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Konkrete Lagen

Stromausfall in Berlin nach dem Anschlag, Januar 2026

Vier Tage ohne Strom und Heizung im Winter: was im Berliner Südwesten geschah, was trug, was nicht – und was die offizielle Auswertung empfiehlt.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Der Bahnhof Wannsee ist während des Berliner Stromausfalls 2026 nur teilweise durch Notbeleuchtung und einen Generator versorgt.
Berlin-Wannsee am 5. Januar 2026: Teile des Bahnhofs liefen während des Stromausfalls nur mit Notstrom und eingeschränkter Beleuchtung.Foto: Roy Zuo · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Anfang Januar 2026 waren im Berliner Südwesten über 100.000 Menschen mehrere Tage ohne Strom – bei Schnee und Frost. Diese Fallstudie zeichnet nach, was die zuständigen Stellen über Ablauf, Hilfe und Schwächen veröffentlicht haben, vor allem die Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters. Bewertungen stammen aus diesen Berichten, nicht von uns. Zur Tat selbst steht hier nur, was Behörden offiziell mitgeteilt haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden waren betroffen, vom 3. bis 7. Januar 2026, bei Schnee und Frost.
  • Mit dem Strom fiel auch die Wärme aus: Fernwärme und Gasheizungen brauchen Strom für Pumpen und Zündung.
  • Notunterkünfte, Wärme- und Ladepunkte des THW und warme Mahlzeiten der Bundeswehr kamen ab dem dritten Tag.
  • Laut Expertenkommission waren Eigenvorsorge und Information der Bevölkerung mangelhaft, UKW-Radio blieb ungenutzt.
  • Die Kommission empfiehlt jedem Haushalt ein Batterie- oder Kurbelradio und einen Vorrat für zehn Tage.

Was am 3. Januar 2026 passiert ist

Am frühen Morgen des 3. Januar 2026 brannte im Südwesten Berlins eine Kabelbrücke, mehrere Hochspannungskabel wurden beschädigt. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft waren in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom, darunter Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Die Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters beziffert die Zahl der Betroffenen auf über 100.000 Menschen.

Betroffen waren laut Kommission auch Schulen und Kitas, Flüchtlingsunterkünfte, Arztpraxen, Apotheken und mehrere Mobilfunkstandorte. Es herrschten Schneefall und Frost. Mit dem Strom fiel auch die Fernwärme aus: Das Kraftwerk selbst war nicht betroffen, aber ohne Strom konnten die Pumpen die Wärme nicht zuverlässig in die Gebäude bringen, so der Senat.

Zur Ursache: Das THW meldete am 5. Januar, die Polizei ermittle wegen des Verdachts auf Brandstiftung. Der Senat spricht in seiner Bilanz vom 27. Januar von einem Anschlag auf das Stromnetz, die Expertenkommission von einem Terroranschlag. Wer verantwortlich ist, klären die Ermittlungsbehörden; dazu steht hier bewusst nichts weiter.

Wie die Lage verlief

Die Expertenkommission hat den Ablauf unter anderem aus Lageberichten und Krisenstabsprotokollen rekonstruiert. Der Senat nannte am ersten Tag eine Prognose: Für rund 35.000 Anschlüsse sollten die Reparaturen bis zum Nachmittag des 8. Januar dauern. Er riet, wer könne, solle bei Freunden oder Familie außerhalb der betroffenen Gebiete unterkommen. Tatsächlich war die Versorgung am 7. Januar wiederhergestellt – nach mehr als vier Tagen.

Video: Berlin-Blackout: Die langen Tage ohne Strom | Stromausfall | rbb24 Reportage (rbb Doku) – rbb-Reportage vom 6. Januar 2026, gedreht während der Lage: kalte Wohnungen, Notunterkünfte, Menschen bei Verwandten. Stand vor der Auswertung der Expertenkommission.

Ablauf nach dem Bericht der Expertenkommission (Juni 2026)
ZeitpunktWas geschah
3. Januar, 6:43 UhrDie Feuerwehr löst Vollalarm für ihren Einsatzstab aus, mehrere Krisenstäbe nehmen die Arbeit auf.
3. Januar, 8:45 UhrErste Warnung über das Modulare Warnsystem (MoWaS).
3. Januar, abendsZwei Krankenhäuser sind über umgeleitete Mittelspannungsleitungen wieder versorgt.
4. Januar, 15:00 UhrDie Innensenatorin stellt die Großschadenslage fest; erste mobile Notstromanlagen laufen.
5. JanuarNotunterkünfte öffnen; Hilfe aus Nordrhein-Westfalen trifft mit zehn Energiemodulen ein.
7. JanuarDie Stromversorgung ist wiederhergestellt.
9. JanuarDas Ende der Großschadenslage wird formal festgestellt.

Was funktioniert hat

Der Senat zog am 27. Januar die Bilanz, das Krisenmanagement habe funktioniert; schnelle und koordinierte Maßnahmen hätten die Auswirkungen des Stromausfalls minimiert. Die Expertenkommission hält fest, dass es keine Personenschäden gab, und hebt kompetente und engagierte Akteure hervor – in Unternehmen, bei Blaulicht- und Hilfsorganisationen, in Verwaltung und Politik sowie viele Ehrenamtliche.

Das THW betrieb nach dem Bericht neun Notrufannahmestellen, die zugleich als Wärme- und Ladepunkte dienten. Laut THW wurden die Notunterkünfte vor allem nach der zweiten Nacht ohne Strom und Heizung verstärkt genutzt. Am 5. Januar waren 119 THW-Kräfte aus 19 Ortsverbänden im Einsatz, unter anderem für die Notstromversorgung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Die Bundeswehr leistete ab dem 5. Januar Amtshilfe. Nach eigenen Angaben stellte sie rund 58.000 Liter Kraftstoff für Stromaggregate bereit und gab warme Mahlzeiten aus, am Abend des 7. Januar an sieben Standorten im Bezirk. An zwei Tagen wurden etwa 950 von 4.000 vorbereiteten Mahlzeiten ausgegeben. Am 10. Januar endete die Amtshilfe.

Bei der Ernährung gab es kaum Probleme – aus einem Grund, der sich nicht auf größere Lagen übertragen lässt: Laut Kommission hatten die Menschen aus dem Gebiet im Schnitt keine drei Kilometer bis zur nächsten Einkaufs- oder Gastronomiemöglichkeit.

Was nicht funktioniert hat

Die Expertenkommission schreibt, die Lage habe Berlin an die Belastungsgrenze geführt. Manche Mittel kamen erst mit der formalen Feststellung der Großschadenslage zum Tragen, bis dahin blieben Zuständigkeiten vielerorts unklar. Kritische Engpässe gab es bei Notstromanlagen und Treibstoff; eine Tanklogistik war nicht vorgeplant, und verfügbare THW-Aggregate blieben teils ungenutzt.

Zum eigenen Haushalt enthält der Bericht zwei Befunde, die überraschen. Rund 95 Prozent der Berliner Photovoltaikanlagen lieferten keinen Strom, weil ihnen die Inselbetriebsfähigkeit fehlt. Und die Wärme war zwar da, aber nicht nutzbar: Fernwärme und Gas lagen an fast allen Häusern an, es fehlten nur der Zündfunke oder wenige Watt für die Umwälzpumpe.

Besonders deutlich wurden die Lücken bei verletzlichen Menschen. Im Gebiet lagen über 70 Pflegeeinrichtungen, doch es fehlten eine Datenbank verletzlicher Personen, eine Bevorratung und eine gesicherte, aufsuchende Erreichbarkeit. Die Kommission erwähnt ausdrücklich zahlreiche allein lebende verletzliche Personen.

Bei der Kommunikation sieht die Kommission gravierende Mängel. Warnung und Entwarnung über Cell Broadcast zeigten Schwächen, eine direkte Information über UKW-Radio fand nicht statt. Die Lautsprecherdurchsagen der Polizei waren nur auf Deutsch und erreichten nur einen Teil der Menschen. Notrufnummern fielen aus, und in sozialen Netzwerken kursierte Desinformation. Schließlich stellt der Bericht fest, die Eigenvorsorge der Bevölkerung habe sich als mangelhaft erwiesen.

Schema: Gas oder Fernwärme liegt an der Heizung an, doch Zündung und Pumpe brauchen Strom. Der Strom fehlt, deshalb kommt keine Wärme an.
Die Wärme war da, aber ohne Strom für Zündung und Umwälzpumpe nicht nutzbar.Skizze: WildWeasel

Welche Lehren Senat und Kommission ziehen

Der Senat beriet am 27. Januar ein Paket mit 66 Maßnahmenvorschlägen und priorisierte fünf Handlungsfelder: Schutz der Kritischen Infrastrukturen, Katastrophenschutz, Ausstattung und Befugnisse der Sicherheitsbehörden, Finanzierung und Resilienz der Bevölkerung. Zugleich kündigte der Regierende Bürgermeister eine Expertengruppe an; ihr Bericht liegt seit Juni 2026 vor.

Die Kommission empfiehlt unter anderem eine zentrale Zuständigkeit für Resilienz in der Senatskanzlei, ein Lage- und Krisenzentrum, regelmäßige Übungen und eine Notfallkommunikation, die sagt, was zu tun ist. Wohnortnahe Anlaufstellen – die Katastrophenschutz-Leuchttürme – sollen in allen Bezirken einheitlich mit Notstrom ausgebaut werden, ergänzt um stromautarke Kiezboxen als Informationspunkte. Betreiber im Gesundheitswesen sollen die Vorgaben des KRITIS-Dachgesetzes erfüllen; alle Beteiligten sollen bis spätestens 2029 ihre Kernfunktionen zehn Tage autonom betreiben können.

Hinweis Die Kommission betont selbst, der Ausfall habe weniger als fünf Prozent der Fläche und drei Prozent der Menschen Berlins betroffen. Er sei deshalb kein Muster für eine berlinweite Krise.

Was das für dich heißt

Die Kommission richtet ihre Empfehlungen ausdrücklich auch an die Bevölkerung. Jeder Haushalt sollte einen Vorrat für zehn Tage anlegen, Medikamente und Hilfsmittel für mindestens zehn Tage vorhalten und ein Batterie- oder Kurbelradio besitzen; eine geladene Powerbank wird empfohlen. Außerdem solltest du die nächste Anlaufstelle kennen und bereit sein, auf Nachbarschaftshilfe zu setzen. Das deckt sich mit dem BBK, das 10 Tage Selbstversorgung mit 2 Litern Wasser pro Person und Tag empfiehlt.

Wärme ist im Winter der eigentliche Engpass – auch mit Fernwärme oder Gas. Plane Decken, Schlafsäcke und warme Kleidung ein und überlege vorher, bei wem du unterkommen könntest; genau dazu riet der Senat am ersten Tag. Auch nach der Rückkehr des Stroms blieb es laut Stromnetz Berlin in seltenen Fällen kalt, weil Steuergeräte elektrischer Heizungen wie Wärmepumpen und Nachtspeicheröfen beschädigt waren.

Ob sich deine Heizung oder deine Solaranlage für Notstrom vorbereiten lässt, klärt ein Elektrofachbetrieb. Eine Heizung oder die Hausinstallation selbst an ein Aggregat oder eine Powerstation anzuschließen, ist lebensgefährlich und keine Aufgabe für Laien.

Rechne damit, dass Handy und Internet ausfallen und damit auch der Notruf vom eigenen Telefon; in Berlin übernahmen Notrufannahmestellen des THW diese Aufgabe. Und schau nach den Menschen in deiner Nachbarschaft, die allein leben oder auf Pflege angewiesen sind – bei ihnen sah die Kommission die deutlichsten Lücken.

Was diese Fallstudie nicht leisten kann

Die Darstellung stützt sich auf den Bericht der Expertenkommission, die Bilanz des Senats und Mitteilungen von THW, Bundeswehr und Stromnetz Berlin. Protokolle von Ausschüssen des Abgeordnetenhauses haben wir nicht ausgewertet. Zu den Ermittlungen steht hier nichts, was über die offiziellen Mitteilungen hinausgeht.

Wie lange der Berliner Ausfall im Vergleich zu anderen Lagen dauerte, zeigt der Überblick „Wie lange echte Lagen dauerten: Iberien, Berlin, Ahrtal“.

Häufige Fragen

Wie lange dauerte der Stromausfall?

Vom Morgen des 3. Januar bis zum 7. Januar 2026, also mehr als vier Tage. Die Großschadenslage wurde am 9. Januar formal beendet.

Warum waren auch Wohnungen mit Fernwärme oder Gasheizung kalt?

Pumpen und Zündung brauchen Strom. Laut Senat konnten die Pumpen die Fernwärme nicht zuverlässig in die Gebäude bringen, laut Kommission fehlten der Zündfunke oder wenige Watt für die Umwälzpumpe.

Warum lieferten Solaranlagen auf dem Dach keinen Strom?

Laut Expertenkommission fehlte rund 95 Prozent der Berliner Anlagen die Inselbetriebsfähigkeit. Ob deine Anlage das kann oder nachgerüstet werden kann, klärt ein Elektrofachbetrieb.

Wie konnte man ohne Handynetz Hilfe rufen?

Das THW betrieb neun Notrufannahmestellen, die zugleich Wärme- und Ladepunkte waren. Die Kommission empfiehlt, die nächste Anlaufstelle vorher zu kennen.

Wer war für den Anschlag verantwortlich?

Das klären die Ermittlungsbehörden. Diese Fallstudie gibt nur wieder, was Behörden offiziell mitgeteilt haben, und spekuliert nicht.

Quellen

  1. Resilienz in Berlin: Über die Funktionsfähigkeit der Kritischen Infrastruktur – Bericht der Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters (Juni 2026, PDF)Senatskanzlei Berlin · Ablauf, Betroffene, Schwachstellen (Notstrom, Photovoltaik, Wärme, verletzliche Gruppen, Kommunikation, Eigenvorsorge) und Empfehlungen
  2. Bilanz und Maßnahmenpaket zur Nachbereitung der Großschadenslage nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten (Pressemitteilung vom 27. Januar 2026)Senatskanzlei Berlin, Presse- und Informationsamt des Landes Berlin · Einstufung als Anschlag, Bilanz des Krisenmanagements, 66 Maßnahmenvorschläge in fünf Handlungsfeldern, Expertengruppe
  3. Stromausfall im Berliner Südwesten (Pressemitteilung vom 3. Januar 2026)Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin · Betroffene Ortsteile, 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden, Ausfall der Fernwärme, Prognose und Rat zur Unterkunft
  4. Einsatz Stromausfall Berlin (Meldung vom 5. Januar 2026)Technisches Hilfswerk, Landesverband Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt · Ermittlungen wegen Verdachts auf Brandstiftung, Notunterkünfte, Notrufannahmestellen, Einsatzkräfte
  5. Brandanschlag: Bundeswehr hilft nach Stromausfall in BerlinBundeswehr, Operatives Führungskommando · Amtshilfe ab 5. Januar, Kraftstoff, warme Mahlzeiten, Ende der Amtshilfe am 10. Januar
  6. Steglitz-Zehlendorf – aktueller StandStromnetz Berlin GmbH (Netzbetreiber, Unternehmensangabe) · Beschädigte Steuergeräte elektrischer Heizungen nach der Wiederversorgung