Wenn Handynetz und Internet ausfallen, bieten sich mehrere Wege an: Funkgeräte, Messenger-Apps, die ohne Internet von Handy zu Handy funken, und LoRa-Mesh mit eigenen kleinen Funkknoten. Was taugt wofür, was ist erlaubt, und wo liegen die Grenzen? Dieser Artikel vergleicht PMR446, den Handsprechfunk auf 149 MHz, die Apps Briar und Bitchat sowie LoRa-Mesh – nüchtern und ohne Kaufempfehlung.
Das Wichtigste in Kürze
- Jeder Weg verbindet nur Menschen mit demselben System – vorher verabreden, sonst hört niemand zu.
- PMR446 und 149 MHz („Freenet“) sind allgemein zugeteilt: kein Antrag, aber feste Grenzen für Leistung und Antenne.
- Briar und Bitchat funken per Bluetooth oder WLAN; App und Kontakte richtest du vor dem Ausfall ein.
- Briar ist seit Juli 2026 im Wartungsmodus; für Bitchat nennt das Projekt keine unabhängige Sicherheitsprüfung.
- Keiner dieser Wege erreicht eine Leitstelle. Notrufe laufen über 112 und 110.
Erst die Gegenstelle, dann die Technik
Alle Wege in diesem Vergleich haben eines gemeinsam: Sie verbinden nur Menschen, die dasselbe System nutzen und sich vorher darauf geeinigt haben. Ein Briar-Nutzer erreicht keinen Bitchat-Nutzer, ein PMR446-Gerät kein Gerät auf 149 MHz. Wer allein vorsorgt, hat im Ernstfall niemanden am anderen Ende.
Deshalb steht vor jedem Kauf und jedem Download die Frage aus dem Artikel Funk ohne Netz: Mit wem willst du in Kontakt bleiben, über welche Entfernung – und was hat die Gegenseite? Erst danach lohnt der Blick auf die Technik. Preise und Modelle nennt dieser Artikel bewusst nicht.
PMR446: Handfunk ohne Anmeldung
PMR446 steht für kleine Handfunkgeräte. Die Bundesnetzagentur teilt dafür den Bereich 446,0 bis 446,2 MHz in ihrer Allgemeinzuteilung für Geräte geringer Reichweite (Vfg. 91/2025) der Allgemeinheit zu – du musst nichts beantragen und keine Prüfung ablegen. Die frühere eigene PMR446-Verfügung ist darin aufgegangen und aufgehoben; die neue Zuteilung ist bis zum 31.12.2035 befristet.
Die Grenzen stehen in der Verfügung: höchstens 500 mW Strahlungsleistung (ERP), nur eingebaute Antennen, Betrieb von Gerät zu Gerät mit geringer Reichweite, kein Einsatz als Basisstation oder Repeater. Eine Kanalzahl nennt die Verfügung für PMR446 nicht, deshalb steht hier auch keine. Die Bundesnetzagentur übernimmt für diese gemeinsam genutzten Frequenzen keine Gewähr für Störungsfreiheit.
149 MHz, oft „Freenet“ genannt: weiter zugeteilt
Der zweite Sprechfunk ohne Anmeldung liegt bei 149 MHz. Die Bundesnetzagentur hat ihn neu geregelt: Die Verfügung 45/2025 gilt seit dem 01.10.2025 und ist bis zum 30.09.2035 befristet, die Vorgängerin Vfg. 60/2019 ist mit Ablauf des 30.09.2025 aufgehoben. Dieser Funk ist also nicht ausgelaufen, sondern neu zugeteilt. Den verbreiteten Namen „Freenet“ verwendet die Verfügung selbst nicht; sie spricht von Sprachkommunikation mit Handsprechfunkgeräten.
Zugeteilt sind 18 Kanäle: sechs mit 12,5 kHz Breite, die analog oder digital betrieben werden dürfen, und zwölf mit 6,25 kHz, die nur digital funken. Erlaubt ist höchstens 1 Watt ERP, im Abstand von 10 km zur Grenze nach Belgien und Polen nur 0,5 Watt. Zugelassen sind nur Handgeräte mit netzunabhängiger Stromversorgung, die eine Person in einer Hand bedienen kann.
Nicht gestattet sind sonstige externe Antennen, etwa über ein Kabel angeschlossen; Wechselantennen am Gerät sind erlaubt. Ausgeschlossen sind außerdem feste Funkstationen, Repeater, Relais und Gateways ins Internet. Auch Daueraussendungen sind verboten: Nach 180 Sekunden geht die Bundesnetzagentur von einer Daueraussendung aus, und jede Aussendung ist auf die unbedingt notwendige Zeit zu beschränken. Gegenseitige Störungen auf den gemeinsam genutzten Kanälen sind hinzunehmen.
Briar: Nachrichten direkt von Handy zu Handy
Briar ist eine Messenger-App für Android, die ohne zentrale Server auskommt. Die Handys verbinden sich direkt miteinander: ohne Internet über Bluetooth oder WLAN, mit Internet über das Anonymisierungsnetz Tor. Alle Daten sind laut Projekt Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und die App verbirgt auch, wer mit wem schreibt.
Unabhängig geprüft wurde Briar 2017 von der Sicherheitsfirma Cure53; laut Projekt waren alle dabei gefundenen Probleme in der damaligen Beta-Fassung behoben. Diese Prüfung beschreibt den Stand von damals, nicht jede spätere Version.
Für deine Planung zählt der aktuelle Stand: Seit Juli 2026 ist Briar nach eigener Aussage im Wartungsmodus. Das Team liefert nur noch nötige Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen. Als ungelöste Probleme nennt es selbst hohen Akkuverbrauch, unzuverlässigen Hintergrundbetrieb unter Android und eine schwierige Bedienung beim Hinzufügen von Kontakten und bei der Verständigung ohne Internet.
Ohne Internet reicht Briar nur so weit, wie sich die Geräte per Bluetooth oder WLAN erreichen – also in der Nähe. Richte App und Kontakte ein, solange das Netz noch läuft, und probiert die Verbindung ohne Internet gemeinsam aus.
Bitchat: ein Mesh aus Handys
Bitchat verbindet Handys in der Nähe über Bluetooth Low Energy zu einem Netz. Eine Nachricht springt von Gerät zu Gerät weiter, laut Repository über höchstens 7 Sprünge. Ist Internet da, nutzt die App zusätzlich das Nostr-Protokoll über Relais-Server im Netz. Konten und Telefonnummern braucht sie nicht.
Private Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt; der öffentliche Chat im Bluetooth-Netz ist dagegen für alle in Reichweite lesbar. Neben Text überträgt Bitchat Bilder und Sprachnachrichten. Nachrichten an Abwesende hält die App bis zu 24 Stunden vor und gibt sie verschlüsselt an Geräte mit, die dem Empfänger begegnen könnten.
Die Schwächen benennt das Whitepaper (Version 2.0 vom 6. Juli 2026) selbst: Metadaten seien der schwächste Teil des Entwurfs. Jedes Gerät sendet eine dauerhafte Kennung und den Spitznamen unverschlüsselt, sodass ein Mithörer in Funkreichweite Teilnehmer auflisten und ein Gerät von Ort zu Ort verfolgen kann. Für zwischengespeicherte Nachrichten und für private Nachrichten über Nostr fehlt die sogenannte Forward Secrecy.
Eine unabhängige Sicherheitsprüfung nennt das Repository nicht (abgerufen am 28.09.2026, iOS-Version 1.7.1). Die Android-App kommt aus einem eigenen Repository; auch dort gilt die Grenze von 7 Sprüngen, und auch dort wird keine unabhängige Prüfung genannt. Das Projekt beschreibt sich als von Freiwilligen gepflegt und verweist auf den App Store und den Play Store. Tragen kann das Netz nur, wenn genug andere Bitchat-Nutzer in der Nähe sind.
LoRa-Mesh: eigene Funkknoten für Text
LoRa-Mesh arbeitet mit eigenen kleinen Funkgeräten, die du mit dem Handy koppeln kannst. Meshtastic beschreibt sich als Plattform für Kommunikation dort, wo es keine verlässliche Infrastruktur gibt: Die Geräte senden empfangene Nachrichten weiter und bilden so ein Mesh. Übertragen werden Textnachrichten, laut Projekt verschlüsselt; öffentliche Kanäle kann aber jeder mitlesen (Einzelheiten im Grundlagenartikel). Für die Verständigung im Mesh ist kein Handy nötig.
Neben Meshtastic gibt es mit MeshCore ein zweites Projekt. Was beide können und was nicht, erklärt derselbe Grundlagenartikel – auch, warum LoRa-Mesh nicht für Gespräche wie am Funkgerät gemacht ist.
Rechtlich gilt in Deutschland auch hier die Allgemeinzuteilung Vfg. 91/2025, also keine Anmeldung. Die Grenzen für Leistung und Sendezeit stehen im Artikel was bei LoRa-Mesh ohne Lizenz erlaubt ist. Wie weit du kommst, hängt stark von Höhe, Gelände und Bebauung ab; mehr dazu unter LoRa-Mesh-Reichweite.
Der Vergleich auf einen Blick
Die Tabelle fasst zusammen, was die Quellen belegen. Keiner der Wege braucht ein Mobilfunknetz, aber jeder braucht Strom: Handys, Funkgeräte und Funkknoten laufen mit Akkus. Laufzeiten hängen von Gerät und Nutzung ab, deshalb stehen hier keine Zahlen – teste es mit deinen eigenen Geräten.
| Weg | Was geht | Verschlüsselt | Was du brauchst | Anmeldung | Reichweite |
|---|---|---|---|---|---|
| PMR446 | Sprechfunk | In der Zuteilung nicht geregelt – rechne mit Mithörern | Ein Handfunkgerät pro Person | Keine, Allgemeinzuteilung | Gering, von Gerät zu Gerät |
| 149 MHz („Freenet“) | Sprechfunk, analog oder digital | In der Zuteilung nicht geregelt – rechne mit Mithörern | Ein Handsprechfunkgerät pro Person | Keine, Allgemeinzuteilung | Kurzstreckenfunk, kein Relais |
| Briar | Textnachrichten | Ja, Ende zu Ende | Android-Handy mit App | Keine | So weit Bluetooth oder WLAN reichen |
| Bitchat | Text, Bilder, Sprachnachrichten | Private Nachrichten ja, öffentlicher Chat nein | Handy mit App und andere Nutzer in der Nähe | Keine | Bluetooth, bis zu 7 Sprünge |
| LoRa-Mesh | Textnachrichten | Direktnachrichten ja; öffentlicher Standardkanal für alle lesbar | Eigenes Funkgerät, oft mit Handy | Keine, Allgemeinzuteilung | Abhängig von Höhe und Gelände |
Was wofür taugt – und wo die Grenze liegt
Welcher Weg passt, hängt von deiner Lage ab, nicht von der Technik. Die folgenden Fälle sind unsere Einordnung, keine Empfehlung für ein bestimmtes Gerät.
Wie du einen dieser Wege mit Rufzeiten und Treffpunkt in den Familienplan einbaust, zeigt der Artikel Mesh im Krisenfall. Die Regeln dort lassen sich auf Funkgeräte und Apps übertragen.
- Familie im selben Haus oder auf demselben Grundstück, lieber sprechen als tippen: PMR446 oder 149 MHz – alle brauchen Geräte derselben Funkart.
- Gruppe mit Smartphones auf engem Raum: eine Bluetooth-App wie Bitchat oder Briar, vorher installiert und gemeinsam ausprobiert.
- Größere Entfernung zwischen festen Punkten, etwa zu Verwandten im Nachbarort: LoRa-Mesh mit gut platzierten Knoten, Text statt Sprache.
- Vertrauliches nur über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung; über Funkgeräte nichts sagen, was nicht jeder hören darf.
Achtung Keiner dieser Wege ist ein Notruf. Weder Funkgeräte noch Offline-Messenger noch LoRa-Mesh sind mit einer Leitstelle verbunden; ob jemand mithört, ist Zufall. Im Notfall gilt 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst und 110 für die Polizei. Wie du einen Notruf richtig absetzt, auch wenn dein eigenes Netz fehlt, steht in einem eigenen Artikel.
Häufige Fragen
Ist „Freenet“ noch erlaubt?
Ja. Die Bundesnetzagentur hat den Handsprechfunk auf 149 MHz mit der Vfg. 45/2025 neu zugeteilt, gültig vom 01.10.2025 bis zum 30.09.2035. Der Name „Freenet“ steht nicht in der Verfügung; der Frequenzbereich ist derselbe wie in der aufgehobenen Vfg. 60/2019.
Kann ich mit Briar jemanden erreichen, der Bitchat nutzt?
Nein. Beide Apps nutzen eigene Verfahren; Bitchat schreibt ausdrücklich, dass seine privaten Internet-Nachrichten nur mit Bitchat zusammenarbeiten. Einigt euch vorher auf eine App.
Reicht es, die App erst im Ernstfall zu laden?
Nein. Ohne Internet kannst du nichts herunterladen, und bei Briar fügst du Kontakte am besten vorher hinzu – das Projekt nennt das Hinzufügen von Kontakten selbst schwierig. Installiere die App jetzt und probiert sie gemeinsam ohne Internet aus.
Brauche ich für diese Wege eine Amateurfunklizenz?
Nein. PMR446, der Handsprechfunk auf 149 MHz und LoRa-Mesh laufen über Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur, die Apps über Bluetooth und WLAN des Handys. Du musst aber die Grenzen der jeweiligen Zuteilung einhalten, etwa bei Leistung und Antenne.
Quellen
- Vfg. 91/2025: Allgemeinzuteilung von Frequenzen zur Nutzung durch Geräte geringer Reichweite (SRD)Bundesnetzagentur · PMR446: 446,0–446,2 MHz, 500 mW ERP, nur eingebaute Antennen, Peer-to-Peer mit geringer Reichweite, kein Repeater; Vfg. 46/2020 aufgehoben; befristet bis 31.12.2035; keine Gewähr für Störungsfreiheit; regelt auch die 868-MHz-Bänder, zu LoRa-Mesh siehe den Artikel lora-mesh-rechtliches. Stand November 2025, abgerufen am 28.09.2026.
- Vfg. 45/2025: Allgemeinzuteilung von Frequenzen im Frequenzbereich 149,01875–149,11875 MHz für die Sprachkommunikation mit HandsprechfunkgerätenBundesnetzagentur · Fassung korrigiert durch Mitt. 193/2025. 18 Kanäle (6 × 12,5 kHz analog/digital, 12 × 6,25 kHz digital), 1 W ERP, 0,5 W in 10 km Grenzabstand zu Belgien und Polen, nur Handgeräte, fest verbaute Antennen oder Wechselantennen am Antennenanschluss zulässig, sonstige externe Antennen nicht, kein Repeater/Relais/Gateway, Daueraussendung ab 180 s; gültig 01.10.2025 bis 30.09.2035, Vfg. 60/2019 aufgehoben. Abgerufen am 28.09.2026.
- Briar – Darknet Messenger Releases Beta, Passes Security AuditBriar Project (Entwickler der App) · Pressemitteilung des Projekts vom 21.07.2017: App für Android, ohne Server, Peer-to-Peer, Bluetooth oder WLAN ohne Internet, Tor mit Internet, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Metadatenschutz; unabhängige Prüfung durch Cure53, Funde laut Projekt behoben.
- Briar is in maintenance modeBriar Project (Entwickler der App) · Mitteilung vom 09.07.2026: Wartungsmodus, nur nötige Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen; offene Probleme laut Projekt: Akkuverbrauch, Hintergrundbetrieb unter Android, Kontakte hinzufügen und Verständigung ohne Internet.
- bitchat – Repository mit README, WHITEPAPER.md (Version 2.0, 06.07.2026) und SECURITY.mdpermissionlesstech (Entwickler der App), GitHub · Stand: iOS-Release v1.7.1 vom 31.07.2026, abgerufen am 28.09.2026. Bluetooth-Mesh mit höchstens 7 Sprüngen, Nostr über Internet, keine Konten; private Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt, öffentlicher Chat öffentlich; Bilder und Sprachnachrichten; Zwischenspeicher bis 24 h; Metadaten als schwächster Teil, keine Forward Secrecy für zwischengespeicherte Nachrichten und private Nostr-Nachrichten; von Freiwilligen gepflegt; keine unabhängige Prüfung genannt. Die Android-App stammt aus dem eigenen Repository permissionlesstech/bitchat-android (README: „max 7 hops“, ebenfalls keine Prüfung genannt).
- Meshtastic: IntroductionMeshtastic (Open-Source-Projekt) · Dokumentation Version 2.8, abgerufen am 28.09.2026: Kommunikation ohne verlässliche Infrastruktur, Geräte leiten Nachrichten weiter (Mesh), Textnachrichten, verschlüsselt laut Projekt, kein Handy für die Mesh-Kommunikation nötig, Kopplung mit einem Handy. Reichweitenrekord und Akku-Aussagen der Seite bewusst nicht übernommen.