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Grundlagen

Linsen, Brillen, Lupe: Licht bündeln

Wie Linsen Licht brechen, wie du die Brennweite einer Lupe oder Brille selbst misst und warum eine Linse nie in die Sonne gehört.

9 Min. LesezeitEinstiegStand: 26. September 2026
Eine Hand legt einen halbkugeligen Lesestein aus klarem Glas auf eine alte, gedruckte Buchseite; die Buchstaben darunter erscheinen deutlich größer.
Ein Lesestein ist ein gläsernes Kugelsegment, das auf die Schrift gelegt vergrößert.Foto: Ziko van Dijk · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Eine Lesebrille, eine Lupe, ein Wassertropfen – alle drei tun dasselbe: Sie lenken Licht um. Wer versteht, wie das funktioniert, kann die Stärke einer unbekannten Brille selbst bestimmen, sich mit Wasser eine Behelfslupe bauen und mit der Sonne Feuer machen. Dieser Artikel aus der Reihe „Kaltstart – Wissen für danach“ erklärt Linsen von Grund auf. Er ersetzt keinen Sehtest: Welche Brille zu deinen Augen passt, klären Augenarztpraxis und Optikergeschäft, solange es sie gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sammellinse bündelt paralleles Licht im Brennpunkt, eine Zerstreuungslinse lenkt es auseinander.
  • Dioptrie ist der Kehrwert der Brennweite in Metern: 0,5 m Brennweite entsprechen 2 Dioptrien.
  • Kurzsichtige brauchen Zerstreuungslinsen, Weitsichtige und Alterssichtige Sammellinsen.
  • Mit 45 brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille – alte Brillen sind deshalb ein wertvoller Vorrat.
  • Nie durch eine Linse in die Sonne schauen: Die Netzhaut wird geschädigt, ohne dass es wehtut.

Was eine Linse mit dem Licht macht

Licht, das schräg von Luft in Glas oder Wasser übertritt, ändert seine Richtung – es wird gebrochen. Eine Linse nutzt das gezielt: Ihre gewölbten Flächen lenken die Strahlen so um, dass sie sich hinter der Linse treffen oder auseinanderlaufen. Nach demselben Prinzip arbeitet dein Auge. Hornhaut und Augenlinse brechen das Licht so, dass es sich auf der Netzhaut wieder in einem Punkt trifft; nur dann entsteht ein scharfes Bild.

Es gibt zwei Grundformen. Eine nach außen gewölbte, konvexe Linse ist eine Sammellinse: Parallel einfallendes Licht, etwa von der Sonne, trifft sich hinter ihr in einem Punkt, dem Brennpunkt. Der Abstand dieses Punkts von der Linse heißt Brennweite. Eine nach innen gewölbte, konkave Linse ist eine Zerstreuungslinse: Sie lenkt paralleles Licht auseinander, einen Lichtpunkt gibt es nicht. Ihre Brennweite wird deshalb negativ angegeben.

Die Stärke einer Linse gibt man in Dioptrien an. LEIFIphysik, das Physikportal des gemeinnützigen FWU Instituts für Film und Bild, definiert die Dioptrie als Kehrwert der Brennweite in Metern. Eine Lupe mit 0,5 m Brennweite hat also 2 Dioptrien, eine mit 0,25 m hat 4. Je kürzer die Brennweite, desto stärker bricht die Linse. Zerstreuungslinsen haben entsprechend negative Dioptrien.

Links eine nach außen gewölbte Sammellinse: parallele Lichtstrahlen treffen sich hinter ihr im Brennpunkt, der Abstand zur Linse ist die Brennweite. Rechts eine nach innen gewölbte Zerstreuungslinse: die Strahlen laufen auseinander.
Eine Sammellinse bündelt paralleles Licht im Brennpunkt, eine Zerstreuungslinse lenkt es auseinander.Skizze: WildWeasel

Brennweite selbst bestimmen: Sammellinse

Für eine Lupe oder eine Plusbrille brauchst du nur paralleles Licht, einen hellen Schirm und ein Maßband. LEIFIphysik beschreibt das Verfahren mit dem Licht eines Tageslichtprojektors; die Sonne liefert ebenfalls nahezu paralleles Licht. Du schaust dabei nie durch die Linse, sondern nur auf den Schirm.

Wird der Lichtfleck nicht kleiner, sondern bei jedem Abstand größer als die Linse, hast du eine Zerstreuungslinse vor dir – dann hilft das Verfahren im nächsten Abschnitt. Ein scharfes Bild eines weit entfernten, hellen Fensters an der gegenüberliegenden Wand entsteht ebenfalls ungefähr im Abstand der Brennweite; das eignet sich für drinnen und ohne Sonne.

  • Stell dich so, dass die Sonne hinter dir oder seitlich steht, und halte einen Karton oder ein weißes Blatt als Schirm.
  • Halte die Linse parallel zum Schirm ins Sonnenlicht, nah am Schirm beginnend.
  • Vergrößere langsam den Abstand, bis auf dem Schirm nahezu ein Lichtpunkt entsteht – der kleinste, hellste Fleck.
  • Miss den Abstand zwischen Linse und Schirm. Das ist die Brennweite.
  • Rechne um: 1 geteilt durch die Brennweite in Metern ergibt die Dioptrien.
  • Nimm die Linse danach sofort weg. Der Lichtpunkt kann Papier entzünden.

Tipp Um zu prüfen, wie stark eine Lupe vergrößert, legst du einen Maßstab darunter. LEIFIphysik rechnet so: Siehst du durch die Lupe 4 cm auf einem Bereich, auf dem du ohne Lupe 7 cm siehst, vergrößert sie 7/4-fach.

Brillen ausmessen, auch die für Kurzsichtige

Mit einem zweiten Verfahren von LEIFIphysik lassen sich auch Brillengläser messen, und zwar beide Sorten. Stell die Brille parallel zu einer Wand ins parallele Licht und vergleiche den hellen Lichtfleck hinter dem Glas mit dem Schatten des Brillengestells daneben. Bei einer Sammellinse ist der Lichtfleck kleiner als der Schatten. Verschieb die Brille, bis der Schatten doppelt so groß ist wie der Lichtfleck. Dann ist die Brennweite genau das Doppelte des Abstands zwischen Glas und Wand.

Bei einer Zerstreuungslinse ist der Lichtfleck größer als der Schatten. Hier suchst du die Stellung, in der der Lichtfleck doppelt so groß ist wie der Schatten; die negative Brennweite erhältst du dann ebenso über den doppelten Abstand. So lässt sich aus einer Kiste alter Brillen heraussuchen, welche ungefähr zu wem passt – ein Ersatz für die genaue Messung beim Optiker ist es nicht.

Einen schnellen Hinweis gibt auch der Blick durch das Glas auf einen Text. LEIFIphysik schlägt vor, dabei auf die Schriftgröße zu achten und die Dicke des Glases in der Mitte und am Rand zu vergleichen: Eine Sammellinse vergrößert die Schrift, eine Zerstreuungslinse verkleinert sie. Manche Gläser sind Zylindergläser gegen eine Hornhautverkrümmung; sie lassen sich mit diesen einfachen Verfahren nicht vollständig ausmessen.

Kurzsichtig, weitsichtig, alterssichtig

Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang oder die Augenlinse zu stark gekrümmt. Das Bild ferner Dinge entsteht nach LEIFIphysik vor der Netzhaut, Nahes wird scharf gesehen. Abhilfe schafft eine Brille mit konkaven Gläsern, also Zerstreuungslinsen. Bei Weitsichtigkeit ist es umgekehrt: Der Augapfel ist zu kurz oder die Linse zu flach, das Bild naher Dinge entsteht hinter der Netzhaut. Hier helfen konvexe Gläser, also Sammellinsen.

Alterssichtigkeit trifft jeden. Laut dem Portal Gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wird die Augenlinse mit den Jahren starrer und kann sich für die Nähe nicht mehr ausreichend wölben. Bei Erwachsenen gelten etwa 35 cm als normale Leseentfernung. Sie vergrößert sich ab Anfang 40 allmählich, und mit 45 brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille. Ab etwa 65 bis 70 Jahren schreitet der Prozess in der Regel nicht mehr fort.

Sehübungen halten die Alterssichtigkeit laut IQWiG nicht auf. Wer kurzsichtig ist, merkt sie meist schwächer und später und kann sie ausgleichen, indem er die Fernbrille zum Lesen abnimmt. Eine Fertigbrille hilft manchen eine Weile, hat aber zwei gleich starke Gläser, während die beiden Augen meist unterschiedlich stark sehen.

Zwei Augen im Schnitt. Links kurzsichtig: Licht von fernen Dingen trifft sich vor der Netzhaut. Rechts weitsichtig: Licht von einem nahen Punkt träfe sich erst hinter der Netzhaut.
Kurzsichtig: Das Bild ferner Dinge entsteht vor der Netzhaut. Weitsichtig: Das Bild naher Dinge entsteht hinter ihr.Skizze: WildWeasel

Brillen aufbewahren und erhalten

Für eine lange Lage heißt das: Eine Brille ist ein Werkzeug, das sich ohne Optiker kaum ersetzen lässt. Heb deine alten Brillen auf, statt sie wegzuwerfen, und leg eine Ersatzbrille zu deinen Vorräten. Wer auf die 45 zugeht, sollte an eine Lesebrille denken, auch wenn er sie heute noch nicht braucht. Notier dir die Werte deiner aktuellen Brille schriftlich, damit sie auch ohne Rechner und Kundenkonto vorliegen.

Aufbewahrt wird eine Brille im festen Etui und nie mit den Gläsern nach unten. Leg sie nicht offen in die Sonne: Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS), ein Verein der Versicherungswirtschaft, weist darauf hin, dass unter ungünstigen Umständen schon eine Brille auf der Fensterbank einen Brand auslösen kann. Lockere Schrauben ziehst du mit einem feinen Schraubendreher nach; ein gebrochener Bügel lässt sich behelfsmäßig schienen oder mit einem Band hinter dem Kopf ersetzen, solange die Gläser in der Fassung sitzen.

Eine Brille mit runden Gläsern und dünnem, goldfarbenem Metallgestell liegt vor einem geöffneten Brillenetui.
Aufbewahrt wird eine Brille im festen Etui und nie mit den Gläsern nach unten.Foto: GTSPACE · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons · zugeschnitten

Behelfslupe aus Wasser

Wasser bricht Licht ebenfalls, und ein Tropfen hat von selbst eine gewölbte Oberfläche. LEIFIphysik beschreibt eine Wassertropfenlupe: Tauch die Lasche eines Schnellhefters oder ein anderes dünnes Plättchen mit einem kleinen Loch in Wasser, sodass ein Tropfen im Loch hängen bleibt. Leg das Plättchen auf ein dickes Buch oder an die Tischkante, sodass der Tropfen übersteht und ruhig liegt, und schieb kleine Schrift darunter. Mit der Hand gehalten wackelt der Tropfen, und das Bild wird unscharf.

Auch ein gefülltes, rundes Wasserglas oder eine durchsichtige Wasserflasche wirkt wie eine Linse und bündelt Sonnenlicht, wie die Heimversuche von LEIFIphysik zeigen. Zum Lesen taugt das kaum, aber es erklärt, warum eine volle Flasche in der Sonne nicht neben Papier stehen sollte.

Das Brennglas als Feuerquelle

Eine Lupe ist eine Sammellinse, und ihr Brennpunkt ist heiß. Das IFS beschreibt einen Brand, bei dem eine auf dem Balkon abgestellte Standlupe das Sonnenlicht auf einen Pappkarton mit Zeitungen bündelte. Karton und ein Küchenschrank verbrannten fast vollständig. Solche Brände sind laut IFS kein Massenphänomen, das Institut untersucht aber ab und zu welche.

Was dort ein Unfall war, ist draußen eine Methode, Feuer ohne Feuerzeug zu machen. Du hältst die Lupe so, dass der kleinste, hellste Lichtpunkt auf trockenem, feinem Zunder liegt, und hältst sie ruhig, bis er zu glimmen beginnt. Welcher Zunder taugt, wie du die Glut in ein Zundernest bringst und wo du draußen Feuer machen darfst, steht im Artikel „Feuer machen ohne Feuerzeug“. Das Brennglas braucht direktes Sonnenlicht – als einzige Feuerquelle ist es deshalb zu unzuverlässig.

Denselben Grundsatz brauchst du auch, wenn du die Sonne für andere Zwecke anpeilst, etwa um den Breitengrad zu bestimmen (Artikel „Breitengrad bestimmen“): nie durch eine Linse, ein Fernglas oder eine Kamera.

Achtung Rechtslage heute: Für ein Feuer mit dem Brennglas gilt dasselbe wie für jedes offene Feuer im Freien – was erlaubt ist, regeln die Länder. Gefahr: Schau nie durch eine Lupe, ein Brennglas, ein Fernglas oder eine Kamera in die Sonne. Laut Bundesamt für Strahlenschutz bündeln solche Geräte die Sonnenstrahlen zusätzlich, und ein Blick in die Sonne kann die Netzhaut in kürzester Zeit so schädigen, dass das Sehvermögen bleibend eingeschränkt ist oder ganz verloren geht – ohne Schmerz als Warnsignal. Normale Sonnenbrillen und rußgeschwärzte Gläser schützen nicht. Dazu kommt Brandgefahr: Lupen, Brillen und volle Wasserflaschen gehören nicht in die Sonne neben Brennbares. Zuständig: Bei Sehstörungen nach einem Blick in die Sonne die Augenarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten der Bereitschaftsdienst unter 116 117; bei einem Brand die Feuerwehr unter 112.

Aus der Geschichte: vom Lesestein zur Brille

Dass geschliffenes Glas schwachen Augen hilft, ist lange bekannt. „Spektrum der Wissenschaft“ zeichnet den Weg nach: Der Gelehrte Ibn al-Haitham (965–1038), im Westen Alhazen genannt, beschrieb den Lesestein, ein gläsernes Kugelsegment, das auf die Schrift gelegt vergrößert. Sein Werk wurde 1240 ins Lateinische übersetzt, und 1267 hielt Roger Bacon fest, dass plankonvexe Linsen Menschen mit schwachen Augen sehr nützlich sind.

Mönche schliffen daraufhin halbkugelige Linsen aus Bergkristall oder Quarz, damit alterssichtige Brüder wieder lesen konnten. Von den Halbedelsteinen, den Beryllen, stammt das deutsche Wort Brille. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurden auf den Murano-Inseln bei Venedig „Augengläser zum Sehen“ geschliffen; die älteste bekannte Abbildung einer Brille ist ein Fresko von 1352 in Treviso. Die Lehre für heute: Eine Sammellinse lässt sich aus klarem Material schleifen – aber die Kunst, sie genau zu machen, brauchte Jahrhunderte.

Häufige Fragen

Kann ich einfach eine fremde Brille tragen?

Für kurze Zeit kann eine Brille mit ähnlicher Stärke helfen. Die beiden Augen sehen aber meist unterschiedlich stark; eine passende Brille gibt es nur nach einem Sehtest in Augenarztpraxis oder Optikergeschäft.

Woran erkenne ich, ob eine Brille für Kurz- oder Weitsichtige ist?

Halte sie über einen Text. Vergrößert sie die Schrift, ist es eine Sammellinse für Weit- oder Alterssichtige. Verkleinert sie die Schrift, ist es eine Zerstreuungslinse für Kurzsichtige.

Schützt eine Sonnenbrille, wenn ich durch ein Fernglas in die Sonne schaue?

Nein. Laut Bundesamt für Strahlenschutz sind normale Sonnenbrillen zur Sonnenbeobachtung nicht geeignet. Geeignete Folienbrillen lassen höchstens etwa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durch – und auch sie gehören nie hinter ein Fernglas.

Können Glasscherben im Wald einen Brand auslösen?

Die hier genutzten Quellen belegen Brände durch Lupen und Brillengläser, nicht durch Scherben. Eine Linse bündelt Licht, weil sie gewölbt ist. Leg trotzdem nichts Gläsernes in die Sonne neben Brennbares.

Quellen

  1. Linsen (Heimversuche)LEIFIphysik, FWU Institut für Film und Bild (gemeinnützige GmbH) · Brennweite über den Lichtpunkt, Dioptrie als Kehrwert der Brennweite, Brillenmessung mit Schatten und Lichtfleck (2:1 und 1:2), Vergrößerung der Lupe, Wassertropfenlupe, Wasserglas und Flasche
  2. AugenfehlerLEIFIphysik, FWU Institut für Film und Bild (gemeinnützige GmbH) · Kurzsichtigkeit mit Zerstreuungslinse, Weitsichtigkeit mit Sammellinse, Zylindergläser
  3. Alterssichtigkeit (Presbyopie)Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Gesundheitsinformation.de · Brechung im Auge, 35 cm Leseentfernung, Lesebrille mit 45, Stillstand ab 65 bis 70, Sehübungen, Fertigbrillen, Kurzsichtige
  4. Tipp zur SonnenfinsternisBundesamt für Strahlenschutz (BfS) · Netzhautschaden ohne Schmerz, Ferngläser bündeln zusätzlich, Sonnenbrillen und Hausmittel ungeeignet, Durchlässigkeit von Folienbrillen
  5. Wenn die Sonne durch die Lupe schautInstitut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e.V. (IFS) · Balkonbrand durch Standlupe, Brennglaseffekt, kein Massenphänomen, Hinweis auf Brillen auf der Fensterbank
  6. Durchblick: Wie die Brille auf die Nase kamSpektrum der Wissenschaft · Ibn al-Haitham und der Lesestein, Übersetzung 1240, Roger Bacon 1267, Berylle, Murano, Fresko von 1352