverwaltung, meist unter Stichworten wie „Katastrophenschutz“, „Bevölkerungsschutz“ oder „Warnung der Bevölkerung“. Bei kreisfreien Städten übernimmt die Stadt selbst diese Rolle. Im Landkreis München etwa legen die Gemeinden die Anlaufstellen fest, und das Landratsamt verweist für Lage und Ausstattung ausdrücklich auf die zuständige Gemeinde- oder Stadtverwaltung.

Findest du online nichts, frag nach. München nennt für allgemeine Fragen die Behördennummer 115. Auch die örtliche Feuerwehr ist eine gute Adresse – in Feldkirchen etwa besetzt sie die Anlaufstellen selbst. Tage der offenen Tür oder Informationsveranstaltungen von Feuerwehr und Kreis sind eine gute Gelegenheit, direkt zu fragen.

Rechne damit, dass manche Antworten lauten: „Wird im Ereignisfall bekanntgegeben.“ Das ist eine gültige Antwort. Notier dann den Kanal, über den die Bekanntgabe kommt.

  • Internetseite von Kreis oder kreisfreier Stadt: Katastrophenschutz, Warnung, Anlaufstellen
  • Internetseite der Gemeinde und der örtlichen Feuerwehr: Leuchttürme, Treffpunkte, Flyer
  • Warn-App auf Wohn- und Arbeitsort einstellen und den Social-Media-Kanal des Kreises notieren
  • Beim nächsten Warntag bewusst hinhören, ob und wie Sirenen bei dir klingen
  • Offene Fragen im Rathaus oder über die 115 klären

Vorlage: deine lokale Notfallseite

Halte die Ergebnisse auf einer einzigen Seite fest und druck sie aus. Das BBK empfiehlt ohnehin eine ausgedruckte oder handschriftliche Liste mit wichtigen Nummern, falls du nicht an deine digital gespeicherten Kontakte kommst. Die Seite gehört zum Familien-Notfallplan, an die Pinnwand und ins Notgepäck.

Füll jede Zeile aus, auch mit „unbekannt“ oder „wird bekanntgegeben über …“. Eine leere Zeile verrät dir später, wo noch eine Frage offen ist. Schreib das Datum dazu und schau einmal im Jahr darüber, am besten rund um den Warntag.

Deine lokale Notfallseite – zum Ausfüllen und Ausdrucken
WasEintrag
Nächste Anlaufstelle (Leuchtturm, Informationspunkt, Rathaus)
Was die Anlaufstelle leistet – und was nicht
Notrufstützpunkt, falls es einen eigenen gibt
Wasserstelle oder Kanal, über den sie bekanntgegeben wird
Regionaler Radiosender, UKW-Frequenz und DAB+-Kanal
Sirenen vor Ort: ja oder nein, Signale, Probetermin
Internetseite und Social-Media-Kanal des Kreises
Bürgertelefon: wird bekanntgegeben über …
Notruf 112 und 110, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117112 · 110 · 116 117
Nächste Polizeiwache und nächstes Krankenhaus
Apotheke in der Nähe und wie du den Notdienst findest
Euer Familien-Treffpunkt
Stand dieser Seite

Tipp Geh den Weg zur Anlaufstelle einmal zu Fuß ab. Wer den Ort schon kennt, findet ihn auch im Dunkeln und ohne Karten-App.

Häufige Fragen

Meine Gemeinde hat nichts veröffentlicht. Gibt es dann keine Anlaufstelle?

Nicht unbedingt. Manche Orte geben Standorte erst im Ereignisfall bekannt, andere haben ihre Planung noch nicht veröffentlicht. Frag im Rathaus oder bei der Feuerwehr nach und notier dir, über welchen Kanal informiert würde.

Bekomme ich an einer Anlaufstelle Essen und einen Schlafplatz?

Das hängt vom Ort ab. In Feldkirchen etwa gibt es an den KAT-Leuchttürmen ausdrücklich keine Verpflegung und keine Notunterkunft; beides richtet der Krisenstab der Gemeinde bei Bedarf gesondert ein.

Darf ich 112 anrufen, um zu fragen, was los ist?

Nein. Für Fragen richten manche Kreise im Ereignisfall ein Bürgertelefon ein, dessen Nummer über die Medien bekanntgegeben wird. 110 und 112 müssen für echte Notfälle frei bleiben.

Warum soll ich die Radiofrequenz aufschreiben?

Weil das Radio laut BBK auch dann noch funktioniert, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen. Ohne Netz kannst du den Sender nicht mehr nachschlagen.

Quellen

  1. In der Krise informiert seinBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Anlaufstellen kennen, Verhalten bei Ausfall von 110 und 112, ausgedruckte Nummernliste, Radio bei Netzausfall, DAB+ ersetzt UKW ab 2031 bis 2037
  2. BevölkerungsschutzLandeshauptstadt München · Mobile und stationäre Anlaufstellen, Notbrunnen und Ausgabestellen mit Bekanntgabe im Notfall, Warnkanäle, keine Sirenen, Warntage, Behördennummer 115
  3. Katastrophenschutz-LeuchttürmeLandratsamt München · Aufgaben der Leuchttürme, Einrichtung durch die Kommunen, Verweis auf die Gemeindeverwaltung
  4. Anlaufstellen im Notfall: Katastrophenschutz-Leuchttürme in FeldkirchenFreiwillige Feuerwehr Feldkirchen e. V. (Verein) · Auslöser, stationärer und mobile KAT-Leuchttürme, keine Verpflegung oder Notunterkunft
  5. Wichtige Anlaufstellen im NotfallKreisverwaltung Bad Dürkheim · Notrufstützpunkte bei Ausfall des Telefonnetzes über 30 Minuten, nur für Notrufe
  6. Warnung der BevölkerungLandkreis Hameln-Pyrmont · 146 stationäre Sirenen, kreisweiter Warntag je Quartal, Social-Media-Kanäle, Bürgertelefon im Bedarfsfall