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Konkrete Lagen

Wie lange echte Lagen dauerten: Iberien, Berlin, Ahrtal

Ein Tag, viereinhalb Tage, mehrere Monate: Drei belegte Fälle zeigen, wie unterschiedlich lange Ausfälle dauern – und warum „Strom da“ nicht „Alltag da“ heißt.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Einsatzkräfte begutachten bei einer Katastrophenschutzübung ein simuliertes eingestürztes Gebäude.
Symbolbild aus einer Katastrophenschutzübung: Große Lagen enden nicht mit dem ersten Einsatz – Versorgung, Reparatur und Wiederherstellung können Tage oder Wochen dauern.Foto: Georgia National Guard from United States · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Wie lange muss ein Vorrat eigentlich reichen? Statt einer weiteren Faustregel schaut dieser Artikel auf drei Lagen, die gut dokumentiert sind: den Stromausfall in Spanien und Portugal im April 2025, den Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar 2026 und die Flut im Ahrtal im Juli 2021. Für jeden Fall steht hier nur, was die zuständigen Stellen selbst veröffentlicht haben – und wo die Berichte schweigen, steht das auch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Dauer schwankte stark: unter einem Tag in Iberien, über vier Tage in Berlin, Monate im Ahrtal.
  • Vorher wusste niemand, welcher Fall eintritt. Plane deshalb für die längere Lage, nicht für die kürzeste.
  • „Strom wieder da“ ist nicht „Alltag wieder da“: Wasser, Wärme und Kommunikation brauchten länger.
  • Wärme, Trinkwasser und Kommunikation waren in den Fällen die Engpässe, um die sich Hilfe drehte.
  • Das BBK empfiehlt 10 Tage Selbstversorgung – das deckt Lagen wie Berlin ab und verschafft im Ahrtal Luft.

Warum echte Fälle mehr sagen als Faustregeln

72 Stunden, zehn Tage, zwei Wochen – über Zeiträume wird viel gestritten, meistens abstrakt. Wie sich die Zahlen zueinander verhalten, erklärt der Artikel „72 Stunden oder 10 Tage? Was Selbstversorgung heißt“. Hier geht es um die Gegenprobe: Wie lange dauerten Lagen, die tatsächlich eingetreten sind?

Die drei Fälle sind sehr verschieden. Einer war ein technischer Zusammenbruch eines ganzen Stromsystems, einer ein Brandanschlag auf eine einzige Kabelbrücke, einer eine Flut, die Leitungen, Straßen und Brücken zerstört hat. Gerade deshalb taugen sie als Vergleich: Sie zeigen die Spannweite, mit der du rechnen musst – bei technischem Versagen, bei vorsätzlicher Beschädigung und bei Naturereignissen.

Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die in Nachrichten oft verschwimmt. Der Moment, in dem der Netzbetreiber meldet, dass alle wieder Strom haben, ist nicht der Moment, in dem das Leben wieder normal läuft. Dazwischen können Tage, Wochen oder Monate liegen.

Spanien und Portugal, 28. April 2025: ein ganzes Netz in einem Tag

Am 28. April 2025 um 12:33 Uhr brach die Stromversorgung auf dem spanischen Festland und in Portugal vollständig zusammen. Das Expertengremium des europäischen Verbands der Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E nennt es den schwersten Blackout im europäischen Stromsystem seit mehr als 20 Jahren. In beiden Ländern ging laut Faktenbericht 100 Prozent der Last verloren, die unmittelbar vorher versorgt worden war.

Der Wiederaufbau ging trotzdem schnell. In Portugal war das Übertragungsnetz am 29. April um 00:22 Uhr wiederhergestellt, das Verteilnetz um 04:00 Uhr. In Spanien war das Übertragungsnetz um 04:00 Uhr fertig, die Verteilnetze um 07:00 Uhr. Bis zum Abschluss im Verteilnetz vergingen damit gut 15 Stunden in Portugal und gut 18 Stunden in Spanien.

Aufschlussreich ist, was der Abschlussbericht über die Kommunikation festhält. In Portugal fielen nach Angaben eines Verteilnetzbetreibers öffentliches Festnetz und Mobilfunk aus; der Betreiber wich auf interne Systeme und Satellitentelefone aus. In Spanien verlor das Netz eines öffentlichen Telekommunikationsanbieters die Abdeckung, weil die Notstromversorgung an Umsetzern und Vermittlungsstellen versagte.

Zu Verkehr, Zahlungsverkehr und Wasserversorgung auf der Iberischen Halbinsel treffen die Berichte des Expertengremiums keine Aussagen. Deshalb stehen hier dazu auch keine Zahlen.

Berlin, Januar 2026: viereinhalb Tage im Winter

Am frühen Morgen des 3. Januar 2026 brannte eine Kabelbrücke über den Teltowkanal nahe dem Kraftwerk Lichterfelde, mehrere Hochspannungskabel wurden beschädigt. Nach Angaben des Senats waren in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom, darunter Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser.

Der Senat spricht inzwischen von einem Anschlag auf das Stromnetz. Der Regierende Bürgermeister nannte ihn am 27. Januar eine Zäsur und den größten Stromausfall Berlins seit Ende des Zweiten Weltkriegs; der Senat beriet daraufhin ein Paket mit 66 Maßnahmenvorschlägen, unter anderem zur Resilienz der Bevölkerung. Wer verantwortlich ist, klären die Ermittlungsbehörden. Für deine Vorsorge ändert die Ursache wenig: Ob Sabotage, Unwetter oder technischer Defekt – im Haushalt kommt derselbe Ausfall an. Du bereitest dich auf die Folgen vor, nicht auf den Auslöser.

Der Strom kam in Etappen zurück. Durch Umverbindungen im Mittelspannungsnetz waren bis zur Nacht auf den 4. Januar rund 7.000 Haushalte wieder versorgt, bis zum Mittag des 4. Januar fast ganz Lichterfelde. Weitere Haushalte folgten in Schritten, die letzten erreichte der Strom über eine provisorische Leitung am Teltowkanal. Erst am 7. Januar gegen 20:30 Uhr waren alle Kunden wieder am Netz – mehr als vier Tage nach Beginn des Ausfalls.

Der Senat nannte am ersten Tag als Prognose den Nachmittag des 8. Januar und riet: Wer kann, sollte bei Freunden oder Familie außerhalb der betroffenen Gebiete unterkommen. Die Reparatur wurde durch Witterung und Bodenfrost erschwert. Wichtige Einrichtungen wie Pflegeheime versorgte Stromnetz Berlin in Abstimmung mit der Feuerwehr über Notstromanlagen.

Auch als der Strom zurück war, war nicht alles erledigt. In seltenen Fällen waren Steuergeräte elektrischer Heizungen wie Wärmepumpen und Nachtspeicheröfen beschädigt, sodass die Wohnung trotz Strom kalt blieb. Das Netz läuft über zwei provisorische Leitungen; den ursprünglichen Zustand will der Netzbetreiber bis Ende 2026 wiederherstellen.

Achtung In Berlin fiel mit dem Strom auch die Fernwärme aus. Das Kraftwerk selbst war nicht betroffen, aber ohne Strom konnten die Pumpen die Wärme nicht zuverlässig in die Gebäude transportieren – so der Senat.

Ahrtal, Juli 2021: Wochen für den Strom, Monate für den Rest

Die Flut Mitte Juli 2021 ist ein anderer Fall: Hier fiel nicht ein Netz aus, hier wurde die Infrastruktur selbst zerstört. Laut Zwischenbericht der Bundesregierung waren in Rheinland-Pfalz rund 65.000 Menschen betroffen, davon 42.000 im Kreis Ahrweiler. 134 Menschen starben allein in Rheinland-Pfalz. Im Ahrtal waren 62 von 75 Brücken beschädigt oder zerstört.

Mit Stand Ende August 2021, also rund sechs Wochen nach der Flut, hielt die Bundesregierung fest: Die Versorgung mit Strom, Wasser, Wärme und Telekommunikation sei in weiten Teilen, aber noch nicht umfassend gewährleistet. Mit Blick auf den Winter sollten kurzfristig provisorische Lösungen abgestimmt werden.

Beim Trinkwasser zeigt sich der lange Nachlauf besonders deutlich. Das Verteilnetz war großflächig beschädigt, deshalb galt dort, wo Wasser wieder floss, zunächst ein vorsorgliches Abkochgebot. Das Gesundheitsamt hob es schrittweise auf, nachdem Laborkontrollen die Qualität bestätigt hatten. Das letzte Abkochgebot im Kreis Ahrweiler fiel am 6. Februar 2022 – knapp sieben Monate nach der Flut.

Was in der ersten Zeit gebraucht wurde, lässt sich an der Hilfe ablesen. Die Bundeswehr setzte unter anderem Trinkwasseraufbereitungsanlagen und Satellitenkommunikationsanlagen ein, das BBK steuerte Hilfeersuchen etwa für Trinkwasseraufbereitung und Sanitätseinheiten. Das THW war nach dem Bericht seit dem 14. Juli täglich mit 1.000 bis 5.500 Einsatzkräften vor Ort.

Strom wieder da heißt nicht Alltag wieder da

Alle drei Fälle zeigen dasselbe Muster: Zuerst kommt die Stromversorgung zurück, oft zunächst provisorisch. Was am Strom hängt oder selbst beschädigt wurde, braucht länger. Im Ahrtal zeigte sich das beim Trinkwasser: Das beschädigte Netz musste erst wieder freigegeben werden, Abkochgebote galten bis Februar 2022. In Berlin blieb in einzelnen Wohnungen die Heizung kalt, weil Steuergeräte beschädigt waren.

Auch die Kommunikation hängt an Reserven, die endlich sind. In Iberien versagte die Notstromversorgung an Teilen des Telekommunikationsnetzes, obwohl der Ausfall dort weniger als einen Tag dauerte. Ein Radio mit Batterie oder Kurbel hängt dagegen an keiner fremden Notstromanlage.

Balkenskizze: Iberien, Strom unter 1 Tag. Berlin, Strom nach 4½ Tagen. Ahrtal, Trinkwasser-Abkochgebot knapp 7 Monate, weit über die Linie „10 Tage Vorrat“ hinaus.
Wie lange es dauerte – verglichen mit den 10 Tagen Vorrat, die das BBK empfiehlt.Skizze: WildWeasel
Die drei Fälle im Vergleich, nach den Angaben der zuständigen Stellen
FallStrom für alle wieder daWas länger dauerte
Spanien und Portugal, April 2025nach gut 15 bis 18 StundenFestnetz und Mobilfunk fielen teils aus; zu weiteren Folgen keine Angaben im Bericht
Berlin-Südwest, Januar 2026nach mehr als vier Tagen, über eine provisorische LeitungFernwärme fiel mit aus; einzelne Heizungssteuerungen defekt; Netz bis Ende 2026 im Provisorium
Ahrtal, Juli 2021Ende August noch nicht umfassendAbkochgebote bis Februar 2022; Wärme Ende August noch nicht umfassend, Provisorien für den Winter geplant

Was daraus für deine Vorsorge folgt

Die wichtigste Lehre ist unbequem, aber einfach: Am ersten Tag wusste niemand, welcher Fall eintritt. In Berlin gab es früh eine Prognose, und sie lag bei mehreren Tagen. Wer seinen Vorrat auf die längere Lage auslegt, hat die kurze automatisch mit abgedeckt – umgekehrt gilt das nicht.

Das BBK empfiehlt, sich für 10 Tage selbst versorgen zu können, mit 2 Litern Wasser pro Person und Tag. Beim Essen und Trinken hätte ein solcher Vorrat die viereinhalb Tage in Berlin vollständig getragen. Im Ahrtal hätte er nicht bis zum Ende gereicht, aber er verschafft Zeit, bis Hilfe von außen organisiert ist – und dort war sie vom ersten Tag an im Einsatz.

Denk außerdem in der Reihenfolge, in der die Versorgung zurückkommt. In Berlin bekamen priorisierte Einrichtungen wie Pflegeheime zuerst Notstrom, dann kam das Netz abschnittsweise wieder, zuletzt über ein Provisorium. Wasser, Wärme und Kommunikation können danach noch eingeschränkt bleiben – im Ahrtal beim Trinkwasser bis Februar 2022. Deshalb lohnt es, für diese drei Bereiche nicht nur für den Ausfall selbst, sondern auch für den Nachlauf zu planen.

  • Wasservorrat für 10 Tage, 2 Liter pro Person und Tag – und eine Möglichkeit, Wasser abzukochen
  • Warme Kleidung, Decken, Schlafsäcke: Auch Fernwärme und Heizungssteuerung hängen am Strom
  • Radio mit Batterie oder Kurbel, weil Mobilfunk und Festnetz früh ausfallen können
  • Vorher klären, bei wem du außerhalb deines Viertels unterkommen könntest
  • Wer auf Pflege oder medizinische Geräte angewiesen ist: Notfalllösung mit Pflegedienst oder Praxis absprechen

Tipp Was bei einem Stromausfall im Haushalt der Reihe nach ausfällt und was du bereitlegst, steht im Artikel „Stromausfall: Was wirklich ausfällt – und was du vorbereitest“.

Häufige Fragen

War einer der drei Ausfälle nach drei Tagen vorbei?

In Spanien und Portugal war der Strom nach weniger als einem Tag zurück. In Berlin dauerte es mehr als vier Tage. Im Ahrtal war die Versorgung nach sechs Wochen noch nicht umfassend wiederhergestellt, beim Trinkwasser galten Abkochgebote bis Februar 2022.

Reicht dann nicht ein Vorrat für drei Tage?

Er hilft, reicht aber nicht für jede Lage. Die Fälle zeigen, dass du vorher nicht weißt, wie lange es dauert. Das BBK empfiehlt deshalb 10 Tage Selbstversorgung.

Warum war die Wohnung in Berlin kalt, obwohl manche Fernwärme haben?

Laut Senat war das Fernwärmekraftwerk selbst nicht betroffen, aber die Pumpen konnten die Wärme ohne Strom nicht zuverlässig in die Gebäude bringen. Auch Fernwärme hängt also am Strom.

Was heißt Abkochgebot?

Leitungswasser soll vor der Verwendung als Trinkwasser abgekocht werden, bis Laborkontrollen die Qualität bestätigen. Im Kreis Ahrweiler galt das an einzelnen Orten bis Februar 2022.

Waren die Fälle nicht Ausnahmen?

Ja. ENTSO-E nennt den iberischen Blackout den schwersten in Europa seit über 20 Jahren. Genau für solche seltenen Lagen ist Vorsorge da – die Fälle zeigen, wie sie tatsächlich verliefen.

Quellen

  1. 28 April 2025 Blackout – Faktenbericht (3. Oktober 2025) und Abschlussbericht (20. März 2026) des ExpertengremiumsENTSO-E – Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber · Zeitpunkt und Ausmaß des Blackouts, Wiederherstellung von Übertragungs- und Verteilnetzen in Portugal und Spanien, Ausfälle der Telekommunikation
  2. Steglitz-Zehlendorf – aktueller StandStromnetz Berlin GmbH · Ablauf der Wiederversorgung vom 3. bis 7. Januar 2026, Notstrom für Pflegeheime, Heizungssteuerungen, provisorische Leitungen bis Ende 2026
  3. Stromausfall im Berliner Südwesten (Pressemitteilung vom 3. Januar 2026)Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin · Brand an der Kabelbrücke, betroffenes Gebiet, 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden, Ausfall der Fernwärme, Prognose und Rat zur Unterkunft
  4. Bilanz und Maßnahmenpaket zur Nachbereitung der Großschadenslage nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten (Pressemitteilung vom 27. Januar 2026)Senatskanzlei Berlin, Presse- und Informationsamt des Landes Berlin · Einstufung als Anschlag auf das Stromnetz, größter Stromausfall Berlins seit Ende des Zweiten Weltkriegs, 66 Maßnahmenvorschläge, Resilienz der Bevölkerung
  5. Zwischenbericht zur Flutkatastrophe 2021: Katastrophenhilfe, Soforthilfen und WiederaufbauBundesregierung (BMI und BMF) · Betroffene, Todesopfer und Brückenschäden, Stand der Versorgung Ende August 2021, eingesetzte Hilfe
  6. Letztes Abkochgebot im Kreis Ahrweiler aufgehobenKreisverwaltung Ahrweiler · Beschädigtes Trinkwassernetz, vorsorgliche Abkochgebote und deren Aufhebung bis 6. Februar 2022