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Gesundheit

Läuse, Krätze, Kleiderläuse: was hilft, wenn Hygiene knapp ist

Kopfläuse finden und loswerden, Krätze erkennen, Kleiderläuse ernst nehmen – und was Kita, Schule und Gesundheitsamt wissen müssen.

9 Min. LesezeitFür FortgeschritteneStand: 04. Oktober 2026

Wo viele Menschen eng zusammenrücken und Wäsche knapp wird, haben Parasiten leichtes Spiel: Kopfläuse, Krätzmilben und Kleiderläuse. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt nach den Ratgebern des Robert Koch-Instituts (RKI), wie du einen Befall erkennst, was du selbst tun kannst und wann Ärztin, Arzt oder Gesundheitsamt gefragt sind. Er nennt bewusst keine Dosierungen von Arzneimitteln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kopfläuse und Krätze wandern bei engem Kontakt, nicht wegen Schmutz; Kleiderläuse nisten in ungewechselter Kleidung.
  • Nasses Auskämmen mit dem Läusekamm findet Läuse und hilft auch ohne Mittel – dann am besten täglich.
  • Mit einem Läusemittel gilt: am Tag 8, 9 oder 10 unbedingt ein zweites Mal behandeln.
  • Bei Krätze werden enge Kontaktpersonen zeitgleich behandelt; Wäsche bei mindestens 50 °C für 10 Minuten waschen.
  • Krätze und Kleiderläuse gehören in ärztliche Hände; Kita, Schule oder Heim musst du informieren.

Zuerst: wofür dieses Wissen gedacht ist

Heute ist der Weg klar: Kopfläuse kannst du meist selbst behandeln, Krätze gehört in ärztliche Hand, und Kita, Schule oder Heim müssen Bescheid wissen. Dieser Artikel übersetzt die Fachratgeber des RKI für den Haushalt. Er verspricht keine Heilung, sondern zeigt, was ohne Arzneimittel belegt hilft – Auskämmen, Wäsche, Abstand – und wo Selbsthilfe an ihre Grenze kommt.

Achtung Notfall- und Zivilisationswissen: Dieser Artikel beschreibt Wissen für eine Lage, in der Versorgung, Ärztinnen und Ärzte, Behörden und Fachbetriebe dauerhaft nicht erreichbar sind. Solange sie erreichbar sind, gehen sie vor – bei Verdacht auf Krätze oder Kleiderläuse heißt das Hausarzt- oder Hautarztpraxis oder der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117, bei Fragen zum Infektionsschutz das Gesundheitsamt. Der Text ersetzt keine Ausbildung, keine ärztliche Behandlung und keine Genehmigung.

Drei Parasiten, drei Wege

Die drei verbreiten sich verschieden. Das RKI betont: Kopflausbefall hat nichts mit fehlender Sauberkeit zu tun, denn Haarewaschen mit gewöhnlichem Shampoo beseitigt ihn nicht. Läuse können nicht springen, und Haustiere übertragen keine Kopfläuse. Krätze wandert laut RKI in der Regel nur bei längerem, großflächigem Hautkontakt, meist innerhalb von Familien, Paaren und in der Pflege.

Anders die Kleiderlaus. Nach dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg kommt sie in Europa nur noch unter sehr schlechten hygienischen Verhältnissen vor, etwa bei obdachlosen Menschen ohne Möglichkeit, ihre Kleidung zu wechseln oder zu waschen, und in Kriegs- und Krisenzeiten. Für eine lange Krise heißt das: Enge fördert Kopfläuse und Krätze, fehlende Wäsche fördert Kleiderläuse.

Wo sie leben und wie sie wandern
ParasitLebtWird weitergegebenBedeutung
Kopflausim Kopfhaarvor allem direkt von Haar zu Haar, vereinzelt über Kämme, Mützen, Schalsüberträgt hierzulande keine Krankheitserreger, Juckreiz
Krätzmilbein Gängen in der obersten Hautschichtlängerer Hautkontakt, etwa 5 bis 10 Minutenstarker Juckreiz, Ekzem; Borkenkrätze hoch ansteckend
Kleiderlausin Nähten und Falten der Unterwäscheverlauste Kleidung, Bettwäsche, Handtücherkann Fleckfieber und Läuserückfallfieber übertragen

Kopfläuse finden – und die Familie mitprüfen

Sicher erkannt wird ein Befall laut RKI nur an lebenden Läusen. Dazu feuchtest du das Haar mit Wasser und Haarpflegespülung an und kämmst es Strähne für Strähne mit einem Läusekamm durch, von der Kopfhaut fest bis zu den Spitzen. Ein Läusekamm hat Zinken, die nicht mehr als 0,2 mm auseinanderstehen und wenig nachgeben. Nach jedem Zug streifst du den Kamm auf Küchenpapier ab.

Eier kleben fest am Haar, meist nah an der Kopfhaut, besonders hinter den Ohren, an den Schläfen und im Nacken. Anders als Schuppen lassen sie sich nicht abstreifen. Eihüllen, die weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt sind, sind laut RKI in der Regel leer.

Findest du Läuse, informierst du noch am selben Tag alle engen Kontakte in Familie, Gruppe oder Klasse. Das RKI empfiehlt, Kontaktpersonen bis 14 Tage nach dem letzten Kontakt möglichst täglich zu kontrollieren; vorsorglich mitbehandelt werden nur sehr enge Kontakte.

  • Kämme, Bürsten, Haarspangen und -gummis in heißer Seifenlösung reinigen.
  • Schlafanzüge, Bettwäsche, Handtücher und Leibwäsche wechseln.
  • Mützen, Schals und Ähnliches laut RKI für 3 Tage in eine Plastiktüte packen; getrennt vom Kopf überleben Läuse bei Zimmertemperatur in der Regel nicht mehr als 2 Tage.
  • Insektizid-Sprays sind nicht nötig. Diese Schritte ergänzen nur – entscheidend ist, die Köpfe zu untersuchen und zu behandeln.

Kopfläuse loswerden – mit und ohne Läusemittel

Am sichersten ist laut RKI die Kombination aus einem wirksamen Kopflausmittel und nassem Auskämmen. Kein Mittel tötet zuverlässig alle Eier. Deshalb muss am Tag 8, 9 oder 10 ein zweites Mal behandelt werden: Bis zum 7. oder 8. Tag schlüpfen noch Larven, ab dem 11. Tag können junge Weibchen neue Eier legen. Welches Mittel passt, klärst du in Apotheke oder Praxis; Einwirkzeit und Menge stehen in der Gebrauchsinformation und gelten genau so.

Ohne Mittel bleibt das Auskämmen allein – ein Läusekamm passt deshalb gut in die Hausapotheke. In einer Studie, die das RKI zitiert, wurden 57 % der Kinder mit vier Kämmsitzungen an den Tagen 1, 5, 9 und 13 läusefrei. Wer nur kämmt, sollte das daher öfter tun, am besten täglich, und nach mehreren Tagen ohne Fund ab Tag 17 weiter etwa wöchentlich kontrollieren.

Für Schwangere, Stillende, Menschen mit Überempfindlichkeit gegen Chemikalien und bei Chrysanthemenallergie empfiehlt das RKI ausschließlich das nasse Auskämmen. Bei Kleinkindern solltest du ohne Erfahrung ärztlichen Rat einholen. Heißluft aus dem Föhn ist unzuverlässig und kann die Kopfhaut erheblich schädigen; Sauna und Essigwasser sind ungeeignet, Mayonnaise und Speiseöle laut Umweltbundesamt nicht ausreichend wirksam.

Senkrechte Zeitleiste mit fünf Punkten: Tag 1 Mittel und auskämmen, Tag 5 nass auskämmen, Tag 8, 9 oder 10 (einmal) Mittel und auskämmen, Tag 13 und Tag 17 Kontrolle durch nasses Auskämmen. Gefüllte Punkte markieren die Behandlungstage.
Kombinationsschema des RKI; wer nur kämmt, kämmt am besten täglich.Skizze: WildWeasel
  • Tag 1: mit dem Mittel behandeln, danach nass auskämmen.
  • Tag 5: nass auskämmen, um nachgeschlüpfte Larven zu entfernen.
  • Tag 8, 9 oder 10 (einmal): zweite Behandlung, danach nass auskämmen.
  • Tag 13 und Tag 17: zur Kontrolle nass auskämmen.

Krätze erkennen – und warum sie in ärztliche Hände gehört

Krätzmilben graben Gänge in die oberste Hautschicht. Typisch sind laut RKI kommaartige, oft gewundene Gänge von wenigen Millimetern bis 1 cm Länge, dazu ein Ausschlag mit Knötchen und Bläschen und ein starker Juckreiz, der nachts zunimmt. Bevorzugt befallen sind die Zwischenräume von Fingern und Zehen, Ellenbogen, Achseln, Nabel, Gürtellinie, Gesäß, Leisten, Knöchel und Genitalbereich. Kopf und Nacken bleiben meist frei – außer bei Säuglingen und Kleinkindern.

Beim ersten Befall zeigen sich die Beschwerden laut RKI erst nach 2 bis 5 Wochen, bei erneutem Befall schon nach 1 bis 4 Tagen. Juckreiz allein ist kein sicheres Zeichen. Das RKI empfiehlt, die Diagnose von einer Hautärztin oder einem Hautarzt stellen oder absichern zu lassen. Auch die Behandlung – Mittel zum Auftragen oder zum Einnehmen – richtet sich nach Krankheitsform, Alter und Begleiterkrankungen und gehört deshalb in ärztliche Hand.

Zwei Lagen sind dringend. Bei der Borkenkrätze vermehren sich die Milben bei geschwächter Abwehr ungehemmt; die Haut ist schuppig und verkrustet, der Juckreiz kann fehlen. Sie ist hoch ansteckend, schon kurzer Kontakt oder benutzte Gegenstände reichen, und Betroffene sollen laut RKI umgehend isoliert und möglichst stationär behandelt werden. Säuglinge können mit Blasen, Unruhe und Appetitlosigkeit bis hin zu Gedeihstörungen reagieren.

Krätze im Haushalt: alle gleichzeitig, Wäsche heiß

Enge Kontaktpersonen werden laut RKI auch ohne Beschwerden möglichst zeitgleich mitbehandelt. Eng heißt: gemeinsam im Bett schlafen, kuscheln, Kleinkinder oder Kranke pflegen, Geschlechtsverkehr – großflächiger Hautkontakt von mehr als 5 bis 10 Minuten. Händeschütteln oder eine Umarmung zur Begrüßung zählen bei gewöhnlicher Krätze nicht dazu; niemand muss deshalb gemieden werden. Kontaktpersonen sollten wissen, dass sich eine erste Krätze erst nach vier bis sechs Wochen zeigen kann.

Was längeren Hautkontakt hatte – Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Hausschuhe, Stofftiere –, wäschst du laut RKI bei mindestens 50 °C für wenigstens 10 Minuten oder erhitzt es so im Trockner. Geht das nicht, packst du die Sachen in Plastiksäcke und lagerst sie 72 Stunden bei mindestens 21 °C; ersatzweise 5 Stunden unter −10 °C. Die 72 Stunden gelten nur bei mindestens 21 °C; in kalten Räumen überleben Milben laut RKI länger – dann besser heiß waschen oder unter −10 °C lagern. Wie du mit wenig Wasser heiß wäschst, steht in Waschen und Wäsche mit wenig Wasser.

Betten werden frisch bezogen. Polster, auf denen Erkrankte mit bloßer Haut lagen, kannst du kräftig absaugen oder 48 Stunden nicht benutzen. Händedesinfektionsmittel wirken laut RKI nicht gegen Krätzmilben; nach Hautkontakt Hände und Arme gründlich waschen.

Kleiderläuse: der Parasit knapper Wäsche

Kleiderläuse leben nach dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in der Kleidung, bevorzugt an der Innenseite der Unterwäsche, in Nähten und Falten, und wandern zum Blutsaugen mehrmals täglich auf die Haut. Anders als Kopfläuse überstehen sie bei etwa 23 °C vier Tage ohne Nahrung. Weitergegeben werden sie über verlauste Kleidung, Bettwäsche und Handtücher.

Ernst wird es, weil Kleiderläuse Krankheiten übertragen können: Fleckfieber, dessen Erreger mit dem Läusekot ausgeschieden und als Staub eingeatmet oder verschluckt wird, Läuserückfallfieber, dessen Erreger beim Zerdrücken von Läusen auf der Haut in Kratzwunden gelangt, und das Wolhynische Fieber. Läuse deshalb nicht auf der Haut zerquetschen. Bei Befall ärztlich untersuchen lassen und das Gesundheitsamt informieren; in Kita, Schule oder Heim ist Verlausung nach § 34 IfSG ohnehin mitzuteilen.

Gegen leichten Befall hilft laut Landesgesundheitsamt konsequente Wäsche: Kleidung, Bettwäsche und Handtücher täglich wechseln und bei 60 °C waschen. Geht das nicht, befallene Textilien mindestens vier Wochen in Plastik verpackt lagern oder 24 Stunden in Plastik verpackt einfrieren. Stark verlauste Textilien müssen verbrannt werden. Wie eine Gemeinschaft Kranke absondert, beschreibt Seuchen eindämmen.

Kita, Schule, Heim: was das Infektionsschutzgesetz verlangt

Gemeinschaftseinrichtungen sind nach § 33 Infektionsschutzgesetz (IfSG) Einrichtungen, in denen überwiegend Minderjährige betreut werden: Kitas, Horte, Kindertagespflege, Schulen, Heime und Ferienlager. Wer an Krätze erkrankt oder dessen verdächtig ist oder verlaust ist, darf sie nach § 34 Absatz 1 nicht besuchen und dort nicht mit Betreuten arbeiten, bis nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist.

Eltern müssen der Einrichtung einen Befall ihres Kindes nach § 34 Absatz 5 unverzüglich mitteilen – bei Kopfläusen laut RKI auch dann, wenn schon behandelt wurde. Die Leitung benachrichtigt das Gesundheitsamt. Eine Meldepflicht nach IfSG gibt es laut RKI weder für Kopfläuse noch für Krätze; für Krätze gelten in Sachsen weitere Regeln. Auch Leitungen von Obdachlosen-, Gemeinschafts- und sonstigen Massenunterkünften müssen laut RKI das Gesundheitsamt benachrichtigen, wenn dort Krätze auftritt.

Nach Kopfläusen kann der Besuch laut RKI direkt nach einer korrekten Erstbehandlung wieder erlaubt werden, wenn das Gesundheitsamt diese Ausnahme zulässt – oft gegen eine unterschriebene Bestätigung der Eltern. Nach Krätze ist der Besuch laut RKI nach Abschluss der ersten ordnungsgemäßen Behandlung wieder möglich, bei Tabletten 24 Stunden nach Einnahme – nicht aber bei Borkenkrätze. Wie du Kinder auf Krisen vorbereitest, steht in Vorsorge mit Kindern.

Achtung Rechtslage heute: Bei Krätze, Krätzeverdacht oder Läusen gelten für Kitas, Schulen, Heime und Ferienlager Besuchs- und Tätigkeitsverbote nach § 34 IfSG; Eltern müssen die Einrichtung unverzüglich informieren. Der Nachweis der Erreger von Fleckfieber und Läuserückfallfieber ist nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig. Gefahr: Borkenkrätze ist hoch ansteckend; Kleiderläuse können Fleckfieber und Läuserückfallfieber übertragen; Kratzen kann bakterielle Entzündungen auslösen. Zuständig: bei Kopfläusen Apotheke oder Kinderarztpraxis, bei Verdacht auf Krätze oder Kleiderläuse Haus- oder Hautarztpraxis bzw. der Bereitschaftsdienst 116 117, für Einrichtungen und Unterkünfte das Gesundheitsamt.

Häufige Fragen

Bekommt man Läuse, weil man sich zu selten wäscht?

Kopfläuse nicht: Laut RKI hat ein Befall nichts mit fehlender Sauberkeit zu tun, gewöhnliches Shampoo beseitigt ihn nicht. Kleiderläuse dagegen treten auf, wenn Kleidung lange nicht gewechselt und gewaschen werden kann.

Können Hund oder Katze Kopfläuse übertragen?

Nein. Laut RKI sind Haustiere keine Überträger von Kopfläusen; der Mensch ist ihr einziger Wirt.

Hilft Desinfektionsmittel gegen Krätze?

Händedesinfektionsmittel wirken laut RKI nicht gegen Krätzmilben. Hände und Arme nach Hautkontakt gründlich waschen, Wäsche heiß waschen; die Behandlung selbst legt eine Ärztin oder ein Arzt fest.

Quellen

  1. RKI-Ratgeber Kopflausbefall (Stand 02.01.2025)Robert Koch-Institut (RKI) · Übertragung, Sauberkeit, Haustiere, Überleben, Nachweis mit Läusekamm, Behandlungsschema, Auskämmen allein, Hausmittel, Haushalt, Kontaktpersonen, § 34 IfSG, Wiederzulassung, keine Meldepflicht
  2. RKI-Ratgeber Skabies (Krätze) (Stand 27.05.2025)Robert Koch-Institut (RKI) · Übertragung, Inkubationszeit, Symptome, Borkenkrätze, Diagnose durch Dermatologen, Kontaktpersonen, Wäsche und Lagerung, Händedesinfektion, Wiederzulassung, Benachrichtigungspflichten
  3. Kleiderlaus – Information (November 2010, PDF)Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg · Lebensweise, Vorkommen in Krisenzeiten, übertragene Krankheiten und Übertragungswege, Wäsche, Lagerung, Einfrieren, Arzt und Gesundheitsamt
  4. KopfläuseUmweltbundesamt (UBA) · Hausmittel wie Essig, Mayonnaise und Speiseöle nicht ausreichend wirksam
  5. Infektionsschutzgesetz (IfSG)Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · § 7 meldepflichtige Erregernachweise (Rickettsia prowazekii, Borrelia recurrentis), § 33 Gemeinschaftseinrichtungen, § 34 Verbote, Mitteilungs- und Benachrichtigungspflichten