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Haushalt & Familie

Einfache Maschinen: Hebel, Rolle, Flaschenzug, Keil

Einen Stamm, einen Stein oder einen vollen Tank bewegst du auch ohne Motor – mit Hebel, Rolle, Rampe und Keil. Was sie leisten und was sie kosten.

9 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Ein massiver historischer Rollenblock mit mehreren Seilrollen hängt in einer Industrieanlage.
Rollen und Flaschenzüge verteilen eine Last auf mehrere tragende Seilabschnitte und verringern so die nötige Zugkraft.Foto: Warburg1866 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Ein Stamm liegt quer über dem Weg, ein Feldstein soll aus dem Beet, ein Wassertank muss auf den Anhänger. Ohne Kran und Seilwinde bleiben dir Muskelkraft und ein paar einfache Werkzeuge: Hebel, Rolle, Flaschenzug, Rampe und Keil. Dieser Artikel erklärt, wie sie funktionieren, rechnet einfache Beispiele vor und zeigt, wo die Grenzen liegen – beim Material und bei deinem Rücken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Goldene Regel: Was du an Kraft sparst, musst du an Weg zusetzen. Arbeit lässt sich nicht sparen.
  • Hebel: Je länger der Kraftarm im Vergleich zum Lastarm, desto weniger Kraft brauchst du.
  • Flaschenzug: Die Last verteilt sich auf die tragenden Seilstränge, Reibung kostet einen Teil des Gewinns.
  • Eine flachere Rampe braucht weniger Kraft, Rollen unter der Last senken den Kraftaufwand deutlich.
  • Nie unter eine angehobene Last treten, Aufhängung reichlich bemessen, Bäume fällen nur mit Ausbildung.

Die goldene Regel: Kraft sparen kostet Weg

Alle Werkzeuge in diesem Artikel heißen in der Physik Kraftwandler. LEIFIphysik, das Physikportal des FWU Instituts für Film und Bild, beschreibt ihr gemeinsames Prinzip so: Mit einem Kraftwandler musst du oft weniger Kraft aufbringen, diese aber entlang eines längeren Weges. Das ist die goldene Regel der Mechanik, und Hebel, Flaschenzug und schiefe Ebene folgen ihr gleichermaßen.

Genauer gesagt bleibt das Produkt aus Kraft und Weg gleich. Hebst du eine Kiste direkt an, brauchst du ihre ganze Gewichtskraft über die Hubhöhe. Mit einem Kraftwandler brauchst du weniger Kraft, aber über eine längere Strecke. Die physikalische Arbeit ist in beiden Fällen dieselbe – man kann sie nicht sparen, nur anders verteilen.

Die Regel gilt streng nur für ideale, reibungsfreie Kraftwandler. Ein echter Flaschenzug verlangt deshalb etwas mehr, als die Rechnung sagt. Für die Planung heißt das: Ein Kraftwandler macht eine Last nicht leichter. Er macht sie in kleinen Portionen bewegbar, und dafür brauchst du Platz, Seil und Zeit.

Drei Kraftwandler nach LEIFIphysik
KraftwandlerDie Kraft wird kleiner, je …Dafür wird länger …
Schiefe Ebenegeringer die Neigung istder Weg auf der Rampe
Flaschenzugmehr Seilstränge die Last tragendas Seil, das durch deine Hände läuft
Hebellänger dein Hebelarm istder Weg, den du den Hebel bewegst

Der Hebel: Drehpunkt, Kraftarm, Lastarm

Ein Hebel ist ein starrer Körper, der sich um eine feste Achse drehen lässt – eine Stange, ein Balken, ein Brett. Der Abstand vom Drehpunkt zu der Stelle, an der du drückst, ist der Kraftarm, der Abstand zur Last der Lastarm. Im Gleichgewicht gilt: Kraft mal Kraftarm ist gleich Last mal Lastarm. Drückst du schräg, zählt nicht die Länge der Stange, sondern der senkrechte Abstand zwischen Drehachse und der Linie, entlang der deine Kraft wirkt.

Man unterscheidet zwei Bauformen. Beim zweiseitigen Hebel reicht der Hebel auf beide Seiten der Drehachse, wie bei einer Wippe – so arbeitet die Brechstange, die du über einen untergelegten Klotz unter einen Stein schiebst. Beim einseitigen Hebel greifen Kraft und Last auf derselben Seite an, wie beim Schraubenschlüssel. Nach diesem Prinzip arbeitet auch die Schubkarre: Die Radachse ist der Drehpunkt, die Last liegt dazwischen, du hebst an den Griffen.

Ein Beispiel, selbst gerechnet mit dieser Formel: Der Klotz liegt 10 Zentimeter hinter der Stangenspitze, du drückst 1 Meter hinter dem Klotz. Der Kraftarm ist zehnmal so lang wie der Lastarm, du brauchst also ein Zehntel der Kraft, mit der der Stein auf die Spitze drückt. Nach der goldenen Regel bewegst du das Stangenende dafür zehnmal so weit, wie sich der Stein hebt – für 2 Zentimeter Hub also 20 Zentimeter. Eigengewicht der Stange und Reibung sind dabei nicht berücksichtigt.

Leicht wird die Arbeit dadurch nicht. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zählt Arbeiten mit Hebeln, Brechstangen und Hebebäumen zu den Tätigkeiten mit hohen Ganzkörperkräften. Heb die Last deshalb nur so weit an wie nötig und schieb sofort ein Holz darunter, bevor du nachfasst. So wandert auch ein schwerer Stein Stück für Stück.

Ein einfacher zweiseitiger Hebel aus Holz balanciert ein Messinggewicht gegen eine Holzfigur über einem festen Drehpunkt.
Der Tischversuch zeigt das Hebelprinzip: Entscheidend sind die Abstände von Kraft und Last zum Drehpunkt.Foto: Rhetos / Wikimedia Commons / CC0 1.0

Feste und lose Rolle

Eine feste Rolle hängt zum Beispiel an einem Dachbalken. Sie spart keine Kraft: Du ziehst weiterhin so stark, wie die Last schwer ist. Aber sie ändert die Richtung. Statt von oben zu ziehen, stehst du am Boden, ziehst nach unten und kannst dein eigenes Gewicht einsetzen. Das Hochziehen von oben ist nach LEIFIphysik auf Dauer schlecht für den Rücken.

Eine lose Rolle hängt dagegen in der Seilschlaufe und wandert mit der Last nach oben. Die Last hängt jetzt an zwei Seilsträngen. Deine Zugkraft halbiert sich, dafür musst du das Seil doppelt so weit ziehen, wie die Last steigt. Die Zugrichtung ist dabei wieder ungünstig, weil du nach oben ziehst.

Eines wird oft übersehen: Die Aufhängung einer Rolle trägt mehr als die Last. Laufen beide Seilstränge nach unten, wirkt auf die Achse die doppelte Seilkraft. Ziehst du an einer festen Rolle eine Last hoch, hält der Balken also die Last und deinen Zug zusammen.

Skizze: Links hängt eine feste Rolle an der Decke, das Seil läuft über sie zur Last, gezogen wird nach unten. Rechts hängt die Last an einer losen Rolle, deren Seil an der Decke befestigt ist und nach oben gezogen wird.
Die feste Rolle ändert nur die Richtung. Die lose Rolle halbiert die Zugkraft, dafür ziehst du doppelt so viel Seil.Skizze: WildWeasel

Der Flaschenzug: die Last auf viele Stränge verteilen

Setzt du feste und lose Rollen zusammen ein, hast du einen Flaschenzug. Flaschenzüge waren schon im Altertum bekannt, etwa beim Be- und Entladen von Schiffen, und stecken bis heute in Kränen. Entscheidend ist, dass die Last nicht mehr an einem, sondern an mehreren Abschnitten desselben Seils hängt. Mit einer losen und einer festen Rolle ziehst du nur noch mit der halben Gewichtskraft – und bequem nach unten.

In jedem Abschnitt desselben Seils wirkt dieselbe Kraft, deshalb teilt sich die Last auf die tragenden Stränge auf. Ein Aufbau mit drei losen und drei festen Rollen kommt nach LEIFIphysik mit einem Sechstel der Gewichtskraft aus. Eine eigene Rechnung nach demselben Prinzip: Tragen vier Stränge, brauchst du ohne Reibung ein Viertel der Kraft, und nach der goldenen Regel ziehst du für einen Meter Hub vier Meter Seil durch die Hände.

Ganz so gut ist die Wirklichkeit nicht. An jeder Rollenachse tritt Reibung auf, die du zusätzlich überwinden musst, und die losen Rollen hebst du jedes Mal mit. Deshalb lässt sich ein Flaschenzug nicht endlos erweitern. Irgendwann bringt eine weitere Rolle mehr Seil und Reibung als Nutzen.

Für Seilarbeiten im Wald verlangt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), dass Seile, Anschlagmittel und Umlenkrollen die größten auftretenden Kräfte sicher aufnehmen. Niemand steht zwischen Last und Winde oder im Winkel einer Umlenkrolle: Reißt sie ab, schlägt das Seil quer zur Zugrichtung aus. Wie viel ein Seil mit Knoten noch hält, steht im Artikel über Knoten und Seile.

Ein realer Flaschenzug mit mehreren Holzblöcken und Seilen hängt an der Takelage eines historischen Schiffes.
Realer Flaschenzug an der Museumsschute „Jane Gifford“: Mehrere Rollen verteilen die Last auf mehrere tragende Seilabschnitte.Foto: Bojan Jankuloski / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Rampe, Rollen und Keil

Die schiefe Ebene ist der einfachste Kraftwandler: zwei Bohlen als Rampe auf die Ladefläche. Nach der goldenen Regel ist Gewichtskraft mal Hubhöhe gleich Zugkraft mal Rampenlänge. Selbst gerechnet: Eine 5 Meter lange Rampe auf eine 1 Meter hohe Ladefläche verlangt ohne Reibung ein Fünftel der Gewichtskraft, eine halb so lange Rampe doppelt so viel.

Liegt die Last flach, geht es um Reibung. Um eine Kiste in Bewegung zu setzen, musst du erst die Haftreibung überwinden, das kostet mehr Kraft als das Weiterschieben. Muss sie über eine längere Strecke, lohnt es sich nach LEIFIphysik, Rollen unterzulegen – der Kraftaufwand ist dann deutlich geringer. Rundhölzer unter einem Stein oder einer Palette sind die alte Form davon: Die Rolle, die hinten frei wird, legst du vorn wieder unter.

Einen Tank oder ein Fass kannst du auch kippen statt heben. Beim Kippen wirken nach der BAuA nur etwa 50 Prozent des Lastgewichts, und schwere Fässer werden durch wechselseitiges Ankippen bewegt. Die Kante am Boden ist dabei der Drehpunkt eines Hebels. Einfacher ist es, den Tank vorher zu leeren.

Der Keil schließlich wird mit einem Hammer oder Spalthammer in einen Spalt getrieben und drückt ihn mit seinen schrägen Flanken auseinander – so spaltest du Holz, ohne es zu sägen. Er hält auch: Die DGUV nennt das Verkeilen mit Holz als eine Möglichkeit, Stämme gegen Abrutschen und Abrollen zu sichern. Keile und Spalthämmer müssen nach ihrer Vorgabe frei von Bärten und Rissen sein; ein Bart ist der aufgestauchte, ausgefranste Rand am Kopf.

Skizze: Eine 5 Meter lange Rampe führt auf eine 1 Meter hohe Ladefläche, eine Kiste wird hinaufgezogen. Darunter: ein Fünftel der Kraft, ohne Reibung.
Rechenbeispiel aus dem Text: 5 m Rampe auf 1 m Höhe – ohne Reibung ein Fünftel der Gewichtskraft. Nicht maßstäblich.Skizze: WildWeasel

Heben, Tragen und wo die Grenzen liegen

Irgendwann musst du doch anfassen. Die BAuA beurteilt Lasten nicht nach dem Gewicht allein, sondern zusammen mit Häufigkeit, Körperhaltung, Art des Greifens und Umgebung. Ihr Verfahren ist für Arbeitsplätze gemacht, gibt aber eine gute Orientierung: Werden Lasten über 15 Kilogramm von Frauen oder über 25 Kilogramm von Männern bewegt, soll schon unabhängig von der Häufigkeit genauer beurteilt werden.

Ungünstig sind nach der BAuA ein vorgebeugter oder verdrehter Rumpf, weit vom Körper entferntes Greifen, Lasten in nur einer Hand und schlechte Bedingungen wie Enge, geneigter Boden, Nässe, Kälte oder schmierige und scharfkantige Griffe – draußen also fast immer. Zu zweit tragen halbiert die Last nicht: Die BAuA rechnet dann mit etwa 60 Prozent des Gewichts pro Person, weil Abstimmung und Kontrolle dazukommen. Ihr Rat lautet, Lasten wo immer möglich zu verkleinern und sonst Hilfsmittel einzusetzen – genau das sind Hebel, Rolle und Rampe.

Achtung Tritt nie unter eine angehobene Last und leg nie die Hand unter etwas, das nur ein Hebel oder ein Seil hält. Die DGUV warnt, sich nie unter hängen gebliebenen Bäumen aufzuhalten, weil sie urplötzlich herunterkommen können – für alles, was an deinem Seil hängt, gilt dasselbe. Stell dich nicht in die Linie eines gespannten Seils und nicht dorthin, wo eine abrutschende Stange oder ein wegrollender Stamm dich trifft. Bäume fällen gehört zu Leuten mit Ausbildung: Die DGUV verweist dafür auf die Lehrgänge der forstlichen Bildungsstätten und nimmt als Fallbereich in der Regel die doppelte Baumlänge rundum an.

Warum das Wissen ohne Nachschub trägt

Ein Hebel ist eine Stange, eine Rampe ein Brett, eine Rolle unter der Last notfalls ein rundes Holz. Keine dieser Maschinen braucht Treibstoff, Strom oder Ersatzteile aus der Fabrik. Was sie brauchen, ist Verständnis: Wer die goldene Regel kennt, kann vorher abschätzen, wie lang die Stange, wie flach die Rampe und wie viele Seilstränge nötig sind – und dass er dafür Weg und Zeit einplanen muss.

Knapp ist dabei eher das Material. Die DGUV verlangt, dass Stiele und Schäfte von Werkzeugen riss- und splitterfrei sind und Keile keine Bärte haben. Wer Werkzeug, Seil und Aufhängung vor jedem Einsatz prüft und großzügig bemisst, kommt mit wenig Material lange aus.

Und diese Technik lässt sich weitergeben. Eine Stange, ein Klotz und ein Stein genügen, um die goldene Regel zu zeigen. Probier es aus, bevor du es brauchst – am besten mit den anderen aus deinem Haushalt.

Hinweis Die Physik folgt LEIFIphysik (FWU), die Grenzen beim Heben der BAuA, die Regeln zu Seil, Keil und Fällen der DGUV Information 214-046 „Sichere Waldarbeiten“. Die Rechenbeispiele sind selbst gerechnet und gelten ohne Reibung.

Häufige Fragen

Welche einfache Maschine spart am meisten Kraft?

Keine spart Arbeit. Hebel, Flaschenzug und Rampe verringern die nötige Kraft umso mehr, je längeren Weg du dafür in Kauf nimmst. Welche passt, hängt davon ab, ob du heben, ziehen oder rollen willst.

Wie viele Rollen braucht ein Flaschenzug?

Entscheidend sind die tragenden Seilstränge: Je mehr es sind, desto kleiner die Zugkraft und desto länger das Seil, das du ziehst. Reibung und das Gewicht der losen Rollen sorgen dafür, dass jede weitere Rolle etwas weniger bringt.

Kann ich mit einem Flaschenzug selbst einen Baum fällen?

Besser nicht. Die DGUV verweist für Fällarbeiten auf eine fachliche Ausbildung, die eine Broschüre nicht ersetzt. Einen liegenden Stamm zu bewegen, ist etwas anderes, als einen stehenden Baum zu fällen.

Wie schwer darf eine Last sein, die ich hebe?

Die BAuA bewertet das Gewicht immer zusammen mit Häufigkeit, Haltung und Bedingungen. Bei über 15 Kilogramm für Frauen und über 25 Kilogramm für Männer soll nach ihrem Einstiegs-Screening genauer beurteilt werden.

Quellen

  1. Goldene Regel der MechanikLEIFIphysik – FWU Institut für Film und Bild · Kraft mal Weg bleibt gleich, gilt nur reibungsfrei; schiefe Ebene, Flaschenzug und Hebel im Vergleich; lose Rolle halbiert die Kraft bei doppeltem Weg
  2. HebelLEIFIphysik – FWU Institut für Film und Bild · Definition, Gleichgewicht Kraft mal Hebelarm, Hebelarm als Abstand zur Wirkungslinie, zweiseitiger (Wippe) und einseitiger Hebel (Schraubenschlüssel)
  3. Seil und RolleLEIFIphysik – FWU Institut für Film und Bild · Feste und lose Rolle, doppelte Seilkraft an der Achse, Flaschenzug im Altertum, ein Sechstel bei drei losen Rollen, Reibung und Rollengewicht
  4. Haft-, Gleit- und RollreibungLEIFIphysik – FWU Institut für Film und Bild · Anschieben kostet mehr als Weiterschieben, Rollen unter der Last senken den Kraftaufwand deutlich
  5. Manuelles Heben, Halten und Tragen – Gefährdungsbeurteilung mit der Leitmerkmalmethode (baua: Praxis, 2022)Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) · Einstiegs-Screening mit 15 bzw. 25 kg, ungünstige Haltungen und Bedingungen, Kippen etwa 50 %, zu zweit etwa 60 % je Person, Hebel und Brechstangen als Ganzkörperkräfte, Hilfsmittel
  6. DGUV Information 214-046 „Sichere Waldarbeiten“ (Ausgabe Mai 2014)Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) · Seile und Umlenkrollen, Gefahrenwinkel, nie unter hängen gebliebenen Bäumen, Fallbereich doppelte Baumlange rundum, Ausbildung für Fällarbeiten, Stämme verkeilen, Keile ohne Bärte und Risse