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Grundlagen

Rechnen ohne Rechner: Überschlag, Dreisatz, Rechenschieber

Wasser, Holz, Saatgut: Wer ohne Handy rechnen muss, braucht Überschlag, schriftliche Verfahren, Dreisatz – und einen Rechenschieber aus Papier.

9 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Ein heller Rechenschieber mit vielen feinen Skalen und einem verschiebbaren Läufer aus Metall und Glas liegt schräg auf weißem Grund.
Ein Rechenschieber macht aus Multiplizieren das Aneinanderlegen von Strecken.Foto: Jacek Halicki · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Wie viel Wasser braucht der Haushalt für zehn Tage, wie viele Pflanzen passen ins Beet, wie viel Holz liegt im Stapel? Heute tippt man das ins Handy. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ zeigt, wie du solche Fragen mit Bleistift und Papier löst: überschlagen, schriftlich rechnen, Dreisatz, Flächen und Einheiten. Zum Schluss baust du aus zwei Papierstreifen einen Rechenschieber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst überschlagen, dann genau rechnen: Der Überschlag fängt die meisten groben Fehler ab.
  • Schriftliches Rechnen zerlegt Zahlen in Stellenwerte und rechnet sie Ziffer für Ziffer.
  • Dreisatz: erst auf eine Einheit herunterrechnen, dann auf die gesuchte Menge hochrechnen.
  • 1 Liter ist 1 Kubikdezimeter, 1 Kubikmeter sind 1.000 Liter, 1 Hektar sind 10.000 Quadratmeter.
  • Ein Rechenschieber macht aus Multiplizieren das Aneinanderlegen von Strecken.

Warum Rechnen zur Vorsorge gehört

Vorsorge ist zu einem großen Teil Rechnen: Mengen je Person und Tag, Vorräte für eine bestimmte Zahl von Tagen, Flächen im Garten, Volumen von Tonnen und Stapeln. Solange der Taschenrechner im Handy funktioniert, fällt das kaum auf. Fehlt er dauerhaft, entscheidet die eigene Rechenfertigkeit darüber, ob ein Vorrat richtig eingeteilt wird.

Die gute Nachricht: Alles in diesem Artikel ist Grundschul- und Mittelstufenstoff. Die Mathematikdidaktik der TU Dortmund betont, dass Kinder flexibel rechnen lernen sollen – je nach Aufgabe im Kopf, halbschriftlich oder schriftlich. Wie du Kindern das beibringst, beschreibt der Artikel „Kinder unterrichten ohne Schule“.

Überschlagen und runden

Bevor du genau rechnest, schätze das Ergebnis mit gerundeten Zahlen. Ein Beispiel mit der Mengengrundlage dieser Seite: 2 Liter Trinkwasser je Person und Tag, 10 Tage, 4 Personen. 2 mal 10 mal 4 ergibt 80 Liter.

Schwieriger wird es mit krummen Zahlen. Brauchst du 21 Packungen zu je 3,8 Kilogramm, rechnest du überschlägig 4 mal 20, also etwa 80. Das genaue Ergebnis, 79,8, liegt nahe dabei. Kommt beim genauen Rechnen 798 oder 7,98 heraus, zeigt der Überschlag sofort, dass ein Komma verrutscht ist.

Manchmal ist der Überschlag sogar der bessere Weg. Die TU Dortmund nennt als Beispiel die Aufgabe 396 geteilt durch 4: Schriftlich braucht sie viele fehleranfällige Schritte, über die Hilfsaufgabe 400 geteilt durch 4 ist sie schnell im Kopf gelöst. 400 durch 4 ist 100, und weil 396 genau 4 weniger ist als 400, ziehst du 1 ab: 99.

Tipp Runde beim Überschlag so, dass die Rechnung im Kopf aufgeht – eine Zahl auf, die andere ab, wenn möglich.

Schriftlich rechnen: Schritt für Schritt

Beim schriftlichen Rechnen werden Zahlen nach einem festen Ablauf verrechnet. Nach den Unterlagen der TU Dortmund nutzt man dabei aus, dass sich jede Zahl in ihre Stellenwerte zerlegen lässt – Einer, Zehner, Hunderter. Diese werden Ziffer für Ziffer verrechnet, sodass fast nur Rechnungen mit einstelligen Zahlen übrig bleiben.

Bei der Addition schreibst du die Zahlen so untereinander, dass Einer unter Einern und Zehner unter Zehnern stehen. Du rechnest von rechts nach links; wird eine Stelle zweistellig, schreibst du die Einerziffer hin und nimmst die Zehnerziffer als Übertrag in die nächste Stelle mit.

Bei der Multiplikation, etwa 14 mal 13, wird jede Ziffer des zweiten Faktors mit dem ganzen ersten Faktor multipliziert. Die 1 Zehner mal 14 ergibt 140, die 3 Einer mal 14 ergeben 42 – dabei rechnest du 3 mal 4 gleich 12, schreibst 2 und behältst 1 im Sinn, dann 3 mal 1 plus 1 gleich 4. Die Teilergebnisse stehen stellengerecht untereinander und werden addiert: 140 plus 42 gleich 182.

Bei der Division, etwa 624 geteilt durch 4, beginnst du bei der größten Stelle. Die 4 passt einmal in die 6, Rest 2. Die nächste Ziffer holst du herunter: 22 Zehner, die 4 passt fünfmal, Rest 2. Wieder herunterholen: 24, die 4 passt sechsmal, Rest 0. Das Ergebnis ist 156.

Tipp Mach die Probe mit der Umkehrrechnung: 156 mal 4 muss wieder 624 ergeben.

Dreisatz und Prozent

Viele Vorsorgefragen sind proportionale Zuordnungen: doppelte Menge, doppelter Bedarf. Der Landesbildungsserver Baden-Württemberg beschreibt die Regel „je mehr, desto mehr“: Zum Vielfachen der einen Größe gehört das gleiche Vielfache der anderen, zu einem Bruchteil der gleiche Bruchteil. Sein Beispiel: Kosten 10 Liter 15 Euro, kostet 1 Liter ein Zehntel davon, also 1,50 Euro.

Der Dreisatz nutzt das in drei Schritten. Ein Beispiel mit angenommenen Werten: Reichen 4 Kilogramm Mehl 10 Tage, wie viel brauchst du für 25 Tage? Erstens aufschreiben: 10 Tage – 4 Kilogramm. Zweitens auf einen Tag herunterrechnen: 4 geteilt durch 10 ergibt 0,4 Kilogramm. Drittens hochrechnen: 0,4 mal 25 ergibt 10 Kilogramm.

Umgekehrt verhält es sich, wenn ein fester Vorrat auf mehr Menschen verteilt wird: Je mehr Esser, desto weniger Tage. Hier multiplizierst du im zweiten Schritt, statt zu teilen. Reicht ein Vorrat 2 Personen 12 Tage, reicht er einer Person 24 Tage und 3 Personen 24 geteilt durch 3, also 8 Tage.

Prozent heißt Hundertstel. Der Landesbildungsserver erklärt, dass das Prozentzeichen für die Multiplikation mit 1/100 steht; 20 Prozent von 125 sind also ein Fünftel von 125, das ist 25. Praktisch sind Faktoren: Mal 1,05 heißt plus 5 Prozent, mal 0,85 heißt minus 15 Prozent. Willst du auf 80 Liter Wasser 25 Prozent Reserve aufschlagen, rechnest du 80 mal 1,25 und kommst auf 100 Liter.

Flächen, Volumen und Einheiten

Eine rechteckige Fläche ist Länge mal Breite. Ein Beet von 5 Metern Länge und 1,2 Metern Breite hat 6 Quadratmeter. Wie viele Pflanzen hineinpassen, ergibt sich aus Reihen- und Pflanzabstand, die auf der Samentüte stehen. Mit Beispielwerten von 30 Zentimetern Reihenabstand und 25 Zentimetern in der Reihe passen 4 Reihen zu je 20 Pflanzen ins Beet, also 80 Pflanzen.

Ein Quader hat das Volumen Länge mal Breite mal Höhe. Ein Raummeter oder Ster Brennholz ist ein Kubikmeter geschichtetes Holz mit Hohlräumen, erklärt der Artikel „Brennholz: trocknen, spalten, Brennwert richtig einschätzen“. Ein Stapel von 3 Metern Länge, 1,5 Metern Höhe und einer Reihe 33 Zentimeter langer Scheite ergibt 3 mal 1,5 mal 0,33, also knapp 1,5 Raummeter.

Eine runde Regentonne ist ein Zylinder: Grundfläche mal Höhe, die Grundfläche ist Radius mal Radius mal Pi, gerundet 3,14. Rechne in Dezimetern, dann kommt das Ergebnis direkt in Litern heraus. Eine Tonne mit 6 Dezimetern Durchmesser, also 3 Dezimetern Radius, und 9 Dezimetern Höhe fasst 3,14 mal 3 mal 3 mal 9, rund 254 Liter.

Gesetzliche Einheiten und Vorsätze nach der PTB (Auswahl)
Einheit oder VorsatzBedeutung
Kilo (k)das Tausendfache, 1 km = 1.000 m
Zenti (c)ein Hundertstel, 1 cm = 0,01 m
Milli (m)ein Tausendstel, 1 mm = 0,001 m
Ar (a)1 a = 100 m²
Hektar (ha)1 ha = 10.000 m²
Liter (l)1 l = 1 dm³ = 1.000 cm³; 1.000 l = 1 m³
Tonne (t)1 t = 1.000 kg
Geschwindigkeit1 m/s = 3,6 km/h

Der Rechenschieber: Multiplizieren durch Strecken

Multiplizieren und Teilen ist mühsam, Addieren und Subtrahieren leicht. Die Universität Bonn beschreibt die Geschichte, deren Stücke ihr Arithmeum sammelt: Eine Idee, die Michael Stifel 1544 äußerte, griff John Napier 70 Jahre später auf und prägte den Begriff „Logarithmus“. Mit Logarithmen wird aus einer Multiplikation eine Addition: Der Logarithmus eines Produkts ist die Summe der Logarithmen der Faktoren.

Kurz darauf stellte der britische Gelehrte Edmund Gunter ein Holzlineal mit logarithmischer Skala vor. Mit einem Stechzirkel ließen sich Strecken abgreifen und addieren – und damit multiplizieren. Um 1630 hatte William Oughtred die Idee, zwei solche Lineale gegeneinander zu verschieben. Der Zirkel wurde überflüssig, und daraus entwickelte sich der Rechenschieber mit beweglicher Zunge, bis zum Taschenrechner ein alltägliches Werkzeug.

Auf einer logarithmischen Skala stehen die Zahlen nicht in gleichen Abständen. Von 1 bis 2 ist der Weg lang, von 9 bis 10 kurz. Der Abstand von der 1 bis zu einer Zahl entspricht ihrem Logarithmus. Legst du zwei solche Strecken aneinander, addierst du zwei Logarithmen – und das Ende zeigt das Produkt.

Einen Rechenschieber aus Papier bauen

Du brauchst zwei Streifen festes Papier oder Karton, etwa 30 Zentimeter lang, ein Lineal und einen spitzen Bleistift. Auf beide Streifen trägst du dieselbe Skala auf: Die 1 steht am linken Rand, die 10 genau 25 Zentimeter weiter rechts. Die übrigen Zahlen stehen an den Stellen aus der Tabelle; sie sind der Zehnerlogarithmus der Zahl mal 25 Zentimeter. Beide Skalen müssen exakt gleich sein, lege die Streifen beim Markieren nebeneinander.

Ohne Logarithmentafel kannst du die Stellen selbst herleiten. 2 hoch 10 ist 1.024, also fast 1.000, darum liegt die 2 bei gut drei Zehnteln der Strecke, bei 7,5 Zentimetern. Die 4 liegt beim Doppelten, die 8 beim Dreifachen dieses Abstands. Die 5 ist 10 geteilt durch 2, also 25 minus 7,5 Zentimeter. 3 hoch 4 ist 81, fast 80, daraus folgt die 3; 7 mal 7 ist 49, fast 50, daraus die 7. Die 6 liegt bei der Summe der Abstände von 2 und 3, die 9 beim Doppelten der 3. So triffst du die genauen Werte der Tabelle auf ein bis zwei Millimeter.

So rechnest du 2 mal 3: Schiebe den oberen Streifen so, dass seine 1 über der 2 des unteren steht. Suche auf dem oberen Streifen die 3 – darunter liest du auf dem unteren die 6 ab. Zum Teilen gehst du umgekehrt vor: Die 3 des oberen Streifens über die 6 des unteren, dann zeigt die 1 des oberen auf das Ergebnis 2. Läuft ein Ergebnis über die 10 hinaus, setze statt der 1 die 10 des oberen Streifens an und nimm das Ergebnis mal 10.

Der Rechenschieber liefert nur die Ziffernfolge, nicht die Größenordnung. Ob 3,8 mal 21 nun 79,8 oder 798 ergibt, klärst du mit dem Überschlag. Ein Papierstreifen dieser Länge liefert erfahrungsgemäß etwa zwei bis drei verlässliche Stellen – für Mengen im Haushalt genügt das.

Zwei Papierstreifen mit derselben logarithmischen Skala von 1 bis 10. Die 1 des oberen Streifens steht über der 2 des unteren; über der 3 des oberen liest man unten die 6 ab.
2 mal 3: Die 1 des oberen Streifens über die 2 des unteren schieben – unter der 3 steht die 6.Skizze: WildWeasel
Lage der Teilstriche auf einer 25 Zentimeter langen Skala (Zehnerlogarithmus mal 25, gerundet)
ZahlAbstand von der 1
10 cm
27,5 cm
311,9 cm
415,1 cm
517,5 cm
619,5 cm
721,1 cm
822,6 cm
923,9 cm
1025,0 cm

Abakus, Rechnen auf den Linien und die Probe

Noch älter als der Rechenschieber ist das Rechnen mit Steinen. Das Arithmeum der Universität Bonn beschreibt, dass schon in der Antike mit Rechensteinen auf Tafeln mit Liniensystem gerechnet wurde und dieses Verfahren in den Rechenstuben Mitteleuropas bis ins 17. Jahrhundert in Gebrauch war. Dazu kommen Rechenbretter wie der römische Abakus, der chinesische Suanpan, der japanische Soroban und das Schulrechenbrett, das auf den russischen Stschoty zurückgeht.

Ein einfaches Rechenbrett ist schnell gemacht: Linien für Einer, Zehner, Hunderter und Tausender auf ein Brett oder ins Erdreich, dazu Steine oder Bohnen. Zehn Steine auf einer Linie tauschst du gegen einen auf der nächsthöheren. Nach dem Arithmeum erleichtern solche Hilfsmittel das Erlernen der Grundrechenarten erstaunlich – gerade für Kinder.

Was auch immer du benutzt: Rechne wichtige Ergebnisse ein zweites Mal auf anderem Weg nach, mit Überschlag, Umkehrrechnung oder einer zweiten Person. Wie man Behauptungen und Ergebnisse grundsätzlich prüft, beschreibt der Artikel „Wie man prüft, ob etwas stimmt“.

Ein chinesischer Suanpan von oben: ein dunkler Holzrahmen mit senkrechten Stäben, auf denen rote Holzperlen oberhalb und unterhalb eines Querbalkens sitzen.
Der chinesische Suanpan gehört zu den Rechenbrettern, mit denen seit Jahrhunderten gerechnet wird.Foto: Felix Winkelnkemper · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Hinweis Schriftliche Verfahren nach der TU Dortmund, Dreisatz und Prozent nach dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg, Einheiten nach der PTB, Geschichte von Rechenschieber und Abakus nach der Universität Bonn und ihrem Arithmeum. Die Lage der Teilstriche ist nachgerechnet.

Häufige Fragen

Wie genau ist ein selbst gebauter Rechenschieber?

Er liefert etwa zwei bis drei verlässliche Stellen, abhängig davon, wie sorgfältig die Skala markiert ist. Das Komma setzt du mit dem Überschlag.

Warum steht die 2 auf dem Rechenschieber nicht in der Mitte zwischen 1 und 3?

Die Skala ist logarithmisch: Der Abstand von der 1 entspricht dem Logarithmus der Zahl. Deshalb liegen kleine Zahlen weit auseinander und große dicht beieinander.

Wie rechne ich Liter in Kubikmeter um?

Nach der PTB ist 1 Liter ein Kubikdezimeter und damit ein Tausendstel Kubikmeter. 1.000 Liter ergeben also 1 Kubikmeter.

Was mache ich, wenn ich eine Rechenregel vergessen habe?

Leite sie an einem kleinen Beispiel her, das du im Kopf lösen kannst, etwa 10 Liter für 15 Euro. Was dort stimmt, überträgst du auf die schwierige Aufgabe.

Quellen

  1. Informationen für Mathehelfende: Schriftliche Multiplikation und Division (PDF)PIKAS / DZLM, Technische Universität Dortmund · Stellenwertprinzip, Beispiele 14 mal 13 und 624 geteilt durch 4, flexibles Rechnen, Hilfsaufgabe 400 geteilt durch 4
  2. Proportionale ZuordnungenLandesbildungsserver Baden-Württemberg · Je mehr, desto mehr; Vielfache und Bruchteile; Beispiel 10 Liter und 15 Euro; Grundlage des Dreisatzes
  3. Tipps zur ProzentrechnungLandesbildungsserver Baden-Württemberg · Prozentzeichen als Multiplikation mit 1/100, 20 Prozent von 125, Faktoren 1,05 und 0,85
  4. Die gesetzlichen Einheiten in Deutschland (PDF)Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) · Vorsätze Kilo, Zenti, Milli; Ar, Hektar, Liter, Tonne; Umrechnung m/s in km/h
  5. Heute fast vergessen: Der RechenschieberUniversität Bonn, Pressemitteilung zum Arithmeum · Stifel 1544, Napier und der Begriff Logarithmus, Gunter-Skala mit Stechzirkel, Oughtred um 1630, Rechenschieber mit Zunge
  6. Abakus und RechentischArithmeum, Universität Bonn · Rechnen auf den Linien bis ins 17. Jahrhundert, Abakus, Suanpan, Soroban, Schulrechenbrett