Zum Inhalt springen

Warnung & Information

LoRa-Mesh: was Meshtastic und MeshCore können – und was nicht

Kurze Textnachrichten ohne Handynetz, von Gerät zu Gerät weitergereicht: wie LoRa-Mesh funktioniert, wo die Grenzen liegen und warum es kein Notruf ist.

8 Min. LesezeitEinstiegStand: 04. Oktober 2026

Kleine Funkgeräte, die kurze Nachrichten verschicken, auch wenn Mobilfunk und Internet ausfallen – das ist die Idee hinter Meshtastic und MeshCore. Beide sind quelloffene Projekte, keine Angebote von Behörden. Dieser Artikel erklärt, wie so ein Netz Nachrichten weiterreicht, welche Rolle dein Gerät darin spielt, warum die beiden Netze nicht miteinander sprechen und wo die Grenzen liegen. Er ist der Einstieg in eine Reihe; Recht, Gerätewahl und Einrichtung folgen in eigenen Artikeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • LoRa-Mesh überträgt kurze Texte und Positionen ohne Handynetz – telefonieren kannst du damit nicht.
  • Kein Notruf: Keine der beiden Projektdokumentationen sieht Leitstellen vor. Im Notfall rufst du 112 bzw. 110 an.
  • Meshtastic reicht Nachrichten durch kontrolliertes Fluten weiter, voreingestellt über höchstens drei Sprünge.
  • MeshCore lernt Wege: Nur Repeater leiten weiter, die Geräte der Nutzer nie.
  • Beide Netze sprechen nicht miteinander – und tragen nur so weit, wie andere Geräte in Reichweite stehen.

Was LoRa-Mesh ist – und was nicht

LoRa ist eine Funktechnik, die mit wenig Energie über große Entfernungen sendet. Meshtastic beschreibt sie als Technik, die ohne Mobilfunk, WLAN oder andere herkömmliche Netze auskommt. Das Besondere: Die Geräte empfangen Nachrichten nicht nur, sie senden sie auch weiter. So entsteht ein Netz aus vielen Knoten, ein „Mesh“.

Was durch dieses Netz geht, ist bescheiden. Ein Meshtastic-Paket fasst laut Projektdokumentation höchstens 237 Byte Nutzdaten. Das reicht für kurze Textnachrichten, für Positionen von Geräten mit GPS und für Messwerte, die die Geräte regelmäßig senden. MeshCore beschreibt sich ebenfalls als System für textbasierte Kommunikation.

Genauso wichtig ist, was LoRa-Mesh nicht ist. Telefonieren kannst du damit nicht: Für die in Europa üblichen 868-MHz-Geräte sehen beide Projekte keine Sprache vor. Meshtastic beschreibt nur ein experimentelles Sprachmodul für zwei Platinen im 2,4-GHz-Band, weil die Bänder unter 1 GHz laut Dokumentation zu schmal dafür sind. Das Netz ist auch kein Internetzugang: Meshtastic kann einzelne Knoten zwar über einen Dienst namens MQTT mit dem Internet verbinden, das ist aber eine Zusatzfunktion und braucht irgendwo einen Internetanschluss.

Achtung LoRa-Mesh ersetzt keinen Notruf. Keine der beiden Projektdokumentationen sieht eine Verbindung zu Leitstellen vor, und ob jemand deine Nachricht liest, hängt davon ab, wer gerade in Reichweite ist und mitliest. Im Notfall rufst du weiter über das Telefon an: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Worauf es dabei ankommt, steht im Artikel Notruf richtig absetzen.

Wie eine Nachricht von Gerät zu Gerät springt

Jedes Gerät erreicht nur die Geräte in seiner eigenen Funkreichweite. Steht dein Ziel zu weit weg, kann ein Gerät dazwischen die Nachricht aufnehmen und weitersenden. Jedes Weitersenden ist ein Sprung, im Englischen „Hop“. Über zwei, drei solcher Sprünge kommt eine Nachricht weiter, als ein einzelnes Gerät funken könnte.

Damit Nachrichten nicht endlos im Netz kreisen, begrenzen beide Projekte die Zahl der Sprünge. Bei Meshtastic sind höchstens sieben einstellbar, voreingestellt sind drei. Bei MeshCore sind es laut Projekt-FAQ bis zu 64 Sprünge, je nach Einstellung auch weniger; die Entwickler schreiben selbst, dass man dieser Grenze in der Praxis kaum nahekommt.

Die Skizze zeigt das Prinzip: Deine Nachricht erreicht das Ziel nur, weil ein weiteres Gerät dazwischen steht. Fehlt es, kommt nichts an. Wie genau entschieden wird, wer weitersendet, unterscheidet die beiden Projekte grundlegend.

Skizze: Drei Funkgeräte nebeneinander – „Du“, „Knoten“ und „Ziel“. Gestrichelte Kreise zeigen die Funkreichweite: Deine reicht bis zum Knoten, nicht bis zum Ziel. Pfeile führen von dir zum Knoten („1. Sprung“) und vom Knoten zum Ziel („2. Sprung“).
Skizze: WildWeasel

Meshtastic: kontrolliertes Fluten mit Hop-Limit

Meshtastic ist nach seiner Dokumentation (Stand: Version 2.8) im Kern auf „Fluten“ aufgebaut: Jedes Gerät sendet ein empfangenes Paket erneut aus, bis ein Hop-Limit erreicht ist. Bei jedem Weitersenden zählt das Gerät dieses Limit um eins herunter. Steht es bei null, sendet niemand mehr weiter.

Ganz ungeordnet ist das nicht. Bevor ein Gerät weitersendet, hört es kurz hin, ob ein anderes das schon getan hat – dann bleibt es still. Geräte, die das Paket nur schwach empfangen haben und deshalb vermutlich weiter weg stehen, kommen dabei eher zum Zug. So soll die Nachricht möglichst weit kommen, ohne dass alle gleichzeitig senden. Das Projekt nennt das „Managed Flooding“, also kontrolliertes Fluten.

Für Direktnachrichten an eine bestimmte Person gibt es seit Version 2.6 eine Abkürzung. Die erste Nachricht geht per Fluten. Kommt eine Antwort über ein Gerät zurück, das schon die erste Nachricht weitergereicht hat, merkt sich dein Gerät diesen Nachbarn. Danach sendet nur noch er weiter statt aller. Klappt das nicht mehr, weil sich jemand bewegt hat, fällt das Gerät beim letzten Sendeversuch wieder auf das Fluten zurück.

MeshCore: Wege lernen über Repeater

MeshCore (Firmware-Stand 1.17.1, August 2026) geht einen anderen Weg. Die Geräte der Nutzer, bei MeshCore „Companion“ genannt, leiten grundsätzlich nichts weiter. Die Entwickler begründen das damit, dass nicht alle Geräte gleichzeitig senden und sich gegenseitig stören sollen. Weitergeleitet wird nur von Repeatern; ein Room Server (siehe unten) kann es zwar auch, davon raten die Entwickler aber ab.

Schreibst du einem Kontakt zum ersten Mal, geht die Nachricht per Fluten über die Repeater. Der Empfänger schickt eine Zustellbestätigung zurück, in der steht, über welche Repeater die Nachricht gelaufen ist. Ab dann steht dieser Weg in jeder weiteren Nachricht, und ein Repeater sendet nur weiter, wenn er auf dem Weg liegt. Fällt ein Repeater weg, versucht es die App laut Projekt-FAQ dreimal auf dem alten Weg und flutet voreingestellt beim letzten Versuch.

Gruppenkanäle, öffentliche wie private, werden dagegen immer geflutet, weil es dort kein einzelnes Ziel gibt. Wer einen Repeater betreibt, kann begrenzen, über wie viele Sprünge er geflutete Nachrichten noch weitergibt.

Eine Besonderheit ist der „Room Server“. Er speichert Beiträge wie ein Schwarzes Brett. Wer eine Zeit lang außer Reichweite war, holt beim Anmelden bis zu 32 ungelesene Nachrichten nach. In einem normalen Kanal ist eine Nachricht dagegen verpasst, wenn du beim Senden nicht in Reichweite warst.

Rollen: nicht jedes Gerät soll weiterleiten

In beiden Netzen entscheidet eine Einstellung, die „Rolle“, ob ein Gerät weiterleitet. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Gerät in der Jackentasche und einem Knoten auf dem Dach.

Meshtastic empfiehlt die Rolle „Router“ ausdrücklich für strategisch günstige Standorte, an denen sie die Abdeckung des ganzen Netzes verbessert. Für den Einzelnen ist die Standardrolle „Client“ gedacht. Die frühere Rolle „Repeater“ gilt seit Firmware 2.7.11 als veraltet. Bei MeshCore raten die Entwickler, einen Repeater möglichst hoch über dem Boden aufzustellen.

Zum Schreiben brauchst du bei beiden meist ein Handy, das per Bluetooth mit dem Funkgerät verbunden ist. Das Handy dient dann nur als Bildschirm und Tastatur; das Handynetz wird nicht gebraucht. Daneben gibt es Geräte mit eigenem Bildschirm und Tastatur, die ohne Handy auskommen.

Rollen im Vergleich (nach den Projektdokumentationen, Stand September 2026)
AufgabeMeshtasticMeshCore
Dein Gerät zum Schreiben„Client“ (Standard): leitet weiter, wenn noch kein anderes Gerät es getan hat„Companion“: leitet nie weiter
Mitmachen, ohne weiterzuleiten„Client Mute“entfällt – ein Companion leitet ohnehin nicht weiter
Knoten, der für andere weiterleitet„Router“: sendet jedes Paket einmal weiter„Repeater“: leitet Pakete zum Ziel weiter, nicht jedes empfangene
Nachrichten aufbewahren–„Room Server“: speichert Beiträge zum späteren Abholen

Warum Meshtastic und MeshCore nicht miteinander sprechen

Beide nutzen LoRa, beide sehen für Europa den Bereich um 868 MHz vor. Trotzdem sind es zwei getrennte Netze. Jedes Projekt verwendet sein eigenes Verfahren und eigene Datenpakete; Meshtastic kennzeichnet seine Pakete sogar mit einem eigenen Erkennungswort, um Netze voneinander zu unterscheiden.

Selbst innerhalb von Meshtastic verstehen sich Geräte nur, wenn Region und Funkvoreinstellung übereinstimmen. Eine direkte Verbindung zwischen Meshtastic und MeshCore beschreibt keine der beiden Dokumentationen. Ein Meshtastic-Gerät liest also keine MeshCore-Nachrichten und umgekehrt.

Für dich heißt das dasselbe wie bei jedem Funk ohne Netz: Ein Gerät nützt nur, wenn die Menschen, mit denen du sprechen willst, dasselbe System nutzen. Welches in deiner Gegend verbreitet ist, lohnt sich vor jeder Anschaffung herauszufinden. Wie du ein Gerät auswählst, dazu folgt ein eigener Artikel.

Meshtastic kennt außerdem einen eigenen Modus für Funkamateure mit Lizenz; in ihm soll laut Dokumentation die Verschlüsselung abgeschaltet sein. Was eine Amateurfunklizenz voraussetzt, steht in einem eigenen Artikel. Was in Deutschland ohne Lizenz erlaubt ist, klärt ein weiterer Artikel dieser Reihe.

Grenzen, die du kennen solltest

LoRa-Mesh kann in einer Lage ohne Handynetz ein nützlicher zusätzlicher Weg sein. Es hat aber Grenzen, die in keiner Werbung stehen – und die du vorher kennen solltest.

  • Das Netz trägt nur, wo andere Knoten stehen. Ohne Geräte zwischen dir und deinem Ziel kommt nichts an, egal wie gut dein eigenes Gerät ist. Eine Kilometerangabe findest du hier bewusst nicht; zur Reichweite folgt ein eigener Artikel.
  • Öffentliche Kanäle liest jeder mit. Der voreingestellte Hauptkanal von Meshtastic ist mit einem allgemein bekannten Schlüssel verschlüsselt, und über ihn gehen auch die automatischen Positionsmeldungen. Den Schlüssel des öffentlichen MeshCore-Kanals veröffentlicht das Projekt in seiner FAQ.
  • Auch private Kanäle sind kein Tresor. Meshtastic sagt selbst, dass seine Verschlüsselung nicht so sicher ist wie etwa bei Signal; in Kanälen lässt sich zum Beispiel der Absender fälschen, wenn jemand den Schlüssel kennt. Direktnachrichten schützt Meshtastic seit Version 2.5 zusätzlich mit einem eigenen Schlüsselpaar je Gerät.
  • Senden ist begrenzt. In Europa darf ein Gerät nur einen Teil der Zeit senden; ist das Kontingent erreicht, pausiert ein Meshtastic-Gerät, bis es wieder darf. Die rechtlichen Einzelheiten folgen in einem eigenen Artikel.
  • Die Projekte ändern sich schnell. Was hier steht, gilt für den genannten Stand; Rollen und Verfahren wurden in den letzten Versionen mehrfach geändert.

Tipp Probiere LoRa-Mesh mit den Menschen aus, mit denen du im Ernstfall schreiben willst – und zwar auf den Strecken, die dann zählen. Halte im Familien-Notfallplan fest, welches System und welcher Kanal gilt und was ihr macht, wenn keine Nachricht durchkommt.

Häufige Fragen

Kann ich mit LoRa-Mesh telefonieren?

Nein. Meshtastic und MeshCore übertragen kurze Textnachrichten, Positionen und Messwerte. Für die in Europa üblichen 868-MHz-Geräte sehen beide Projekte keine Sprache vor; Meshtastic beschreibt nur ein experimentelles Sprachmodul für wenige 2,4-GHz-Geräte.

Kann ich darüber einen Notruf absetzen?

Nein. Keine der beiden Projektdokumentationen sieht eine Verbindung zu Leitstellen vor, und ob jemand mitliest, ist Zufall. Im Notfall rufst du über das Telefon 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst oder 110 für die Polizei an.

Brauche ich dafür Internet oder ein Handynetz?

Nein. Die Geräte funken direkt miteinander. Ein Handy dient meist nur als Bildschirm und Tastatur und ist per Bluetooth mit dem Funkgerät verbunden.

Was ist besser, Meshtastic oder MeshCore?

Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist, welches System die Menschen in deiner Umgebung nutzen, denn die beiden Netze sprechen nicht miteinander. Zur Auswahl folgen eigene Artikel.

Quellen

  1. Mesh Broadcast AlgorithmMeshtastic (Open-Source-Projekt), Dokumentation Version 2.8, abgerufen am 27.09.2026 · Managed Flooding mit Hop-Limit, Weitersenden erst nach kurzem Hinhören, Vorrang weiter entfernter Geräte; Next-Hop-Routing für Direktnachrichten seit 2.6 mit Rückfall auf Fluten; höchstens 237 Byte Nutzdaten; eigenes Sync-Wort zur Unterscheidung von Netzen; MQTT als Internetanbindung
  2. Device Configuration: RolesMeshtastic (Open-Source-Projekt), Dokumentation Version 2.8, abgerufen am 27.09.2026 · Rollen Client (Standard), Client Mute, Router („strategic locations“), Repeater seit Firmware 2.7.11 veraltet
  3. LoRa ConfigurationMeshtastic (Open-Source-Projekt), Dokumentation Version 2.8, abgerufen am 27.09.2026 · Max Hops höchstens 7, voreingestellt 3; gleiche Region und Modem-Voreinstellung nötig; Region EU_868; Gerät stoppt in Europa beim Erreichen der stündlichen Sendezeitgrenze; Funkamateure sollen den HAM-Modus einschalten und die Verschlüsselung abschalten
  4. Meshtastic EncryptionMeshtastic (Open-Source-Projekt), Dokumentation Version 2.8, abgerufen am 27.09.2026 · Hauptkanal mit bekanntem Standardschlüssel, Positionsmeldungen über den Hauptkanal; nicht so sicher wie Signal; Absender in Kanälen fälschbar; Direktnachrichten seit 2.5 mit Public-Key-Verfahren
  5. Audio Module ConfigurationMeshtastic (Open-Source-Projekt), Dokumentation Version 2.8, abgerufen am 27.09.2026 · Experimentelles Sprachmodul (Codec2) nur für ESP32-Geräte mit SX128x im 2,4-GHz-Band, derzeit zwei unterstützte Platinen; Bänder unter 1 GHz „not wide enough“ für Sprache
  6. MeshCore: Frequently Asked QuestionsMeshCore (Open-Source-Projekt, Firmware von Ripple Radios), Repository meshcore-dev, Firmware-Stand 1.17.1, abgerufen am 27.09.2026 · Textbasierte Kommunikation; Companion, Repeater (auch mobil), Room Server (bis zu 32 ungelesene Nachrichten); Clients leiten nicht weiter; Wegfindung per Fluten und Zustellbestätigung, Rückfall nach 3 Versuchen; Gruppenkanäle fluten immer; bis zu 64 Sprünge (1-Byte-Pfad; 2 Byte 32, 3 Byte 21); Repeater hoch aufstellen; 868 MHz für EU/UK; veröffentlichter Schlüssel des öffentlichen Kanals