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Grundlagen

Der Engpass zuerst: wie viele Tage du ohne Nachschub auskommst

Eine ehrliche Selbstprüfung statt einer Einkaufsliste: Schätz für jeden Bereich deine Tage ohne Nachschub – und fang bei der kleinsten Zahl an.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Auf einem Tisch liegt eine zusammengestellte Notfallausrüstung mit Rucksack, Wasser, haltbaren Lebensmitteln, Verbandsmaterial und weiteren Hilfsmitteln.
Vorsorge besteht aus mehreren Bereichen – wie lange ein Haushalt ohne Nachschub auskommt, entscheidet am Ende der knappste davon.Foto: Isabel Calderon 98 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Die meisten Haushalte haben von manchem reichlich und von anderem fast nichts: drei Packungen Nudeln, aber keine Batterie fürs Radio. Dieser Artikel ist keine Einkaufsliste, sondern eine Selbstprüfung. Du schätzt für jeden Bereich, wie viele Tage dein Haushalt ohne Nachschub auskäme, markierst die kleinste Zahl – und weißt danach, wo dein nächster Schritt liegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Haushalt hält so lange durch wie sein schwächster Bereich, nicht wie sein bester.
  • Schätz für Wasser, Essen, Wärme, Licht, Information, Bargeld und Medikamente je eine Zahl in Tagen.
  • Wasser rechnest du so: Liter im Haus geteilt durch (Personen × 2) ergibt deine Tage.
  • Viele Bereiche hängen am Strom – zähl nur, was auch ohne Steckdose funktioniert.
  • Ziel des BBK sind 10 Tage; ein Vorrat für zumindest 3 Tage hilft laut BBK schon sehr.

Warum die kleinste Zahl entscheidet

Stell dir vor, du hast Essen für zwei Wochen im Regal, aber nur Wasser für einen Tag. Wie lange hält dein Haushalt dann ohne Nachschub durch? Nicht zwei Wochen, sondern einen Tag – danach musst du raus, egal wie voll das Regal ist. Die Vorräte addieren sich nicht, sie bilden eine Kette. Und eine Kette reißt am schwächsten Glied.

Genau deshalb bringt es wenig, dort weiterzukaufen, wo man sich ohnehin schon sicher fühlt. Wer noch eine Packung Reis ins volle Regal stellt, verlängert seine Durchhaltezeit um keine Stunde, solange die Taschenlampe keine Batterien hat. Der wirksamste nächste Schritt liegt fast immer dort, wo die Zahl am kleinsten ist.

Für die Selbstprüfung in diesem Artikel brauchst du einen Stift, ein Blatt Papier und einen ehrlichen Blick in Schränke und Keller. Kaufen musst du dafür nichts. Am Ende steht eine Tabelle mit sieben Zahlen – und eine davon ist rot markiert.

Skizze mit zwei Balken: Essen reicht 14 Tage, Wasser nur 1 Tag. Darunter das Ergebnis: Dein Haushalt hält 1 Tag.
Die Vorräte addieren sich nicht – der Haushalt hält so lange wie sein schwächster Bereich.Skizze: WildWeasel

Tipp Mach die Prüfung zu zweit oder mit der ganzen Familie. Wer die Wasserkisten nie trägt, weiß oft nicht, wie viele es sind – und wer die Medikamente nicht nimmt, weiß nicht, wann die Packung leer ist.

Wovon deine Tage abhängen: fast überall steckt Strom dahinter

Bevor du zählst, lohnt ein Blick auf die Abhängigkeiten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt, was bei einem Stromausfall wegfällt: Kühlschrank und Herd, Licht und Heizung, Internet und Mobilfunk – und unter Umständen kommt kein Wasser mehr aus der Leitung. In der Regel sind Stromausfälle nach wenigen Stunden behoben, bei großflächigen Schäden kann es laut BBK aber auch Tage dauern.

Wie eng die Bereiche zusammenhängen, hat das Büro für Technikfolgen-Abschätzung für den Bundestag am Szenario eines großräumigen und langandauernden Stromausfalls untersucht. Der Bericht hält fest, dass die Wasserinfrastruktur ohne Strom schon nach kürzester Zeit nicht mehr betrieben werden kann und bei ausfallenden Pumpen obere Stockwerke in Hochhäusern unter Umständen nicht mehr erreicht werden. Geldautomaten sind in dem Szenario gleich zu Beginn außer Betrieb, und auch das Bezahlen mit Karte in den Geschäften funktioniert nicht mehr.

Die Verbraucherzentrale ordnet das für den Alltag nüchterner ein: Die Wasserversorgung bleibt bei einem Stromausfall in der Regel erhalten, allerdings ohne Warmwasser, und erst bei längeren Ausfällen kann es Einschränkungen geben. Heizungen funktionieren ohne Strom nicht. Einen Fall, in dem weit und breit keine Einkaufsmöglichkeiten, Geldautomaten und Apotheken verfügbar waren, hat es laut Verbraucherzentrale bisher nicht gegeben.

Für die Selbstprüfung heißt das: Zähl nur, was auch ohne Steckdose funktioniert. Das Gefrierfach, der elektrische Heizlüfter und das WLAN-Radio zählen nicht mit.

Die Selbstprüfung: eine Zeile pro Bereich

Die Tabelle unten hat sieben Zeilen. Die zweite Spalte erinnert dich daran, woran der Bereich im Alltag hängt. In die dritte trägst du deine ehrliche Schätzung ein, in die vierte den kleinsten sinnvollen Schritt, der die Zahl erhöhen würde. Schreib sie ab oder druck sie aus – auf Papier ist sie auch dann lesbar, wenn das Handy leer ist.

Drei Regeln machen die Zahlen ehrlich. Erstens: Rechne mit allen Personen und Tieren im Haushalt, nicht nur mit dir. Zweitens: Rechne mit der ungünstigen Jahreszeit – bei der Wärme also mit dem Winter. Drittens: Wenn du für einen Bereich keine Zahl nennen kannst, trägst du eine Null ein. Nicht zu wissen, wie lange etwas reicht, ist im Ernstfall dasselbe, wie nichts zu haben.

Selbstprüfung zum Ausfüllen: Tage ohne Nachschub
BereichWovon hängt es abMeine TageNächster Schritt
WasserPumpen und Leitungsdruck, also Strom__ TageLiter zählen, Rechenhilfe unten nutzen
EssenKühlung, Herd, offene Geschäfte__ TageNur zählen, was ohne Kühlschrank hält
WärmeHeizung, die ohne Strom nicht läuft__ TageDecken, Schlafsäcke, warme Kleidung prüfen
LichtNetzstrom, Batterien, Akkus__ TageLampen und Reservebatterien testen
InformationInternet, Mobilfunk, Batterieradio__ TageRadio mit Batterie oder Kurbel prüfen
GeldGeldautomat und Kartenzahlung__ TageBargeld in kleiner Stückelung zu Hause
MedikamenteArztpraxis und Apotheke__ TageRestmenge zählen, Vorlauf ärztlich klären

So zählst du ehrlich – Bereich für Bereich

Beim Wasser ist die Rechnung am klarsten, dazu gleich mehr. Beim Essen zählt nur, was ohne Kühlung haltbar ist. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) rechnet ihren Beispielvorrat auf rund 2.200 Kilokalorien pro Person und Tag; ihr Vorratskalkulator zeigt dir, was dein Haushalt für einen Zeitraum von 1 bis 28 Tagen braucht. Leg deinen Bestand grob daneben – eine Schätzung auf den Tag genau ist nicht nötig.

Bei der Wärme gibt es keine Rechenformel. Frag dich stattdessen: Wie viele Tage würden wir im Winter in einer ungeheizten Wohnung mit dem zurechtkommen, was an Decken, Schlafsäcken und warmer Kleidung da ist? Das BBK nennt warme Kleidung und Decken als Ersatz für die Heizung „eine Zeit lang“. Im Szenario des Bundestagsberichts suchen Menschen in der zweiten Woche zum Teil Sammelunterkünfte auf, wenn die Wohnungen nicht mehr geheizt werden können. Auch „dann gehen wir zu Verwandten“ ist eine Antwort – aber nur, wenn ihr das vorher besprochen habt.

Bei Licht und Information ist die ehrlichste Methode ein Test: Schalte an einem Abend den Strom im Kopf ab und nutze nur Taschenlampe und Batterieradio. Das Handy zählt nur eingeschränkt. Der Bericht an den Bundestag beschreibt, dass geladene Mobiltelefone bei mäßigem Gebrauch einige Tage funktionieren können, die Basisstationen der Netze aber zumeist binnen weniger Minuten überlastet sind. Den Hörfunk über akku- und batteriebetriebene Geräte nennt er einen der wichtigsten Kanäle für die Information der Bevölkerung im Krisenfall.

Beim Geld zählst du, für wie viele Tage die Einkäufe bar bezahlt werden könnten. Die Verbraucherzentrale rät zu Bargeld in kleiner Stückelung, weil Kartenzahlung und Geldautomaten bei Stromausfall oft nicht zuverlässig funktionieren. Bei Medikamenten zählst du die Tage, bis die aktuelle Packung aufgebraucht ist – für jedes Mittel, das regelmäßig genommen wird.

Rechenhilfe für das Wasser

Die Rechengröße ist 2 Liter pro Person und Tag. Das BBK setzt für einen Erwachsenen mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag an und rechnet 0,5 Liter zum Kochen dazu. Fruchtsäfte und andere Getränke dürfen mitgezählt werden, ein gewisser Anteil sollte aber aus (Mineral-)Wasser bestehen.

Damit ergibt sich eine einfache Formel: Liter im Haus geteilt durch (Personen × 2) gleich Tage. Ein Beispiel: Zwei Personen haben zwei Sechserträger mit 1,5-Liter-Flaschen im Keller, also 18 Liter. 18 geteilt durch 4 ergibt 4,5 Tage. Das ist mehr als die drei Tage, die laut BBK schon sehr helfen, aber weniger als die zehn Tage, die das BBK als Ziel nennt.

Zähl nur verschlossene, trinkbare Getränke mit. Was gekühlt werden muss, fällt bei Stromausfall weg. Wie du vom Ist-Stand zu zehn Tagen kommst, wie viel Platz das braucht und was sonst mitzählt, steht im Artikel „Trinkwasservorrat anlegen: wie viel dein Haushalt braucht“.

Eine transparente Kunststoffflasche mit Wasser steht auf einer Ablage vor unscharfem Hintergrund.
Symbolbild: Für die Reichweitenrechnung zählt die tatsächlich vorhandene Menge an trinkbaren, sauber gelagerten Getränken.Foto: Rjcastillo · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten
  • Schritt 1: Alle Flaschen und Kanister im Haushalt zusammenzählen, in Litern
  • Schritt 2: Personen im Haushalt mal 2 rechnen
  • Schritt 3: Liter durch das Ergebnis aus Schritt 2 teilen
  • Schritt 4: Tiere kommen obendrauf – ihren Bedarf nennt dir die Tierarztpraxis

Die kleinste Zahl markieren – und dort anfangen

Jetzt kreist du die kleinste Zahl in der Tabelle ein. Das ist dein Engpass, und dort liegt der nächste Schritt. Alles andere darf warten, auch wenn es verlockender ist, das Regal weiter zu füllen. Liegen zwei Bereiche gleichauf, nimm den, der sich im Ernstfall schlechter improvisieren lässt – beim Wasser ist das fast immer der Fall.

Hast du den Engpass angehoben, füllst du die Tabelle neu aus. Oft rückt dann ein anderer Bereich nach unten. Genau so soll es sein: Du arbeitest dich nicht durch eine Liste, sondern hebst immer die gerade niedrigste Zahl an. Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und hält zugleich fest, dass ein Vorrat für zumindest drei Tage schon sehr hilft. Drei Tage in allen sieben Zeilen sind deshalb ein gutes erstes Ziel.

Wo es für den jeweiligen Engpass weitergeht, steht in eigenen Artikeln. Die Reihenfolge für den Einstieg beschreibt „Vorsorge anfangen: die ersten Schritte, die wirklich zählen“, die Rangfolge bei wenig Geld „Vorsorge mit kleinem Budget: die richtige Reihenfolge“. Wie du beim Essen auf zehn Tage kommst, zeigt „Lebensmittelvorrat für 10 Tage aufbauen“, und warum drei und zehn Tage kein Widerspruch sind, erklärt „72 Stunden oder 10 Tage? Was Selbstversorgung heißt“.

Hinweis Im Szenario des Bundestagsberichts ergeben sich wegen der generell geringen privaten Bevorratung schon am Ende der ersten Woche ernsthafte Engpässe in der Lebensmittelversorgung. Die BBK-Empfehlung von zehn Tagen reicht über diese erste Woche hinaus.

Wenn der Engpass nicht im Regal liegt

Manche Engpässe lassen sich nicht einfach kaufen. Bei Medikamenten beschreibt der Bundestagsbericht, dass im Szenario die meisten Arztpraxen und Apotheken schließen und Arzneimittel im Verlauf der ersten Woche knapper werden. Das BBK rät, den Vorrat an wichtigen Medikamenten aufzufüllen, bevor er verbraucht ist. Wie viel Vorlauf bei verschreibungspflichtigen Mitteln sinnvoll ist, klärst du mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt – nicht auf eigene Faust.

Ähnlich ist es bei Geräten, die Strom brauchen. Die Verbraucherzentrale rät, bei medizinischen Geräten mit Stromanschluss vorab zu klären, welche Notfalllösungen es gibt. Hier heißt der nächste Schritt nicht „kaufen“, sondern „anrufen“: beim Pflegedienst, beim Hersteller oder in der Praxis.

Und manchmal ist der Engpass eine Information, die fehlt. Wo steht bei euch der Ofen, wer im Haus hat einen Kamin, bei wem könntet ihr unterkommen? Solche Antworten kosten nichts, verlängern deine Tage aber genauso wie eine Kiste Wasser. Schreib sie auf dasselbe Blatt wie deine Tabelle.

Achtung Verschreibungspflichtige Medikamente nie eigenmächtig horten, strecken oder absetzen. Sprich den Vorlauf mit deiner Arztpraxis oder Apotheke ab.

Häufige Fragen

Wie genau muss ich die Tage schätzen?

Nicht genau. Es geht darum, den schwächsten Bereich zu finden, nicht um eine exakte Zahl. Wenn du unsicher bist, schätz lieber zu niedrig als zu hoch.

Wie viel Wasser brauche ich pro Tag?

Rechne mit 2 Litern pro Person und Tag. Das BBK setzt mindestens 1,5 Liter zum Trinken an und plant 0,5 Liter zum Kochen dazu.

Welches Ziel sollte ich mir setzen?

Das BBK empfiehlt, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und sagt zugleich, dass schon drei Tage sehr helfen. Drei Tage in jeder Zeile sind ein guter erster Meilenstein.

Zählt mein Handy als Informationsquelle?

Nur eingeschränkt. Das Gerät selbst kann laut Bundestagsbericht einige Tage funktionieren, die Mobilfunknetze sind bei einem großen Ausfall aber schnell überlastet. Ein Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb ist die verlässlichere Zeile.

Wie oft sollte ich die Prüfung wiederholen?

Immer dann, wenn du einen Engpass angehoben hast – dann rückt meist ein anderer Bereich nach unten. Auch nach einem Umzug oder wenn jemand in den Haushalt dazukommt, lohnt ein neuer Durchgang.

Quellen

  1. Essen und Trinken bevorratenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Zehn Tage als Ziel, drei Tage als hilfreicher Einstieg, mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit plus 0,5 Liter Kochwasser, Säfte zählen mit
  2. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Was bei Stromausfall wegfällt, Dauer von Stunden bis Tagen, warme Kleidung und Decken als Ersatz für die Heizung
  3. Im Notfall schnell einsatzbereit: Die HausapothekeBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Vorrat an wichtigen Medikamenten auffüllen, bevor er verbraucht ist
  4. NotvorratBundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), ernaehrungsvorsorge.de · Beispielvorrat mit rund 2.200 kcal pro Person und Tag, Vorratskalkulator für 1 bis 28 Tage
  5. Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung (Drucksache 17/5672)Deutscher Bundestag, Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) · Abhängigkeit von Wasserversorgung, Zahlungsverkehr, Mobilfunk, Wärme und Arzneimittelversorgung vom Strom im Szenario eines langen Ausfalls
  6. Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentrale · Einordnung: Wasser meist weiter verfügbar, Heizungen ohne Strom außer Betrieb, Bargeld in kleiner Stückelung, Notfalllösungen für medizinische Geräte