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Grundlagen

Ehrenamt im Bevölkerungsschutz: mitmachen statt zuschauen

Feuerwehr, THW oder Hilfsorganisation: wo du mitmachen kannst, was du lernst und welche Rechte du gegenüber deinem Arbeitgeber hast.

7 Min. LesezeitEinstiegStand: 25. September 2026
Einsatz- und Ausbildungsgerät des Technischen Hilfswerks beim Ortsverband München-Ost.
Beim Bevölkerungsschutz tragen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer einen großen Teil der praktischen Arbeit.Foto: Edelmauswaldgeist · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Wenn nach einem Unwetter Keller leergepumpt und Straßen geräumt werden, sind die meisten Helfer keine Profis im Dienst, sondern Nachbarn mit einer Zusatzausbildung. Dieser Artikel zeigt, warum das so ist, wo du selbst einsteigen kannst, was du dort lernst und wie Gesetze dich im Job und bei einem Unfall absichern. Er wirbt für keine bestimmte Organisation – welche zu dir passt, entscheidest du.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bevölkerungsschutz in Deutschland wird laut BBK von über 1,76 Millionen Freiwilligen getragen.
  • Einstiege gibt es bei Freiwilliger Feuerwehr, THW und den Hilfsorganisationen ASB, DRK, JUH, MHD und DLRG.
  • Für THW-Dienste musst du freigestellt werden, dein Lohn läuft weiter – so steht es in § 3 THW-Gesetz.
  • Für die Feuerwehr regeln das die Länder, in Brandenburg etwa § 27 BbgBKG.
  • Ehrenamtliche im Bevölkerungsschutz sind nach § 2 SGB VII gesetzlich unfallversichert.

Warum das Ehrenamt das Rückgrat ist

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt den ehrenamtlich getragenen Zivil- und Katastrophenschutz einen der wichtigsten und stabilsten Tragpfeiler des Bevölkerungsschutzes. Ohne das Engagement von über 1,76 Millionen freiwillig mitwirkenden Helferinnen und Helfern sei der deutsche Bevölkerungsschutz nicht denkbar, schreibt das BBK.

Am deutlichsten sieht man das bei der Feuerwehr. Nach der Statistik des Deutschen Feuerwehrverbands, eines Verbands der Feuerwehren, gab es zum Stand 31. Dezember 2023 in Deutschland 23.760 Freiwillige Feuerwehren, aber nur 114 Berufsfeuerwehren. In den Freiwilligen Feuerwehren waren 1.028.021 Menschen aktiv, in den Berufsfeuerwehren 39.501. Die Jugendfeuerwehren hatten 356.896 Mitglieder.

Rechnerisch kommen damit auf eine Berufsfeuerwehr mehr als 200 Freiwillige Feuerwehren. Wer bei dir zu einem Brand oder nach einem Sturm ausrückt, ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit ehrenamtlich dabei – und hat sich dafür vorher ausbilden lassen. Das BBK weist darauf hin, dass diese Mitarbeit dauerhaft ohne gesetzliche Verpflichtung gesichert werden soll. Sie hängt also davon ab, dass Menschen freiwillig mitmachen.

Skizze: ein einzelnes orangefarbenes Quadrat für eine Berufsfeuerwehr neben einem Raster aus 200 Quadraten für die Freiwilligen Feuerwehren; darunter 23.760 zu 114, Stand Ende 2023.
Auf eine Berufsfeuerwehr kommen rechnerisch mehr als 200 Freiwillige Feuerwehren.Skizze: WildWeasel

Wo du mitmachen kannst

Die Möglichkeiten unterscheiden sich vor allem darin, wer sie trägt. Die Freiwillige Feuerwehr ist eine Einrichtung deiner Gemeinde; in Brandenburg etwa verpflichtet § 3 BbgBKG die Gemeinden, eine leistungsfähige Feuerwehr zu unterhalten. Das Technische Hilfswerk ist nach § 1 THW-Gesetz eine Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums; seine Helferinnen und Helfer sind in Ortsverbänden organisiert.

Die Hilfsorganisationen – Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), Malteser Hilfsdienst (MHD) und Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) – sind dagegen private Organisationen mit eigenen Orts- und Kreisverbänden. Das BBK spricht von den „privaten Hilfsorganisationen“. Im Katastrophenschutz arbeiten sie unter der Leitung der Behörden mit; wie das organisiert ist, beschreibt der Artikel „Wer hilft bei Katastrophen“.

Keine dieser Organisationen ist besser als die andere. Entscheidend ist, was es in deiner Nähe gibt, wann die Übungsabende liegen und welche Aufgaben dich interessieren. Am einfachsten ist ein Besuch am Gerätehaus, im Ortsverband oder beim Ortsverein.

Gerätehaus einer Freiwilligen Feuerwehr in einem Dorf: ein Flachbau mit Ziegeldach, drei Rolltoren und der Aufschrift „Feuerwehr“, davor ein gepflasterter Hof und ein Schild „Feuerwehrzufahrt“.
Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Schwegenheim. Am einfachsten ist ein Besuch am Gerätehaus, im Ortsverband oder beim Ortsverein.Foto: P170 · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten
Wer die Einstiege trägt
WoTrägerErster Kontakt
Freiwillige FeuerwehrGemeinde, nach LandesrechtGerätehaus oder Gemeindeverwaltung
Technisches Hilfswerk (THW)Bund, Bundesanstalt nach § 1 THW-GesetzTHW-Ortsverband
ASB, DRK, JUH, MHD, DLRGPrivate HilfsorganisationenOrts- oder Kreisverband

Was du lernst

Vor dem ersten Einsatz steht die Ausbildung. Beim THW ist das Fundament die Grundausbildung im Ortsverband. Sie vermittelt nach Angaben des THW allgemeines Wissen über den deutschen und europäischen Katastrophenschutz und über das THW. Alle angehenden Einsatzkräfte lernen einheitlich den Umgang mit den THW-typischen Werkzeugen und Geräten, damit sie bundesweit einsetzbar sind. Die Grundausbildung endet mit einer Prüfung; erst danach geht es in die Spezialisierung in den Einheiten und Fachgruppen.

Du musst dafür nicht besonders kräftig oder technikbegeistert sein. Das THW bietet eine angepasste Grundausbildung an, die nur theoretisch stattfindet. Sie ermöglicht auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder mit Aufgaben außerhalb des technischen Einsatzes die Mitwirkung.

Bei Feuerwehr und Hilfsorganisationen legen Land und Organisation fest, wie die Ausbildung aufgebaut ist. Für die Feuerwehr in Brandenburg regelt § 27 BbgBKG, dass die Angehörigen an Einsätzen, Übungen, Lehrgängen und sonstigen Ausbildungsveranstaltungen teilnehmen. Was du konkret lernst und in welcher Reihenfolge, erfährst du vor Ort.

Ein blaues Bergungsräumgerät des Technischen Hilfswerks übt mit einem Zweischalengreifer das präzise Bewegen von Holzstücken.
Ausbildungsaufnahme des THW-Ortsverbands Hamburg-Nord: Auch der sichere Umgang mit technischem Gerät wird im Ehrenamt praktisch geübt.Foto: Thiemo Schuff / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE

Video: Retten will gelernt sein: Grundausbildung zum THW-Helfer | Schwaben + Altbayern | BR (Bayerischer Rundfunk) – BR-Reportage (8:16) aus dem THW-Ortsverband Traunstein: Ein Helfer bereitet sich auf die Prüfung der Grundausbildung vor und legt sie ab.

Wie viel Zeit du einplanen solltest

Ein Ehrenamt im Bevölkerungsschutz ist regelmäßige Arbeit. Das THW schreibt, dass die Grundausbildung in der Regel mehrere Monate dauert, mit einem Ausbildungsmodul pro Woche. An einzelnen Standorten gibt es auch Kompakt-Lehrgänge. Danach kommen Übungen und weitere Lehrgänge hinzu.

Dazu kommen Einsätze, die sich nicht planen lassen. Ein Alarm kommt nachts, am Wochenende oder mitten im Arbeitstag. Sprich deshalb vorher mit deiner Familie und, wenn möglich, mit deinem Arbeitgeber darüber, was das für euren Alltag bedeutet. Wie viel Zeit Übungsabende und Einsätze bei dir kosten, hängt von Ort und Einheit ab – frag danach, bevor du dich festlegst.

Tipp Frag beim ersten Besuch nach dem Übungsplan und danach, wie oft die Einheit im Jahr alarmiert wird. Dann weißt du, worauf du dich einlässt.

Deine Rechte im Job: Freistellung und Lohn

Für das THW ist die Frage bundesweit einheitlich geregelt. Nach § 3 THW-Gesetz dürfen dir aus dem Dienst keine Nachteile im Arbeitsverhältnis entstehen. Wirst du während deiner regelmäßigen Arbeitszeit zu Diensten herangezogen, bist du für deren Dauer von der Arbeit freigestellt und bekommst das Arbeitsentgelt weiter, das du ohne den Dienst erhalten hättest. Das gilt auch für Auszubildende sowie entsprechend für Beamtinnen und Beamte. Ausgenommen sind Dienste, die in nicht unerheblichem Umfang der Gemeinschaftspflege dienen.

Private Arbeitgeber bekommen das weitergezahlte Entgelt samt Sozialversicherungsbeiträgen auf Antrag erstattet, wenn mehr als zwei Stunden am Tag oder mehr als sieben Stunden innerhalb von zwei Wochen ausfallen. Selbstständige erhalten auf Antrag eine Entschädigung für glaubhaft gemachten Verdienstausfall.

Für die Feuerwehr ist das Landesrecht zuständig, deshalb unterscheiden sich die Einzelheiten. In Brandenburg bestimmt § 27 BbgBKG: Den Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr dürfen durch den Dienst keine Nachteile im Arbeits- oder Dienstverhältnis entstehen. Für Einsätze, Übungen und Ausbildungsveranstaltungen sind sie freizustellen, und der Arbeitgeber zahlt das Arbeitsentgelt fort. Private Arbeitgeber können es sich auf Antrag erstatten lassen. Für Mitwirkende der Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz gilt nach § 19 BbgBKG § 27 entsprechend, soweit die Organisation nichts Abweichendes regelt.

Hinweis Brandenburg dient hier nur als Beispiel. Wie es in deinem Land geregelt ist, steht im jeweiligen Feuerwehr- oder Brandschutzgesetz. Im Einzelfall hilft dir deine Organisation weiter.

Unfallversicherung: wer dich absichert

Wer im Bevölkerungsschutz hilft, geht ein Risiko ein. Das Siebte Buch Sozialgesetzbuch sichert dich dabei ab. Nach § 2 Absatz 1 Nummer 12 SGB VII sind kraft Gesetzes Personen versichert, die in Unternehmen zur Hilfe bei Unglücksfällen oder im Zivilschutz unentgeltlich, insbesondere ehrenamtlich tätig sind. Ausdrücklich eingeschlossen ist die Teilnahme an Ausbildungsveranstaltungen dieser Unternehmen, auch an satzungsmäßigen Veranstaltungen der Nachwuchsförderung.

Das heißt: Nicht nur der Einsatz, auch der Übungsabend und der Lehrgang sind versichert. Welcher Unfallversicherungsträger zuständig ist und was im Schadensfall zu tun ist, erklärt dir deine Organisation. Für das THW sieht § 3 THW-Gesetz außerdem vor, dass notwendige Auslagen und Sachschäden aus dem Dienst auf Antrag erstattet werden – außer bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.

Spontan helfen statt fest dabei sein

Nicht jeder kann sich jede Woche binden. Auch wer ohne Organisation anpackt, ist nicht schutzlos: Nach § 2 Absatz 1 Nummer 13 SGB VII sind Personen versichert, die bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten.

Spontanhilfe wirkt aber nur, wenn sie abgestimmt ist. Wo und wie du nach einer großen Schadenslage helfen kannst, ohne im Weg zu stehen, beschreibt der Artikel „Wer hilft bei Katastrophen“. Viele, die dort einmal mit angepackt haben, merken dabei, ob ein festes Ehrenamt zu ihnen passt.

Was das Ehrenamt deiner eigenen Vorsorge bringt

Ein Ehrenamt ersetzt keinen Vorrat zu Hause. Wer im Einsatz ist, fehlt der eigenen Familie – umso wichtiger ist, dass sie ein paar Tage ohne dich zurechtkommt. Ein Familien-Notfallplan und ein Vorrat für 10 Tage, wie ihn das BBK empfiehlt, sind deshalb gerade für Einsatzkräfte die Grundlage.

Umgekehrt nimmst du aus dem Ehrenamt viel für die eigene Vorsorge mit. Du lernst, mit Werkzeug und Gerät umzugehen, in einer Gruppe unter Anleitung zu arbeiten und Lagen ruhig einzuschätzen. Du kennst die Menschen, die in deinem Ort helfen, und weißt, wie Hilfe dort organisiert ist. Und du bist Teil eines Netzes, das auch dann trägt, wenn Telefon und Internet ausfallen.

Den Einstieg gibt es in fast jedem Alter. In Brandenburg beginnt der ehrenamtliche Einsatzdienst in der Freiwilligen Feuerwehr nach § 26 BbgBKG frühestens mit 16 Jahren; Jüngere finden in den Jugendfeuerwehren ihren Platz. Und wer keinen Einsatzdienst leisten will oder kann, findet beim THW mit der angepassten Grundausbildung einen Weg.

Häufige Fragen

Muss mein Arbeitgeber mich für Einsätze freistellen?

Beim THW ja: Nach § 3 THW-Gesetz bist du für Dienste während der Arbeitszeit freigestellt und bekommst deinen Lohn weiter. Für die Feuerwehr gilt das Landesrecht, in Brandenburg etwa § 27 BbgBKG.

Bin ich bei Übungen versichert?

Ja. § 2 Absatz 1 Nummer 12 SGB VII schließt ausdrücklich die Teilnahme an Ausbildungsveranstaltungen ein. Einzelheiten zum Versicherungsfall klärt deine Organisation.

Kann ich mitmachen, wenn ich körperlich eingeschränkt bin?

Oft ja. Das THW bietet eine angepasste, rein theoretische Grundausbildung an, die auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen die Mitwirkung ermöglicht. Frag bei anderen Organisationen direkt nach.

Welche Organisation ist die richtige für mich?

Das hängt davon ab, was es bei dir gibt und was dich interessiert – Technik, Brandschutz, Sanitätsdienst oder Wasserrettung. Besuch am besten zwei Übungsabende, bevor du dich entscheidest.

Quellen

  1. Förderung Ehrenamt im BevölkerungsschutzBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Ehrenamt als Tragpfeiler des Bevölkerungsschutzes, über 1,76 Millionen freiwillige Helferinnen und Helfer, „private Hilfsorganisationen“, Mitarbeit ohne gesetzliche Verpflichtung
  2. StatistikDeutscher Feuerwehrverband (Verband) · Zahl der Freiwilligen und Berufsfeuerwehren, aktive Mitglieder und Jugendfeuerwehren zum 31.12.2023 (Verbandsangabe nach Daten der Innenministerien der Länder)
  3. THW-Gesetz, § 3 Ausgleichsansprüche und soziale SicherungBundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.de · Freistellung, Weiterzahlung des Arbeitsentgelts, Erstattung an Arbeitgeber, Verdienstausfall Selbstständiger, Auslagen und Sachschäden; Rechtsform als Bundesanstalt in § 1 (gesetze-im-internet.de/thw-helfrg/__1.html)
  4. GrundausbildungTechnisches Hilfswerk (THW) · Inhalt, Prüfung, angepasste Grundausbildung, Dauer von mehreren Monaten bei einem Modul pro Woche, Kompakt-Lehrgänge
  5. Brandenburgisches Brand- und Katastrophenschutzgesetz (BbgBKG)Land Brandenburg – Brandenburgisches Vorschriftensystem (BRAVORS) · Beispiel Landesrecht: § 3 Feuerwehr als Gemeindeaufgabe, § 19 Mitwirkende der Hilfsorganisationen, § 26 Einsatzdienst ab 16, § 27 Freistellung und Lohnfortzahlung
  6. SGB VII, § 2 Versicherung kraft GesetzesBundesministerium der Justiz – gesetze-im-internet.de · Unfallversicherung für Ehrenamtliche in Unternehmen zur Hilfe bei Unglücksfällen und im Zivilschutz (Nr. 12) und für Hilfeleistende bei Unglücksfällen (Nr. 13)