Zum Inhalt springen

Konkrete Lagen

Wintersturm Uri in Texas 2021: was die Kälte lahmlegte

Im Februar 2021 fiel in Texas tagelang der Strom aus, dazu das Wasser. Was der offizielle Bericht als Ursache nennt – und was du daraus mitnimmst.

7 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 25. September 2026
NOAA-Satellitenaufnahme zeigt während der Winterstürme im Februar 2021 deutlich reduzierte nächtliche Beleuchtung im Raum Houston.
NOAA-Satellitendaten vom 16. Februar 2021 zeigen den Stromausfall im Raum Houston während der Wintersturm-Krise.Foto: JPSS imagery: CSU/CIRA & NOAA/NESDIS · Public Domain · Wikimedia Commons

Im Februar 2021 traf eine Kältewelle Texas, auf die Kraftwerke, Gasversorgung und viele Häuser nicht vorbereitet waren. Millionen Menschen saßen tagelang ohne Strom in der Kälte, Millionen durften ihr Leitungswasser nur abgekocht nutzen. Diese Fallstudie hält sich an die offiziellen Auswertungen: den gemeinsamen Bericht der US-Aufsichtsbehörden FERC und NERC vom November 2021 und die Todesfallstatistik der texanischen Gesundheitsbehörde. Am Ende steht, was du für deinen Haushalt daraus ableiten kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als 4,5 Millionen Menschen in Texas verloren den Strom, manche bis zu vier Tage lang bei Frost.
  • Laut Bericht fielen Kraftwerke aller Energieträger aus – vor allem durch Einfrieren und fehlendes Erdgas.
  • Die Gesundheitsbehörde zählte 246 Todesfälle, die meisten durch Unterkühlung, 19 durch Kohlenmonoxid.
  • Mehr als 14 Millionen Menschen mussten ihr Leitungswasser abkochen – wegen geplatzter Rohre und Stromausfällen.
  • Grill, Generator und Auto gehören nie in geschlossene Räume, auch nicht, wenn es drinnen eiskalt ist.

Was im Februar 2021 passiert ist

Der Bericht von FERC und NERC beschreibt eine schwere Kältewelle vom 8. bis 20. Februar 2021 über Texas und dem südlichen Zentrum der USA. Ab dem 8. Februar fielen die Temperaturen in Texas unter den Gefrierpunkt, am 15. und 16. Februar erreichten sie ihren Tiefpunkt. Die Tagestiefstwerte lagen am 15. Februar in Teilen des Gebiets um 40 bis 50 Grad Fahrenheit (rund 22 bis 28 Grad Celsius) unter dem Durchschnitt; dazu kamen gefrierender Regen und Schnee.

In der Nacht auf den 15. Februar fielen im Netz des texanischen Netzbetreibers ERCOT immer mehr Kraftwerke aus. Um einen völligen Zusammenbruch des Netzes zu verhindern, ordnete ERCOT rotierende Abschaltungen an: Ganze Stromkreise wurden gezielt vom Netz genommen. Auf dem Höhepunkt waren es 20.000 Megawatt, und die Abschaltungen dauerten fast drei Tage am Stück. Laut Bericht war das die größte gesteuerte Lastabschaltung in der Geschichte der USA.

Mehr als 4,5 Millionen Menschen in Texas verloren den Strom. Manche waren bis zu vier Tage ohne Strom und mehr als sechs Tage Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ausgesetzt. Weil der Plan der Abschaltungen für viel kleinere Mengen ausgelegt war, ließen sich die Abschaltungen kaum noch reihum verteilen – wer abgeschaltet war, blieb es oft lange.

Warum so viel auf einmal ausfiel

Der Bericht nennt zwei Ursachen, beide durch die Kälte ausgelöst. Erstens fielen Kraftwerke, die nicht auf Kälte vorbereitet waren, in großer Zahl aus. Zweitens brach die Förderung von Erdgas ein, sodass nicht genug Gas zugleich für Heizungen und Kraftwerke da war. Im gesamten betroffenen Gebiet hatten 1.045 Kraftwerksblöcke insgesamt 4.124 Ausfälle, Leistungsminderungen oder Fehlstarts.

Betroffen waren alle Energieträger: 58 Prozent der ausgefallenen Blöcke liefen mit Erdgas, 27 Prozent waren Windparks, 6 Prozent Kohle, 2 Prozent Solar, der Rest andere Brennstoffe und Kernkraft. Drei Viertel der Ausfälle gingen auf Einfrieren (44,2 Prozent) oder Brennstoffprobleme (31,4 Prozent) zurück; bei den Brennstoffproblemen war fast immer fehlendes Erdgas die Ursache.

Die Gasversorgung selbst hing wiederum am Strom. Laut Bericht ging knapp ein Viertel des Rückgangs der Gasförderung auf Stromausfälle an Förderanlagen zurück – verursacht durch das Wetter und durch die Abschaltungen. Viele dieser Anlagen waren beim Stromversorger nicht als besonders zu schützende Verbraucher gemeldet. So verstärkten sich Gas- und Stromausfall gegenseitig.

Schema: Die Kälte trifft Gasförderung und Kraftwerke. Pfeile zwischen beiden zeigen: Fehlendes Gas legt Kraftwerke lahm, fehlender Strom senkt die Gasförderung weiter.
Kälte traf Gas und Strom zugleich – und beide Ausfälle verstärkten sich gegenseitig.Skizze: WildWeasel

Hinweis Der Bericht betont: Es war das vierte kältebedingte Ereignis in zehn Jahren, das die Netzsicherheit gefährdete. Empfehlungen zur Winterfestmachung gab es schon nach 2011 und 2018 – trotzdem hatten manche Kraftwerke keinen Winterplan, und 81 Prozent der kältebedingten Ausfälle geschahen oberhalb der Temperatur, für die die Anlagen ausgelegt sein sollten.

Wasser, Kälte, Kohlenmonoxid: die Folgeprobleme

Mit dem Strom kam die Wasserversorgung ins Wanken. In Städten wie Austin, Houston und San Antonio wurden mehr als 14 Millionen Menschen aufgefordert, Trink- und Kochwasser abzukochen. Grund waren geplatzte Leitungen und Stromausfälle, die den Wasserdruck sinken ließen. Mehrere Städte riefen zum Wassersparen auf.

Die texanische Gesundheitsbehörde DSHS hat jeden Todesfall nur dann dem Sturm zugerechnet, wenn ein ärztlicher Leichenschauer das bestätigte. Stand Oktober 2021 zählte sie 246 Todesfälle in 77 Landkreisen. 158 Menschen starben an Unterkühlung, zwei Drittel davon waren 60 Jahre oder älter. 25 Todesfälle gingen auf verschlimmerte Vorerkrankungen zurück – etwa weil Dialyse oder Sauerstoffversorgung unterbrochen waren oder lebenserhaltende Geräte ohne Strom blieben.

19 Menschen starben an Kohlenmonoxid. Die Behörde nennt als Ursachen den falschen Gebrauch von Generatoren, Grills und Heizgeräten, laufende Fahrzeuge in geschlossenen Räumen und Eis, das die Abgaswege von Gasheizungen verstopfte. Zehn weitere starben an Verletzungen bei Hausbränden oder weil Heizlüfter zu nah an brennbarem Material standen.

Achtung Die US-Gesundheitsbehörde CDC warnte während des Sturms: Generatoren, Grills, Campingkocher und andere Geräte, die Benzin, Propan, Erdgas oder Holzkohle verbrennen, gehören nie in Wohnung, Keller, Garage oder Wohnwagen – und auch nicht draußen neben ein offenes Fenster. Die häufigsten Anzeichen einer leichten Kohlenmonoxidvergiftung sind Kopfschmerzen, dazu Schwindel, Schwäche, Benommenheit, Übelkeit und Verwirrtheit. Bei Verdacht den Raum verlassen und 112 rufen.

Was funktioniert hat – und was nicht

Funktioniert hat nach dem Bericht das Letzte, was noch blieb: In der Nacht auf den 15. Februar sank die Netzfrequenz so weit, dass den Leitstellenmitarbeitern bei ERCOT nur neun Minuten blieben, um die Abschaltung weiterer Kraftwerke mit rund 17.000 Megawatt zu verhindern. Das hätte das gesamte Netz lahmlegen können. Die Frequenz lag über vier Minuten unter der kritischen Schwelle und erholte sich dann – durch weitere Abschaltungen. Ein vollständiger Zusammenbruch des texanischen Netzes blieb aus.

Vorgesehen ist außerdem, dass Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr und wichtige Wasserwerke in Texas als besonders zu schützende Verbraucher von den Abschaltungen ausgenommen sind. Nicht funktioniert hat laut Bericht vieles davor: Kraftwerke und Gasanlagen waren trotz früherer Empfehlungen nicht ausreichend winterfest. Die Abschaltpläne waren für viel kleinere Mengen gedacht. Und Hilfe aus Nachbarnetzen konnte die Lücke nicht schließen: Über alle Verbindungen zu Nachbarnetzen ließen sich laut Bericht höchstens 1.220 Megawatt gleichzeitig nach Texas einführen – bei 20.000 Megawatt abgeschalteter Last.

Für die Haushalte zeigt die Todesfallstatistik, wo es am gefährlichsten wurde: bei Kälte in der eigenen Wohnung, bei Menschen mit stromabhängigen Geräten oder Behandlungen und beim Improvisieren mit Wärmequellen, die in Innenräumen nichts zu suchen haben. Die Behörde nennt als Risikofaktoren unter anderem Reparaturen im Freien während des Sturms, zu wenig warme Kleidung und das Ablehnen von Wärmestuben und Notunterkünften.

Welche Lehren der Bericht zieht

Die zentrale Empfehlung richtet sich an die Kraftwerksbetreiber und soll verbindlich werden: Bauteile, die bei Kälte kritisch sind, sollen erfasst und geschützt werden. Bestehende Anlagen sollen nachgerüstet und neue so gebaut werden, dass sie bei extremen Temperaturen samt Niederschlag und Wind weiterlaufen. Das Personal soll jedes Jahr zum Winterplan geschult werden, und wer einen Kälteausfall hatte, soll einen Plan zur Behebung vorlegen.

Für die Gasversorgung empfiehlt der Bericht, dass Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden auch Förder- und Leitungsanlagen zu Kälteschutzplänen verpflichten. Anlagen der Gasversorgung, die Strom brauchen, sollen bei Abschaltungen besser erkannt und geschützt werden. Eine Neufassung der Netzregeln mit Kälteschutzplänen für Kraftwerke war schon im August 2021 beschlossen worden; sie galt ab April 2023.

Ob und wie sich die technischen Befunde auf Deutschland übertragen lassen, beantwortet der Bericht nicht – er untersucht nur das Netz in Texas und seinen Nachbarregionen. Übertragbar ist vor allem die Haushaltsseite: Auch das BBK weist darauf hin, dass Stromausfälle meist in wenigen Stunden behoben sind, bei großflächigen Schäden aber Tage dauern können. Dann fallen Heizung, Herd und Licht aus, und oft kommt auch kein Wasser mehr aus der Leitung.

Was das für dich heißt

Texas zeigt, dass eine Kältewelle nicht nur ein Stromproblem ist, sondern mehrere Ausfälle zugleich auslöst: Wärme, Wasser, Gesundheitsversorgung. Die folgenden Punkte stammen überwiegend aus den Empfehlungen des BBK und der CDC; sie passen zu genau den Gefahren, an denen in Texas Menschen gestorben sind.

  • Wärme ohne Strom planen: Warme Kleidung und Decken ersetzen die Heizung eine Zeit lang. Bleib möglichst in einem Raum, halte die Türen zu und lüfte trotzdem regelmäßig, rät das BBK.
  • Nie drinnen grillen oder einen Generator betreiben. Das BBK warnt vor Erstickungsgefahr, die CDC auch vor dem Betrieb neben offenen Fenstern. Ein Kohlenmonoxid-Warnmelder erhöht nach BBK die Sicherheit.
  • Wer einen Kamin oder Ofen hat, legt Holz, Briketts oder Kohle als Vorrat an. Eine zusätzliche Heizquelle nur nach Beratung durch Fachleute einbauen; gasbetriebene Geräte brauchen eine Sauerstoffmangel- und Zündsicherung.
  • Wasserleitungen vor Frost schützen: ungeschützte Wasser- und Heizungsrohre isolieren, Leitungen im Freien und in unbeheizten Gebäuden abdrehen und entleeren (BBK).
  • Trinkwasser vorrätig halten und wissen, was bei einem Abkochgebot gilt.
  • Wenn jemand im Haushalt auf Strom für Sauerstoff, Dialyse oder andere Geräte angewiesen ist: vorab mit Arzt, Pflegedienst und Versorger klären, was im Ausfall passiert.

Tipp Vertiefen kannst du das in „Stromausfall vorbereiten“, „Warm bleiben ohne Heizung“, „Schneechaos und Eisregen“, „Abkochgebot“ und „Notstrom sicher betreiben“. Wie lange andere echte Lagen gedauert haben, steht im Überblick „Wie lange echte Lagen dauerten“.

Häufige Fragen

Lag der Ausfall in Texas an Windrädern?

Nein, nicht allein. Laut FERC-NERC-Bericht fielen Anlagen aller Energieträger aus; mehr als die Hälfte der ausgefallenen Blöcke lief mit Erdgas. Hauptursachen waren Einfrieren und fehlendes Erdgas.

Wie viele Menschen sind gestorben?

Die texanische Gesundheitsbehörde DSHS hat 246 Todesfälle bestätigt, die mit dem Sturm zusammenhingen. Die häufigste Ursache war Unterkühlung, 19 Menschen starben an Kohlenmonoxid.

Warum musste so viel Wasser abgekocht werden?

Geplatzte Leitungen und Stromausfälle ließen laut Bericht den Wasserdruck sinken. Mehr als 14 Millionen Menschen in Städten wie Austin, Houston und San Antonio sollten ihr Wasser deshalb abkochen.

Kann so etwas in Deutschland genauso passieren?

Der Bericht untersucht nur Texas und die Nachbarregionen; eine direkte Übertragung auf das deutsche Netz gibt er nicht her. Dass ein Stromausfall Heizung und Wasser mitnehmen und mehrere Tage dauern kann, sagt aber auch das BBK.

Quellen

  1. The February 2021 Cold Weather Outages in Texas and the South Central United States (FERC-NERC-Regional Entity Staff Report, November 2021)FERC, NERC und Regional Entities (Bereitstellung durch NERC) · Ablauf, Abschaltungen, Betroffene, Ursachen, Abkochgebote, Empfehlungen (v. a. S. 8–18, 25, 68)
  2. February 2021 Winter Storm-Related Deaths – TexasTexas Department of State Health Services (DSHS) · Bestätigte Todesfälle und ihre Ursachen, Stand 27. Oktober 2021
  3. 2021 Winter Storms – Clinical Guidance for Carbon Monoxide (CO) Poisoning (HAN-00440)Centers for Disease Control and Prevention (CDC) · Kohlenmonoxid durch Generatoren und Grills, Symptome, Warnhinweise
  4. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Heizen und Kochen ohne Strom, CO-Melder, Dauer von Stromausfällen
  5. Naturgefahr: Extreme Hitze/KälteBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Wasserleitungen vor Frost schützen