Viele, die eine Solaranlage auf dem Dach haben, erleben den ersten Stromausfall mit einer Überraschung: Die Sonne scheint, und trotzdem ist das Haus dunkel. Dieser Artikel erklärt, warum eine fest installierte PV-Anlage bei Netzausfall abschaltet, was hinter den Begriffen Notstrom und Ersatzstrom steckt und was du von einem Heimspeicher realistisch erwarten kannst. Um mobile Geräte wie Powerstation und Faltpanel geht es im Artikel „Powerstation und Solar“ – hier geht es um die Anlage, die fest im Haus verbaut ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine normale PV-Anlage schaltet bei Stromausfall ab – aus Sicherheitsgründen, auch bei voller Sonne.
- Notstrom heißt: einige Geräte an einer eigenen Steckdose. Ersatzstrom heißt: das Haus, vom Netz getrennt.
- Beides gibt es nur bei passend ausgestatteten Anlagen, oft gegen Aufpreis.
- Von November bis Februar liefert die Anlage wenig, nachts nichts – der Speicher bestimmt, wie lange es reicht.
- Nachrüsten und Umbauen ist Sache eines eingetragenen Elektrofachbetriebs, nicht der eigenen Hände.
Warum die Anlage bei Stromausfall abschaltet
Eine übliche Photovoltaikanlage arbeitet im Gleichtakt mit dem öffentlichen Netz. Die Module liefern Gleichstrom, der Wechselrichter wandelt ihn in Wechselstrom um, und was im Haus nicht verbraucht wird, fließt ins Netz. Der Wechselrichter ist also fest mit dem Netz verbunden – und genau das wird bei einem Ausfall zum Problem.
Fällt das Netz aus, hört eine herkömmliche Anlage auf, Strom abzugeben. Das ist kein Defekt, sondern Absicht. Die Abschaltung verhindert, dass bei Reparaturarbeiten Leistung in Leitungen gelangt, die eigentlich stromlos sein sollen – für die Monteure, die daran arbeiten, könnte das lebensgefährlich sein. Deshalb produziert die Anlage in diesem Moment nichts mehr, auch wenn die Sonne scheint.
Die technischen Anforderungen an diese Schutzfunktion, den sogenannten Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz), legt die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz fest. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE, das diese Regeln erarbeitet, verweist in seinen Hinweisen für Speicher ausdrücklich darauf. Für dich heißt das: Die Abschaltung ist vorgeschrieben und gewollt. Sie zu umgehen, ist keine Option.
Tipp Wenn bei einem Stromausfall nur dein Haus dunkel ist, liegt es vielleicht gar nicht am Netz. Wie du das eingrenzt, steht im Artikel „Ist es nur bei mir?“.
Das Balkonkraftwerk schaltet ebenfalls ab
Für Steckersolargeräte gilt dasselbe Prinzip im Kleinen. Die Verbraucherzentralen beantworten die Frage, ob man damit bei Stromausfall ein Radio betreiben oder das Handy laden kann, klar mit Nein: Der Wechselrichter braucht grundsätzlich die Verbindung zum Stromnetz, um zu funktionieren. Steckersolargeräte sind ausdrücklich keine Inselanlagen.
Es gibt inzwischen Batteriespeicher für Steckersolargeräte, die sich bei einem Stromausfall in einen Inselbetrieb umschalten lassen. Das ist dann eine Zusatzfunktion dieses Speichers, nicht des Balkonkraftwerks selbst. Mehr zu kleinen Anlagen und mobilen Speichern steht im Artikel „Powerstation und Solar“.
Notstrom und Ersatzstrom: zwei verschiedene Dinge
Damit eine Solaranlage bei Stromausfall überhaupt etwas liefert, braucht sie laut Bundesverband Solarwirtschaft, einem Branchenverband, zweierlei: einen inselbetriebsfähigen Wechselrichter, der eigenständig eine Netzfrequenz herstellen kann, und einen Batteriespeicher. Darauf bauen zwei Varianten auf, die oft verwechselt werden.
Notstrom ist die einfache Variante. Am Speicher oder am Wechselrichter gibt es eine eigene Steckdose, manchmal auch einen separaten Stromkreis nur für den Fehlerfall. Bei einem Ausfall steckst du die wichtigsten Geräte dort um. Die Verbraucherzentrale beschreibt, dass sich so einige wenige Geräte versorgen lassen. Das übrige Hausnetz bleibt dunkel.
Ersatzstrom geht weiter. Hier trennt eine Netztrennungseinrichtung bei Ausfall der öffentlichen Versorgung die häuslichen Stromkreise vom Netz, und die Anlage schaltet auf Inselbetrieb um. Die vorhandene Elektroinstallation wird dann aus der Batterie versorgt. Diese Trennung ist der Kern: Nur weil das Haus vom Netz abgekoppelt ist, darf die Anlage weiterlaufen, ohne Spannung nach draußen zu schicken. Die Umschaltung kann sogar so schnell sein, dass Computer einfach weiterlaufen – die Verbraucherzentrale spricht dann von einer unterbrechungsfreien Stromversorgung.
| Variante | Was versorgt wird | Wie es umschaltet |
|---|---|---|
| Keine Notstromfunktion | nichts – die Anlage schaltet ab | – |
| Notstrom | einige Geräte an einer eigenen Steckdose oder einem separaten Stromkreis | von Hand: Geräte werden umgesteckt |
| Ersatzstrom | ein Teilnetz oder das ganze Hausnetz | automatisch, mit Trennung vom öffentlichen Netz |
Was auch eine notstromfähige Anlage nicht kann
Selbst die beste Ersatzstromlösung liefert nur, was Dach und Speicher gerade hergeben. Die Verbraucherzentrale hält fest, dass Photovoltaikanlagen in den Wintermonaten November bis Februar nur wenig Strom liefern und dass daran auch der Speicher nichts ändert. Energie aus dem Sommer für den Winter aufzuheben, geht selbst mit einem sehr großen Batteriespeicher nicht.
Nachts liefern die Module ohnehin nichts. Ein Heimspeicher ist im Alltag dafür ausgelegt, den Solarstrom des Tages in den Abend und die Nacht zu tragen – und bis zum Morgen weitgehend leer zu sein. Fällt der Strom zu einem ungünstigen Zeitpunkt aus, ist womöglich nicht mehr viel darin. Ob der Speicher im Notbetrieb aus der Anlage nachlädt, hängt von der gewählten Variante ab; das kann nach Angaben des Solarverbands der Fachbetrieb im Einzelfall erläutern.
Dazu kommt die Leistung. Auch im Ersatzstrombetrieb steht nicht mehr zur Verfügung, als der Wechselrichter bereitstellen kann. Die Verbraucherzentrale nennt als Folge, dass Herd, Backofen, Toaster oder Föhn nicht alle gleichzeitig laufen können, ein Durchlauferhitzer meist gar nicht, und dass das Laden eines Elektroautos gestoppt oder gedrosselt werden sollte. Liefert die Anlage nicht mehr genug und ist der Speicher leer, bricht die Versorgung zusammen.
Tipp Plane auch mit Ersatzstrom so, als hättest du nur einen begrenzten Vorrat: Licht, Kühlschrank, Heizungssteuerung und Kommunikation zuerst, alles, was Wärme erzeugt, zuletzt.
Diese Fragen solltest du deinem Installateur stellen
Ob deine Anlage im Ernstfall etwas liefert, steht selten im Gedächtnis – aber in den Unterlagen und im Kopf des Betriebs, der sie gebaut hat. Die Verbraucherzentrale betont, dass Not- und Ersatzstrom nur bei einigen Heimspeichern zum üblichen Funktionsumfang gehören, oft nur gegen Aufpreis. Wer ein Angebot einholt, sollte den Wunsch daher klar formulieren. Und bei bestehenden Anlagen ist eine Nachrüstung nach Angaben des Solarverbands in vielen Fällen möglich.
Die folgenden Fragen helfen dir, im Gespräch nichts zu vergessen. Schreib die Antworten auf und leg sie zu deinen Notfallunterlagen.
- Hat meine Anlage eine Notstrom-, eine Ersatzstrom- oder gar keine Funktion für den Netzausfall?
- Wo ist die Notstromsteckdose, und welche Leistung kann sie abgeben?
- Schaltet die Anlage automatisch um, oder muss ich etwas tun – und was genau?
- Lädt der Speicher im Notbetrieb aus der PV-Anlage nach?
- Kann die Anlage ohne Netz starten, auch wenn der Speicher gerade leer ist?
- Lässt sich im Speicher eine Reserve für den Notfall vorhalten?
- Welche Geräte kann ich im Notbetrieb gleichzeitig betreiben, welche nicht?
- Ist eine Nachrüstung bei meiner Anlage möglich, und was würde sie kosten?
Tipp Bitte den Betrieb, dir die Notstrom- oder Ersatzstromfunktion einmal vorzuführen. Was du einmal bei Tageslicht gesehen hast, findest du im Dunkeln wieder.
Nachrüsten ist Sache des Elektrofachbetriebs
Eine Ersatzstromlösung greift in die feste Elektroinstallation ein: Das Haus muss zuverlässig vom Netz getrennt werden, bevor die eigene Anlage es versorgt. Wie das technisch umgesetzt wird, steht bewusst nicht in diesem Artikel. Ein Fehler an dieser Stelle legt Spannung auf ein Netz, an dem andere arbeiten, oder hebelt die Schutzeinrichtungen im eigenen Haus aus.
Die Rechtslage ist eindeutig. Nach der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Errichtung, Erweiterung und Änderung der elektrischen Anlage hinter der Hausanschlusssicherung außer vom Netzbetreiber nur von einem Installationsunternehmen ausgeführt werden, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Gegenüber dem Netzbetreiber verantwortlich bleibst trotzdem du als Anschlussnehmer, und der Netzbetreiber ist berechtigt, die Ausführung der Arbeiten zu überwachen.
Auch eine Notstromsteckdose ist genau das: eine Steckdose für einzelne Geräte. Sie ist nicht dafür gedacht, über ein Kabel oder eine Mehrfachsteckdose in andere Stromkreise des Hauses zurückzuspeisen. Warum das gefährlich ist, erklärt der Artikel „Notstrom sicher betreiben“.
Achtung Baue an Wechselrichter, Speicher oder Zählerschrank nichts selbst um, um die Anlage bei Stromausfall nutzbar zu machen. Rückspeisung ins Netz gefährdet Menschen, die an freigeschalteten Leitungen arbeiten. Zuständig ist ein eingetragener Elektrofachbetrieb; der Netzbetreiber darf die Arbeiten überwachen.
Was du jetzt tun kannst
Der erste Schritt kostet nichts: Finde heraus, was deine Anlage kann. Schau in die Unterlagen vom Einbau, frag den Betrieb und notiere die Antwort. Wenn es eine Notstromsteckdose gibt, markiere sie und leg eine Verlängerung und eine Lampe in die Nähe.
Der zweite Schritt ist ein Plan B, der ohne Dach und Wechselrichter auskommt. Taschenlampen, ein batteriebetriebenes Radio, Powerbanks und bei Bedarf eine Powerstation funktionieren unabhängig davon, ob die Anlage anspringt, ob Winter ist und wie voll der Speicher gerade war. Wie du dich insgesamt auf einen Ausfall vorbereitest, steht im Artikel „Stromausfall: Was wirklich ausfällt“.
Und wenn du ohnehin eine neue Anlage oder einen Speicher planst: Sprich die Notfallfunktion gleich beim ersten Termin an. Die Verbraucherzentrale rät generell, die Speicherkapazität nicht zu groß zu wählen, hält eine höhere Kapazität aber für sinnvoll, wenn der Speicher Not- oder Ersatzstrom bieten soll. Welche Lösung zu deinem Haus passt, klärt der Fachbetrieb vor Ort.
Häufige Fragen
Warum ist mein Haus bei Stromausfall dunkel, obwohl die Sonne scheint?
Weil eine übliche PV-Anlage bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen abschaltet. So gelangt keine Spannung in Leitungen, an denen Monteure arbeiten. Strom liefert sie dann nur mit einer eigens dafür ausgelegten Notstrom- oder Ersatzstromfunktion.
Was ist der Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom?
Notstrom versorgt einige Geräte über eine eigene Steckdose, die du von Hand umsteckst. Ersatzstrom trennt das Haus automatisch vom Netz und versorgt ein Teilnetz oder das ganze Hausnetz aus der Batterie.
Kann ich mit Speicher und Ersatzstrom einen langen Ausfall im Winter überbrücken?
Nur eingeschränkt. Von November bis Februar liefern PV-Anlagen laut Verbraucherzentrale nur wenig Strom, nachts gar keinen. Wie lange es reicht, hängt vom Ladestand des Speichers und deinem Verbrauch ab.
Kann ich meine bestehende Anlage selbst notstromfähig machen?
Nein. Änderungen an der Elektroinstallation darf nur ein in ein Installateurverzeichnis eingetragener Betrieb ausführen. Eine Nachrüstung ist nach Angaben des Solarverbands bei Bestandsanlagen oft möglich – frag deinen Fachbetrieb.
Quellen
- Lohnen sich Batteriespeicher für Photovoltaik-Anlagen?Verbraucherzentrale · Notstromsteckdose für einige wenige Geräte, Ersatzstrom für das Hausnetz, Leistungsgrenze des Wechselrichters, Aufpreis, wenig Ertrag November bis Februar, keine saisonale Speicherung, Speichergröße
- Stromausfall: Welche Solaranlagen liefern Notstrom?Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), Branchenverband · Voraussetzungen inselbetriebsfähiger Wechselrichter und Batteriespeicher, Unterscheidung Notstrom und Ersatzstrom mit Netztrennungseinrichtung, Nachladen im Notbetrieb, Nachrüstung bei Bestandsanlagen
- PV-Anlage bei Stromausfall nutzen: Aber bitte nur mit Speicher!EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Energieversorger (Unternehmen) · Abschaltung bei Netzausfall zum Schutz der Monteure bei Reparaturarbeiten, teilentladener Speicher, Notstromreserve, Start ohne Netz
- FAQ zu Steckersolar-Geräten: Das sind die häufigsten FragenVerbraucherzentrale · Steckersolargeräte sind keine Inselanlagen und bei Stromausfall nicht nutzbar; manche Zusatzspeicher mit Inselbetrieb
- VDE FNN Hinweis: Anschluss und Betrieb von Speichern am Niederspannungsnetz (Version 7.1, Juli 2024)Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) · Anforderungen an den NA-Schutz nach VDE-AR-N 4105, Inselbetrieb als Betrieb getrennt vom öffentlichen Netz, Begriff Elektrofachbetrieb
- Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), § 13 Elektrische AnlageBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · Arbeiten an der Anlage hinter der Hausanschlusssicherung nur durch in ein Installateurverzeichnis eingetragene Unternehmen; Verantwortung des Anschlussnehmers
