Vorsorge sieht im vierten Stock anders aus als im Haus mit Garten und Keller. Das Wasser kommt oben nur mit Pumpenhilfe an, der Aufzug hängt am Strom, und jeder Liter Vorrat muss irgendwann die Treppe hinauf. Dieser Artikel geht die Punkte durch, die in oberen Etagen und in Mehrfamilienhäusern wirklich anders sind – und sagt jeweils, was daraus für dich folgt.
Das Wichtigste in Kürze
- In höheren Gebäuden hebt eine Druckerhöhungsanlage das Wasser nach oben. Ohne Strom steht sie still.
- 20 Liter Wasser pro Person für zehn Tage wiegen 20 Kilogramm – und die müssen ohne Aufzug getragen werden.
- Lieber viele kleine Gebinde als wenige große: 1,5-Liter-Flaschen statt 10-Liter-Kanister.
- Im Aufzug festsitzen: Notrufknopf drücken, ruhig bleiben, niemals selbst die Tür aufschieben.
- Rückstau aus dem Kanal trifft alles unterhalb der Rückstauebene – also auch dein Kellerabteil.
Warum oben zuerst kein Wasser mehr kommt
Der Druck im öffentlichen Leitungsnetz trägt das Wasser nur bis zu einer bestimmten Höhe. Darüber hilft eine Druckerhöhungsanlage nach – eine elektrisch betriebene Pumpe, die das Trinkwasser in die oberen Etagen hebt. Ein großer regionaler Wasserversorger beschreibt die Aufgabe dieser Anlagen so: Sie sorgen im Normalfall jederzeit dafür, dass in allen Häusern auch in oberen Stockwerken das Trinkwasser mit dem entsprechenden Druck ankommt.
Im Versorgungsnetz ist dafür oft vorgesorgt. Derselbe Versorger gibt an, dass 89 Prozent seines Netzbereichs allein über den Pumpendruck aus den Wasserwerken auch bei Stromausfall ohne Einschränkungen weiter versorgt werden; die Wasserwerke selbst haben eine Notstromversorgung. Die übrigen rund 11 Prozent liegen höher und hängen an Druckerhöhungsanlagen im Netz. Die meisten davon laufen bei einem Stromausfall über Notstromaggregate weiter, einzelne Zonen mit geringerem Druck als üblich. Nur in wenigen dünn besiedelten Höhenlagen bleibt die Versorgung über Wasserwagen und eigens eingerichtete Trinkwasserentnahmestellen.
Die Anlage im eigenen Haus ist eine andere Sache. Sie gehört zur Trinkwasser-Installation, für die laut Umweltbundesamt die Haus- und Wohnungsbesitzer verantwortlich sind, hängt am Hausstrom und hat in aller Regel keine Notstromversorgung. Fällt der Strom aus, hört die Nachförderung auf – und der Druck lässt dort zuerst nach, wo der Weg nach oben am weitesten ist.
Tipp Frag bei der Hausverwaltung nach, ob im Haus eine Druckerhöhungsanlage steht. Das ist eine Frage von zwei Minuten und sagt dir, wie ernst du deinen Wasservorrat nehmen solltest.
Alles muss die Treppe hoch: Gebindegröße vor Gesamtmenge
Ohne Strom steht der Aufzug. Das ist beim Einkaufen schon lästig, beim Vorrat wird es zur Planungsfrage – denn Wasser ist das Schwerste, was du lagerst. Als Grundlage gelten 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen und Zubereiten. Für den Zehn-Tage-Zeitraum des BBK sind das 20 Liter pro Person, und ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm.
Die entscheidende Entscheidung ist deshalb nicht, wie viel du lagerst, sondern in welchen Gebinden. Viele kleine Behälter schlagen wenige große: Sechs 1,5-Liter-Flaschen im Kasten sind zusammen neun Kilogramm, lassen sich aber einzeln tragen, einzeln umfüllen und einzeln weitergeben. Ein voller 10-Liter-Kanister dagegen ist ein einziges Gewicht von zehn Kilogramm, das im Treppenhaus niemand teilen kann.
Für den Transport helfen Sackkarre, Treppensteiger, Trolley oder Bollerwagen – welche Lösung passt, hängt vom Treppenhaus und vom eigenen Rücken ab. Entscheidend ist, dass du sie einmal ausprobiert hast und dass sie dort steht, wo du im Ernstfall hinkommst, nicht im Keller hinter dem Fahrrad.
| Haushalt | Menge für 10 Tage | Gewicht | Entspricht etwa |
|---|---|---|---|
| 1 Person | 20 Liter | 20 kg | gut 2 Kästen à 9 Liter |
| 2 Personen | 40 Liter | 40 kg | gut 4 Kästen à 9 Liter |
| 3 Personen | 60 Liter | 60 kg | knapp 7 Kästen à 9 Liter |
| 4 Personen | 80 Liter | 80 kg | knapp 9 Kästen à 9 Liter |
Achtung Wenn dir Treppensteigen schwerfällt, ist das keine Komfortfrage. Bau den Vorrat dann über Wochen in kleinen Portionen auf, halte die Gebinde klein und sprich früh mit jemandem im Haus, der im Fall der Fälle etwas mit hochnimmt.
Wenn der Aufzug während der Fahrt stehen bleibt
Fällt der Strom aus, während du im Aufzug bist, bleibt die Kabine stehen. Das ist unangenehm, aber beherrschbar: Aufzüge sind mehrfach gesichert und belüftet, ersticken kann man darin nicht. Die Prüforganisation DEKRA fasst das Richtige in zwei Schritten zusammen – Notruf absetzen, dann warten.
Der Notrufknopf ist am Klingelsymbol zu erkennen und muss drei bis fünf Sekunden lang gedrückt werden, bis die Verbindung zur durchgehend besetzten Notrufzentrale steht. Die Zentrale meldet sich und schickt einen Techniker; üblicherweise trifft er innerhalb von 30 Minuten ein.
Was du auf keinen Fall tun solltest, sagt DEKRA sehr deutlich: auf eigene Rettungsversuche unbedingt verzichten, etwa die Tür aufzuschieben. Der Aufzug kann sich nach einem Stromausfall plötzlich wieder in Bewegung setzen – wer dann zwischen zwei Stockwerken hängt, ist in akuter Lebensgefahr.
- Notrufknopf drücken und drei bis fünf Sekunden halten, bis sich jemand meldet.
- Ruhig bleiben, hinsetzen, Handylicht sparsam nutzen – die Kabine ist belüftet.
- Tür nicht aufschieben, nicht aussteigen, nicht hochklettern.
- Bei gesundheitlichen Beschwerden sagen, was los ist – oder 112 wählen.
- Bei Brand oder ausgefallener Beleuchtung den Aufzug gar nicht erst benutzen.
Achtung Wer im Haus auf den Aufzug angewiesen ist, sollte bei angekündigten Unwettern lieber vorher erledigen, was ansteht – und Medikamente, Telefon und etwas zu trinken dabeihaben.
Rückstau: was aus der Kanalisation zurückkommt
Ein Punkt, an den in oberen Etagen fast niemand denkt: Bei Starkregen oder wenn Pumpwerke ausfallen, kann Abwasser vom öffentlichen Kanal zurück in die Hausanschlussleitung gedrückt werden – das nennt sich Rückstau.
Maßgeblich ist die Rückstauebene – die Höhe, bis zu der das Abwasser im Entwässerungssystem ansteigen kann. Was darunter liegt, ist gefährdet, in aller Regel also Keller und Souterrain: Toiletten, Duschen, Waschmaschinenabflüsse und Bodenabläufe. Es geht demnach nicht nur um das WC, sondern um jede Öffnung, die mit dem Abwassernetz verbunden ist.
Für deine Wohnung im Obergeschoss heißt das zunächst Entwarnung: Sie liegt über der Rückstauebene und läuft nicht voll. Betroffen ist das, was du im Haus unten stehen hast – Kellerabteil, Waschküche, Trockenraum. Genau dort lagern viele ihren Vorrat, weil oben der Platz fehlt.
- Vorräte im Keller nie direkt auf den Boden stellen, sondern auf ein Regal oder eine Palette.
- Papier, Dokumente, Elektrogeräte und Textilien möglichst in der Wohnung lassen.
- Wasserkästen sind unempfindlich, Kartons und Papierverpackungen nicht.
- Notgepäck gehört in die Wohnung, nicht in den Keller.
Tipp Wenn im Haus Rückstau gemeldet ist, hilft es den tiefer liegenden Wohnungen, wenn oben so wenig Wasser wie möglich abläuft – also Waschmaschine und Geschirrspüler aus lassen, bis Entwarnung kommt.
Wer ist zuständig: Mieter, Eigentümer, Kommune
Der Rückstauschutz ist eine Sache des Gebäudes, nicht der einzelnen Wohnung – Einbau und Wartung liegen damit bei Eigentümer und Hausverwaltung. Und sie sind kein Detail: Die Gebäudeversicherung kommt laut Berliner Wasserbetrieben nicht für Rückstauschäden auf, wenn keine Rückstausicherung vorhanden ist. Fehlt sie, bleiben die Kosten am Haus hängen.
Technisch gibt es zwei Wege. Liegen unterhalb der Rückstauebene Duschen, Toiletten, ein Waschmaschinenabfluss oder andere Sanitäreinrichtungen, bietet der Einbau einer Abwasserhebeanlage den sichersten Rückstauschutz. Die einfachere Variante ist ein Rückstauverschluss, der die Leitung im Rückstaufall schließt. Beides gehört in Fachhände, und beides muss regelmäßig auf Funktionssicherheit geprüft werden.
Als Mieterin oder Mieter kannst du das weder einbauen noch warten, und du sollst es auch nicht. Was du tun kannst, ist fragen und festhalten: Gibt es eine Rückstausicherung? Wann wurde sie zuletzt gewartet? Eine kurze Mail an die Hausverwaltung genügt und ist gleichzeitig dokumentiert. Dasselbe gilt für die Trinkwasser-Installation: Bei Mängeln am Trinkwasser ist laut Umweltbundesamt zuerst der Vermieter der richtige Ansprechpartner, danach das örtliche Gesundheitsamt.
Achtung Eingriffe in Abwasser- oder Trinkwasserleitungen sind in einer Mietwohnung nichts für Eigenregie. Melde stattdessen, was dir auffällt – schriftlich und mit Datum.
Brandgefahr betrifft im Mehrfamilienhaus alle
Bei Stromausfall greifen viele Menschen zu Kerzen. In einem Haus mit zwölf Parteien sind das schnell ein paar Dutzend offene Flammen in einem Gebäude – und ein Brand im zweiten Stock ist auch dein Problem im fünften. Der Deutsche Feuerwehrverband hält Kerzen ausdrücklich für ungeeignet als Ersatz für die Heizung oder elektrisches Licht. Eine Taschenlampe oder Stirnlampe je Person ist die bessere Antwort auf einen dunklen Abend.
Wenn doch Kerzen brennen, dann mit Abstand und Aufsicht: Teelichter sollten auf keinen Fall zu eng aneinandergestellt oder unbeobachtet gelassen werden. Gasbetriebene Heizpilze und Katalytöfen gehören nach Einschätzung des Feuerwehrverbands nicht zum Heizen ins Haus oder die Wohnung, sondern nach draußen. Der Rauchwarnmelder ist dabei auf deiner Seite: Er läuft mit Batterie und warnt auch dann, wenn der Strom weg ist.
Für den Ernstfall gibt das BBK klare Regeln: niemals durch verrauchte Räume oder Treppenhäuser flüchten, schon wenige Atemzüge Brandrauch sind lebensgefährlich. Türen schließen, aber nicht abschließen, damit die Feuerwehr die Räume durchsuchen kann. Ist der Fluchtweg verraucht, machst du dich lautstark an einem Fenster bemerkbar und wartest auf die Feuerwehr. Der Notruf ist die 112.
Achtung Im Brandfall nie den Aufzug nehmen. Fällt durch das Feuer der Strom aus, sitzt du darin fest – die Treppe ist der Fluchtweg, solange sie rauchfrei ist.
Nachbarschaft: der eigentliche Vorteil des Mehrfamilienhauses
In einem Mehrfamilienhaus wohnen viele Menschen auf engem Raum – und das ist in einer Störung fast immer ein Vorteil. Lasten lassen sich teilen, eine Sackkarre reicht für alle, und wer im dritten Stock eine Taschenlampe übrig hat, löst damit ein Problem im vierten.
Der wirksamste Schritt ist der einfachste: einmal wissen, wer im Haus wohnt. Wer wohnt allein, wer ist auf ein Gerät mit Strom angewiesen, wer kommt die Treppe schlecht hoch? Wenn der Strom ausfällt oder das Wasser wegbleibt, klingelst du dann nicht bei Fremden, sondern bei Bekannten. Einmal kurz nachsehen, ob oben alles in Ordnung ist, kostet zwei Minuten – und ist die Vorsorge, die in einem Haus mit vielen Parteien am schnellsten wirkt.
Tipp Beim nächsten Treffen der Hausgemeinschaft zwei Fragen stellen: Gibt es eine Rückstausicherung? Und wer braucht Hilfe, wenn der Aufzug einen Tag lang steht?
Häufige Fragen
Brauche ich oben mehr Wasservorrat als unten?
Die Menge bleibt gleich: 2 Liter pro Person und Tag, für zehn Tage also 20 Liter. Der Unterschied ist die Wahrscheinlichkeit, dass du ihn brauchst – ohne Strom steht die Druckerhöhungsanlage, und oben kommt zuerst nichts mehr an.
Große Kanister oder viele kleine Flaschen?
Viele kleine. Ein 10-Liter-Kanister wiegt zehn Kilogramm am Stück, sechs 1,5-Liter-Flaschen lassen sich einzeln tragen, aufteilen und weitergeben. Ohne Aufzug ist das der entscheidende Unterschied.
Was mache ich, wenn ich im Aufzug feststecke?
Notrufknopf drei bis fünf Sekunden drücken, bis sich die Notrufzentrale meldet, und dann warten – üblicherweise ist innerhalb von 30 Minuten ein Techniker da. Die Tür selbst aufzuschieben ist lebensgefährlich, weil der Aufzug plötzlich wieder anfahren kann.
Betrifft mich Rückstau überhaupt, wenn ich im vierten Stock wohne?
Deine Wohnung liegt über der Rückstauebene und läuft nicht voll. Betroffen sind Keller und Souterrain – also dein Kellerabteil, die Waschküche und alles, was du dort unten lagerst.
Kann ich nach einer Versorgungsstörung sofort wieder Leitungswasser trinken?
Achte auf die Hinweise deines Wasserversorgers. Das Umweltbundesamt rät generell, Wasser, das vier Stunden oder länger in der Leitung stand, erst ablaufen zu lassen, bevor man es trinkt.
Quellen
- Wasserversorgung bei StromausfallGelsenwasser AG · Aufgabe von Druckerhöhungsanlagen für obere Stockwerke, Notstromversorgung im Netz, Ersatzversorgung über Wasserwagen und Entnahmestellen
- Trinkwasser-Installation: Auf die letzten Meter kommt es anUmweltbundesamt · Verantwortung der Haus- und Wohnungsbesitzer für die Trinkwasser-Installation, Ansprechpartner für Mieter, Hinweis zu stagnierendem Wasser
- Niemals selbst aus dem Lift befreien!DEKRA · Notrufknopf drei bis fünf Sekunden drücken, Technikereinsatz binnen 30 Minuten, Verbot der Selbstbefreiung, plötzliches Wiederanfahren nach Stromausfall
- RückstausicherungBerliner Wasserbetriebe · Entstehung von Rückstau, Rückstauebene, betroffene Ablaufstellen, Hebeanlage und Rückstauverschluss, Verantwortung und Wartungspflicht der Eigentümer
- Brandgefährlicher Advent: Tipps zur BrandpräventionDeutscher Feuerwehrverband · Kerzen als Ersatz für Licht und Heizung ungeeignet, Umgang mit Teelichtern, Heizpilze und Katalytöfen nicht in der Wohnung
- Brandschutz: Was tun, wenn es brennt?Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Verhalten im Brandfall, nie durch verrauchte Treppenhäuser flüchten, Türen schließen aber nicht abschließen, Notruf 112
