Der Strom ist weg, und vor der Tür steht ein Elektroauto mit einem großen Akku. Da liegt die Frage nahe: Kann das Auto nicht einfach das Haus versorgen? Dieser Artikel ordnet ehrlich ein, was in Deutschland heute geht, was erst im Aufbau ist und was du lassen solltest. Außerdem geht es darum, warum Laden und Tanken im Ausfall schwierig werden und wie du die Reichweite schonst.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Stromausfall laden Wallbox und Ladesäule in aller Regel nicht – was im Akku ist, ist deine Reserve.
- Auch Tanken ist unsicher: Zapfsäulen funktionieren laut BBK nur mit Strom.
- Das Haus aus dem Auto versorgen (V2H) ist heute die Ausnahme und immer Sache des Fachbetriebs.
- Einzelne Geräte an der vom Hersteller vorgesehenen Steckdose am Auto – ja. Ins Hausnetz – nie.
- Fahr nicht gewohnheitsmäßig leer: Ein geladenes E-Auto hält im Stand viele Stunden Heizung durch.
Laden und Tanken hängen beide am Netz
Eine Wallbox hängt an der Elektroinstallation deines Hauses, eine öffentliche Ladesäule am Stromnetz. Fällt das Netz aus, liefern beide in aller Regel keinen Strom. Das Auto lädt dann weder zu Hause noch unterwegs, bis die Versorgung zurück ist. Der Ladestand zu Beginn des Ausfalls ist damit deine Reserve – so wie der Füllstand beim Verbrenner.
Der Verbrenner ist dabei weniger im Vorteil, als viele denken. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt in seiner Fachinformation zur Treibstoffversorgung bei Stromausfall, dass Zapfsäulen nur stromgebunden funktionieren und manche Tankstellen zusätzlich ein funktionierendes Kassensystem brauchen. Eine Notstromversorgung gehört laut BBK nicht zu den Standards, die die großen Mineralölgesellschaften ihren Markentankstellen vorgeben.
Treibstoff selbst ist nach Einschätzung des BBK genug da; schwierig ist die Verteilung auf der „letzten Meile“. Das BBK empfiehlt den Katastrophenschutzbehörden, in jedem Kreis mindestens eine Tankstelle für den Stromausfall auszurüsten und Treibstoff nach einer Rangfolge auszugeben – vorrangig an Einsatzkräfte und Betreiber wichtiger Infrastruktur. Für dich heißt das: Verlass dich nicht darauf, im Ausfall nachtanken oder nachladen zu können.
Die ehrliche Antwort auf die Hausfrage
Kann das Auto das Haus versorgen? Heute in den allermeisten Fällen nicht. Technisch ist es möglich, ein Elektroauto als Stromquelle zu nutzen; das nennt man bidirektionales Laden. Die Verbraucherzentrale beschreibt den Stand so: Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden, aber noch nicht im Markt etabliert. Erste verfügbare Technik ist noch sehr teuer, und für eine flächendeckende Anwendung sind viele regulatorische Fragen offen. Wallbox und Fahrzeug müssen beide dafür ausgelegt sein.
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN), in dem Netzbetreiber, Hersteller, Handwerk und Wissenschaft technische Hinweise erarbeiten, hielt im Februar 2024 fest: Bis auf wenige Ausnahmen sind die vorhandenen Ladeeinrichtungen und Elektrofahrzeuge mit dem in Europa üblichen Ladesystem CCS nicht rückspeisefähig. Umgesetzt wurde das Rückspeisen bis dahin vor allem in Pilotprojekten, weil die nötigen Normen noch nicht darauf erweitert waren.
Hinter dem Schlagwort „bidirektional“ stecken nach dem VDE FNN vier verschiedene Anwendungen, die oft durcheinandergehen:
- V2L (Vehicle to Load): Das Auto dient als mobile Steckdose für einzelne Geräte – ohne Verbindung zur Hausinstallation.
- V2H im Inselbetrieb (Vehicle to Home): Das Auto versorgt ein Gebäude, das vom Stromnetz getrennt ist – das ist der Fall für den Stromausfall.
- V2H im Netzparallelbetrieb: Das Auto dient als Zwischenspeicher, etwa für Solarstrom, und bleibt über die Hausinstallation mit dem Netz verbunden.
- V2G (Vehicle to Grid): Das Auto speist auch ins öffentliche Netz zurück, meist gebündelt mit vielen anderen Fahrzeugen.
Tipp Für den Stromausfall zählt nur der Inselbetrieb. Der VDE FNN nennt dafür ausdrücklich die Trennung vom Versorgungsnetz als Bedingung. Wer „bidirektional“ in einer Produktbeschreibung liest, sollte deshalb nachfragen, welche der vier Anwendungen gemeint ist.
Was sich rechtlich gerade ändert – und was nicht
Rechtlich bewegt sich etwas, allerdings vor allem beim Alltag, nicht beim Notstrom. Mit dem sogenannten Stromspitzengesetz sind laut Bundesnetzagentur neue Regeln im Erneuerbare-Energien-Gesetz und im Energiefinanzierungsgesetz in Kraft getreten. Sie sollen die aktive Marktteilnahme samt bidirektionaler Nutzung von Stromspeichern und Ladepunkten für Elektroautos in Kombination mit Solar- oder anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen erleichtern.
Die Einzelheiten regelt die Festlegung MiSpeL (Marktintegration von Speichern und Ladepunkten), die die Bundesnetzagentur am 1. Oktober 2026 beschlossen hat. Sie macht Ladepunkte, die auch zurückspeisen können, erstmals anteilig förderfähig; insoweit werden sie Stromspeichern gleichgestellt.
Im Alltag kommt das nicht sofort überall an. Bis Ende September 2027 gilt eine Übergangszeit: So lange lassen sich die neuen Regeln nur nutzen, wenn Netzbetreiber und Messstellenbetreiber einverstanden sind. Für eine der beiden neuen Varianten, die vereinfachte Pauschaloption, muss laut Bundesnetzagentur zudem noch eine beihilferechtliche Genehmigung abgewartet werden. Dieser Artikel gibt den Stand vom 2. Oktober 2026 wieder.
Wichtig für die Einordnung: Dabei geht es um Abrechnung, Förderung und den Betrieb am Netz, also um Strom, der ins Netz zurückfließt. Eine Notstromfunktion für dein Haus entsteht dadurch nicht. Ob Auto und Wallbox überhaupt zurückspeisen können, hängt weiterhin von beiden Geräten ab, und der Anschluss bleibt Sache von Fachbetrieb und Netzbetreiber.
Das Haus am Auto: nur mit Netztrennung und Fachbetrieb
Soll ein Auto dein Haus irgendwann bei Ausfall versorgen, muss das Haus zuverlässig vom öffentlichen Netz getrennt sein, bevor das Auto Strom liefert. Wie das technisch umgesetzt wird, steht bewusst nicht in diesem Artikel. Es ist eine Arbeit an der festen Elektroinstallation, und die ist klar geregelt.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Ladestationen nur vom Elektro-Fachbetrieb installiert werden dürfen und vorher beim Netzbetreiber angemeldet oder gegebenenfalls genehmigt werden müssen. Für bidirektionale Ladeeinrichtungen ist laut VDE FNN generell die Zustimmung des Netzbetreibers einzuholen. Und nach der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten an der elektrischen Anlage außer vom Netzbetreiber nur von einem Elektrofachbetrieb ausgeführt werden, der in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist.
Wenn du dir die Möglichkeit offenhalten willst, frag beim Kauf von Auto oder Wallbox gezielt nach: Unterstützen beide das Rückspeisen, und zwar im Inselbetrieb bei Netzausfall? Leg die Antwort zu deinen Unterlagen – so wie bei einer Solaranlage, deren Not- und Ersatzstrom der Artikel PV-Anlage und Heimspeicher bei Stromausfall erklärt.
Achtung Rechtslage: Arbeiten an der Hausinstallation dürfen nur eingetragene Elektrofachbetriebe ausführen; bidirektionale Ladeeinrichtungen brauchen die Zustimmung des Netzbetreibers. Gefahr: Wer Strom aus dem Auto über ein Kabel in eine Haussteckdose schickt, speist zurück – er legt Spannung auf Leitungen, die als abgeschaltet gelten, gefährdet Menschen, die am Netz arbeiten, und umgeht die Schutzeinrichtungen im Haus. Der VDE FNN betont: Hat eine Anlage weitere Stromquellen, ist beim Abschalten darauf zu achten, dass alle Stromquellen von der Anlage getrennt werden. Zuständig sind Elektrofachbetrieb und Netzbetreiber. Mehr dazu in Notstrom sicher betreiben.
Die Steckdose am Auto: einzelne Geräte, mit Grenzen
Was es bei manchen Modellen schon gibt, ist eine Steckdose am oder im Auto, oft unter dem Namen „Vehicle to Load“ (V2L). Der VDE FNN beschreibt sie als mobile Energiequelle für typische 230-Volt-Geräte, wenn keine feste Stromversorgung da ist; als Beispiele nennt er einen Elektrogrill oder elektrische Gartengeräte. Entscheidend ist: V2L hat keine Anbindung an die Gebäudeinstallation und damit keine direkte Rückwirkung auf das Stromnetz.
Im Stromausfall kann das helfen, einzelne wichtige Geräte direkt zu betreiben, etwa eine Lampe, ein Radio oder das Ladegerät fürs Handy. Ob dein Auto diese Funktion hat und welche Leistung die Steckdose abgibt, steht in der Betriebsanleitung. Nutze sie nur so, wie der Hersteller sie vorsieht.
Denk daran, dass jede Kilowattstunde aus dem Akku im Ausfall fehlt. Der VDE FNN beschreibt, dass die im V2L-Betrieb entnommene Energie anschließend in einem normalen Ladevorgang wieder zugeführt wird – genau der ist im Stromausfall nicht möglich. Plane die Steckdose am Auto deshalb als Ergänzung, nicht als Ersatz für Taschenlampen, Radio und Powerbanks aus deinem Vorrat, wie ihn der Artikel Stromausfall: Was wirklich ausfällt beschreibt.
- Geräte nur direkt an der Steckdose des Autos anschließen – nie über Verlängerung oder Mehrfachsteckdose mit einer Wandsteckdose verbinden.
- Die Leistungsgrenze aus der Betriebsanleitung einhalten.
- Einen Rest im Akku lassen, damit du fahren kannst, wenn du musst.
Reichweite schonen, wenn Nachladen unsicher ist
Die gute Nachricht: Ein Elektroauto braucht im Stand vergleichsweise wenig Energie. Der ADAC, ein eingetragener Verein, hat in einem älteren Test zwei kleinere Elektroautos eine Nacht lang bei strengem Frost von minus 9 bis minus 14 Grad Celsius stehen lassen – mit 22 Grad Innenraumtemperatur, eingeschalteter Sitzheizung und Standlicht. Nach 12 Stunden waren je nach Modell etwa 70 bis 80 Prozent des Akkus verbraucht; der Leistungsbedarf lag bei rund 2 bis 3 Kilowatt. Rechnerisch hätten die Akkus mit 52 und 32,3 Kilowattstunden etwa 17 und 15 Stunden gereicht.
Das zeigt aber auch: Wie lange es reicht, hängt davon ab, wie voll der Akku zu Beginn ist. Um Strom zu sparen, rät der ADAC:
- Die Innenraumheizung etwas niedriger stellen, lieber die sparsamere Sitzheizung nutzen und eine Jacke anziehen.
- Die Heizung auf Umluft schalten.
- Türen und Fenster nicht länger offen halten als nötig.
- Unnötige Verbraucher wie Front- und Heckscheibenheizung ausschalten; im Stau bleibt das Standlicht aus Sicherheitsgründen an.
Tipp Vergiss die kleine 12-Volt-Batterie nicht, die das Bordnetz versorgt. Laut ADAC-Pannenstatistik gingen 2025 45,4 Prozent der Pannen auf eine leere Batterie zurück. Elektroautos sind davon deutlich seltener betroffen, haben aber häufig Pannen wegen der Bordelektronik: Ihre 12-Volt-Batterie ist laut ADAC anfällig und wird oft schneller entladen. Ein Grund kann sein, dass das Auto häufig per App „aufgeweckt“ wird. Im Ausfall also: das Auto nicht unnötig per App wecken.
Vorbereiten: nicht leer fahren, Plan B haben
Die wichtigste Vorsorge kostet nichts: Fahr nicht gewohnheitsmäßig mit fast leerem Akku. Der ADAC empfiehlt, bei kritischen Bedingungen die Batterie frühzeitig nachzuladen, um stets genügend Puffer für unvorhergesehene Situationen zu haben. Für Benziner und Diesel gilt dieselbe Gewohnheit beim Tank – mehr dazu im Artikel Im Auto festsitzen.
Kläre außerdem in Ruhe, bevor etwas passiert, was dein Auto kann und was nicht. Die folgenden Fragen helfen dabei:
- Hat mein Auto eine Steckdose für Geräte (V2L), und welche Leistung gibt sie ab?
- Können Auto und Wallbox zurückspeisen – und wenn ja, im Inselbetrieb mit Netztrennung, eingerichtet vom Fachbetrieb und mit Zustimmung des Netzbetreibers?
- Wie viel Ladestand halte ich im Alltag mindestens vor?
- Liegt im Winter eine warme Decke im Auto? Der ADAC hält das unabhängig von der Antriebsart für ratsam.
Tipp Wenn der Strom zurückkommt, starte das Laden nicht sofort. Warum du starke Verbraucher wie die Wallbox erst später einschaltest, erklärt der Artikel Wenn der Strom zurückkommt.
Häufige Fragen
Kann ich mein Haus mit dem E-Auto versorgen, wenn der Strom ausfällt?
In aller Regel nicht. Dafür müssen Auto und Wallbox rückspeisefähig sein, und das Haus muss vom Netz getrennt werden – das richtet nur ein eingetragener Elektrofachbetrieb mit Zustimmung des Netzbetreibers ein. Bidirektionales Laden ist laut Verbraucherzentrale noch nicht im Markt etabliert.
Darf ich die Steckdose am Auto mit einem Kabel an eine Haussteckdose anschließen?
Nein. Damit würdest du ins Hausnetz zurückspeisen, die Schutzeinrichtungen umgehen und womöglich Menschen gefährden, die am Netz arbeiten. Schließ Geräte nur direkt an der Steckdose des Autos an.
Kann ich mein E-Auto im Stromausfall irgendwo laden?
Verlass dich nicht darauf. Wallbox und öffentliche Ladesäulen brauchen Strom aus dem Netz, und auch Zapfsäulen funktionieren laut BBK nur mit Strom. Was im Akku ist, ist deine Reserve.
Wie lange kann ich im Winter im stehenden E-Auto heizen?
In einem älteren ADAC-Test bei strengem Frost waren nach 12 Stunden je nach Modell etwa 70 bis 80 Prozent des Akkus verbraucht. Wie lange es bei dir reicht, hängt von Ladestand, Akkugröße und Einstellungen ab.
Was bringt die MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur?
Bidirektionale Ladepunkte werden darin erstmals anteilig förderfähig und insoweit Stromspeichern gleichgestellt – bis Ende September 2027 nur im Einverständnis mit Netz- und Messstellenbetreiber. Eine Notstromfunktion für dein Haus schafft sie nicht.
Quellen
- Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL), Az. 618-25-02 (Stand der Seite 1. Oktober 2026)Bundesnetzagentur · Stromspitzengesetz; Festlegung am 1. Oktober 2026 beschlossen; Ladepunkte erstmals anteilig förderfähig und insoweit Stromspeichern gleichgestellt; Übergangszeit bis Ende September 2027 nur mit Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber; Pauschaloption wartet auf beihilferechtliche Genehmigung. Im auf der Seite verlinkten Tenor mit Begründung: Ziffern 8 und 9 (Wirksamkeit, Übergang bis 30.09.2027), erfasst sind ausschließlich bidirektional nutzbare Ladepunkte
- Elektroauto: Mit eigener Ladestation Solarstrom vom Dach laden (Stand 24. Juli 2025)Verbraucherzentrale · Bidirektionales Laden noch nicht im Markt etabliert, teuer, regulatorische Fragen offen; V2H und V2G; Installation nur durch Fachbetrieb mit Anmeldung beim Netzbetreiber
- VDE FNN Hinweis Bidirektionales Laden – Laden und Rückspeisen von Elektrofahrzeugen aus Sicht des Stromnetzes (Version 1.0, Februar 2024)Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN), technisches Fachgremium des Verbands VDE · Marktstand (Bestand bis auf Ausnahmen nicht rückspeisefähig), Anwendungsfälle V2L, V2H Insel- und Netzparallelbetrieb, V2G, Netztrennung, Zustimmung des Netzbetreibers, alle Stromquellen beim Abschalten trennen, NAV
- Treibstoffversorgung bei Stromausfall – Praxis im Bevölkerungsschutz, Band 18 (Stand Juli 2017)Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) · Zapfsäulen nur stromgebunden, Kassensysteme, keine Notstromversorgung als Standard der Markentankstellen, kein Mengenproblem, Schwerpunkt-Tankstellen und Priorisierung
- Kältetest E-Auto: Wie lange halten Elektroautos im Stau aus?ADAC e.V. (Verein) · Älterer 12-Stunden-Test bei Frost (Seite undatiert), Akkuverbrauch und Leistungsbedarf, Stromspartipps, frühzeitig nachladen, Decke an Bord
- ADAC Pannenstatistik 2026ADAC e.V. (Verein) · Starterbatterie als häufigste Pannenursache (45,4 Prozent 2025), 12-Volt-Batterie bei Elektroautos, Aufwecken per App
