Wer Getreide an ein Tier verfüttert, bekommt weniger Nahrung zurück, als er hineingesteckt hat. Das ist keine Weltanschauung, sondern Stoffwechsel. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ zeigt mit den Zahlen von Thünen-Institut, FAO und Friedrich-Loeffler-Institut, wie groß der Verlust bei Huhn, Schwein und Rind ist – und warum Tiere trotzdem Nahrung schaffen können, wenn sie fressen, was Menschen nicht essen. Er sagt nicht, was du essen sollst, sondern wie du rechnest, wenn Futter und Fläche knapp sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mastschwein braucht rund 2,8 kg Futter je kg Zuwachs, ein Masthähnchen 1,55 bis 1,74 kg.
- Zuwachs ist nicht Fleisch: Knochen, Innereien und Erhaltungsbedarf fressen mit.
- Weltweit sind 86 Prozent des Tierfutters für Menschen nicht essbar – vor allem Gras, Stroh und Reste.
- Tiere lohnen sich, wenn sie Grasland und Reste in Nahrung verwandeln, nicht wenn sie Getreide fressen.
- Küchen- und Speiseabfälle an Nutztiere zu verfüttern, ist heute EU-weit verboten, auch bei Hobbyhühnern.
Warum aus Futter nicht gleich viel Fleisch wird
Ein Tier ist kein Behälter, der Futter einfach in Fleisch umpackt. Ein großer Teil der Energie geht in den Erhaltungsbedarf: Körpertemperatur, Atmung, Bewegung, Verdauung. Das Thünen-Institut beschreibt es am Mastschwein: Je schwerer das Tier wird, desto mehr Futter braucht es für jedes weitere Kilogramm, weil ein höherer Anteil für die Erhaltung verbraucht wird.
Dazu kommt, dass Zuwachs nicht dasselbe ist wie essbares Fleisch. Die Futterverwertung wird je Kilogramm Lebendgewicht angegeben. Davon gehen Knochen, Haut, Federn, Blut und Innereien ab. In einer vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitverfassten Übersichtsarbeit rechnen die Autoren beim Mastrind mit einem essbaren Anteil von 50 Prozent der Körpermasse, bei Schwein und Masthuhn mit 60 Prozent. Bei Milch und Eiern sind es 95 Prozent.
Die dritte Lücke ist die Zeit vor der Mast. Jedes Ferkel hatte eine Mutter, jedes Küken ein Elterntier, und auch sie haben gefressen. Die Mastzahlen unten enthalten dieses Futter nicht. Sie sind also die günstigste Rechnung, nicht die vollständige.
Die Zahlen: Huhn, Schwein, Rind
Das Thünen-Institut gibt für die deutsche Schweinemast eine Futterverwertung von etwa 2,8 kg Futter je kg Zuwachs an. In 106 Masttagen nimmt ein Schwein täglich 880 Gramm zu und verbraucht insgesamt rund 263 kg Futter; in der Aufzucht davor kommen je Ferkel 42 kg dazu. Das Schlachtgewicht liegt bei 98 kg. Rechnet man Aufzucht und Mast zusammen – eine eigene Rechnung, ohne das Futter der Sau –, stecken in jedem Kilogramm Schlachtkörper mit Knochen gut 3 kg Futter.
Masthähnchen sind die sparsamsten Fleischlieferanten. Das Thünen-Institut nennt je nach Mastverfahren 1,55 kg Futter je kg Zuwachs in der Kurzmast mit 28 bis 30 Tagen, 1,65 kg in der Mittellangmast und 1,74 kg in der Langmast. Langsamer wachsende Herkünfte brauchen mehr: In einem dort zitierten Vergleich aus Kitzingen kam die Premium-Haltung auf 1,8 kg, die Standardmast auf 1,6 kg.
Beim Rind hilft die Frage „wie viel Futter“ allein wenig, weil es vor allem Gras frisst. Im Modell der FLI-Übersicht frisst ein 350 kg schweres Mastrind, das 1 kg am Tag zunimmt, rund 7 kg Trockenmasse täglich, davon 85 Prozent Grundfutter wie Gras und Silage. Entscheidend ist also nicht die Menge, sondern ob Menschen dieses Futter selbst hätten essen können.
| Tier | Futter je kg Zuwachs | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Masthähnchen | 1,55–1,74 kg | Langsam wachsende Rassen brauchen mehr |
| Mastschwein | etwa 2,8 kg | Futterbedarf steigt mit dem Gewicht |
| Mastrind | rund 7 kg Trockenmasse bei 1 kg Zunahme am Tag | Überwiegend Gras und Silage |
Wie viel Fläche ein Kilogramm Eiweiß braucht
Futter wächst auf Fläche, und Fläche ist das, was am Ende knapp ist. Die FLI-Übersicht fasst Studien zusammen, die den Flächenbedarf je Kilogramm Lebensmittel und je Kilogramm Eiweiß berechnet haben. Die Spannen sind groß, weil Erträge, Rassen und Haltung verschieden sind, aber das Muster ist deutlich.
Milch braucht je Kilogramm am wenigsten Fläche, weil sie viel Wasser enthält; je Kilogramm Eiweiß liegt sie im Mittelfeld. Huhn, Eier und Schwein liegen nah beieinander. Beim Rind reicht die Spanne von wenigen Quadratmetern bis zu mehreren Hundert je Kilogramm, und hier steckt der Kern der Sache: Rinder in extensiver Weidehaltung brauchen die meiste Fläche – aber fast nur Grasland, auf dem kein Acker möglich wäre.
| Lebensmittel | m² je kg Lebensmittel | m² je kg Eiweiß |
|---|---|---|
| Milch | 1–2 | 26–54 |
| Eier | 4–7 | 29–52 |
| Hähnchenfleisch | 5–8 | 23–40 |
| Schweinefleisch | 8–15 | 40–75 |
| Rindfleisch, alle Systeme | 7–420 | 37–2.100 |
| Rindfleisch, extensive Weide | 286–420, davon 250–420 Grasland | 1.430–2.100 |
Warum Tiere trotzdem ihren Platz haben
Die Rechnung kippt, sobald man fragt, was die Tiere fressen. Eine Studie der Welternährungsorganisation FAO kommt zu dem Ergebnis, dass 86 Prozent des weltweiten Tierfutters für Menschen nicht geeignet sind: Gras und Blätter, Stroh und andere Ernterückstände, Kleie, Ölkuchen und weitere Nebenprodukte. Getreide macht 13 Prozent aus – das ist allerdings rund ein Drittel des weltweiten Getreideverbrauchs. Im weltweiten Mittel braucht ein Kilogramm Fleisch nach der FAO nur etwa 3 kg Getreide.
Von den 2,5 Milliarden Hektar, auf denen weltweit Tierfutter wächst, sind nach der FAO 77 Prozent Grasland und Weiden. Zwei Drittel davon lassen sich nicht in Acker umwandeln und können nur von Weidetieren genutzt werden. Rinder auf der Weide brauchen nach derselben Studie nur 0,6 kg für Menschen essbares Eiweiß im Futter, um 1 kg Eiweiß in Milch und Fleisch zu erzeugen – sie vermehren die Nahrung also.
Die FLI-Übersicht rechnet das für einzelne Tierarten durch. Eine Kuh mit 20 kg Milch am Tag liefert dort 1,3-mal so viel essbares Eiweiß, wie sie an essbarem Futter bekommt, und 2,4-mal so viel, wenn die Hälfte ihres Kraftfutters aus Nebenprodukten wie Kleie und Rübenschnitzeln besteht. Beim Schwein bleibt es auch dann bei einem Verlust. Die FAO nennt außerdem, dass Tiere Randflächen nutzen, Nebenprodukte in Lebensmittel verwandeln und zu den Erträgen im Ackerbau beitragen.
| Tier | Futter ohne Nebenprodukte | Hälfte des Kraftfutters aus Nebenprodukten |
|---|---|---|
| Milchkuh, 20 kg Milch am Tag | 1,3 | 2,4 |
| Mastrind, 1 kg Zunahme am Tag | 0,7 | 1,3 |
| Masthuhn | 0,7 | 1,2 |
| Legehenne | 0,4 | 0,7 |
| Mastschwein | 0,3 | 0,5 |
Was das in einer langen Lage heißt
Aus den Zahlen folgt eine einfache Regel: Was Menschen selbst essen können, isst man in der Knappheit selbst. Jedes Kilogramm Getreide, das in den Trog wandert, kommt beim Schwein nur zu einem kleinen Teil als Nahrung zurück. Wenn ein Vorrat reichen muss, gehört er zuerst an den Tisch. Wie man knappe Vorräte gerecht einteilt, steht in „Rationieren und fair verteilen: wenn der Vorrat reichen muss“.
Tiere bekommen dann das, was sonst verloren wäre: Gras von Wiesen, Böschungen und Obstgärten, Stroh, Kleie aus dem Mahlen, Ernterückstände. So gerechnet sind sie keine Konkurrenz, sondern ein Werkzeug, um Fläche nutzbar zu machen, auf der nichts anderes wächst. Die FAO-Zahl von 0,6 zu 1 bei Weiderindern zeigt, dass dieser Weg Nahrung vermehrt.
Zwei Überlegungen ohne eigene Quelle gehören dazu. Erstens sind Tiere ein lebender Vorrat: Futter aus dem Sommer steckt im Herbst im Tier und lässt sich schlachten, wenn es gebraucht wird, während Milch und Eier täglich kommen. Zweitens bringt der Mist Nährstoffe zurück auf den Acker. Wie Boden und Humus dabei zusammenhängen, erklärt „Boden verstehen: Humus, Bodenleben, pH-Wert“.
Für die kleine Selbstversorgung: Hühner, Kaninchen, Hülsenfrüchte
Im Garten ist das Huhn das naheliegende Tier: klein, schnell nutzbar und mit der besten Futterverwertung der üblichen Nutztiere. Kaninchen fressen Grünfutter, das Menschen nicht essen. Beide bekommen in dieser Reihe eigene Artikel zu Haltung, Futter und Schlachtung. Aus den Zahlen hier folgt für beide dasselbe: Getreide, das du selbst essen könntest, ist für Tiere ein teures Futter. Wie viel Futter Hühner im Auslauf selbst finden, belegt keine der hier genutzten Quellen; das hängt stark von Fläche und Jahreszeit ab.
Die alte Gewohnheit, Hühner mit den Küchenresten zu füttern, ist heute nicht erlaubt. Die EU-Verordnung über tierische Nebenprodukte verbietet es, Nutztiere mit Küchen- und Speiseabfällen zu füttern, und als Nutztier gilt dort jedes Tier, das der Mensch hält, um Lebensmittel zu gewinnen – also auch die Legehennen im Garten. Was genau unter Küchen- und Speiseabfälle fällt, regelt eine Durchführungsverordnung; im Einzelfall gibt das Veterinäramt Auskunft.
Wer Eiweiß auf kleiner Fläche erzeugen will, kommt an Hülsenfrüchten nicht vorbei. Sie liefern viel Eiweiß, lassen sich trocken jahrelang lagern und düngen den Boden mit Stickstoff aus der Luft. Wie das geht, steht in „Hülsenfrüchte und Stickstoff: Pflanzen, die den Boden düngen“.
Achtung Rechtslage heute: Nach Artikel 11 der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 ist es verboten, Nutztiere mit Küchen- und Speiseabfällen zu füttern – das gilt auch für private Hühner- oder Kaninchenhaltung, wenn die Tiere Eier oder Fleisch liefern. Gefahr: Nach dem Friedrich-Loeffler-Institut wird die Afrikanische Schweinepest unter anderem über Speiseabfälle und Schweinefleischerzeugnisse übertragen, und gerade das illegale Verfüttern von Speiseabfällen ist eine Infektionsquelle. Die Seuche ist für Menschen ungefährlich, für Schweine aber sehr schwer. Zuständig: Was du deinen Tieren füttern darfst, klärt das Veterinäramt deines Kreises oder deiner Stadt.
Kurz eingeordnet: eine Rechenfrage, keine Glaubensfrage
Tierische Lebensmittel sind wertvoll. Nach der FAO liefern sie weltweit 18 Prozent der Kalorien und 34 Prozent des Eiweißes, dazu Vitamin B12, Eisen, Zink und Calcium. Wie wichtig Abwechslung auf dem Teller ist, zeigt der Artikel über Mangelkrankheiten in dieser Reihe. Die Frage ist also nicht, ob Tiere sein dürfen, sondern womit sie gefüttert werden.
Für die Planung heißt das: Rechne Tiere nicht als Nahrungsquelle zum Vorrat dazu, sondern als Verwandlung von Futter. Wo das Futter Gras, Stroh und Reste ist, gewinnt man Nahrung. Wo es Getreide ist, verliert man einen großen Teil davon. Die genauen Zahlen hängen von Rasse, Haltung und Ernte ab; die Richtung ist in allen hier genutzten Quellen dieselbe.
Hinweis Futterverwertung und Mastdaten stammen aus den Steckbriefen zur Tierhaltung des Thünen-Instituts, Flächenbedarf und Eiweißbilanz aus einer Übersichtsarbeit mit Beteiligung des Friedrich-Loeffler-Instituts, die Anteile nicht essbaren Futters und des Graslands von der FAO. Die Rechtslage steht in der EU-Verordnung 1069/2009, die Übertragungswege der Schweinepest beim Friedrich-Loeffler-Institut.
Häufige Fragen
Wie viel Futter steckt in einem Kilogramm Schweinefleisch?
In der Mast rund 2,8 kg Futter je kg Zuwachs nach dem Thünen-Institut. Rechnet man Aufzucht und Schlachtgewicht dazu, sind es gut 3 kg je kg Schlachtkörper mit Knochen – ohne das Futter der Sau.
Ist Rindfleisch immer die schlechteste Wahl?
Nicht, wenn das Rind Gras frisst, das auf Flächen wächst, die kein Acker sein können. Nach der FAO brauchen Weiderinder nur 0,6 kg essbares Eiweiß im Futter für 1 kg Eiweiß in Milch und Fleisch.
Darf ich meinen Hühnern Gemüsereste aus der Küche geben?
Heute nicht. Die EU-Verordnung 1069/2009 verbietet es, Nutztiere mit Küchen- und Speiseabfällen zu füttern, auch in privater Haltung. Im Zweifel fragst du das Veterinäramt.
Warum werden Tiere dann überhaupt mit Getreide gefüttert?
Weil sie damit schnell und gleichmäßig wachsen. Weltweit ist Getreide aber nur 13 Prozent des Tierfutters; der größte Teil sind nach der FAO Gras, Ernterückstände und Nebenprodukte.
Quellen
- Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Ferkelerzeugung und Schweinemast (2024)Thünen-Institut für Betriebswirtschaft · Futterverwertung 2,8 in der Mast und 1,7 in der Aufzucht, 880 g Tageszunahme, 106 Masttage, 263 kg Futter je Mastschwein, 42 kg je Aufzuchtferkel, 98 kg Schlachtgewicht, Erhaltungsbedarf
- Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Mastgeflügel (2023)Thünen-Institut für Betriebswirtschaft · Futterverwertung 1,55, 1,65 und 1,74 je nach Mastverfahren, Vergleich Standard 1,6 und Premium 1,8 (LVFZ Kitzingen)
- Land Use for Edible Protein of Animal Origin – A Review (Animals, 2017)Flachowsky, Meyer (Friedrich-Loeffler-Institut), Südekum (Universität Bonn) · Essbare Anteile, Modellrind mit 7 kg Trockenmasse und 85 % Grundfutter, Flächenbedarf je kg Produkt und je kg Eiweiß, Eiweißbilanz je Tierart mit und ohne Nebenprodukte
- More Fuel for the Food/Feed Debate (CC3134EN)Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) · 86 % des Futters nicht essbar, 13 % Getreide, 3 kg Getreide je kg Fleisch, 0,6 kg bei Weiderindern, 77 % Grasland, zwei Drittel nicht umwandelbar, 18 % der Kalorien und 34 % des Eiweißes
- Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 über tierische NebenprodukteEuropäisches Parlament und Rat der EU (EUR-Lex) · Artikel 11: Verbot der Fütterung von Nutztieren mit Küchen- und Speiseabfällen; Artikel 3: Begriff Nutztier
- Afrikanische SchweinepestFriedrich-Loeffler-Institut (FLI) · Übertragung über Speiseabfälle und Schweinefleischerzeugnisse, illegales Verfüttern als Infektionsquelle, für Menschen ungefährlich
