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Gesundheit

Infektion und Sepsis erkennen: wenn eine Wunde gefährlich wird

Rötung, roter Streifen, Verwirrtheit: woran du eine entzündete Wunde und eine beginnende Sepsis erkennst – und warum Sepsis immer ein Notfall ist.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme in Grautönen: viele kugelförmige Bakterien der Art Staphylococcus aureus, die in kleinen Haufen beieinanderliegen.
Foto: Janice Carr; CDC / Matthew J. Arduino, DRPH · Public domain · Wikimedia Commons

Eine kleine Wunde entzündet sich, am nächsten Tag kommt Fieber dazu: Solange Praxen und Notaufnahmen erreichbar sind, gehört das in ärztliche Hände. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, woran du erkennst, dass eine Infektion örtlich bleibt oder sich im Körper ausbreitet, was du bei einer entzündeten Wunde selbst tun kannst und wie du Temperatur, Puls und Atmung misst und aufschreibst. Er enthält bewusst keine Medikamente und keine Dosierungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rot, geschwollen, heiß, schmerzhaft, Eiter oder übler Geruch: So zeigt sich eine entzündete Wunde.
  • Fieber, ein roter Streifen oberhalb der Wunde oder geschwollene Lymphknoten heißen: Die Infektion breitet sich aus.
  • Heiße Umschläge, Ruhe und Hochlagern helfen einer örtlichen Infektion – eine Sepsis halten sie nicht auf.
  • Verwirrtheit, schneller Atem, Herzrasen, kalte fleckige Haut: Bei Sepsis-Verdacht sofort 112.
  • Temperatur, Puls und Atemzüge regelmäßig messen und aufschreiben – das hilft jeder späteren Hilfe.

Zuerst: wofür dieses Wissen gedacht ist

Eine Infektion, die sich ausbreitet, braucht heute ärztliche Behandlung – oft im Krankenhaus, mit Medikamenten, Infusionen und Laborwerten, die es zu Hause nicht gibt. Nichts in diesem Artikel ersetzt das. Er soll dir helfen, Warnzeichen früh zu erkennen, damit du rechtzeitig Hilfe holst.

Die Leitquelle, „Where There Is No Doctor“ der Hesperian Foundation, ist für Gegenden ohne Arzt geschrieben. Die Angaben zur Sepsis stammen vom Gesundheitsportal des Bundes, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von der Initiative „Deutschland erkennt Sepsis“ des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, eines Vereins.

Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel beschreibt Wissen für eine Lage, in der Versorgung, Ärztinnen und Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor – bei einer entzündeten Wunde die Arztpraxis oder der Bereitschaftsdienst 116 117, bei Zeichen einer Sepsis sofort der Notruf 112. Der Text ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.

Woran du eine entzündete Wunde erkennst

Laut Hesperian ist eine Wunde infiziert, wenn sie rot, geschwollen, heiß und schmerzhaft wird, Eiter bildet oder schlecht zu riechen beginnt. Das ist eine örtliche Infektion: Der Körper hält die Erreger noch an einer Stelle fest.

Drei Zeichen zeigen laut Hesperian, dass sich die Infektion auf andere Teile des Körpers ausbreitet: Fieber, ein roter Streifen oberhalb der Wunde und geschwollene, druckempfindliche Lymphknoten. Umgangssprachlich wird der rote Streifen oft „Blutvergiftung“ genannt. Ob schon eine Sepsis vorliegt, zeigen aber erst die Allgemeinzeichen weiter unten – ernst zu nehmen ist der Streifen in jedem Fall.

Lymphknoten sind laut Hesperian kleine Fallen für Keime, die unter der Haut als Knoten tastbar werden, wenn sie sich entzünden. Wo sie anschwellen, verrät, woher die Infektion kommt: in der Leiste bei einer Infektion an Bein, Fuß oder im Genitalbereich, in der Achsel bei Arm oder Brust, unter dem Kiefer bei Zähnen oder Rachen.

Achtung Riecht eine Wunde übel, tritt braune oder graue Flüssigkeit aus oder wird die Haut darum schwarz und bildet Blasen oder Luftbläschen, kann das laut Hesperian ein Gewebsbrand (Gangrän) sein. Dann braucht es schnell medizinische Hilfe.

Was du bei einer örtlichen Infektion tun kannst

Hesperian nennt für entzündete Wunden einfache Maßnahmen, die ohne Medikamente auskommen. Sie unterstützen den Körper, solange die Infektion örtlich bleibt. Dazu gehört auch, was der Artikel „Wunden versorgen und nähen“ ausführlich beschreibt: täglich den Verband wechseln und die Wunde dabei ansehen.

Eine schwere Infektion behandelt Hesperian zusätzlich mit Antibiotika. Diese Medikamente, ihre Auswahl und ihre Dosierung gehören in ärztliche Hand; warum sie sich auch nicht ersetzen lassen, erklärt der Artikel „Antibiotika selbst herstellen? Warum es nicht geht“.

  • Heiße, feuchte Umschläge auf die Wunde legen – 20 Minuten lang, viermal am Tag. Eine entzündete Hand oder einen Fuß kannst du stattdessen in einen Eimer mit heißem Wasser halten. Heiß heißt dabei nie verbrühend.
  • Den entzündeten Körperteil ruhig halten und hochlagern, also höher als das Herz.
  • Eine genähte oder geklebte Wunde, die sich entzündet, sofort wieder öffnen: Fäden ziehen, Pflasterstreifen entfernen, die Wunde offen lassen.
  • Die Wunde weiter sauber halten, mit abgekochtem Wasser spülen und einen frischen, sauberen Verband anlegen – wie das geht, steht im Artikel zur Wundversorgung.

Sepsis: wenn der ganze Körper reagiert

Einer Sepsis geht laut Gesundheitsportal des Bundes immer eine Infektion voraus, die die körpereigene Abwehr nicht mehr örtlich begrenzen kann. Erreger und Entzündungsbotenstoffe überschwemmen dann den Körper und schädigen lebenswichtige Organe. Jede Infektion kann dazu führen – ausdrücklich auch eitrig entzündete Hautwunden oder Mückenstiche, entzündete Zähne, Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen. In Deutschland sterben 20 bis 30 Prozent der Menschen, die an einer Sepsis erkranken.

Die Warnzeichen können laut WHO zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich aussehen. Wichtig: Fieber kann auftreten, muss aber nicht, betont die Initiative „Deutschland erkennt Sepsis“. Die WHO nennt ausdrücklich auch eine zu niedrige Körpertemperatur. Aus den Listen von Gesundheitsportal, WHO und Initiative ergibt sich zusammen:

Video: Unterschied zwischen Infektion und Sepsis? – Experte erklärt es! | #DeutschlandErkenntSepsis (#DeutschlandErkenntSepsis) – Ein Intensivmediziner der Universitätsmedizin Greifswald erklärt in anderthalb Minuten, woran man erkennt, dass aus einer Infektion eine Sepsis wird: Verwirrtheit, schnelle Atmung, wenig Urin.

  • plötzliche Verwirrtheit oder Wesensveränderung
  • Kurzatmigkeit, Atemnot, schnelle Atmung
  • Herzrasen, schwacher Puls
  • Fieber oder Untertemperatur, Schüttelfrost
  • kalte, feuchte, fleckige Haut, starkes Schwitzen
  • starke Schmerzen und ein nie gekanntes Krankheitsgefühl
  • wenig oder kein Urin

Tipp Bei Kindern nennt die WHO zusätzlich schnelles Atmen, Krampfanfälle, blasse Haut, Teilnahmslosigkeit, schwere Erweckbarkeit und eine kühle Haut. Kinder unter fünf Jahren trinken oder essen schlecht, erbrechen häufig oder lassen kaum Urin.

Sepsis ist ein Notfall – immer

Das Gesundheitsportal des Bundes ist eindeutig: Eine Sepsis ist ein Notfall und muss umgehend im Krankenhaus behandelt werden; bei Verdacht wählst du sofort den Notruf. Die WHO beschreibt, warum: Die Behandlung braucht Mittel gegen die Erreger, Infusionen und weitere Maßnahmen, und sie wirkt am besten, wenn sie früh beginnt. Nichts davon lässt sich zu Hause ersetzen.

Für eine Lage ohne erreichbaren Rettungsdienst heißt das: Die wichtigste Aufgabe ist, die nächste noch arbeitende Hilfe zu finden – eine Praxis, ein Krankenhaus, eine Anlaufstelle des Katastrophenschutzes. Bis dahin beschreibt Hesperian, was bei Zeichen eines Schocks hilft, etwa bei schwachem, schnellem Puls, kalter, feuchter Haut und Verwirrtheit: die Person hinlegen, die Füße etwas höher als den Kopf, enge Kleidung lockern, bei Kälte zudecken und ihr, wenn sie bei Bewusstsein ist, schluckweise zu trinken geben. Eine bewusstlose Person liegt auf der Seite und bekommt nichts in den Mund.

Achtung Rechtslage heute: Wer Krankheiten berufs- oder gewerbsmäßig feststellt, heilt oder lindert, ohne als Arzt bestallt zu sein, braucht nach § 1 Heilpraktikergesetz eine Erlaubnis. Gefahr: Eine Sepsis kann laut WHO akut einsetzen und zu septischem Schock, Versagen mehrerer Organe und zum Tod führen; in Deutschland sterben 20 bis 30 Prozent der Erkrankten. Umschläge und Hausmittel halten sie nicht auf. Zuständig: bei Sepsis-Zeichen sofort der Notruf 112, bei einer entzündeten Wunde umgehend die Arztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Temperatur, Puls und Atmung messen

Wer krank ist, wird laut Hesperian regelmäßig gemessen: bei schwerer Krankheit mindestens viermal am Tag, und jeder Wert wird aufgeschrieben. Die Notizen hebst du für die Person auf, die später helfen kann. Veränderungen sind oft aufschlussreicher als ein einzelner Wert.

Ein digitales Thermometer ist besser als eines aus Glas, denn das Quecksilber darin ist giftig. Gemessen wird unter der Zunge bei geschlossenem Mund, in der Achsel oder bei kleinen Kindern vorsichtig im Po, drei bis vier Minuten lang oder bis es piept. In der Achsel liegt der Wert etwas niedriger, im Po etwas höher. Ohne Thermometer legst du einen Handrücken auf die Stirn der kranken und den anderen auf die eines gesunden Menschen und vergleichst.

Den Puls tastest du mit den Fingern am Handgelenk, nicht mit dem Daumen; findest du ihn dort nicht, am Hals neben dem Kehlkopf. Du zählst die Schläge einer Minute und achtest auf Stärke und Regelmäßigkeit. Die Atemzüge zählst du ebenso eine Minute lang, während die Person ruhig ist. Mit jedem Grad Fieber steigt der Puls laut Hesperian um etwa 20 Schläge pro Minute.

Typische Werte in Ruhe nach Hesperian
Puls pro MinuteAtemzüge pro Minute
Erwachsene60 bis 8012 bis 20
Kinder80 bis 100bis 30 (jüngere Kinder)
Babys100 bis 140bis 40

Fieber senken ohne Medikamente

Fieber ist laut Hesperian keine Krankheit, sondern ein Zeichen vieler Krankheiten. Über 39 °C kann es auf ein gefährliches Problem hindeuten, besonders bei kleinen Kindern. Bei Neugeborenen kann auch eine ungewöhnlich niedrige Temperatur unter 36 °C eine schwere Infektion bedeuten.

Hesperian empfiehlt, einen fiebernden Menschen aufzudecken; frische Luft schadet nicht, sie hilft. Ein fieberndes Kind wird nie in Decken oder Kleidung gewickelt. Wer Fieber hat, soll viel trinken – für Babys abgekochtes, abgekühltes Wasser. Steigt das Fieber über 40 °C, muss es sofort gesenkt werden: an einen kühlen Ort, Kleidung ausziehen, Luft zufächeln, mit kühlem Wasser übergießen oder nasse Tücher auf Brust und Stirn legen und oft wechseln, bis die Temperatur unter 38 °C liegt. Sinkt ein hohes Fieber nicht bald, wird die Person bewusstlos oder bekommt Krampfanfälle, braucht sie sofort medizinische Hilfe.

Wer besonders gefährdet ist – und was vorbeugt

Sepsis kann jeden treffen. Ein höheres Risiko haben laut WHO und „Deutschland erkennt Sepsis“ ältere Menschen – die Initiative nennt Menschen über 60 –, Schwangere und Mütter nach der Geburt, Früh- und Neugeborene, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem, etwa bei Diabetes, Krebs oder Dialyse. Die Initiative nennt außerdem Menschen ohne Milz, mit Mangelernährung, nach einer Operation vor weniger als vier Wochen und alle, die schon einmal eine Sepsis hatten. Gerade Mangelernährung ist in einer langen Lage ohne Versorgung ein Risiko, das wächst.

Vor der Sepsis selbst kann man sich laut Gesundheitsportal nicht direkt schützen, wohl aber vor den Infektionen, die sie auslösen. WHO und Gesundheitsportal nennen ähnliche Schritte: Hände waschen, Essen hygienisch zubereiten, kein verschmutztes Wasser und keine unhygienischen Toiletten, Impfungen nach den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. In Deutschland sind das die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die Initiative rät, den Impfstatus regelmäßig zu prüfen und fehlende Impfungen sofort nachzuholen. Wie du Wasser und Werkzeug keimarm machst, erklärt der Artikel „Keime verstehen: abkochen, desinfizieren, sterilisieren“.

Tipp Heute schon erledigen: Impfpässe aller im Haushalt heraussuchen und in der Hausarztpraxis prüfen lassen, ein digitales Thermometer in die Hausapotheke legen und ein Blatt für Temperatur, Puls und Atemzüge vorbereiten.

Häufige Fragen

Ist ein roter Streifen am Arm eine Blutvergiftung?

Laut Hesperian zeigt ein roter Streifen oberhalb einer Wunde, dass sich die Infektion ausbreitet. Ob schon eine Sepsis vorliegt, zeigen die Allgemeinzeichen. Ein Grund, sofort ärztliche Hilfe zu suchen, ist der Streifen in jedem Fall.

Kann man eine Sepsis ohne Fieber haben?

Ja. Die WHO nennt Fieber oder eine zu niedrige Körpertemperatur als Zeichen, und laut „Deutschland erkennt Sepsis“ kann Fieber auftreten, muss aber nicht. Achte auf Verwirrtheit, schnellen Atem und Herzrasen.

Soll ich bei einer entzündeten Wunde Antibiotika aus dem Vorrat nehmen?

Nein. Welches Mittel in welcher Menge hilft, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Übrige oder fremde Antibiotika sind keine Lösung – mehr dazu im Artikel über Antibiotika.

Wie oft sollte ich bei einem kranken Menschen messen?

Hesperian empfiehlt bei schwerer Krankheit mindestens viermal am Tag Temperatur, Puls und Atmung zu messen und jeden Wert aufzuschreiben.

Quellen

  1. Where There Is No Doctor, Kapitel 10: First Aid (PDF)Hesperian Health Guides (gemeinnützige Organisation) · Zeichen einer infizierten Wunde und ihrer Ausbreitung, Lymphknoten, heiße Umschläge, Ruhigstellen, Hochlagern, Fäden ziehen, Gangrän, Fieber senken, Schock
  2. Where There Is No Doctor, Kapitel 3: How to Examine a Sick Person (PDF)Hesperian Health Guides (gemeinnützige Organisation) · Temperatur messen, Puls und Atmung zählen, typische Werte, Aufschreiben
  3. Sepsis: Ursache, Symptome, Behandlunggesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Entstehung, auslösende Infektionen, Symptome, Notfall und Notruf, Sterblichkeit 20 bis 30 Prozent, Vorbeugung
  4. Sepsis – Fact SheetWorld Health Organization (WHO) · Zeichen bei Erwachsenen und Kindern, niedrige Temperatur, Risikogruppen, Behandlung, Vorbeugung
  5. Sepsis: Ursachen, Symptome und RisikogruppenDeutschland erkennt Sepsis – Initiative des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e. V. (Verein) · Warnzeichen einschließlich kalter, fleckiger Haut, Fieber nicht zwingend, Risikogruppen, Impfstatus prüfen
  6. § 1 HeilpraktikergesetzBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · Erlaubnispflicht für berufs- oder gewerbsmäßige Heilkunde ohne ärztliche Bestallung