Am 28. April 2025 brach mittags das Stromsystem auf dem spanischen Festland und in Portugal vollständig zusammen. Es war der schwerste Blackout im europäischen Stromnetz seit mehr als 20 Jahren. Inzwischen liegen die offiziellen Auswertungen vor. Dieser Artikel fasst zusammen, was sie festhalten – und nur das –, und fragt, was du daraus für deinen Haushalt mitnehmen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Um 12:33 Uhr fiel in Spanien und Portugal der Strom aus; nach 12 bis 16 Stunden war das System wieder aufgebaut.
- Laut ENTSO-E gab es nicht eine Ursache, sondern mehrere Faktoren, die zu einer Kaskade aus Überspannung führten.
- Züge blieben liegen, Ampeln fielen aus, Mobilfunk brach regional zusammen; Krankenhäuser liefen mit Notstrom.
- Der Wiederaufbau gelang über schwarzstartfähige Kraftwerke und die Leitungen nach Frankreich und Marokko.
- Für dich zählen die ersten Stunden: Bargeld, Radio, Wasser, geladene Powerbank und ein verabredeter Treffpunkt.
Was am 28. April 2025 passiert ist
Um 12:33 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit erlitten die Stromsysteme des spanischen Festlands und Portugals einen vollständigen Blackout. So beschreibt es das Expertengremium von ENTSO-E, dem Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber. Ein kleines Gebiet im Südwesten Frankreichs war kurz gestört, der Rest des europäischen Netzes nach Angaben des Gremiums nicht nennenswert.
ENTSO-E nennt den Vorfall den schwersten Blackout im europäischen Stromsystem seit mehr als 20 Jahren und den ersten seiner Art. Neu war, dass eine Kaskade von Abschaltungen von Erzeugungsanlagen zusammen mit steigender Spannung zum Zusammenbruch führte.
Wiederversorgt waren die Länder nach Stunden, nicht nach Tagen. Laut Abschlussbericht war das Übertragungsnetz in Portugal am 29. April um 00:22 Uhr wiederhergestellt, in Spanien gegen 04:00 Uhr. Das Gremium fasst zusammen: Das spanische System war innerhalb von 16 Stunden vollständig wiederhergestellt, das portugiesische innerhalb von 12 Stunden. Der spanische Ministerpräsident nannte vor dem Parlament 99,5 Prozent der Versorgung am 29. April um 06:00 Uhr.
Warum das Netz zusammenbrach: was die Berichte sagen
Zu den Ursachen gibt es zwei große Auswertungen: den Bericht des Analysekomitees der spanischen Regierung vom Juni 2025 und den Abschlussbericht des ENTSO-E-Expertengremiums vom 20. März 2026. Beide kommen im Kern zum selben Ergebnis: Der Blackout hatte keine einzelne Ursache, sondern entstand aus mehreren Faktoren, die zusammenwirkten.
Vereinfacht lief es so ab. Schon am Vormittag war das Netz unruhig, zwischen 12:00 und 12:30 Uhr traten Schwingungen auf. Der Netzbetreiber dämpfte sie mit den vorgesehenen Maßnahmen. Das wirkte, ließ nach beiden Berichten aber die Spannung steigen – zunächst noch im zulässigen Bereich. Ab 12:32 Uhr stieg die Spannung schnell. Erzeugungsanlagen im Süden und Südwesten Spaniens trennten sich vom Netz, jede Abschaltung trieb die Spannung weiter nach oben, und die nächsten Anlagen folgten.
Als Faktoren nennt ENTSO-E Schwingungen, Lücken in der Spannungs- und Blindleistungsregelung, unterschiedliche Praktiken bei der Spannungsregelung, schnelle Leistungsänderungen und Abschaltungen von Erzeugern in Spanien sowie ungleich verteilte Fähigkeiten zur Stabilisierung. Die spanische Regierung spricht von einer Überspannung mit mehreren Ursachen: Es habe an Kapazität zur dynamischen Spannungsregelung gefehlt, die Schwingungen hätten das System belastet, und einige Abschaltungen seien offenbar unzulässig gewesen.
Die automatischen Lastabwürfe, die ein Netz bei sinkender Frequenz stabilisieren sollen, wurden laut ENTSO-E ausgelöst. Wegen der Überspannung konnten sie den Blackout aber nicht aufhalten. Einen Cyberangriff als Ursache schließt die spanische Regierung aus: Es gebe dafür keine Hinweise.
Hinweis Die Berichte sind technisch und sehr umfangreich. Hier steht nur, was ENTSO-E und die spanische Regierung in ihren Zusammenfassungen ausdrücklich sagen – keine eigene Deutung.
Was offen oder umstritten ist
Nicht jeder Beteiligte sieht alles gleich. Das ENTSO-E-Gremium betont, sein Bericht weise niemandem Haftung oder Verantwortung zu; das sei Sache der zuständigen Behörden. Der Bericht stützt sich teils auf Angaben der Beteiligten und hält auch fest, wo sich deren Darstellungen widersprechen.
Die spanische Regulierungsbehörde CNMC hat im April 2026 Sanktionsverfahren eingeleitet, weil sie Hinweise auf Verstöße gegen die Regeln des Stromsektors gefunden hat. Die CNMC stellt dabei ausdrücklich klar: Diese Verfahren bedeuten für sich genommen nicht, dass den betroffenen Unternehmen die Ursache des Blackouts zugeschrieben wird, und sie nehmen das Ergebnis nicht vorweg.
Öffentlich diskutiert wurde auch, ob mehr Trägheit im Netz – also mehr rotierende Masse großer Generatoren – den Blackout verhindert hätte. Das spanische Analysekomitee hat das geprüft und hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Überspannungswelle die Kaskade auch bei höherer Trägheit ausgelöst hätte. Eine energiepolitische Wertung treffen die Berichte nicht, und dieser Artikel tut es auch nicht.
Was im Alltag geschah
Die ausführlichste amtliche Schilderung der Folgen in Spanien stammt vom Ministerpräsidenten, der am 7. Mai 2025 vor dem Parlament berichtete. Danach blieben 116 Züge auf offener Strecke stehen, 35.000 Fahrgäste mussten sie verlassen – vielen halfen Menschen aus den umliegenden Dörfern. Alle Ampeln des Landes fielen auf einmal aus; Polizei und Verkehrsteilnehmer bewältigten Staus und fehlende Signale nach seinen Worten fast ohne Zwischenfälle. Von über 6.200 geplanten Flügen wurden 460 gestrichen.
Viele Banken, Geschäfte und Supermärkte mussten schließen. Krankenhäuser, Gesundheitszentren und Pflegeheime arbeiteten nach Angaben der Regierung dagegen den ganzen Tag ohne größere Zwischenfälle weiter – dank eigener Notstromerzeugung. Schulen behielten die Kinder, bis Angehörige sie sicher abholen konnten.
Die Kommunikation litt deutlich. Der ENTSO-E-Abschlussbericht hält fest, dass in Portugal öffentliches Festnetz und Mobilfunk ausfielen. In Spanien verlor das Netz eines öffentlichen Telekommunikationsanbieters die Abdeckung, weil die Notstromversorgung an Umsetzern und Vermittlungsstellen versagte – je nach Standort unterschiedlich lange. Selbst Netzbetreiber wichen auf Satellitentelefone aus. Am 29. April um 06:00 Uhr liefen Mobilfunk und Glasfaser laut Regierung wieder zu 90 Prozent, ab 16:30 Uhr fuhren alle Züge wieder normal.

Was funktioniert hat: der Wiederaufbau
Ein Netz, das komplett schwarz ist, lässt sich nicht einfach einschalten. Laut ENTSO-E aktivierten die Netzbetreiber sofort ihre Wiederaufbaupläne. Zwei Wege liefen parallel: von unten über schwarzstartfähige Kraftwerke, vor allem Wasserkraftwerke, die ohne Strom von außen anlaufen können, und von oben über die Leitungen zu den Nachbarn. Die Verbindungen nach Frankreich standen um 12:43 und 13:35 Uhr unter Spannung, die nach Marokko um 13:04 Uhr.
Nicht alles klappte beim ersten Versuch. Mehrere Schwarzstarts misslangen, oder die entstehenden Netzinseln brachen wieder zusammen; diese Gebiete wurden später aus einem Nachbarnetz versorgt. Portugal erhielt um 18:36 Uhr über eine Leitung aus Spanien wieder Spannung aus dem europäischen Verbund, zuvor hatte es zwei eigene Schwarzstartinseln aufgebaut.
Das Gremium würdigt die Wiederaufbauverfahren und den Einsatz der Beschäftigten. Es benennt aber auch Probleme: Schwarzstartanlagen liefen schwer an, und die Sprachverbindungen mehrerer Verteilnetzbetreiber fielen aus. In Andalusien ruhte der Wiederaufbau zeitweise, weil eine Leitwarte telefonisch nicht erreichbar war.
Lehren der Berichte – und der Blick auf Deutschland
ENTSO-E leitet Empfehlungen zu jedem der Faktoren ab: Spannungsregelung, Dämpfung von Schwingungen, Schutzeinstellungen von Anlagen, Systemschutzpläne und Netzwiederaufbau. Für den Wiederaufbau verlangt das Gremium unter anderem regelmäßige Schwarzstarttests, gemeinsame Übungen und blackoutfeste Sprachverbindungen zwischen den wichtigsten Akteuren für den Fall, dass die öffentlichen Telefonnetze ausfallen.
Die Bundesnetzagentur hat den Fall in ihrer Bewertung des Systemstabilitätsberichts vom Juli 2025 aufgegriffen, also vor dem Abschlussbericht. Sie schreibt, das Beispiel Spanien habe gezeigt, dass ein Schwarzfall nie völlig auszuschließen sei; der Netzwiederaufbau gewinne deshalb an Bedeutung. Zugleich hält sie fest, dass viele der in den Berichten formulierten Empfehlungen in Deutschland bereits in der Umsetzung sind, etwa Maßnahmen zur statischen und dynamischen Spannungsstützung. Genaue Lehren für das deutsche Netz wollte die Behörde erst nach abgeschlossener Ursachenklärung ziehen.
Was das für dich heißt
Der iberische Blackout war kurz, gemessen an dem, wofür Vorsorge gedacht ist. Trotzdem zeigt er, was schon in den ersten Stunden wegfällt: Verkehr, Telefon, Einkaufen, oft auch die Absprache, wer die Kinder abholt. Genau für diese Stunden lohnt sich ein kleiner Grundstock. Wie lange andere Lagen dauerten, vergleicht der Artikel „Wie lange echte Lagen dauerten: Iberien, Berlin, Ahrtal“.
- Etwas Bargeld zu Hause – viele Banken und Geschäfte hatten geschlossen. Mehr dazu im Artikel „Bargeldvorrat“.
- Ein Radio mit Batterie oder Kurbel: Es hängt an keiner fremden Notstromanlage, anders als Mobilfunkmasten.
- Trinkwasser im Haus, 2 Liter pro Person und Tag – für den Fall, dass ein Ausfall länger dauert.
- Eine geladene Powerbank, damit das Telefon läuft, sobald das Netz zurückkommt.
- Ein verabredeter Treffpunkt und eine Absprache mit Schule oder Kita, falls niemand telefonieren kann.
Tipp Was im Haushalt der Reihe nach ausfällt, steht im Artikel „Stromausfall: Was wirklich ausfällt – und was du vorbereitest“. Wie du ohne Netz informiert bleibst, erklären „Notfallradio“ und „Mobilfunk und Internet fallen länger aus“.
Häufige Fragen
War der Blackout ein Cyberangriff?
Nach dem Bericht der spanischen Regierung gibt es dafür keine Hinweise. Auch ENTSO-E erklärt den Ablauf mit technischen Faktoren im Stromnetz.
Waren die erneuerbaren Energien schuld?
So beantworten die Berichte die Frage nicht. Sie beschreiben ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, an denen verschiedene Anlagen und Regeln beteiligt waren, und leiten daraus technische Empfehlungen ab.
Kann so etwas in Deutschland passieren?
Die Bundesnetzagentur schreibt, ein Schwarzfall sei nie völlig auszuschließen, auch bei niedrigem Risiko. Viele Empfehlungen aus den Berichten werden hierzulande nach ihren Angaben bereits umgesetzt.
Wie lange war der Strom weg?
Je nach Region einige Stunden bis in die Nacht. Laut ENTSO-E war das portugiesische System nach 12, das spanische nach 16 Stunden vollständig wiederhergestellt.
Quellen
- 28 April 2025 Blackout – Faktenbericht (3. Oktober 2025) und Abschlussbericht (20. März 2026) des ExpertengremiumsENTSO-E – Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber · Zeitpunkt und Ausmaß, Ursachenfaktoren, Ablauf und Probleme des Wiederaufbaus, Ausfall der Telekommunikation, Empfehlungen
- El Gobierno presenta el informe sobre las causas del apagón (17. Juni 2025), mit dem Bericht des AnalysekomiteesLa Moncloa – Spanische Regierung · Ursachen laut spanischer Regierung, kein Hinweis auf Cyberangriff; im verlinkten Bericht auch die Prüfung der Trägheit
- Intervención del presidente del Gobierno ante el Congreso sobre la crisis energética del 28 de abril (7. Mai 2025)La Moncloa – Spanische Regierung · Folgen im Alltag: Züge, Ampeln, Flüge, Geschäfte, Krankenhäuser, Schulen, Stand der Wiederversorgung und des Mobilfunks
- La CNMC incoa expedientes sancionadores por indicios de infracción … incidente eléctrico del 28 de abril de 2025 (17. April 2026)CNMC – Spanische Kommission für Märkte und Wettbewerb · Sanktionsverfahren und die Klarstellung, dass damit keine Ursache zugeschrieben wird
- Bewertung des Systemstabilitätsberichts 2025Bundesnetzagentur · Einordnung für Deutschland: Schwarzfall nie völlig auszuschließen, viele Empfehlungen bereits in Umsetzung
