Zum Inhalt springen

Dokumente & Notgepäck

Digitale Vorsorge: Backups, Wiederherstellungscodes, Zugänge

Was hilft, wenn das Handy weg ist, ein Gerät ausfällt oder du selbst nicht mehr handeln kannst: Datensicherung, zweiter Faktor, Liste für Vertraute.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Nahaufnahme einer Festplatte aus einem externen Laufwerk zeigt Elektronik und Anschlüsse.
Ein Backup ist nur dann Vorsorge, wenn wichtige Daten unabhängig vom Original gespeichert und im Ernstfall auch wiederhergestellt werden können.Foto: Anselm Schüler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Fotos, Kontakte, Verträge, Bankzugang: Vieles, was früher im Ordner lag, steckt heute in Geräten und Online-Konten. Geht das Smartphone verloren, fällt ein Gerät aus oder kannst du selbst durch Krankheit nicht mehr handeln, hängt plötzlich viel an wenigen Passwörtern und einem zweiten Faktor. Dieser Artikel zeigt, wie du Daten sicherst, dich selbst nicht aussperrst und Vertrauten den Weg zu deinen Zugängen ebnest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BSI rät, wichtige Daten per Backup zu sichern – das Speichermedium an einem anderen Ort als das Gerät.
  • Zwei-Faktor-Authentisierung nutzen und schon beim Einrichten klären, wie die Wiederherstellung funktioniert.
  • Wiederherstellungscodes und -schlüssel gehören ausgedruckt an einen sicheren Ort, nicht nur aufs Handy.
  • Eine aktuelle Liste deiner Konten plus Vollmacht über den Tod hinaus hilft Vertrauten im Ernstfall.
  • Der BGH hat 2018 entschieden: Erben können Anspruch auf Zugang zu einem Konto im sozialen Netzwerk haben.

Warum digitale Vorsorge zur Krisenvorsorge gehört

Das BSI nennt die typischen Wege, auf denen Daten verloren gehen: Ein Gerät erleidet einen technischen Defekt, es gibt einen Cyberangriff, oder man macht selbst einen Fehler. Auf Computern, Smartphones und Tablets liegen Familienfotos, Kontakte und Dokumente – ohne Sicherung sind sie dann weg. Laut BSI legt nach dem Cybersicherheitsmonitor 2025 nur ein Fünftel der Internetnutzerinnen und -nutzer regelmäßig ein Backup an.

Dazu kommt eine zweite Seite, an die viele erst spät denken: Was passiert mit deinen Konten, wenn du durch Krankheit, Unfall oder Tod nicht mehr selbst handeln kannst? Die Verbraucherzentrale beschreibt, dass online abgeschlossene Verträge in der Regel weiterlaufen, bis jemand sie kündigt – und dass dafür die Zugangsdaten gebraucht werden.

Auch große Ausfälle zeigen, wie viel an Technik hängt. Die Fallstudien zum weltweiten IT-Ausfall im Juli 2024 und zum Cyberangriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld 2021 beschreiben das auf der Ebene von Unternehmen und Verwaltung. Zu Hause geht es um dasselbe Prinzip im Kleinen: nicht alles auf ein Gerät und einen Zugang setzen.

Daten sichern: was das BSI rät

Ein Backup kann laut BSI in der Cloud oder auf einem physischen Speichermedium erfolgen, etwa einer externen Festplatte. Wer sich für ein physisches Medium entscheidet, sollte es an einem anderen Ort aufbewahren als den Computer, dessen Daten gesichert werden. So ist nach BSI für Ernstfälle wie Einbruch oder Brand vorgesorgt. Die meisten Betriebssysteme führen durch den Vorgang.

Beim Cloud-Anbieter reicht nach BSI oft schon eine einfache Recherche per Suchmaschine, um die Seriosität zu prüfen. Achte darauf, dass du weißt, wo deine Daten liegen – und dass die Sicherung nicht nur aus dem Gerät selbst besteht, das du verlieren kannst.

Was genau zu sichern ist, entscheidest du: Fotos, Kontakte, Dokumente, dazu alles, was du nur digital hast. Wie du wichtige Unterlagen einscannst, benennst und zusätzlich auf Papier aufbewahrst, steht im Artikel zur Dokumentenmappe. Eine Sicherung, die du nie geöffnet hast, ist nur eine Vermutung – probiere einmal aus, ob du eine Datei wirklich zurückholen kannst.

Video: Back-up: Planen und umsetzen! | BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) – Kurzfilm des BSI (gut 2 Minuten): was gesichert wird, externe Festplatte oder Cloud, Verschlüsselung und warum das nächste Backup gleich eingeplant gehört.

Tipp Ein fester Termin hilft, zum Beispiel jeden Monatsanfang oder der Welt-Backup-Tag am 31. März, zu dem das BSI zur Datensicherung aufruft.

Zwei-Faktor-Authentisierung – und was, wenn das Handy weg ist

Starke, einzigartige Passwörter reichen nach BSI nicht aus, um wichtige Dienste wie das E-Mail-Konto zu schützen. Das BSI empfiehlt deshalb überall dort, wo es möglich ist, eine Zwei-Faktor-Authentisierung: Zum Passwort kommt ein zweiter Nachweis, etwa ein Einmalcode aus einer App, ein Passkey oder eine Bestätigung auf einem zweiten Gerät.

Die Kehrseite: Ist der zweite Faktor weg, zum Beispiel weil das Smartphone verloren ging, hängt die Wiederherstellung meist vom Anbieter ab, nicht vom Verfahren. Das BSI nennt als mögliche Wege E-Mail, Brief, QR-Code oder TAN-Listen. Kritisch wird es nach BSI, wenn ein einstufiges Verfahren die Zwei-Faktor-Authentisierung ersetzt – genau dort können Angreifende ansetzen.

Das BSI rät deshalb, schon beim Aktivieren darauf zu achten, wie die Wiederherstellung funktioniert, zum Beispiel über das Speichern von Backup-Codes, und auch dafür ein sicheres, mehrstufiges Verfahren zu nutzen. Bei gerätegebundenen Passkeys sieht das Verfahren zwei Hardware-Schlüssel vor, sodass der zweite als Ersatz dient.

Video: So funktioniert die Zwei-Faktor-Authentisierung | BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) – Erklärfilm des BSI (knapp 2 Minuten): Wissen plus Besitz oder Biometrie, zweiter Faktor möglichst auf einem anderen Gerät als dem Login.

Wiederherstellungscodes auf Papier sicher verwahren

Viele Dienste zeigen beim Einrichten des zweiten Faktors einmalig eine Reihe von Wiederherstellungscodes an. Einige Passwortmanager bieten laut BSI an, einen Wiederherstellungsschlüssel auszudrucken; diesen sollst du an einem sicheren Ort aufbewahren. Liegen solche Codes nur als Foto auf dem Handy, sind sie mit dem Handy zusammen verloren.

Ein guter Platz ist ein verschlossener Umschlag in der Dokumentenmappe oder an einem zweiten sicheren Ort, den eine Vertrauensperson kennt. Beschrifte den Umschlag so, dass klar ist, zu welchem Dienst die Codes gehören, und ersetze ihn, wenn du neue Codes erzeugst. Das ist eine Folgerung aus den Hinweisen von BSI und Verbraucherzentrale, keine wörtliche Empfehlung.

Schema in zwei Reihen: Oben führen Passwort und zweiter Faktor gemeinsam ins Konto. Unten: Ist das Handy weg, führen Backup-Codes auf Papier zurück ins Konto.
Ist der zweite Faktor weg, hängt der Weg zurück ins Konto vom Anbieter ab – ausgedruckte Wiederherstellungscodes helfen dabei.Skizze: WildWeasel
  • E-Mail-Hauptkonto – darüber lassen sich oft andere Passwörter zurücksetzen
  • Passwortmanager: Masterpasswort und Wiederherstellungsschlüssel
  • Konto des Smartphone-Herstellers, über das Fotos und Kontakte laufen
  • Online-Banking: nach dem Verfahren der eigenen Bank fragen

Passwörter verwalten: Papierliste, Datei oder Passwortmanager

Das BSI stellt vier Wege vor und überlässt dir die Wahl: eine Liste auf Papier, einen digitalen Notizzettel, einen im Browser eingebauten oder einen eigenständigen Passwortmanager. Für die Papierliste rät das BSI, sie sicher aufzubewahren, etwa in einer verschließbaren Schublade, und eine Ersatzliste für den Fall eines Verlusts anzulegen.

Ein Passwortmanager verwahrt Zugangsdaten verschlüsselt hinter einem Masterpasswort. Das BSI hält seinen Einsatz in der Regel für lohnend – besser, als gängige Passwörter mehrfach zu benutzen. Der Nachteil: Wer das Masterpasswort vergisst, verliert im schlechtesten Fall alle Daten.

Für eigenständige Passwortmanager rät das BSI zu einem starken Masterpasswort, zu Passkeys oder einem zweiten Faktor als Ergänzung, zu regelmäßigen unabhängigen Backups, etwa durch Export der Passwörter, und dazu, sich vorab zu informieren, was bei Verlust von Masterpasswort und zweitem Faktor zu tun ist. Welches Programm du nutzt, ist deine Entscheidung; Produkte empfehlen wir nicht.

Zugänge für Angehörige: digitale Vorsorge und Nachlass

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, rechtzeitig festzulegen, wer sich um dein digitales Leben kümmern soll, und das schriftlich in einer Vollmacht festzuhalten. Soll dieselbe Person auch den digitalen Nachlass regeln, muss die Vollmacht über den Tod hinaus gelten. Sie braucht Datum und Unterschrift. Wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung allgemein funktionieren, erklärt ein eigener Artikel.

Dazu gehört eine Übersicht aller Konten mit Benutzernamen und Passwörtern, ergänzt um Kontaktdaten der Anbieter und Vertragsnummern. Wer einen Passwortmanager nutzt, sollte laut Verbraucherzentrale auch das Masterpasswort aufnehmen. Eine gedruckte oder handschriftliche Liste kann helfen; denk daran, wie deine Vertrauensperson an Smartphone, Authentifizierungs-App oder Sicherheitscodes kommt. Die Liste liegt an einem sicheren Ort, bleibt aktuell, und die Vertrauensperson weiß, wo.

Rechtlich hat der Bundesgerichtshof am 12. Juli 2018 entschieden (III ZR 183/17): Der Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk geht grundsätzlich auf die Erben über, und diese haben Anspruch auf Zugang zum Konto samt Kommunikationsinhalten. Das Gericht sah keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als Tagebücher und Briefe. In der Praxis reichen Vollmacht oder Testament bei sozialen Netzwerken laut Verbraucherzentrale trotzdem nicht immer aus – deshalb ist die hinterlegte Liste so wichtig.

Achtung Beim Online-Banking nicht einfach Zugangsdaten weitergeben. Die Verbraucherzentrale warnt: Bucht ein Dritter unberechtigt Geld ab, bekommst du oder bekommen deine Erben den Schaden nicht ersetzt. Frag deine Bank, wie du jemanden als Bevollmächtigten einsetzt.

Notfallpass im Smartphone und Offline-Kopien

Fast alle Smartphones bieten einen Notfallpass: Notfallkontakte und Angaben wie Allergien oder Medikamente, die Rettungskräfte oder Ersthelfer auch bei gesperrtem Gerät abrufen können. Dafür musst du die Anzeige auf dem Sperrbildschirm ausdrücklich erlauben. Das dauert wenige Minuten und ergänzt, ersetzt aber nicht den Zettel im Portemonnaie.

Für den Fall, dass Strom, Netz oder Gerät fehlen, gehört das Wichtigste zusätzlich auf Papier: eine Ausweiskopie, Versicherungs- und Vertragsnummern, die Kontaktdaten der Anbieter und die wichtigsten Telefonnummern. Diese Angaben nennt die Verbraucherzentrale ohnehin für die Kontenliste; in der Dokumentenmappe sind sie auch ohne Technik greifbar.

Kontakte und Fotos sichert das Backup, die Telefonnummern deiner engsten Menschen sollten trotzdem auch auswendig oder auf Papier verfügbar sein. Die Verbraucherzentrale regt außerdem an, festzulegen, was mit Fotos und Endgeräten geschehen soll – und nicht mehr genutzte Konten vorher zu löschen, denn das Löschen einer App kündigt das Konto nicht.

Häufige Fragen

Reicht es, wenn alles automatisch in der Cloud landet?

Das BSI nennt Cloud und externe Festplatte als Möglichkeiten. Ein physisches Medium sollte an einem anderen Ort liegen als das Gerät. Wichtig ist, dass die Sicherung nicht mit dem Gerät zusammen verloren geht und du weißt, wie du wieder herankommst.

Darf ich Passwörter überhaupt aufschreiben?

Das BSI stellt die Papierliste ausdrücklich als eine von vier Möglichkeiten vor – sicher verwahrt, etwa in einer verschließbaren Schublade, und mit einer Ersatzliste. Auch die Verbraucherzentrale hält eine gedruckte oder handschriftliche Kontenliste für hilfreich.

Soll ich meine Passwörter einem Nachlass-Dienst anvertrauen?

Die Verbraucherzentrale rät davon ab: Passwörter sollten keinesfalls einem Unternehmen anvertraut werden, und die Sicherheit solcher Anbieter ist schwer zu beurteilen. Eine Vertrauensperson mit Vollmacht und Liste ist der empfohlene Weg.

Was mache ich, wenn das Handy mit der Authentifizierungs-App verloren geht?

Dann greifen die Wiederherstellungswege des jeweiligen Anbieters, etwa gespeicherte Backup-Codes. Deshalb rät das BSI, schon beim Einrichten zu klären, wie die Wiederherstellung funktioniert.

Quellen

  1. Vorsorge für den Ernstfall: BSI ruft zum World Backup Day zur Datensicherung aufBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · Gründe für Datenverlust, Cloud oder externe Festplatte, Medium an anderem Ort, ein Fünftel mit regelmäßigem Backup
  2. Vergleich gängiger Verfahren der Zwei-Faktor-AuthentisierungBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · Empfehlung zur Zwei-Faktor-Authentisierung, Wiederherstellung bei Verlust, Backup-Codes
  3. PasswortverwaltungBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · Papierliste, Passwortmanager, Wiederherstellungsschlüssel ausdrucken, Backups durch Export
  4. Digitale Vorsorge, digitaler Nachlass: Was passiert mit meinen Daten?Verbraucherzentrale · Vollmacht über den Tod hinaus, Kontenliste, Bankzugang, soziale Netzwerke, kommerzielle Anbieter
  5. Notfallpass – der Lebensretter auf dem SmartphoneDRK-Ortsverein Bad Säckingen (Text: SWR3) · Notfallpass mit Notfallkontakten und Anzeige auf dem Sperrbildschirm