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Lebensmittel & Vorrat

Salz gewinnen: Sole, Sieden, Salzgärten

Salz würzt nicht nur, es konserviert und hält Vieh gesund. Wie Salinen es aus Sole und Meerwasser gewannen – und wie du kleine Mengen selbst eindampfst.

8 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 26. September 2026
Das lange hölzerne Gradierwerk in Bad Kösen: eine hohe, mit Reisig gefüllte Holzwand auf einem Balkengerüst, davor junge Bäume, Rasen und ein Weg unter blauem Himmel.
Gradierwerk in Bad Kösen: Die Sole rieselt über eine große Fläche, Sonne und Wind verdunsten einen Teil des Wassers.Foto: Haumei · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Salz ist heute eines der billigsten Lebensmittel. Das war es nicht immer, und es bliebe es nicht, wenn Handel und Industrie dauerhaft ausfielen. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt, wofür Salz gebraucht wird, woher es in Deutschland historisch kam und wie Sieden, Gradieren und Verdunsten funktionieren. Am Ende steht eine vollständige Anleitung, mit der du kleine Mengen aus Meerwasser oder Sole selbst gewinnst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Salz ist Nahrung, Konservierungsmittel und Futterergänzung – für das Haltbarmachen brauchst du weit mehr als zum Essen.
  • Die DGE nennt als Orientierungswert bis zu 6 g Speisesalz am Tag, etwa einen Teelöffel.
  • Sieden kostet viel Brennstoff: Aus Nordseewasser musst du rund 30-mal so viel Wasser verdampfen, wie Salz entsteht.
  • Nimm nur sauberes Wasser fern von Häfen, Flussmündungen und Kläranlagen – beim Eindampfen bleibt alles Gelöste zurück.
  • Selbst gewonnenes Salz enthält praktisch kein Jod. Jodsalz im Vorrat schützt vor Kropf.

Wofür Salz unverzichtbar ist

Speisesalz besteht nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hauptsächlich aus Natriumchlorid und liefert etwa 90 Prozent des Natriums und Chlorids, das der Körper aufnimmt. Beide Stoffe sind unentbehrlich, unter anderem für den Flüssigkeitshaushalt der Zellen und die Regulation des Blutdrucks.

Mindestens so wichtig war Salz als Konservierungsmittel. Bis Kühlgeräte nach der Mitte des 20. Jahrhunderts massenhaft verbreitet waren, war Salz laut Historischem Lexikon Bayerns eine der wenigen Möglichkeiten, Speisen lange haltbar zu machen. Dasselbe Lexikon nennt Salz als Futterergänzung für das Vieh und als Hilfsmittel beim Verarbeiten von Leder.

Wie groß der Bedarf fürs Haltbarmachen ist, zeigt ein Beispiel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aus der Hansezeit: Um fünf Fässer Heringe haltbar zu machen, brauchte man ein ganzes Fass Salz. Auch die Milchsäuregärung von Gemüse arbeitet mit Salz – wie sie funktioniert, beschreibt der Kaltstart-Artikel „Essig und Milchsäure: Säure als Konservierung“.

Wie viel Salz du brauchst – und wie viel der Vorrat

Die DGE gibt für Speisesalz einen Orientierungswert von bis zu 6 g am Tag an, was etwa einem Teelöffel entspricht. Das ist eine Obergrenze für die Ernährung, kein Mindestbedarf: Laut DGE essen die meisten Menschen in Deutschland heute deutlich mehr, vor allem über Brot, Wurst und Käse.

Für die Planung heißt das: Der Salzbedarf zum Essen ist klein, der zum Konservieren groß. Wer pökeln, Fisch einsalzen oder Gemüse vergären will, braucht ein Vielfaches der Menge, die auf den Teller kommt. Ein Salzvorrat ist deshalb billig und lange haltbar, und er ist vermutlich einfacher, als Salz später selbst herzustellen – das ist eine Folgerung aus dem Aufwand, den die folgenden Abschnitte beschreiben.

Salzquellen in Deutschland: Sole, Salinen, Salzstöcke

Sole ist salzhaltiges Wasser aus dem Untergrund. Eine Saline ist der Betrieb, der daraus Salz gewinnt. Das Historische Lexikon Bayerns beschreibt Solequellen nach zwei Größen: dem Salzgehalt, früher „Grädigkeit“ genannt, und der Schüttung, also der Wassermenge. Die Quellen von Bad Reichenhall erreichen 24 Prozent und liegen damit nahe an der Sättigung – ab 26 Prozent lässt sich kein weiteres Salz im Wasser lösen.

Reichenhall war im Frühmittelalter die einzige Saline der Region, die ihr Salz auch exportieren konnte. Später leitete man die Sole in Rohrleitungen zu neuen Siedeorten, auch um weniger vom Brennholz aus den Salzburger Wäldern abzuhängen: Von 1617 bis 1619 entstand eine 32 km lange Soleleitung nach Traunstein, die täglich 130 Kubikmeter Sole beförderte.

Im Norden lag das Zentrum in Lüneburg. Laut Deutscher Stiftung Denkmalschutz liegt die westliche Altstadt über einem Salzstock, der schon 40 Meter unter der Erde beginnt, und aus unterirdischen Quellen fließt ungewöhnlich hoch konzentrierte Sole. Die Saline wird 956 erstmals erwähnt, lieferte in ihrer Blütezeit über 20.000 Tonnen Salz im Jahr und schloss 1980 nach über 1.000 Jahren.

Sieden: warum Salz Brennholz kostet

Das Grundverfahren ist einfach: Sole erhitzen, bis das Wasser verdampft und das Salz zurückbleibt. Schon in vorchristlicher Zeit stellte man dazu laut Historischem Lexikon Bayerns mit Sole gefüllte Tongefäße über ein Feuer. Im Mittelalter siedete man in Reichenhall in großen Pfannen aus Eisenblech. Den zurückbleibenden Salzbrei presste man in kegelförmige Holzformen, ließ ihn antrocknen und härtete ihn anschließend mit Feuer in eigenen Dörrhäusern vollständig aus.

Der Engpass war immer der Brennstoff. Reichenhall lagerte Brennholz für bis zu drei Jahre Siedebetrieb. In Lüneburg brannten die Öfen in über 50 Siedehütten rund um die Uhr in zwei Schichten zu je zwölf Stunden, und die Saline verschlang laut Deutscher Stiftung Denkmalschutz so viel Holz, dass die heutige Lüneburger Heide als Folge der Abholzung gilt. Geschlossen wurde sie am Ende, weil der hohe Verbrauch an Heizöl die Herstellung unwirtschaftlich machte.

Eine eigene Rechnung zeigt den Unterschied zwischen den Rohstoffen: In einem Kilogramm Reichenhaller Sole stecken 240 g Salz, du verdampfst also gut 3 kg Wasser je Kilogramm Salz. Nordseewasser enthält nur rund 30 g Salze je Kilogramm – hier sind es über 30 kg Wasser je Kilogramm Salz, rund zehnmal so viel Brennstoff.

Balkendiagramm „Wasser für 100 g Salz“: 0,4 Liter Sole Reichenhall, gut 3 Liter Nordsee bei Sylt, 5,5 bis 8,5 Liter Ostsee vor Warnemünde, 20 Liter östliche Ostsee.
Je schwächer das Wasser, desto mehr muss verdampfen – und desto mehr Brennstoff kostet das Salz.Skizze: WildWeasel
Salzgehalt nach IOW, UBA und Historischem Lexikon Bayerns; Wassermenge eigene Rechnung
RohstoffSalzgehaltWasser für 100 g Salz
Sole Bad Reichenhall24 Prozentetwa 0,4 Liter
Nordsee vor Sylt30–32 Promillegut 3 Liter
Ostsee vor Warnemünde12–18 Promilleetwa 5,5–8,5 Liter
Ostsee, östliche Küstebis 5 Promilleetwa 20 Liter

Gradierwerk und Salzgarten: Sonne und Wind arbeiten lassen

Weil Brennstoff knapp war, suchte man Wege, die Sole vor dem Sieden anzureichern. In Reichenhall entstand 1615 das erste Gradierwerk: Man ließ die Sole über eine große Fläche hinabrieseln, und Sonne und Wind verdunsteten einen Teil des Wassers. Die Sole wurde „grädiger“, und der Energiebedarf beim Sieden sank laut Historischem Lexikon Bayerns deutlich. Ab 1758 baute man dort ein neues Gradierhaus, das Ende des 18. Jahrhunderts etwa 720 Meter lang war.

Das Prinzip lässt sich im Kleinen nachahmen: Schwache Sole wiederholt über eine große, luftige Oberfläche laufen lassen und unten auffangen. Je wärmer, trockener und windiger das Wetter, desto mehr Wasser verdunstet – bei Regen dagegen verdünnt sich die Sole wieder. Das ist eine Folgerung aus dem beschriebenen Prinzip, keine überlieferte Mengenangabe.

Ein Salzgarten treibt das Verdunsten ganz ohne Feuer bis zum Ende: Meerwasser steht in flachen Becken, bis das Salz auskristallisiert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz berichtet, dass billigeres Meersalz aus Salinen der Atlantikküste ab dem 17. Jahrhundert das Lüneburger Salz vom nordeuropäischen Markt drängte. An Nord- und Ostsee selbst spielte dieses Verfahren in den hier genutzten Quellen keine Rolle. Dazu passt der Salzgehalt: Die Ostsee ist laut Umweltbundesamt ein Brackwassermeer, dessen Salzgehalt von 18 Promille im Westen auf 5 Promille im Osten sinkt, weil mehr Süßwasser aus Flüssen einströmt als Salzwasser aus der Nordsee.

Schema eines Gradierwerks: Oben wird schwache Sole verteilt und rieselt über eine hohe, luftige Wand hinab. Wind und Sonne lassen Wasser verdunsten, unten fließt stärkere Sole ab.
Das Gradierwerk reichert die Sole mit Sonne und Wind an, bevor sie gesiedet wird.Skizze: WildWeasel

Kleine Mengen selbst gewinnen: Schritt für Schritt

Für den Hausgebrauch reicht ein großer, breiter Topf oder eine flache Pfanne und ein sparsamer Herd. Je größer die Oberfläche, desto schneller geht es. Sole aus einer Quelle ist ergiebiger als Meerwasser, Nordseewasser ergiebiger als Ostseewasser – die Tabelle oben zeigt, wie viel Wasser du für 100 g Salz brauchst.

  • Schöpfen: Wasser an einer sauberen, offenen Stelle holen, fern von Häfen, Flussmündungen, Einleitungen und Kläranlagen. Nicht nach Starkregen und nicht dort, wo Öl, Schaum oder Algenteppiche treiben.
  • Absetzen lassen: Das Wasser einige Stunden stehen lassen, damit Sand und Schwebstoffe zu Boden sinken, dann vorsichtig abgießen.
  • Filtern: Durch ein dicht gewebtes, sauberes Tuch oder mehrere Lagen Stoff in den Topf gießen.
  • Einkochen: Bei kräftiger Hitze offen sieden lassen und Wasser nachfüllen, bis sich am Rand und auf der Oberfläche erste Kristalle bilden.
  • Auskristallisieren: Die Hitze stark zurücknehmen. Der Rest soll nur noch dampfen, nicht mehr sprudeln, bis ein feuchter Salzbrei übrig ist. Dabei gelegentlich mit einem Holzlöffel umrühren.
  • Trocknen: Den Brei auf einem Tuch oder Blech ausbreiten und an der Sonne, auf dem abkühlenden Ofen oder in einem warmen Raum ganz trocknen lassen – wie die alten Salinen, die ihr Salz nach dem Sieden eigens nachtrockneten.
  • Lagern: Trocken und luftdicht in Glas oder Steingut aufbewahren. Feuchtes Salz verklumpt.

Achtung Rechtslage heute: Sole zählt nach § 3 des Bundesberggesetzes zu den bergfreien Bodenschätzen – das Eigentum an einem Grundstück erstreckt sich nicht auf sie. Wer eine Solequelle nutzen will, fällt unter das Bergrecht; zuständig ist die Behörde, die das jeweilige Land nach § 142 bestimmt. Für die Entnahme von Meerwasser und für Schutzgebiete an der Küste gelten zusätzliche Regeln, die dieser Artikel nicht abschließend prüft. Gefahr: Siedende Salzlösung klebt an der Haut und kann spritzen, wenn der Salzbrei am Boden anbackt – das verursacht schwere Verbrühungen. Kinder vom Herd fernhalten, Topf nicht randvoll füllen, gegen Ende nur noch schwach heizen. Zuständig: bei schweren Verbrühungen der Notruf 112, sonst der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Reinheit, Jod und Lagerung

Beim Eindampfen verschwindet nur das Wasser. Was sonst darin gelöst ist, bleibt im Salz zurück und wird sogar angereichert. Deshalb zählt die Wahl der Stelle mehr als jeder Filter: Laut Umweltbundesamt werden zu hohe Schadstoffkonzentrationen in der Ostsee vor allem in den Küstengewässern gemessen, weil dort neben der Schifffahrt auch Flüsse und Kläranlagen Schadstoffe eintragen. Ein Tuchfilter hält Sand zurück, gelöste Schadstoffe nicht.

Das zweite Problem ist Jod. Die DGE empfiehlt, Speisesalz mit Jod und Fluorid zu verwenden, und weist darauf hin, dass unjodiertes Meersalz nur unwesentlich mehr Jod enthält als unjodiertes Speisesalz. Selbst gewonnenes Salz ersetzt Jodsalz also nicht. Jodmangel kann zum Kropf führen – mehr dazu im Kaltstart-Artikel „Mangelkrankheiten: Skorbut, Rachitis, Pellagra“.

Für einen langen Ausfall ist die Arbeitsteilung sinnvoll: Jodsalz aus dem Vorrat für die Ernährung, selbst gewonnenes Salz zum Pökeln, Einsalzen und für das Vieh. Das ist eine Folgerung aus den Quellen, keine amtliche Empfehlung.

Tipp Salz verdirbt nicht, solange es trocken bleibt. Ein paar Kilo Jodsalz im Vorrat kosten wenig und sparen im Ernstfall viel Brennholz.

Häufige Fragen

Kann ich Meerwasser einfach in der Sonne verdunsten lassen?

Im Prinzip ja, so arbeitet ein Salzgarten. In Deutschland ist das Wetter dafür unzuverlässig, und Regen verdünnt die Sole wieder. Ein Dach über der Schale oder das Nachsieden am Herd hilft.

Wie viel Salz bekomme ich aus einem Eimer Meerwasser?

Aus 10 Litern Nordseewasser mit 30–32 Promille sind es rechnerisch rund 300 g Salze, aus Ostseewasser vor Warnemünde etwa 120–180 g, weiter östlich deutlich weniger.

Ist selbst gewonnenes Meersalz gesünder als Speisesalz?

Nein. Laut DGE enthält unjodiertes Meersalz kaum mehr Jod als unjodiertes Speisesalz, und je nach Entnahmestelle kann es Schadstoffe mitbringen. Für die Ernährung ist Jodsalz die bessere Wahl.

Brauche ich Salz, wenn ich kaum noch Fertigprodukte esse?

Der Körper braucht Natrium und Chlorid, die DGE nennt aber nur einen Orientierungswert von bis zu 6 g am Tag als Obergrenze. Viel mehr Salz brauchst du zum Konservieren von Fleisch, Fisch und Gemüse.

Quellen

  1. Ausgewählte Fragen und Antworten zu SpeisesalzDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, Fachgesellschaft) · Orientierungswert bis zu 6 g am Tag, Aufgaben von Natrium und Chlorid, konservierende Wirkung, Jodsalz, Jodgehalt von Meersalz
  2. Salzgewinnung in Altbayern (Mittelalter/Frühe Neuzeit)Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek) · Salz zum Konservieren, als Futter und für Leder; Solequellen Reichenhall 24 Prozent, Sättigung 26 Prozent; Tongefäße, Eisenpfannen, Trocknung; Brennholz; Gradierwerk 1615 und 1758; Soleleitung nach Traunstein
  3. 20.000 Tonnen „Weißes Gold“ – Die Alte Salzstraße von Lüneburg nach LübeckMonumente Online, Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Stiftung) · Salzstock und Sole in Lüneburg, Siedehütten und Schichtbetrieb, Brennholz und Heide, Hering und Salz, Atlantiksalz, Schließung 1980
  4. Salzgehalt der Ostsee vor Warnemünde im Vergleich zur Nordsee vor SyltLeibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) · Salzgehalt Nordsee vor Sylt 30–32 Promille, Ostsee vor Warnemünde 12–18 Promille
  5. Gewässertyp des Jahres 2024 – Flaches Küstengewässer der OstseeUmweltbundesamt (UBA) · Salzgradient der Ostsee 18 bis 5 Promille, Schadstoffe in Küstengewässern aus Schifffahrt, Flüssen und Kläranlagen
  6. Bundesberggesetz (BBergG), § 3 Bergfreie und grundeigene BodenschätzeBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · Sole als bergfreier Bodenschatz; zuständige Behörden nach § 142 BBergG