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Konkrete Lagen

Nach dem Hochwasser: sicher zurück ins Haus

Freigabe abwarten, Strom prüfen lassen, Schlamm mit Schutz räumen, schnell trocknen: die Tage und Wochen, nachdem das Wasser gegangen ist.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Eine Dorfstraße in Flamersheim: Am Straßenrand stapeln sich nach dem Hochwasser durchnässte Möbel, Teppiche, Bretter und Hausrat.
Flamersheim (Kreis Euskirchen) nach dem Hochwasser im Juli 2021: Sperrmüll am Straßenrand.Foto: Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Das Wasser ist weg, der Keller voller Schlamm, und du willst so schnell wie möglich wieder hinein. Genau in dieser Phase passieren Unfälle und entstehen Folgeschäden, die sich vermeiden lassen. Der Artikel zu Hochwasser und Starkregen behandelt Vorsorge und Verhalten während der Flut; dieser hier ist die vertiefende Anleitung für die Tage und Wochen danach – von der Rückkehr über Trinkwasser und Schutzkleidung bis zu Schimmel, Versicherung und Hilfe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geh erst zurück, wenn die Behörden den Bereich freigeben – Einsturz und Strom sieht man oft nicht.
  • Elektrik, Heizöltank und bei Bedarf die Statik prüfen Fachleute, bevor wieder eingeschaltet wird.
  • Lebensmittel, die mit Hochwasser in Kontakt kamen, gehören in den Müll – ebenso Obst und Gemüse aus dem Garten.
  • Beim Räumen: Handschuhe, lange Kleidung, feste Stiefel und ein ausreichender Tetanusschutz.
  • Schnell trocknen: Was sich nicht binnen 24 bis 48 Stunden trocknen lässt, rät das UBA zu entsorgen.

Zurück erst nach der Freigabe

Dass das Wasser abgelaufen ist, heißt noch nicht, dass dein Haus sicher ist. Das BBK weist Helfende in Hochwasserlagen darauf hin, nur in Bereichen zu arbeiten, die Einsatzkräfte freigegeben haben: Einsturz- oder Abbruchgefahr, ungeschützte Elektrizität, verschmutzte Gegenstände und Bereiche, die noch von Überschwemmung bedroht sind, sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Für dich als Bewohner gilt dasselbe.

Achte auf die Informationen deiner Gemeinde und auf weitere Wetterwarnungen. Das BBK erinnert daran, dass nach einem Hochwasser erneut Warnungen für den Ort oder die Region gelten können. Halte dich von stehendem Wasser fern: Es kann tiefer sein als erwartet, verschmutzt, und am Grund können Gefahren liegen.

Sichtbare Risse, abgesackte Böden, schiefe Türstöcke oder unterspülte Fundamente sind ein Grund, draußen zu bleiben und die Standsicherheit prüfen zu lassen. Das BBK nennt die Baustatik ausdrücklich als etwas, das in besonderen Fällen Fachleute prüfen sollen.

Vier nummerierte Schritte untereinander: 1 Freigabe abwarten, 2 Strom prüfen lassen, 3 Fotos, dann Schlamm mit Schutzkleidung räumen, 4 schnell trocknen – was nicht in 24 bis 48 Stunden trocken ist, kommt weg.
Die Reihenfolge nach dem Hochwasser: Freigabe, Elektrik prüfen lassen, dokumentieren und räumen, trocknen.Skizze: WildWeasel

Tipp Mit dem Abpumpen des Kellers wartest du, bis der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. Das BBK warnt: Sonst kann die Bodenwanne des Hauses Schaden nehmen. Die Gemeinde informiert, wann es so weit ist.

Strom, Heizöl und Gas: erst prüfen, dann nutzen

Wasser und Elektrik sind nach dem Hochwasser die gefährlichste Kombination im Haus. Das BBK rät, die Elektrik nach einem Hochwasser von Fachleuten überprüfen zu lassen, das Umweltbundesamt nennt die Prüfung auf Stromschlaggefahr als eine der ersten Aufgaben. Geräte und Leitungen, die im Wasser standen, können auch nach dem Trocknen Fehler haben, die man von außen nicht sieht.

Diese Seite erklärt bewusst nicht, wie man eine Installation selbst prüft oder wieder in Betrieb nimmt. Das ist Aufgabe einer Elektrofachkraft. Deine Aufgabe ist, den Termin zu machen und bis dahin nichts einzuschalten.

Auch Heizöltanks gehören laut BBK auf die Prüfliste der Fachleute. Riecht es nach Heizöl oder sind andere Schadstoffe wie Farben, Lacke, Pflanzenschutzmittel oder Benzin ausgelaufen, rät das BBK, die Feuerwehr zu rufen. Was du über Tanks im Überschwemmungsgebiet wissen musst, steht im Artikel zum Heizöltank bei Hochwasser. Riecht es nach Gas, verlässt du das Haus und handelst so, wie es im Artikel zum Gasgeruch beschrieben ist.

Achtung Schalte Sicherungen, Hauptschalter und Geräte in überfluteten Räumen nicht selbst wieder ein. Die Elektrik prüft eine Elektrofachkraft, bevor Strom fließt – das rät auch das BBK. Bis dahin bleibt ein Raum, bei dem unklar ist, ob er spannungsfrei ist, zu.

Trinkwasser: Netz, Hausbrunnen, eigene Leitungen

Beim Leitungswasser aus dem öffentlichen Netz entscheidet das Gesundheitsamt. Ordnet es keine Abkochempfehlung und keine Einschränkung an, kann das Trinkwasser nach Angabe des Umweltbundesamts bedenkenlos weiter verwendet werden. Riecht es in dieser Zeit stärker nach Chlor, ist das eine vorsorgliche Desinfektion der Wasserversorger; die zugesetzte Menge ist laut UBA nicht gesundheitsschädlich. Wie ein Abkochgebot funktioniert, steht in einem eigenen Artikel.

Anders beim eigenen Hausbrunnen. Wurde er überflutet, soll das Wasser laut UBA abgekocht werden, bis der Brunnen wieder bestimmungsgemäß läuft und Wasserproben nach Trinkwasserverordnung in Ordnung sind. Fällt die öffentliche Versorgung aus, versorgen die Behörden die Bevölkerung über Wasserwagen oder Mineralwasser.

Stand dein Keller mit den Leitungen unter Wasser, kann verschmutztes Wasser über Filter, Armaturen oder den Hausanschluss in die Trinkwasserinstallation gelangt sein. Die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft, ein Branchenverband, empfiehlt, die Installation zu reinigen und fachgerecht zu spülen, sobald der Versorger wieder einwandfreies Wasser liefert, und durchnässte Rohrdämmungen zu entfernen. Von vorsorglichem Desinfizieren rät sie ab. Das Spülen übernimmt ein Sanitärfachbetrieb; bei Restzweifeln wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt eine Probe genommen.

Schlamm und Schmutz: dich selbst schützen

Hochwasser ist kein sauberes Wasser. Laut UBA kann es Fäkalien und Schadstoffe wie Heizöl enthalten, bei überlaufenden Kläranlagen ist mit Keimen zu rechnen. Der Schlamm, der zurückbleibt, trägt beides mit sich.

Für Aufräumarbeiten nennt das BBK Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen als Schutz vor Verletzungen und Kontamination der Haut, festes Schuhwerk, gegebenenfalls Sicherheitsschuhe oder Gummistiefel, und je nach Arbeit Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz. Das UBA rät zu Schutzhandschuhen aus Kunststoff und dazu, Arbeitskleidung nach Gebrauch gründlich zu waschen oder einen Einwegschutzanzug zu tragen. Achte bei Schlamm und nassen Böden auf Rutschgefahr.

Das BBK nennt einen ausreichenden Tetanusimpfschutz ausdrücklich: Verletzungen bei Arbeiten mit Dreck und Abfall können sonst schnell zu gefährlichen Infektionen führen. Schau in deinen Impfpass, bevor du anfängst, und frag im Zweifel deine Hausarztpraxis. Das BBK rät Helfenden, sich im Zweifel lieber erst impfen zu lassen und einen Tag später zu beginnen.

Nicht nötig ist es, die Räume mit Desinfektionsmitteln zu behandeln. Das UBA rät davon ab: Die Mittel können mit Chemikalien im Hochwasser reagieren, und auf durchnässten Materialien erreichen sie ohnehin nicht alle Keime.

Lebensmittel und Garten

Die Regel ist einfach und gilt ohne Ausnahme für den Vorrat: Lebensmittel, die Kontakt mit dem Hochwasser hatten, sollen nach Angabe des UBA entsorgt werden. Das BBK ergänzt, dass verdorbene Lebensmittel nicht einfach in den Hausmüll gehören, sondern fachgerecht entsorgt werden müssen. Wie das in deinem Ort läuft, sagt die Gemeinde oder der Abfallbetrieb.

Bei Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten sind die Behörden unterschiedlich streng. Das BBK rät, kein Obst, Gemüse und Salat aus überschwemmten Gebieten zu essen. Das UBA hält gründliches Waschen mit Trinkwasser für das Mindeste und Kochen für sicherer. Wir folgen hier der strengeren Linie des BBK – gerade wenn unklar ist, was das Wasser mitgebracht hat.

Ist der Garten mit Öl oder anderen Schadstoffen verunreinigt, rät das BBK, das Landratsamt oder das Amt für Landwirtschaft zu verständigen. Das UBA empfiehlt, überspülte Gartenböden untersuchen zu lassen, bevor dort wieder Gemüse wächst; das örtliche Umweltamt sagt, ob eine Bodenschicht abgetragen werden sollte.

Trocknen und Schimmel

Jeder Tag mit feuchten Wänden erhöht nach Angabe des UBA das Risiko für Schimmel. Je nach Temperatur kann er sich schon innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen bilden, vor allem an Gipsputz, Holzverkleidungen, Leichtbauwänden und Tapeten. Schimmelpilze geben Sporen und flüchtige Stoffe ab, die Atemwege reizen und Allergien auslösen können.

Deshalb gilt: Räume möglichst vollständig ausräumen, Schlamm heraus, dann so schnell wie möglich trocknen. Das UBA empfiehlt, wenn möglich eine technische Trocknung, und rät, trockene Räume und Geschosse dabei abzuschotten, damit Staub, Fasern und Keime nicht verwirbelt werden. Gezieltes Heizen und über mehrere Tage Durchzugslüftung helfen. Das BBK weist darauf hin, dass sich Heizgeräte zum Trocknen mieten oder ausleihen lassen.

Als Grundregel nennt das UBA: Gegenstände, die sich nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden trocknen lassen, besser entsorgen. Befallene poröse Materialien wie Tapeten, Gipskartonplatten oder poröses Mauerwerk lassen sich nicht reinigen und müssen heraus, ebenso stark befallene Polstermöbel und Teppiche. Bodenbeläge und Verkleidungen sollten vor dem Trocknen entfernt werden, weil die Nässe tief ins Mauerwerk eindringt.

Für die Sanierung eines größeren Schadens braucht es laut UBA besondere Sachkunde. Riecht es schon muffig oder ist Schimmel sichtbar, zieh einen Fachbetrieb hinzu. Bist du unsicher, ob ein Belag Schimmel ist, hilft das Gesundheitsamt.

Dokumentieren, entsorgen, Hilfe annehmen

Bevor du wegwirfst, fotografierst du. BBK und UBA raten gleichermaßen, eine Bestandsaufnahme zu machen, die Schäden für die Versicherung zu fotografieren und die Versicherung zu informieren. Welche Police welchen Schaden trägt, erklärt der Artikel zu Elementarschaden und Versicherung. Heb Rechnungen, Belege und die Fotos an einem trockenen Ort und zusätzlich digital auf.

Kaputte, verschmutzte Möbel gehören laut BBK nicht einfach in den Hausmüll. Sperrmüll, verdorbene Lebensmittel und alles, was mit Öl oder Chemikalien in Berührung kam, werden getrennt und fachgerecht entsorgt. Nach großen Lagen organisieren Kommunen dafür meist eigene Sammelstellen oder Abholungen; frag dort nach, bevor du einen Haufen an die Straße stellst.

Oft kommen nach einem Hochwasser viele Freiwillige. Das BBK beschreibt, dass Hilfe vor Ort meist über die Stadtverwaltung, Hilfsorganisationen oder örtliche Helfergruppen koordiniert wird. Nimm diese Hilfe an und melde deinen Bedarf dort. Wer welche Aufgabe übernimmt, steht im Artikel „Wer hilft bei Katastrophen“.

Und schließlich: Ein Hochwasser belastet auch dann, wenn niemand verletzt wurde. Es ist normal, dass Bilder und Sorgen dich noch lange beschäftigen. Was in dieser Lage normal ist und was hilft, beschreibt der Artikel zur psychischen Belastung in der Krise. Wie lange der Wiederaufbau nach einer großen Flut dauern kann, zeigt die Fallstudie zum Ahrtal 2021.

  • Schäden fotografieren, bevor du räumst
  • Versicherung informieren, Belege sammeln
  • Sperrmüll, Lebensmittel und Schadstoffe getrennt halten
  • Bedarf bei der Koordinierungsstelle der Gemeinde melden
  • Pausen einplanen und über das Erlebte reden

Häufige Fragen

Darf ich die Sicherungen wieder einschalten, sobald alles trocken aussieht?

Nein. Das BBK rät, die Elektrik nach einem Hochwasser von Fachleuten prüfen zu lassen. Bis eine Elektrofachkraft das getan hat, bleibt der Strom in überfluteten Bereichen aus.

Kann ich das Leitungswasser nach dem Hochwasser trinken?

Wenn das Gesundheitsamt kein Abkochgebot und keine Einschränkung anordnet, ja. Ein überfluteter Hausbrunnen ist anders: Dort wird abgekocht, bis Proben wieder in Ordnung sind.

Soll ich die Räume desinfizieren?

Das UBA rät davon ab. Desinfektionsmittel können mit Stoffen im Hochwasser reagieren und wirken auf nassen Materialien nicht zuverlässig. Wichtiger sind Ausräumen, Trocknen und das Entfernen befallener Materialien.

Konserven waren im Wasser, sind aber dicht. Kann ich sie behalten?

Das UBA sagt allgemein: Lebensmittel, die Kontakt mit dem Hochwasser hatten, sollen entsorgt werden. Eine Ausnahme für Konserven nennt es nicht – im Zweifel weg damit.

Quellen

  1. Handeln nach dem HochwasserBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Abpumpen erst nach Sinken des Grundwassers, Schäden fotografieren, trocknen, Elektrik, Heizöltank und Statik prüfen lassen, Feuerwehr bei Schadstoffen, Entsorgung, kein Obst und Gemüse aus überschwemmten Gebieten
  2. Sonderlage: HochwasserBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Tetanusimpfschutz, nur freigegebene Bereiche, Einsturzgefahr und ungeschützte Elektrizität, Rutschgefahr, weitere Warnungen
  3. Tipps für Spontanhelfende: Vor dem EinsatzBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Schutzkleidung bei Aufräumarbeiten, Tetanusimpfung im Zweifel vorher
  4. Informationen für SpontanhelfendeBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Koordination der Hilfe vor Ort über Stadtverwaltung, Hilfsorganisationen und Helfergruppen
  5. Fragen und Antworten zum Thema HochwasserUmweltbundesamt · Trinkwasser und Hausbrunnen, Lebensmittel, Gartenboden, Schutz beim Reinigen, keine Desinfektion, Trocknung, 24-bis-48-Stunden-Regel, Schimmel
  6. Nach Hochwasser: Trinkwasserinstallationen fachgerecht spülenVereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e. V. (Branchenverband) · Spülen der Hausinstallation nach Überflutung, Dämmung entfernen, keine vorsorgliche Desinfektion, Beprobung mit dem Gesundheitsamt