Erdbeben verbinden die meisten Menschen mit Italien, der Türkei oder Japan. Doch auch in Deutschland bebt die Erde – meist unmerklich, gelegentlich spürbar und selten mit Schäden. Dieser Artikel zeigt, welche Regionen betroffen sind, wie groß das Risiko nüchtern betrachtet ist und was du vor, während und nach einem Beben tun kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Erdbeben konzentrieren sich auf den Rheinraum, die Schwäbische Alb und Ostthüringen/Westsachsen mit dem Vogtland.
- Das BBK stuft die Wahrscheinlichkeit starker Beben als gering bis mittel ein – in Risikogebieten nicht zu unterschätzen.
- Während des Bebens: im Gebäude bleiben, weg von Fenstern, Schutz etwa unter einem Tisch suchen, keinen Fahrstuhl nutzen.
- Vorsorge heißt vor allem: Schränke mit Dübeln oder Winkeln sichern und Schweres nicht oben ins Regal stellen.
- Erdbebenschäden deckt meist erst der Elementarbaustein der Wohngebäude- oder Hausratversicherung.
Wo in Deutschland die Erde bebt
Erdbeben, die Menschen spüren oder die sogar Schäden anrichten, sind in Deutschland selten. Das schreibt das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam. Die meisten Bruchzonen im Untergrund liegen in drei Schwächezonen der Erdkruste: im Rheinraum, auf der Schwäbischen Alb sowie in Ostthüringen und Westsachsen einschließlich des Schwarmbebengebiets Vogtland.
Im Rheinraum ist nach Angaben des GFZ die Gegend um Aachen und Düren in der Niederrheinischen Bucht am aktivsten. Erhöhte Aktivität gibt es auch um Koblenz, im nördlichen Oberrheingraben zwischen Karlsruhe und Mainz und im südlichen Oberrheingraben. Auf der Schwäbischen Alb liegt der Schwerpunkt um Albstadt. Zusammen mit weiteren Bruchzonen, etwa im Schwarzwald, ist Baden-Württemberg laut GFZ das Bundesland mit der höchsten Erdbebenaktivität.
Im Vogtland treten sogenannte Schwarmbeben auf: viele Beben kurz hintereinander statt eines einzelnen Hauptstoßes. Die stärksten erreichten laut GFZ eine Magnitude von 4,7. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt als Risikogebiete die Kölner Bucht, die Schwäbische Alb südlich von Tübingen, den südlichen Rheingraben und die Umgebung von Gera. Der übrige Teil Deutschlands ist nach dem GFZ nicht völlig bebenfrei, zeigt aber nur vereinzelte Aktivität.
Erdbebenzonen: was die Karte sagt
Wie erdbebensicher gebaut werden muss, regeln Baunormen. Der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg nennt dafür die DIN 4149 und die neuere DIN EN 1998 mit nationalem Anhang (NA). Die zugehörige Erdbebenzonenkarte stellen die Länder bereit, in Baden-Württemberg das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen.
Die Karte zeigt nach Angaben des BBK die Erdbebenzonen 0 bis 3, die den Gefährdungsgraden entsprechen. Zone 3 steht für die Regionen mit der größten Erdbebengefährdung. Wer nicht in einer dieser Zonen wohnt, lebt in einem Gebiet, in dem Beben nur vereinzelt vorkommen – ausgeschlossen sind sie auch dort nicht.
Für den Alltag ist die Karte vor allem beim Bauen, Kaufen und Umbauen wichtig. Das BBK rät, sich über die Anforderungen an die Erdbebensicherheit von Neu- und Bestandsbauten zu informieren und beim Kauf oder bei der Nutzung eines Gebäudes daran zu denken. Günstig sind laut BBK kompakte Baukörper mit symmetrischem Grundriss und gut ausgesteifte Wände.
Video: Erdbeben – Wie man Gebäude davor schützt (Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe) – Erklärfilm des BBK (4 Minuten) aus der Reihe „Baulicher Bevölkerungsschutz“: wie Erdbeben entstehen und wie man Haus und Wohnung vor Schäden schützt.
Zwei Beben, an die man sich erinnert
Am 3. September 1978 bebte die Erde bei Albstadt auf der Schwäbischen Alb mit einer Magnitude von 5,7. Das GFZ ordnet es als eines von drei Schadenbeben in dieser schmalen Zone ein: 1911 mit Magnitude 6,1 und 1943 bebte es dort ebenfalls. Diese Zone hat im 20. Jahrhundert den weitaus größten Teil der Erdbebenenergie in Deutschland freigesetzt.
Am 13. April 1992 folgte das Beben von Roermond im deutsch-niederländischen Grenzgebiet mit der Stärke 5,9 auf der Richterskala. Nach dem Geologischen Dienst NRW war es das stärkste Beben im Rheinland seit 1756. In Nordrhein-Westfalen wurden mehr als 30 Menschen verletzt, hauptsächlich durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel. Den Sachschaden auf deutscher Seite beziffert der Geologische Dienst auf ca. 150 Millionen DM.
Das Roermond-Beben kündigte sich durch keinerlei erkennbare Vorzeichen an. Danach folgten mehr als 150 schwächere Beben, vor allem in den ersten 24 Stunden. Für dich heißt das: Schutz vor Dingen, die herabfallen, steht im Mittelpunkt – genau darauf zielen die Verhaltensregeln weiter unten.
| Beben | Datum | Magnitude | Quelle |
|---|---|---|---|
| Albstadt (Schwäbische Alb) | 3. September 1978 | 5,7 | GFZ |
| Roermond (Grenzgebiet NL/NRW) | 13. April 1992 | 5,9 | Geologischer Dienst NRW, GFZ |
Wie groß das Risiko wirklich ist
Das BBK stuft die Wahrscheinlichkeit für starke Beben in Deutschland als gering bis mittel ein. Sie sollte aber in Risikogebieten nicht unterschätzt werden. Das ist eine ehrliche Einordnung: Kein Grund zur Sorge im ganzen Land, aber ein Grund, sich in den genannten Regionen einmal damit zu befassen.
Das GFZ nennt mittlere Wiederkehrzeiten: Beben der Magnitude 5,1 kommen in Deutschland im Mittel etwa alle 10 Jahre vor, Beben der Magnitude 5,8 im Mittel alle 50 Jahre. Die historisch größten Magnituden um 6,1 treten im Mittel etwa alle 100 Jahre auf. Für die Niederrheinische Bucht schätzt der Geologische Dienst NRW, dass ein Beben der Stärke des Roermond-Bebens im langfristigen Mittel etwa alle 150 Jahre vorkommt – ein weiteres sei aber jederzeit möglich.
Vorhersagen lassen sich Erdbeben nicht, schreibt der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg. Deshalb setzt die Vorsorge vorher an: an sicheren Gebäuden, an einer aufgeräumten Wohnung und an ein paar Handgriffen, die du im Ernstfall kennst.
Vorsorge in der Wohnung
Die wirksamste Vorsorge ist unspektakulär. Das BBK empfiehlt für erdbebengefährdete Gebiete vor allem, dass nichts umfallen oder herabstürzen kann und dass Wege frei bleiben:
- Umsturzgefährdete Möbel wie Schränke mit Dübeln oder Winkeln an der Wand sichern.
- Schwere Gegenstände und Gläser nicht in die oberen Regalbereiche stellen.
- Weder Möbel noch andere Gegenstände in Treppenhäuser und Flure stellen.
- Notfallgepäck bereithalten, falls es zu einer Evakuierung kommt.
- Fluchtwege und Notausgänge kennen.
Tipp Geh einmal bewusst durch die Wohnung und schau, was über Betten, Sofa und Schreibtisch hängt oder steht. Dort verbringst du viel Zeit – dort sollte nichts Schweres herunterfallen können.
Während des Bebens: drinnen und draußen
Im Ernstfall bleibt keine Zeit zum Nachlesen. Deshalb lohnt es sich, die Regeln vorher zu kennen. Das BBK gibt für die Zeit während eines Erdbebens diese Regeln: Bleib im Gebäude, denn beim Hinauslaufen kannst du durch herabfallende Gegenstände verletzt werden. Halte dich von Fenstern und Glastüren fern, weil Glassplitter dich verletzen können. Such Schutz, zum Beispiel unter einem Tisch oder in einer Türzarge. Und meide Fahrstühle.
Bist du im Freien, meide laut BBK die Nähe von Bauwerken. Das passt zu den Erfahrungen aus Roermond: Die meisten Verletzungen entstanden dort durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel. Halte also Abstand zu Fassaden und Dächern, bis die Erschütterungen vorbei sind.
Nach dem Beben
Wenn es aufhört zu wackeln, ist es noch nicht ganz vorbei. Das BBK nennt für die Zeit danach diese Schritte:
- An die Gefahr von Nachbeben denken.
- Bei schweren Bauschäden das Gebäude sofort verlassen und erst wieder betreten, wenn ein Sachverständiger es für unbedenklich hält.
- Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und Strom bis zur Prüfung abstellen.
- Verletzten oder verschütteten Menschen helfen und Erste Hilfe leisten.
- Bei Verletzungen, Bränden oder Wasserschäden den Notruf der Feuerwehr wählen: 112.
Achtung Erdbeben können Gas-, Wasser- und Stromleitungen unterbrechen. Beim Bruch von Gasleitungen besteht nach dem BBK Brand- und Explosionsgefahr. Wie du dich bei Gasgeruch verhältst, beschreibt der Artikel zu Gasgeruch in Wohnung und Treppenhaus.
Versicherung: Erdbeben ist ein Elementarschaden
Erdbeben zählt nach der Verbraucherzentrale zu den Elementarschäden. Sturm-, Hagel- und Blitzschäden deckt die Wohngebäude- beziehungsweise die Hausratversicherung ab. Für Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben oder Schneedruck brauchst du dagegen meist einen zusätzlichen Elementarschadenschutz. Einzelne Gefahren lassen sich dabei in der Regel nicht separat ab- oder zuwählen.
Wichtig ist eine Einschränkung: Versicherungsschutz für Erdbeben, Erdsenkung oder Erdrutsch besteht laut Verbraucherzentrale nur, wenn das Ereignis naturbedingt ist. Schäden durch menschlichen Einfluss, etwa durch Steinkohleabbau oder Bautätigkeiten, sind nicht versichert. Schau in deinen Versicherungsschein, ob Erdbeben bei den versicherten Gefahren genannt ist. Mehr dazu steht im Artikel über Elementarschäden und Versicherungen.
Hast du ein Beben gespürt, kannst du es dem Landeserdbebendienst deines Landes melden. Solche Wahrnehmungen sind laut Landeserdbebendienst Baden-Württemberg von erheblicher Bedeutung, weil nur so die örtlich unterschiedlichen Auswirkungen erfasst werden.
Häufige Fragen
Soll ich bei einem Erdbeben aus dem Haus rennen?
Nein. Das BBK rät, im Gebäude zu bleiben, weil beim Hinauslaufen herabfallende Gegenstände verletzen können. Such Schutz etwa unter einem Tisch und halte dich von Fenstern fern.
Kann man Erdbeben vorhersagen?
Nein. Der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg schreibt ausdrücklich, dass sich Erdbeben nicht vorhersagen lassen. Deshalb gibt es Bauvorschriften und die Vorsorge in der Wohnung.
Woher weiß ich, ob mein Wohnort betroffen ist?
Die Erdbebenzonenkarte zu DIN EN 1998/NA zeigt die Zonen 0 bis 3; die Länder stellen sie bereit. Das BBK nennt als Risikogebiete Kölner Bucht, Schwäbische Alb, südlichen Rheingraben und die Umgebung von Gera.
Zahlt meine Wohngebäudeversicherung bei Erdbebenschäden?
Meist nur, wenn ein Elementarschadenschutz vereinbart ist. Laut Verbraucherzentrale ist Erdbeben ein Elementarschaden und nur versichert, wenn das Beben naturbedingt ist.
Quellen
- Geologische Gefahr: ErdbebenBundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Risikoeinstufung gering bis mittel, Risikogebiete, Erdbebenzonen 0 bis 3, Vorsorge, Verhalten während und nach dem Beben
- Seismicity in Germany in global contextDeutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) · Erdbebenregionen, Albstadt 1978 und 1911, Vogtland, mittlere Wiederkehrzeiten (englischsprachig)
- Erdbeben bei Roermond am 13. April 1992Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen · Stärke, Verletzte, Sachschaden, Nachbeben und Wiederkehr des Roermond-Bebens
- ErdbebenLandesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Landeserdbebendienst) · Keine Vorhersage möglich, DIN 4149 und DIN EN 1998 NA, Erdbebenzonenkarte, Meldung gespürter Beben
- Versicherungsschutz gegen ElementarschädenVerbraucherzentrale · Erdbeben als Elementarschaden, Zusatzbaustein, nur naturbedingte Ereignisse versichert
