Am 11. April 1996 brach im Terminal des Düsseldorfer Flughafens ein Brand aus, der 17 Menschen das Leben kostete. Die Feuerwehr Düsseldorf nennt ihn den wohl folgenschwersten Brand der Nachkriegszeit in der Stadt. Dieser Artikel fragt, wie aus Schweißfunken an einer Fuge eine Katastrophe wurde, was im Einsatz funktionierte und was nicht und welche Lehren gezogen wurden. Er stützt sich auf den Einsatzbericht der Feuerwehr Düsseldorf, ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf mit den Brandgutachten und Unterlagen des Landtags NRW. Die Bewertungen stammen aus diesen Quellen, nicht von uns. Namen von Opfern nennen wir nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- 17 Menschen starben, 72 weitere wurden laut Feuerwehr zum Teil schwer verletzt, mehrere Hundert leicht.
- Schweißfunken entzündeten eine Fuge; brennbare Dämmung trug das Feuer durch die Zwischendecke.
- Laut Gutachten wäre der Brand mit nicht brennbarer Dämmung wohl auf die Fuge beschränkt geblieben.
- Die Sachverständigenkommission des Landes gab weit über 100 Empfehlungen für Flughäfen und Sonderbauten.
- Für dich: Rauch ist die größte Gefahr – nicht hinein, tief bleiben, keinen Aufzug, Anweisungen folgen.
Was am 11. April 1996 passiert ist
An einer Dehnungsfuge in der Zufahrtsstraße zur Abflugebene wurde an diesem Donnerstag geschweißt. Die Fuge war undicht, Feuchtigkeit drang in das Gebäude darunter. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom Oktober 2000 liefen die Schweißarbeiten etwa ab 11 Uhr. Unter der Fuge lag die Ankunftsebene des Terminals, dort unter anderem ein Blumenladen.
Um 15:31 Uhr meldete ein Taxifahrer der Flughafenfeuerwehr Rauch im Deckenbereich dieses Ladens. Zwei Feuerwehrleute waren zwei Minuten später vor Ort und suchten die Ursache, was in den weitläufigen Räumen dauerte. Die Leitstelle der Feuerwehr Düsseldorf erhielt eine erste Meldung um 15:54 Uhr über die Polizei und schickte vorsorglich eine Feuerwache. Um 15:58 Uhr forderte der Einsatzleiter der Flughafenfeuerwehr dringend die Berufsfeuerwehr an: Brand in einer Zwischendecke, starke Verrauchung.
Dann ging alles sehr schnell. Brennbare Gase, die sich bei einem Schwelbrand in der Zwischendecke gebildet hatten, zündeten nach dem Bericht der Feuerwehr auf mehreren hundert Metern Länge durch. Fast schlagartig waren große Teile des Gebäudes verraucht. Im Komplex hielten sich rund 2.000 Menschen auf. Als die ersten Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr um 16:07 Uhr eintrafen, waren die Eingänge der Ankunftsebene schon aus 30 bis 40 Metern Entfernung nicht mehr zu erkennen.
17 Menschen kamen ums Leben. Die Feuerwehr Düsseldorf nennt 72 weitere, zum Teil schwer Verletzte und mehrere Hundert Leichtverletzte; andere Darstellungen, etwa im ZDF, sprechen von 88 Verletzten. Rund 2.000 Menschen brachten die Einsatzkräfte in Sicherheit oder retteten sie.
Wie aus Funken ein Großbrand wurde
Das Oberlandesgericht übernahm in seinem Urteil ein Gutachten aus dem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren. Danach fielen beim Lichtbogenschweißen glühende Schweißperlen in die offene Fuge und entzündeten dort ein Wasserleitband aus Neopren. In Versuchen brannte dieses Band, einmal entzündet, von selbst weiter. Die Flammen erreichten die Dämmung unter der Decke: aluminiumkaschierte Polystyrolplatten mit Kleber.
Diese Dämmung trug den Brand in den Hohlraum über der abgehängten Decke. Brennende Schmelze tropfte ab und bildete neue Brandherde, Elektrokabel fingen Feuer. Die Lüftung saugte die Rauchgase über Abluftkanäle in der Zwischendecke ab und gab dem Brand so eine bevorzugte Richtung. Deshalb trat der Rauch laut Gutachten erst relativ spät in die Ankunftshalle – solange die Abluft ihn noch schaffte, blieb der Brand unsichtbar.
Zwei Befunde des Gutachtens sind für die Lehren zentral. Mit nicht brennbarer Dämmung wäre der Brand mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Fugenbereich beschränkt geblieben. Und wäre die Fuge vorher mit nicht brennbarem Material wie Mineralwolle abgedeckt worden, hätte sich das Band nicht entzündet. Die ursprüngliche Baugenehmigung sah für Einbauten nicht brennbare Baustoffe vor; 1975 stimmte die Bauaufsicht laut Urteil dem Einbau eines brennbaren Materials zu. Das Gericht spricht außerdem von der verbreiteten Überzeugung, im Flughafen gebe es keine nennenswerten Brandlasten.
Der Einsatz: was trug und was an Grenzen stieß
Die Feuerwehr Düsseldorf schreibt selbst, der Einsatz habe ihre Leistungsfähigkeit deutlich überschritten und sei nur mit allen Nachbarfeuerwehren und Hilfsorganisationen zu bewältigen gewesen. In der Spitze waren rund 1.155 Einsatzkräfte gleichzeitig beschäftigt. Flughafenfeuerwehr, Bundesgrenzschutz und Berufsfeuerwehr führten Menschen ins Freie, teils ohne Atemschutz. Eine Drehleiter holte 50 bis 80 Menschen vom Dach des Zentralgebäudes, aus einem Parkhaus wurden mehr als 50 gerettet.
Getragen hat auch die Versorgung der Verletzten. Nahe der Einsatzstelle entstanden mehrere Verletztenablagen, ein Notarzt sichtete ab 16:25 Uhr. Ein neu ausgelieferter Abrollbehälter Rettungsdienst bewährte sich nach dem Bericht hervorragend: Innerhalb von rund 30 Minuten standen vier Zelte. Im Hintergrund richtete der Stab ein Bürgertelefon und eine Auskunftsstelle für Angehörige ein und bereitete die Nachsorge für die Einsatzkräfte vor.
An Grenzen stieß vor allem die Technik. Die Pressluftatmer reichten für das Absuchen der großen, verwinkelten Hallen zu kurz; ein Teil der Trupps bekam Langzeitgeräte. Funk war wegen unterschiedlicher Systeme, der Weitläufigkeit und abschirmender Stahlbetonbauten stark gestört, ein Trupp im Keller galt fast eine Stunde lang als vermisst. Der Flugbetrieb lief anfangs weiter, Flugzeuge und Betriebsfahrzeuge gefährdeten Flüchtende. Und manche Reisende nahmen die Durchsagen nicht ernst und wollten das Gebäude zunächst nicht verlassen.
Video: 150 Jahre Feuerwehr Düsseldorf - Zeitzeuge Wolfgang Röhr - Flughafenbrand Düsseldorf 1996 (Feuerwehr Düsseldorf) – Ein Feuerwehrmann, der 1996 als einer der Ersten vor Ort war, erzählt vom Einsatz. Persönliche Erinnerung aus der Reihe zum 150-jährigen Bestehen der Feuerwehr Düsseldorf.
Was die offiziellen Auswertungen festhielten
Die Feuerwehr Düsseldorf zog eigene Schlüsse: Funk und seine Organisation, Orientierungs- und Auffindhilfen, Einsatzzeiten der Atemschutzgeräte, die Atemschutzüberwachung und die Ausbildung müssten überdacht und verbessert werden. Für so große Gebäude mit viel Publikum brauche es wesentlich detailliertere Objekt- und Einsatzpläne und gemeinsame Übungen mit der Werkfeuerwehr.
Der Ministerpräsident setzte eine unabhängige Sachverständigenkommission ein. Sie prüfte, ob Baurecht und technische Regeln geändert werden mussten und ob Gebäude, in denen sich regelmäßig viele Menschen aufhalten, sicherer werden können. Das Ergebnis waren nach einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts UMSICHT weit über 100 Empfehlungen für Flugplätze in NRW und andere Sonderbauten. Den größten Handlungsbedarf sah man dort weniger in neuen Regeln als in ihrem konsequenten Vollzug.
Wie lange die Kommission nachwirkt, zeigt eine Anhörung im Bauausschuss des Landtags im April 2026. Ein Sachverständiger schilderte dort, eine wesentliche Empfehlung sei gewesen, das Zusammenspiel von baulichem, technischem und organisatorischem Brandschutz durch Fachleute planen zu lassen. Ein Vertreter der Bauaufsichtsbehörden sagte, nach dem Flughafenbrand sei der Brandschutz verschärft worden, auch in der Landesbauordnung.
Juristisch wurde der Brand lange aufgearbeitet. Zivilgerichte verhandelten über Schadenersatz. Im Strafverfahren am Landgericht Düsseldorf standen nach Darstellung des ZDF unter anderem Architekten, Manager, Schweißer und Brandschutzverantwortliche vor Gericht; Ende 2001 wurde es gegen Geldauflagen eingestellt. Eine strafrechtliche Schuld wurde damit nicht festgestellt – dieser Artikel fragt deshalb nach Abläufen, nicht nach Einzelnen.
Lehre eins: Heißarbeiten sind Brandgefahr
Schweißen, Trennschleifen, Löten – Arbeiten mit Funken und Flammen heißen im Arbeitsschutz Heißarbeiten. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, der Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, hat dafür einen Erlaubnisschein. Er verlangt vor Beginn unter anderem, brennbare Stoffe im Umkreis zu entfernen oder abzudecken und Öffnungen, Fugen und Ritzen mit nicht brennbaren Stoffen abzudichten.
Dazu kommt eine Brandwache: während der Arbeit und danach, mit Kontrollgängen und Löschgerät in Reichweite. Auf dem Schein stehen auch der nächste Brandmelder und die Nummer der Feuerwehr. Genau diese einfachen Schritte hätten nach dem Gutachten 1996 gereicht – eine abgedeckte Fuge, und der Brand wäre nicht entstanden.

Tipp Lässt du zu Hause schweißen, flexen oder mit dem Brenner arbeiten, etwa am Dach? Frag, wie Fugen und Hohlräume geschützt werden und wer danach nachschaut. Glut kann in Hohlräumen lange unbemerkt schwelen.
Lehre zwei: Baustoffe, Zwischendecken und Rauch
Der Düsseldorfer Brand hat gezeigt, wie gefährlich verborgene Brandlasten sind: brennbare Dämmung und Kabel in einem geschlossenen Hohlraum, den niemand einsieht. Dazu kam eine Lüftung, die den Rauch zunächst versteckte und dem Feuer eine Richtung gab. Wie Brandschutz im Terminal heute aussieht, beschreibt ein Brandschutzingenieur des Flughafens im ZDF: offene Zwischendecken, in die man hineinsehen und aus denen Rauch abziehen kann, ausschließlich nicht brennbare Baustoffe, eine flächendeckende Brandmeldeanlage und 44 Entrauchungsventilatoren.
Hinzu kommt eine Aufzugsteuerung, die Fahrstühle im Brandfall automatisch in sichere Etagen lenkt. Für die Einsatzkräfte ging es um Orientierung: Ein Feuerwehrmann erinnert sich im ZDF, es habe keine Planunterlagen gegeben, die den Weg gewiesen hätten. Das deckt sich mit der Forderung der Feuerwehr nach detaillierten Objekt- und Einsatzplänen.
Was das für dich heißt
Du planst keinen Flughafen. Aber du bist regelmäßig in großen Gebäuden: Bahnhof, Einkaufszentrum, Klinik, Konzerthalle. Aus den Befunden lassen sich einige Regeln für dich ableiten. Sie sind unsere Folgerung, nicht Teil der Berichte; die Ratschläge der Feuerwehren zum Verhalten im Brandfall stehen ausführlich im Artikel „Brand in der Wohnung“.
Der wichtigste Punkt: Rauch ist die größte Gefahr, und er kann sich sehr schnell ausbreiten – in Düsseldorf innerhalb von Augenblicken über große Teile des Gebäudes. Ein eigener Artikel zu Bränden in öffentlichen Gebäuden ist geplant.
- Ausgänge kennen: Achte beim Betreten auf die grün-weißen Fluchtwegschilder – nicht nur auf den Eingang, durch den du kamst.
- Durchsagen ernst nehmen: Verlass das Gebäude sofort, auch wenn du selbst noch keinen Rauch siehst.
- Nicht in den Rauch: Such einen anderen Weg. Ist Rauch um dich, bleib tief, gebückt oder auf allen vieren.
- Kein Aufzug: Nimm die Treppe. Die Feuerwehren raten im Brandfall grundsätzlich vom Aufzug ab.
- Anweisungen folgen: Personal und Einsatzkräfte kennen die sicheren Wege. Geh nicht zurück, um Gepäck zu holen.
- Eingeschlossen? Mach dich bemerkbar und ruf die 112 an. 1996 half ein Handyanruf, einen Eingeschlossenen zu finden.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen starben beim Flughafenbrand 1996?
17 Menschen. Die Feuerwehr Düsseldorf nennt 72 weitere, zum Teil schwer Verletzte und mehrere Hundert Leichtverletzte. In anderen Darstellungen ist von 88 Verletzten die Rede.
Wie ist der Brand entstanden?
Nach dem Gutachten, dem das Oberlandesgericht Düsseldorf folgte, fielen Schweißperlen in eine offene Dehnungsfuge und entzündeten ein Dichtband. Von dort griff das Feuer auf brennbare Polystyroldämmung in der Zwischendecke über.
Warum war der Rauch so gefährlich?
Der Brand schwelte zunächst verborgen in der Zwischendecke, die Lüftung saugte den Rauch ab. Dann zündeten die angesammelten Gase durch, und große Teile des Gebäudes waren fast schlagartig verraucht.
Wurde jemand verurteilt?
Strafrechtlich nicht. Das Strafverfahren am Landgericht Düsseldorf wurde nach Darstellung des ZDF Ende 2001 gegen Geldauflagen eingestellt. Eine strafrechtliche Schuld wurde damit nicht festgestellt.
Was hat sich seitdem geändert?
Eine Sachverständigenkommission des Landes gab weit über 100 Empfehlungen, unter anderem, den Brandschutz großer Bauten von Fachleuten planen zu lassen. Im Terminal gibt es heute offene Zwischendecken, nicht brennbare Baustoffe und Entrauchungsanlagen.
Quellen
- Flughafenbrand Düsseldorf 11. April 1996 – Einsatzbericht (PDF)Feuerwehr Düsseldorf (Landeshauptstadt Düsseldorf) · Zeitablauf, 17 Tote und Verletztenzahlen, rund 2.000 Menschen im Gebäude, Durchzündung in der Zwischendecke, Rettung, Verletztenversorgung, Probleme mit Funk und Atemschutz, Flugbetrieb, Schlussfolgerungen der Feuerwehr
- Urteil I-15 U 57/98 vom 18.10.2000Oberlandesgericht Düsseldorf (Rechtsprechungsdatenbank NRW) · Brandgutachten aus dem Ermittlungsverfahren: Schweißarbeiten ab etwa 11 Uhr, Entzündung des Wasserleitbands, Polystyroldämmung, Abluft in der Zwischendecke, Brand wäre mit nicht brennbarer Dämmung oder abgedeckter Fuge begrenzt bzw. verhindert worden, Baugenehmigung und Zustimmung 1975
- Ausschussprotokoll APr 18/1188, Anhörung zur Landesbauordnung, 14.04.2026 (PDF)Landtag Nordrhein-Westfalen, Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung · Empfehlung der Sachverständigenkommission zum Zusammenspiel von baulichem, technischem und organisatorischem Brandschutz; Verschärfung des Brandschutzes nach 1996 auch in der Landesbauordnung (Aussagen von Sachverständigen in der Anhörung)
- Flughafenbrand Düsseldorf – 5 Jahre danach (Pressemitteilung, 2001)Fraunhofer-Institut UMSICHT über idw – Informationsdienst Wissenschaft · Auftrag der unabhängigen Sachverständigenkommission, weit über 100 Empfehlungen für Flugplätze und Sonderbauten, größter Handlungsbedarf beim Vollzug
- Erlaubnisschein für feuergefährliche Arbeiten (Heißarbeiten), FBFHB-008, Stand Dezember 2025 (PDF)Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV), Spitzenverband der Unfallversicherungsträger · Brennbares entfernen oder abdecken, Öffnungen und Fugen nicht brennbar abdichten, Brandwache während und nach der Arbeit, Alarmierung, Löschgerät
- Flughafenbrand vor 30 Jahren: Lehren aus der Katastrophe (Sekundärquelle, Journalismus)ZDFheute, 11.04.2026 · 88 Verletzte, Einstellung des Strafverfahrens Ende 2001 gegen Geldauflagen, fehlende Planunterlagen, heutige Brandschutzausstattung des Terminals
