Eine Handmühle, die sich zu schwer dreht, eine Pumpe, die zu langsam fördert, ein Fahrrad, das am Berg stehen bleibt – oft fehlt nicht Kraft, sondern die passende Übersetzung. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, wie Zahnräder, Ketten und Riemen Drehzahl gegen Drehmoment tauschen, wie du ein Übersetzungsverhältnis ausrechnest und wie du mit Holzscheiben und Riemen selbst eine einfache Übersetzung baust.
Das Wichtigste in Kürze
- Übersetzung heißt: Zähnezahl am Abtrieb geteilt durch Zähnezahl am Antrieb.
- Ins Langsame übersetzt gewinnst du Drehmoment, ins Schnelle übersetzt gewinnst du Drehzahl – nie beides.
- Riemen laufen leise und ohne Schmierung, rutschen aber etwas. Zahnräder und Ketten übersetzen genau.
- Mühlen liefen jahrhundertelang mit hölzernen Getrieben aus Kammrad und Stockgetriebe.
- Offene Zahnräder und Riemen ziehen Kleidung, Haare und Handschuhe ein. Nur im Stillstand anfassen.
Was eine Übersetzung macht
Greifen zwei Zahnräder ineinander, bewegen sich ihre Zähne am Berührpunkt gleich schnell. Das kleinere Rad muss sich deshalb öfter drehen als das große. LEIFIphysik, das Physikportal des FWU Instituts für Film und Bild, rechnet das an einem Beispiel vor: Ein Rad mit 25 Zentimetern Durchmesser dreht sich zehnmal pro Sekunde, das eingreifende Rad mit 50 Zentimetern nur fünfmal. Drehzahl und Durchmesser verhalten sich umgekehrt zueinander.
Mit der Kraft ist es genau andersherum. Am Umfang beider Räder wirkt dieselbe Kraft. Weil das Drehmoment Kraft mal Radius ist, liefert das große Rad bei doppeltem Radius das doppelte Drehmoment – im LEIFI-Beispiel 2,0 statt 1,0 Kilonewtonmeter. Das ist die goldene Regel der Mechanik aus dem Artikel über einfache Maschinen, nur als Drehbewegung: Was du an Drehzahl hergibst, bekommst du als Drehmoment zurück, und umgekehrt.
Zahnräder gibt man meist nicht mit ihrem Durchmesser an, sondern mit der Zahl ihrer Zähne. Nach LEIFIphysik ist die Zähnezahl proportional zum Radius. Du kannst also direkt mit Zähnen rechnen, wenn alle Räder dieselbe Zahngröße haben.
Das Übersetzungsverhältnis ausrechnen
LEIFIphysik erklärt die Rechnung an der Fahrradschaltung. Das Kettenblatt an der Kurbel hat z1 Zähne, das Ritzel am Hinterrad z2 Zähne. Dann gilt: z1 geteilt durch z2 ist gleich n2 geteilt durch n1, wobei n die Zahl der Umdrehungen ist. Das Verhältnis z2 zu z1 heißt Übersetzung – also Zähne am angetriebenen Rad zu Zähnen am antreibenden Rad.
Ein Beispiel, selbst gerechnet mit dieser Formel: Kettenblatt 36 Zähne, Ritzel 18 Zähne. Die Übersetzung ist 18 zu 36, also 1 zu 2. Bei jeder Kurbelumdrehung dreht sich das Hinterrad zweimal. Hat das Hinterrad 2 Meter Umfang, fährst du mit einer Kurbelumdrehung 4 Meter weit – genau diesen Wert nennt auch die Tabelle bei LEIFIphysik. Mit einem 36er Ritzel wäre die Übersetzung 1 zu 1: halb so weit pro Kurbelumdrehung, aber leichter zu treten.
Für das Rechnen ohne Taschenrechner reicht der Dreisatz aus dem Artikel über Rechnen ohne Rechner. Hintereinander geschaltete Stufen multiplizierst du: Zwei Stufen mit je 1 zu 3 ergeben 1 zu 9. Auch das ist eine eigene Folgerung aus der Formel, keine Angabe der Quelle.
| Übersetzung | Abtrieb dreht | Abtrieb liefert | Wofür |
|---|---|---|---|
| Großes Rad treibt kleines | schneller | weniger Drehmoment | Mahlscheibe, Schleifstein, Hinterrad im schweren Gang |
| Kleines Rad treibt großes | langsamer | mehr Drehmoment | Winde, Pumpe mit schwerem Kolben, Berggang |
| Gleich große Räder | gleich schnell | gleiches Drehmoment | Kraft nur umlenken oder weiterleiten |
Kurbel, Mühle, Pumpe: Übersetzung von Hand
Eine Handkurbel ist selbst ein Hebel. Das Drehmoment an der Welle ist deine Kraft mal dem Kurbelradius, so wie LEIFIphysik das Drehmoment als Kraft mal Radius berechnet. Eine längere Kurbel bringt also mehr Drehmoment bei gleicher Kraft, dafür wird der Kreis, den deine Hand beschreibt, größer.
Soll eine Mahlscheibe oder ein Schleifstein schneller laufen, als du kurbeln kannst, übersetzt du ins Schnelle. Selbst gerechnet: Ein Kurbelrad mit 60 Zähnen treibt ein Ritzel mit 15 Zähnen. Die Übersetzung ist 1 zu 4, das Ritzel dreht viermal pro Kurbelumdrehung. Das Drehmoment dort ist aber ohne Reibung nur ein Viertel dessen, was du an der Kurbel aufbringst. Wird es zu schwer, hilft keine weitere Stufe ins Schnelle, sondern eine längere Kurbel oder weniger Mahlgut auf einmal.
Umgekehrt beim Heben: Ein kleines Ritzel an der Kurbel, ein großes Rad an der Seiltrommel – so arbeiten Winden. Du kurbelst viele Male, die Last steigt langsam, aber du hältst sie mit wenig Kraft. Wie Getreide gemahlen wird, steht im Artikel über Dreschen und Mahlen.
Riemen und Seil: die einfache Alternative
Zahnräder sauber herzustellen, ist schwer. Einfacher ist ein Riemen über zwei Scheiben. Nach dem Lehrbuch Roloff/Matek Maschinenelemente überträgt ein Flachriemen die Kraft rein durch Reibung zwischen Riemen und Scheibe. Seine Vorteile gegenüber Zahnrad und Kette: Er läuft leise, dämpft Stöße, ist einfach und billig gebaut, überbrückt größere Abstände zwischen den Wellen und braucht keine Schmierung.
Gerechnet wird wie beim Zahnrad, nur mit dem Durchmesser der Scheiben statt der Zähne – der Riemen läuft über beide Scheiben gleich schnell. Selbst gerechnet: Eine Scheibe mit 40 Zentimetern treibt eine mit 10 Zentimetern, die kleine dreht sich viermal so oft. Ganz genau stimmt das nicht. Der Riemen dehnt sich unter Last, und nach Roloff/Matek lässt dieser Schlupf keine konstante Übersetzung zu. Staub, Öl und Feuchtigkeit verändern die Reibung, und die Wellen werden stärker belastet, weil der Riemen gespannt sein muss.
Für eine Mühle, eine Pumpe oder einen Schleifstein spielt ein wenig Schlupf keine Rolle. Er hat sogar einen Vorteil, den das Lehrbuch nicht eigens nennt: Blockiert die Arbeitsmaschine, rutscht der Riemen durch, statt dass Zähne brechen. Das ist eine eigene Folgerung aus dem Reibschluss. Ein Seil in einer Rille arbeitet nach demselben Prinzip.
Riemenscheiben aus Holz selbst bauen
Die folgende Anleitung ist ein Bauvorschlag aus der Werkstattpraxis, keine geprüfte Norm. Maße stehen hier nur als Rechenbeispiel. Wie du Holz ohne Maschinen bearbeitest, steht im Artikel über Holzbearbeitung.

- Übersetzung festlegen: Wie oft soll sich die Arbeitswelle pro Antriebsumdrehung drehen? Daraus folgt das Verhältnis der Durchmesser.
- Scheiben aus mehreren Brettlagen kreuzweise verleimen oder verschrauben. So reißt die Scheibe weniger leicht entlang der Faser.
- Die Mitte genau anreißen und die Scheibe möglichst rund schneiden. Eine unrunde Scheibe lässt den Riemen flattern.
- Die Scheibe fest mit der Welle verbinden, etwa mit Keil oder Stift, damit sie nicht auf der Welle durchrutscht.
- Beide Wellen parallel ausrichten. Läuft der Riemen schräg, wandert er von der Scheibe.
- Riemen aus Leder, Gurtband oder einem alten Riemen endlos verbinden und so spannen, dass er unter Last nicht dauernd rutscht.
- Erst langsam und ohne Last probelaufen lassen, dann Last zugeben.
Tipp Werkstatterfahrung ohne eigene Quelle: Eine leicht gewölbte Lauffläche hält einen Flachriemen besser in der Mitte der Scheibe als eine ganz flache. Ein Rand an der Scheibe kann den Riemen zusätzlich führen, reibt ihn aber auf Dauer ab.
Holzgetriebe in alten Mühlen
Wie weit man mit Holz kommt, zeigen die Mühlen. Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim beschreibt das Wasserrad als Antriebsmaschine der Mühle: Ein Übersetzungsmechanismus mit Getriebe gibt die Kraft der Drehung an das Mahlwerk weiter. Die dortige Mühle zeigt eine Ausstattung aus Wellbaum, Kammrad, Stockgetriebe und Mühleisen, die schon im 16. und 17. Jahrhundert nachweisbar und bis ins 19. Jahrhundert allgemein üblich war.
Das Kammrad trägt seitlich kleine viereckige Kämme als Zähne. Es übersetzt in einem Winkel die liegende Drehung der Radwelle in die stehende des Mühleisens und macht dabei aus der langsamen Bewegung des Wasserrades die schnelle des Mahlgangs. Die Kämme greifen in das Stockgetriebe, durch das das Mühleisen zum Läuferstein führt.
Gebaut und instand gehalten haben solche Anlagen früher die Müller selbst. Nach dem Museum konnte der Müller Getriebe mit ihren Zahnrädern berechnen – genau die Rechnung aus diesem Artikel.

Reibung, Verschleiß und Schmierung
Jede Übersetzung kostet etwas. Zahnflanken gleiten aufeinander, Lager reiben, Riemen dehnen sich. Die Rechnungen oben gelten deshalb nur ohne Reibung, in der Praxis musst du etwas mehr Kraft aufbringen. Wie ein Lager mit Buchse und Fett leicht läuft, steht im Artikel über Rad und Achse.
Bei Ketten kommt ein Fehler oft vor: Läuft die Kette nach LEIFIphysik schräg, etwa vorn auf dem kleinsten Kettenblatt und hinten auf dem kleinsten Ritzel, nutzen sich Zahnräder und Kette auf Dauer stark ab. Welches Öl eine Fahrradkette braucht, steht im Artikel über das Fahrrad. Riemen dagegen hältst du trocken und sauber, denn Öl verändert ihre Reibung.
Wie historische Holzgetriebe geschmiert wurden, sagen die hier genutzten Quellen nicht. Wer ein Holzgetriebe baut, prüft deshalb regelmäßig, ob Zähne ausbrechen, Lager warm werden oder sich Spiel einstellt. In der mechanischen Uhr arbeitet dasselbe Prinzip im Kleinen, mehr dazu im Artikel über Pendel und Hemmung.
Achtung Rechtslage heute: Im Betrieb muss der Arbeitgeber nach § 9 Absatz 1 Nummer 8 Betriebssicherheitsverordnung Schutzmaßnahmen gegen Gefährdungen durch bewegliche Teile treffen, auch gegen den unbeabsichtigten Zugang zu ihrem Gefahrenbereich. Schutzeinrichtungen dürfen nach § 9 Absatz 3 nicht auf einfache Weise umgangen oder unwirksam gemacht werden können. Gefahr: An drehenden Teilen droht Erfassen und Einziehen. Nach der DGUV Information 209-066 erfasst ein drehendes Zahnrad Kleidung noch leichter als eine glatte Welle – und selbst diese wickelt flatternde Kleidung so schnell auf, dass niemand mehr reagieren kann. Handschuhe und Ringe können Finger abreißen, lange Haare gehören unter eine Kopfbedeckung. Die DGUV nennt ausdrücklich Riemenantriebe als Einzugstellen und Kurbelgriffe als Fang- und Stoßstellen. Verkleide Zahnräder und Riemen, arbeite eng anliegend gekleidet ohne Handschuhe und Schmuck und fass Getriebe nur im Stillstand an. Zuständig: im Betrieb Arbeitgeber und Berufsgenossenschaft; bei einer Verletzung die 112.
Häufige Fragen
Was bedeutet eine Übersetzung von 1 zu 3?
Das angetriebene Rad hat ein Drittel der Zähne des antreibenden und dreht sich dreimal so oft. Ohne Reibung liefert es dafür nur ein Drittel des Drehmoments.
Riemen oder Zahnrad – was ist für den Selbstbau besser?
Ein Riemen ist einfacher zu bauen, leise und braucht keine Schmierung, rutscht aber etwas. Zahnräder und Ketten übersetzen genau, sind aber schwerer herzustellen.
Kann ich mit einer Übersetzung Kraft sparen?
Du kannst Drehmoment gegen Drehzahl tauschen, aber keine Arbeit sparen. Wer mit wenig Kraft kurbelt, muss öfter kurbeln – und Reibung kostet zusätzlich.
Warum sind offene Getriebe so gefährlich?
Zahnräder, Riemen und Wellen erfassen Kleidung, Haare und Handschuhe und ziehen sie schneller ein, als du reagieren kannst. Deshalb gehören sie verkleidet und werden nur im Stillstand angefasst.
Quellen
- Schaltung beim FahrradLEIFIphysik – FWU Institut für Film und Bild · Zähnezahl proportional zum Radius, z1/z2 = n2/n1, Übersetzung als z2 : z1, Entfaltung 4,00 m bei 36/18 und 2 m Umfang, schräger Kettenlauf und Verschleiß
- Zahnradgetriebe (Aufgabe mit Lösung)LEIFIphysik – FWU Institut für Film und Bild · Drehzahl umgekehrt proportional zum Durchmesser (10 zu 5 pro Sekunde), gleiche Umfangskraft, Drehmoment Kraft mal Radius (1,0 zu 2,0 kNm)
- Riemengetriebe, in: Roloff/Matek Maschinenelemente (Springer Vieweg 2015), KapitelzusammenfassungWittel, Muhs, Jannasch, Voßiek – Springer Fachmedien · Reibschlüssige Übertragung, Vor- und Nachteile gegenüber Zahnrad und Kette: leise, keine Schmierung, größere Abstände, Schlupf durch Dehnung, Wellenbelastung, Einfluss von Staub, Öl und Feuchtigkeit
- Neubau des Wasserrads für den Mahlgang der Mühle aus Unterschlauersbach (Juliane Sander)Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim · Wasserrad als Antrieb, Übersetzungsmechanismus zum Mahlwerk, Wellbaum, Kammrad und Stockgetriebe im 16./17. bis 19. Jahrhundert, Kammrad als Winkelübersetzung ins Schnelle, Müller berechneten Getriebe
- DGUV Information 209-066 „Maschinen der Zerspanung“ (November 2012)Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), bereitgestellt von der BGHM · Zahnrad erfasst Kleidung leichter als glatte Welle, Aufwickeln schneller als Reaktion, keine Handschuhe und kein Schmuck, Haare bedecken, Riemenantrieb als Einzugstelle, Kurbeln als Fang- und Stoßstellen
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)Bundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.de · § 9 Abs. 1 Nr. 8 (Schutz gegen bewegliche Teile), § 9 Abs. 3 Nr. 6 (Schutzeinrichtungen nicht umgehbar)
