Zum Inhalt springen

Energie & Licht

Powerstation und Solar: was wirklich geht

Was eine Powerstation im Haushalt wirklich trägt, warum das Balkonkraftwerk bei Stromausfall nichts liefert und wie du ohne Netz nachlädst.

9 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 24. September 2026
Ein tragbares Solarpanel ist mit einem Akkupack verbunden, das unterwegs elektronische Geräte mit Strom versorgt.
Solarmodul und Akku ergänzen sich: Das Panel liefert Energie, der Speicher macht sie zeitversetzt nutzbar.Foto: Robert Ashworth from Bellingham, WA., USA · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Eine Powerstation im Schrank wirkt beruhigend – bis man das erste Mal nachrechnet, was sie tatsächlich trägt. Und das Balkonkraftwerk, das viele ausdrücklich für den Notfall angeschafft haben, hilft bei Stromausfall gar nicht. Dieser Artikel klärt beides: was so ein Speicher im Haushalt wirklich leistet, wie du ihn ohne Netz nachlädst – und wo die Grenzen liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Watt sagt, ob ein Gerät überhaupt läuft. Wattstunden sagen, wie lange. Beide Zahlen müssen passen.
  • Ein Balkonkraftwerk liefert bei Stromausfall nichts – der Wechselrichter braucht die Verbindung zum Netz.
  • Ein mobiles Panel direkt an der Powerstation ist etwas anderes und funktioniert auch ohne Netz.
  • Alles, was Wärme erzeugt, leert den Speicher sehr schnell. Dafür ist der Brennstoffkocher da.
  • Im Dezember liegt die Einstrahlung unter einem Achtel des Sommerwerts – ein Panel ersetzt keinen vollen Speicher.

Watt und Wattstunden sind zwei verschiedene Fragen

Zwei Zahlen entscheiden, ob eine Powerstation dir hilft, und sie beantworten verschiedene Fragen. Watt ist die Leistung: das, was ein Gerät in diesem Moment zieht. Wattstunden sind der Vorrat: die Energiemenge im Speicher. Jede Powerstation nennt beides, und beides muss passen.

Die erste Frage lautet: Schafft das Gerät die Leistung? Jede Powerstation hat eine Dauerleistung, über der sie schlicht abschaltet. Liegt der Bedarf eines Geräts darüber, nützt der größte Speicher nichts – es läuft gar nicht erst an, egal wie voll er ist.

Die zweite Frage lautet: Reicht der Vorrat für die Dauer? Hier rechnest du mit Wattstunden. Ein Router mit 10 Watt zieht in zehn Stunden 100 Wattstunden. Ein Gerät mit 1.000 Watt zieht dieselbe Menge in sechs Minuten. Ein und derselbe Speicher ist also je nach Gerät ein Vorrat für Tage oder für eine Viertelstunde.

  • Dauerleistung zu klein: Das Gerät läuft gar nicht erst an.
  • Speicher zu klein: Das Gerät läuft – aber nicht lange genug.
  • Motoren und Kompressoren ziehen beim Anlaufen kurz mehr als im Betrieb.

Tipp Die Umrechnung von mAh in Wattstunden und die Formel für die Laufzeit stehen im Einsteigerartikel „Licht und Strom für Notfälle“. Hier setzen wir sie voraus.

Ein Balkonkraftwerk liefert bei Stromausfall nichts

Das ist der wichtigste Abschnitt dieses Artikels, weil der Irrtum so verbreitet ist: Viele schaffen sich ein Steckersolargerät ausdrücklich für den Notfall an. Die Verbraucherzentrale beantwortet die Frage, ob man damit bei Stromausfall ein Radio betreiben oder das Handy laden kann, in einem Wort: „Nein. Der Wechselrichter der Steckersolar-Geräte braucht grundsätzlich die Verbindung zum Stromnetz, um zu funktionieren.“

Der Grund liegt in der Bauart. Ein Steckersolargerät besteht laut Umweltbundesamt aus Photovoltaikmodulen, einem Wechselrichter, einer Anschlussleitung und einer Unterkonstruktion und speist über Stecker oder Festanschluss in den Verbraucherstromkreis ein. Der Wechselrichter arbeitet parallel zum Netz und richtet sich nach dessen Spannung und Frequenz. Fällt das Netz weg, fehlt ihm diese Bezugsgröße – und er muss abschalten, damit keine Spannung auf Leitungen gelangt, an denen gerade gearbeitet wird.

Das ist kein Mangel, sondern Absicht. Steckersolar ist dafür gebaut, im Alltag Stromkosten zu senken; das Umweltbundesamt nennt als Grenzen 800 Watt Wechselrichterleistung und 2.000 Watt Modulleistung. Ergänzende Batteriespeicher, die sich in einen sogenannten Inselbetrieb umschalten lassen, gibt es – das ist dann aber gesonderte Technik und nicht das Gerät, das am Balkon hängt.

Ein faltbares Solarmodul, das du direkt an eine Powerstation steckst, ist etwas völlig anderes. Es hat mit dem Hausnetz nichts zu tun: Das Panel liefert Gleichstrom, die Powerstation lädt damit ihren eigenen Akku, und an ihren Ausgängen hängen deine Geräte. Nichts davon berührt die feste Elektroinstallation – deshalb funktioniert es auch ohne öffentliches Netz. Genau diese Kombination meint das BBK: „Solarbetriebene Batterieladegeräte oder eine Powerbank können bei Stromausfall eine Hilfe sein.“

Schema bei Stromausfall: oben ein Balkonkraftwerk, dessen Wechselrichter durchgestrichen ist und abschaltet; unten Faltpanel, Powerstation und Geräte mit Pfeilen – das läuft ohne Netz.
Das Balkonkraftwerk braucht das Netz; ein Panel direkt an der Powerstation nicht.Skizze: WildWeasel

Achtung Verlass dich nicht auf dein Balkonkraftwerk als Notstromquelle. Bei Stromausfall schaltet der Wechselrichter ab, auch bei strahlendem Sonnenschein. Ohne Netz hilft nur ein Panel, das direkt an einen Speicher geht.

Was eine Powerstation im Alltag wirklich betreibt

Sortiere deine Geräte nach Leistungsbedarf, dann wird die Sache schnell übersichtlich. Sparsam ist fast alles, in dem nur Elektronik arbeitet: LED-Licht, Handy, Radio, Router, Laptop, ein kleiner Ventilator. Diese Geräte kommen mit wenigen Watt aus, und ein mittlerer Speicher trägt sie über einen längeren Zeitraum.

Teuer wird es bei allem, was Wärme erzeugt. Wasserkocher, Kaffeemaschine, Heizlüfter, Herdplatte, Toaster, Föhn – diese Geräte wandeln Strom unmittelbar in Wärme um, und das verlangt viel Leistung über längere Zeit. Ein Speicher, der Licht und Kommunikation tagelang trägt, ist damit in Minuten leer.

Darauf läuft es hinaus: Strom aus dem Speicher zum Heizen oder Wasserkochen zu verwenden, ist die teuerste Art, ihn auszugeben. Wärme macht man ohne Netz anders. Das BBK nennt dafür den Campingkocher – „Kleinere Mahlzeiten können Sie auf einem Campingkocher zubereiten“ – der die Wärme direkt liefert, ohne den Umweg über Akku und Wechselrichter.

Der Kühlschrank ist der Fall, über den die meisten stolpern: Er läuft nicht durchgehend, sondern taktet, und beim Anlaufen des Kompressors zieht er kurz mehr als im Betrieb. Beides zeigt sich erst beim Messen.

Grobe Einordnung nach Leistungsbedarf
GruppeBeispieleWirkung auf den Speicher
SparsamLED-Licht, Handy, Radio, Routerhält lange durch
MittelLaptop, Kühlschrank im Taktbetriebspürbar, aber planbar
WärmeerzeugerWasserkocher, Kaffeemaschine, Heizlüfter, Herdplatteleert den Speicher sehr schnell

Tipp Plane die Powerstation für Licht, Information und Kommunikation – und für Wärme einen Brennstoffkocher. Diese Arbeitsteilung funktioniert, die umgekehrte nicht.

Nachladen im Winter ist das eigentliche Problem

Solange die Powerstation voll ist, ist alles gut. Die interessante Frage beginnt am dritten Tag: Wie kommt Energie wieder hinein? Ein Panel kann das – aber nicht annähernd gleichmäßig über das Jahr.

Der Deutsche Wetterdienst beziffert die mittlere Monatssumme der Globalstrahlung für Deutschland im Zeitraum 1991 bis 2020 für den Dezember auf „unter 20 kWh/m²“, für die Sommermonate Juni und Juli dagegen auf „über 160 kWh/m²“. Das ist ein Verhältnis von weniger als eins zu acht. Ein Modul, das im Juli in wenigen Stunden nachlädt, braucht im Dezember ein Vielfaches dieser Zeit. Dazu kommen einzelne trübe Tage, an denen auch das nicht hilft.

Daraus folgt der Satz, den man sich merken sollte: Ein Panel ersetzt keinen geladenen Speicher, es verlängert ihn. Die eigentliche Vorsorge besteht darin, dass die Powerstation voll im Schrank steht, wenn der Strom ausfällt.

Praktisch zählen zwei Dinge mehr als die Nennleistung des Moduls: Ausrichtung und Verschattung. Ein Panel, das flach auf dem Balkonboden liegt, bekommt bei niedrigem Sonnenstand wenig ab – steiler aufgestellt und zur Sonne gedreht deutlich mehr. Und schon der Schatten von Geländer oder Dachkante kostet unverhältnismäßig viel. Ein- oder zweimal am Tag nachdrehen bringt mehr als jede Rechnung.

Balkendiagramm der monatlichen Globalstrahlung: Dezember unter 20 kWh pro Quadratmeter, Juni und Juli über 160 kWh pro Quadratmeter.
Im Dezember kommt weniger als ein Achtel der Sommer-Einstrahlung an (DWD, Mittel 1991 bis 2020).Skizze: WildWeasel

Hinweis Einstrahlungswerte nach dem Deutschen Wetterdienst: mittlere Monatssummen der Globalstrahlung für Deutschland im Zeitraum 1991 bis 2020.

Verluste vermeiden: der Umweg über 230 Volt

Eine Powerstation speichert Gleichstrom. Damit an ihrer 230-Volt-Steckdose etwas herauskommt, muss ein Wechselrichter diesen Gleichstrom umwandeln – und dieser Wechselrichter verbraucht selbst Strom, auch dann, wenn nur eine winzige Last daran hängt. Deshalb sitzt die 230-Volt-Steckdose bei vielen Geräten auf einem eigenen Schalter.

Daraus folgt ein Kniff, der selten irgendwo steht: Lade Kleingeräte direkt über die Gleichstromausgänge. Handy, Stirnlampe, Radio und Powerbank hängen ohnehin an einem USB- oder 12-Volt-Netzteil. Schließt du sie an USB oder 12 Volt der Powerstation an, sparst du den Umweg über die 230-Volt-Wandlung und damit einen Teil der Verluste. Über mehrere Tage gerechnet ist das kein Detail mehr.

Und eine Gewohnheit für die Lagerung: Lithium-Akkus altern schneller, wenn sie ständig randvoll stehen. Ein Speicher, der die meiste Zeit weder ganz voll noch ganz leer ist, hält länger durch.

  • Kleingeräte über USB oder 12 Volt laden statt über die 230-Volt-Steckdose.
  • Den Wechselrichter abschalten, sobald nichts mehr daran hängt.
  • Im Lager weder dauerhaft ganz voll noch leer stehen lassen.
  • Kälte kostet nutzbare Kapazität – den Speicher nicht über Nacht draußen lassen.

Wenn jemand im Haushalt auf Strom angewiesen ist

Für die meisten Haushalte ist ein Stromausfall eine Frage von Komfort. Für manche nicht. Wer ein Beatmungsgerät, einen Sauerstoffkonzentrator oder eine andere strombetriebene Hilfe nutzt, oder wer Medikamente wie Insulin gekühlt aufbewahren muss, steht vor einer anderen Aufgabe. Dieser Abschnitt ersetzt keine ärztliche Beratung – er beschreibt nur den Weg zu belastbaren Antworten.

Der erste Schritt ist technisch und einfach: Lies die Leistungsaufnahme auf dem Typenschild des Geräts ab. Erst mit dieser Watt-Zahl lässt sich überhaupt abschätzen, was ein Speicher trägt und wie lange.

Der zweite Schritt gehört nicht dir allein. Kläre den tatsächlichen Bedarf – Laufzeit, zulässige Unterbrechung, geeignete Ersatzversorgung – mit der behandelnden Praxis und mit dem Hersteller oder Hilfsmittelversorger. Viele Geräte haben eigene Akkus oder vorgesehene Notlösungen; danach muss man gezielt fragen. Die Verbraucherzentrale formuliert es knapp: „Klären Sie bei medizinischen Geräten mit Stromanschluss vorab, welche Notfalllösungen es gibt.“

Der dritte Schritt ist ein Anruf beim örtlichen Netzbetreiber – nicht beim Stromanbieter, sondern bei dem Unternehmen, dem die Leitungen gehören. Frag dort, ob eine Meldung als besonders schutzbedürftiger Anschluss möglich ist und was sie praktisch bedeutet, etwa bei geplanten Abschaltungen. Das handhaben Netzbetreiber unterschiedlich; ein bundesweit einheitliches Verfahren ließ sich nicht belegen. Der Anruf kostet nichts, und danach weißt du, woran du bist.

Achtung Plane bei lebenswichtigen Geräten nie mit einer einzigen Stromquelle. Und wenn der Betrieb im Ernstfall nicht mehr möglich ist, zögere nicht mit dem Notruf 112.

Messen statt schätzen

Alle Tabellen im Internet, auch die in diesem Artikel, sind Näherungen. Deine Geräte sind deine Geräte. Ein Energiemessgerät für die Steckdose löst das an einem Nachmittag: Du steckst es zwischen Steckdose und Gerät und liest ab, was tatsächlich fließt.

Zwei Werte interessieren dich. Erstens die Leistungsaufnahme im Betrieb in Watt – daraus ergibt sich die Laufzeit. Zweitens der höchste Wert beim Anlaufen – daran entscheidet sich, ob die Powerstation überhaupt mitmacht. Viele Messgeräte merken sich diesen Spitzenwert.

Kaufen musst du dafür nicht unbedingt etwas. Die Verbraucherzentralen verleihen solche Messgeräte, in Schleswig-Holstein etwa gegen eine Pfandgebühr von 20 Euro, und die Energieberatung bespricht die Messergebnisse auf Wunsch mit dir. Wer seine drei wichtigsten Geräte einmal gemessen hat, braucht danach keine fremde Tabelle mehr.

Die gemessenen Werte trägst du anschließend in den Energierechner dieser Seite ein, zusammen mit der Kapazität deiner Powerstation in Wattstunden. Dann steht dort, wie lange es reicht – mit deinen Zahlen statt mit irgendwelchen.

Tipp Schreib die gemessenen Werte auf einen Zettel und leg ihn zur Powerstation. Im Dunkeln willst du nicht suchen.

Häufige Fragen

Kann ich mein Balkonkraftwerk bei Stromausfall nutzen?

Nein. Die Verbraucherzentrale ist eindeutig: „Der Wechselrichter der Steckersolar-Geräte braucht grundsätzlich die Verbindung zum Stromnetz, um zu funktionieren.“ Ohne Netz schaltet er ab, auch bei voller Sonne. Nur ein Panel, das direkt an eine Powerstation geht, liefert ohne Netz Energie.

Wie groß muss meine Powerstation sein?

Das hängt davon ab, was du betreiben willst, deshalb steht hier bewusst keine Zahl. Miss die Leistungsaufnahme deiner drei wichtigsten Geräte und rechne mit dem Energierechner nach – die Antwort fällt für jeden Haushalt anders aus.

Kann ich mit einer Powerstation Wasser kochen oder heizen?

Technisch manchmal, sinnvoll selten. Wärmeerzeuger leeren den Speicher sehr schnell, weil sie Strom unmittelbar in Wärme umwandeln. Für Wärme ist ein Brennstoffkocher die passendere Lösung; das BBK nennt für kleinere Mahlzeiten den Campingkocher.

Reicht ein Solarpanel, um eine Powerstation im Winter nachzuladen?

Im Winter deutlich schlechter als im Sommer. Der Deutsche Wetterdienst nennt für die mittlere Globalstrahlung im Dezember unter 20 kWh/m², für Juni und Juli über 160 kWh/m². Rechne das Panel als Verlängerung ein, nicht als Ersatz für einen vollen Speicher.

Darf ich eine Powerstation ins Hausnetz einspeisen?

Das ist kein Thema für Heimwerker. Alles, was die feste Elektroinstallation betrifft, gehört in Fachhände. Mehr dazu steht im Artikel „Notstrom sicher betreiben“.

Quellen

  1. FAQ zu Steckersolargeräten: Das sind die häufigsten FragenVerbraucherzentrale · Steckersolar ist bei Stromausfall nicht nutzbar, weil der Wechselrichter die Netzverbindung braucht; Inselbetrieb nur mit gesondertem Speicher
  2. Steckersolargeräte (Balkonkraftwerke)Umweltbundesamt · Aufbau aus Modulen, Wechselrichter und Anschlussleitung, Einspeisung in den Verbraucherstromkreis, Grenzen 800 Watt Wechselrichter- und 2.000 Watt Modulleistung
  3. Thema des Tages: Energieinput von obenDeutscher Wetterdienst (DWD) · Mittlere Monatssumme der Globalstrahlung 1991 bis 2020: Dezember unter 20 kWh/m², Juni und Juli über 160 kWh/m²
  4. Vorsorge und Handeln bei StromausfallBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Solarbetriebene Batterieladegeräte und Powerbank als Hilfe bei Stromausfall, Campingkocher für kleinere Mahlzeiten
  5. Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handelnVerbraucherzentrale · Notfalllösungen für medizinische Geräte mit Stromanschluss vorab klären
  6. Messgeräte für Stromkosten leihenVerbraucherzentrale Schleswig-Holstein · Verleih von Strommessgeräten gegen 20 Euro Pfandgebühr, Besprechung der Messergebnisse mit der Energieberatung